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Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand

Später erst habe ich begriffen, daß in einer Gesellschaft, die den Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlt (darüber gibt es nichts zu reden), daß bei uns noch andere ungeschriebene Gesetze walten, die in einer von Männern beherrschten Welt gemacht worden sind, – die werden mitgeschleppt, zäh und dumm und als ein Joch, unter das man unseren Nacken beugt, nicht anders als das verfluchte Man-tut-das-nicht meiner Eltern …

Soll das heißen: sie stellt die Prinzipien des sozialistischen Städtebaus in Frage? Die Dogmen – ja, sagte sie. Schafheutlin stemmte die Fersen gegen den Boden. Die Komplexe zum Beispiel? – Ein Haufen Angerdörfer. – Aber die ökonomisch günstigste Lösung. – Aber Mord an der Stadt. – Für sie spielt Ökonomie natürlich keine Rolle. – Und Sie denken nur in Wohnungseinheiten …

Mit diesen Zitaten sind zwei zentrale Stränge des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann hervorgekehrt: Die Emanzipation der Frau und die Frage des Städtebaus in der DDR. Was „Franziska Linkerhand“ – ebenso wie die Literaturverfilmung „Unser kurzes Leben“ von Lothar Warneke – gegenüber den meisten heutigen Literaturerzeugnissen auszeichnet, ist, dass das Alltags- und Berufsleben und die damit verbundenen Konflikte zum Sujet erhoben werden, ohne dass der Inhalt dadurch banal würde. Ich habe den Roman gemeinsam mit meiner Kollegin Christina im Morgenmagazin von Radio Corax vorgestellt:

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