Tag-Archiv für 'ddr'

Wutpilger Streifzüge 11-2020

Die November-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge setzt sich mit der Geschichte einer Demonstration auseinander, die am 3. Oktober 1990 in Berlin stattfand. Unter dem Motto „Deutschland halt’s Maul – es reicht!“ hatten autonome Gruppen aus Ost und West zu „Aktionstagen für den Wiederzusammenbruch“ mobilisiert. Die Sendung geht außerdem der Frage nach, wie die Opposition in der DDR zur Frage der Wiedervereinigung stand. Zu Wort kommen Dirk Teschner, Bernd Gehrke und Konstantin Behrends. Einige Samples sind aus einer autonom Produzierten Doku über die Demo und die anschließenden Krawalle am 03.10.1990 entnommen (Teil 1 | Teil 2). Das Interview mit Dirk Teschner kann in seiner Roh-Version hier gehört werden – das mit Konstantin Behrends hier (verwiesen sei auch auf die Webdokumentation 2.Oktober’90).

In diesem Monat werden zwei Versionen der Sendung zur Verfügung gestellt. Die ein-stündige Radio-Version ist bündiger und gerad-liniger:

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Die Online-Extended-Version ist etwas verspielter und umständlicher. Der Exkurs zur Vereinigten Linken ist hier ausführlicher – dazu kommen zusätzlich Erhard Weinholz und Thomas Kupfer zu Wort (das ausführliche Gespräch mit Weinholz ist hier zu hören, das Interview mit Thomas Kupfer ist von hier entnommen – zur Vereinigten Linken ist außerdem aktuell eine Broschüre erschienen). Montiert sind außerdem Auszüge aus dem Aufruf zur Deutschland-halt’s-Maul-Demo aus der BesetzerInnen-Zeitung N°6.

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Weitere Verweise:

Sendung mit Bernd Gehrke (Betriebskämpfe 1990-94)
Ivan Tuw: Die Helden sind leise
Zur politischen Ökonomie des Ostens

Wutpilger Streifzüge 10-2019

Die Oktober-Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ ist eine Vertonung des Textes „Die Helden sind leise“ von Ivan Tuw. Ihr hört den ersten Teil des Textes – „Heroische Jammerlappen“. Es geht darin um die ostdeutsche Misere, um die verworrene und schwerlastende Vergangenheit von DDR und sogenannter Wende und um das, was sich dieser Misere entgegensetzt.

Musik: Assel, Stinkhole, Bloodsport, L‘Attentat.

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Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand

Später erst habe ich begriffen, daß in einer Gesellschaft, die den Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlt (darüber gibt es nichts zu reden), daß bei uns noch andere ungeschriebene Gesetze walten, die in einer von Männern beherrschten Welt gemacht worden sind, – die werden mitgeschleppt, zäh und dumm und als ein Joch, unter das man unseren Nacken beugt, nicht anders als das verfluchte Man-tut-das-nicht meiner Eltern …

Soll das heißen: sie stellt die Prinzipien des sozialistischen Städtebaus in Frage? Die Dogmen – ja, sagte sie. Schafheutlin stemmte die Fersen gegen den Boden. Die Komplexe zum Beispiel? – Ein Haufen Angerdörfer. – Aber die ökonomisch günstigste Lösung. – Aber Mord an der Stadt. – Für sie spielt Ökonomie natürlich keine Rolle. – Und Sie denken nur in Wohnungseinheiten …

Mit diesen Zitaten sind zwei zentrale Stränge des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann hervorgekehrt: Die Emanzipation der Frau und die Frage des Städtebaus in der DDR. Was „Franziska Linkerhand“ – ebenso wie die Literaturverfilmung „Unser kurzes Leben“ von Lothar Warneke – gegenüber den meisten heutigen Literaturerzeugnissen auszeichnet, ist, dass das Alltags- und Berufsleben und die damit verbundenen Konflikte zum Sujet erhoben werden, ohne dass der Inhalt dadurch banal würde. Ich habe den Roman gemeinsam mit meiner Kollegin Christina im Morgenmagazin von Radio Corax vorgestellt:

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