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Now they‘ve changed their tune

„Katie Cruel“ von Karen Dalton gehört meines Erachtens zu einem der schönsten Songs der Country- bzw. Folk-Geschichte um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Allein die raue Stimme von Karen Dalton erzählt etwas von dem Leben, das sie geführt hat: ein Leben voll Armut in Bars und Spelunken, enttäuschende Liebesbeziehungen, der ausbleibende musikalische Erfolg, Alkohol, Heroin und Exzess, das Leben auf der Straße – all das ist in ihre ausdrucksstarke Stimme eingegangen, als ein Instrument, das so unmittelbar mit dem eigenen Körper verbunden ist. Auch der Text von „Katie Cruel“ – ein traditioneller schottischer Folk-Song, der in seiner amerikanischen Version die Ereignisse des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs verarbeit – erzählt etwas von diesen Erfahrungen: Die Desituiertheit einer Frau, der es nicht gelingt, sich in die geltenden Regeln einzufügen, die deshalb keinen festen Ort finden kann, deren Örtlichkeit durch die Vergeblichkeit des Wünschens auf seltsame Weise raum-zeitlich verschoben ist: Oh that I was where I would be, Then I would be where I am not, Here I am where I must be, Go where I would, I can not. So ist diese Frau auf doppelte Weise getrieben: Von den anderen Menschen und von ihrem eigenen Verlangen (als zurückblickende Fliehende ist Karen Dalton auch auf dem Cover ihres Albums „In my own time“ zu sehen). Zuerst war diese Frau für ihre Schönheit bewundert worden – dann jedoch wird sie von den Leuten in Katie Cruel umbenannt. Diese Umbenennung markiert ein Ereignis – vielleicht ein Verbrechen, das sie begangen hat oder etwas, das ihr selbst angetan wurde, ihr aber als Schande angehängt wird? –, das selbst nicht aussprechbar ist. So ist Katie die Grausame in Ungnade gefallen und läuft durch den Wald und das Moor, schließlich die Straße herunter, als ob sie verfolgt würde, aber doch auch ihrer eigenen Liebe nach. Diese Gleichzeitigkeit von Flucht und Verlangen drückt sich in der Version von Karen Dalton auch auf der musikalischen Ebene aus: Ihre Stimme läuft beinahe hastend über die Banjo-Klänge, die selbst wie ein kieselig-unebener Boden klingen. Ein unglaublich schönes, trauriges Lied – Karon Dalton stand in der Rezeption zu Unrecht hinter Folk-Größen wie Bob Dylan zurück.

Wutpilger-Streifzüge 10-2017

In der Oktober-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bersarin geführt. Anlass war ein Vortrag von ihm in Weimar (siehe hier) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel & Revolution“. Es geht in dem Interview um politische Sozialisierung, um das Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik, Ästhetik und Gewalt, revolutionäre Perspektiven heute und die Ästhetik des Punk. Musik: Jonny Kurt vs. Hank the Tank.

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Wutpilger-Streifzüge 09-2017

In der September-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Jakob Hayner geführt. Anlass war ein Eröffnungsvortrag von Jakob zu einer Filmvorführung im Rahmen der Sendereihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ (siehe hier). Im Interview geht es um politische Sozialisierung, Kritik und Würdigung der Antifa-Bewegung, DDR-Literatur und um revolutionäre Perspektiven heute.

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Wutpilger-Streifzüge 08-2017

In der August-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bernd Gehrke geführt. Anlass war eine Tagung des AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost/West, die im Juli unter dem Titel „Ostwind – Soziale Kämpfe gegen Massenentlassungen und Betriebsschließungen in Ostdeutschland 1990 bis 1994“ in Berlin stattgefunden hat. Es handelt sich um ein vergessenes Kapitel von Klassenkämpfen in der jüngeren Geschichte. Eine Kurzform des Interviews findet sich hier.

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Anforderungen des Regierens

Folgender Text von mir ist in der gerade eben erschienen Corax-Programmzeitung für August/September 2017 erschienen. Die ganze Ausgabe kann hier per issuu angesehen oder als PDF heruntergeladen werden. Neben meinem Text sind auch lesenswerte Beiträge u.a. von Jakob Hayner und Peter Schadt enthalten. Einige der im Heft angesprochenen Punkte werden auch im tagesaktuellen Programm von Radio Corax wieder auftauchen: 95.9 FM oder webstream.

Gegen eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos

Angesichts des Erstarkens rechter Parteien in Europa und des zu erwartenden Einzugs der AfD in den deutschen Bundestag wird zur Zeit vermehrt gefordert, es müsse einen neuen linken Populismus geben. In diesen Forderungen schwingt oft zweierlei mit: Erstens wird als Ursache für den erstarkenden Rechtspopulismus ausgemacht, dass die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in der linken Politik unterrepräsentiert seien – deshalb seien große Teile der Arbeiter_innen nach rechts abgewandert. Zweitens wird als ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Rechtspopulismus vorgeschlagen, dass die linken und sozialdemokratischen Parteien kämpferischer die Sache der Arbeiter_innen in die Politik bringen sollen1 – die Arbeiter_innen würden so die linke Politik besser als ihre Sache erkennen können. Praktisch läuft diese Diagnose dann meistens darauf hinaus, dass die linke Bewegung mit der Linkspartei paktieren müsse2 – konkret findet dies seinen realpolitischen Fluchtpunkt in der Befürwortung einer rot-rot-grünen Koalition.3

Tatsächlich hat sich linke Politik in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den kulturellen Bereich verlagert – materielle Forderungen sind kaum noch offensiv vorgetragene Anliegen der Linken. Dies hat auch einen realpolitischen Effekt: Neoliberale Sozialpolitik wird exekutiert, während eine weitestgehend ›linke‹ Kulturpolitik die Begleitmusik dazu spielt. Dies mag ein Stück weit erklären, warum sich die Linke gegenüber dem Rechtspopulismus in der Defensive befindet. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dem gegenüber eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos wirklich eine geeignete Strategie darstellt. Allein die historische Erfahrung kann Anlass zur Skepsis sein. Immer wenn es kritisch wurde, hat sich die Sozialdemokratie gegen das Interesse der Arbeiter_innen gestellt: als sie die für den ersten Weltkrieg notwendigen Kriegskredite bewilligte, als sie den Spartakusaufstand niederschießen ließ, als sie gemeinsam mit den Grünen die Hartz-Reformen durchsetzte – um nur wenige Beispiele zu nennen. (mehr…)

Radiosplitter #3 – [Sub & Pop]Kultur

Im dritten Sammelbeitrag stelle ich Interviews zusammen, die sich im weitesten Sinne um Kultur drehen. Themen sind: Jüdische Subkultur, Steve Reich, GG Allin, DEFA Filme, Krautrock, Theater, Bertolt Brecht, Arthur Cravan, Punk, Mark Fisher u.a. … Untenstehend findet ihr eine Inhaltsübersicht, in der ihr direkt zu den einzelnen Beiträgen springen könnt – die Interviews sind eher thematisch als chronologisch geordnet. Zum Thema „Kultur/Gegenkultur“ siehe auch die Märzausgabe der Programmzeitung von Radio Corax aus dem letzten Jahr. (mehr…)

Für das Ende der Schüchternheit

Folgender Text ist ein Redebeitrag, den ich am 15.07. auf einer Demonstration für Freiräume gehalten habe.

Im Januar 2016 haben einige Leute in Halle etwas getan, was den üblich geltenden Regeln widerspricht. Sie haben die Tür eines leerstehenden Hauses aufgebrochen, eines Hauses, das sich im Besitz der städtischen Wohnungsgesellschaft befindet – und sie haben öffentlich Anspruch auf die selbstbestimmte Nutzung dieser Räume angemeldet. Eine Hausbesetzung in Halle. Hausbesetzungen unterscheiden sich dahingehend von anderen üblichen Aktionsformen der Linken, als dass hier eine unmittelbare Aneignung stattfindet. Der symbolisch-politische Raum wird verlassen, ein Stück weit werden die herrschenden Eigentumsregeln gebrochen und im Rahmen der angeeigneten Räumlichkeiten beginnt die bewusste Bestimmung über den eigenen Wohn- und Lebensraum. Aus dem Akt einer solchen Regelverletzung, wie es eine Hausbesetzung ist, kann etwas entstehen. Ein Stützpunkt vielleicht, im Anliegen, der totalen Verwaltung zu entgehen. Seit dem die Hafenstraße 7 im letzten Jahr besetzt wurde, ist sie für mich zu einem wichtigen Ort geworden. Die hier anzutreffende Gesellschaft ist meistens angenehm, es ist ein Ort, an dem man mit Sicherheit Leute trifft – auch wenn man am Sonntag Nachmittag verkatert ist, kann man hier Leute treffen, denen es vielleicht ähnlich geht. Die Hafenstraße 7 ist Punkrock – auch, aber nicht nur im musikalischen Sinn – der Ort strahlt eine Art von Energie aus, die sich gegen eine Domestizierung sträubt. Die Hafenstraße 7 ist gleichzeitig hippiesk – darin häufig politisch naiv, dafür aber angenehm unverkrampft im Vergleich zu anderen linken Hausprojekten, in denen allzuoft Dresscodes und Sprachregelungen über den Zugang entscheiden. Das Milieu der Hafenstraße 7 ist angenehm heterogen zusammengesetzt – sowohl was die soziale Herkunft, als auch das Alter betrifft. Kurz: Es ist ein Ort, an dem man angenehm Zeit verbringen kann. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 07-2017

In der Juli-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein Gespräch mit Karl-Heinz Dellwo, Thomas Seibert und Roger Behrens geführt. Im Gespräch diskutieren wir die Frage, ob und inwiefern der Aufbruch von 1968 in eine Niederlage gemündet ist. Das Gespräch ist im Zuge der Corax-Morgenmagazine während der G20-Tage in Hamburg entstanden (siehe hier). Über ein ähnliches Thema habe ich mit Karl-Heinz Dellwo bereits hier gesprochen. Musik: NoMeansNo.

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Inhaltslose Gewalt und berechtigter Protest

Die Bundesrepublik scheint sich auf ein neues Feindbild geeinigt zu haben. Von den Identitären über die CDU, SPD und Grüne, bis zur Linkspartei und der Interventionistischen Linken – alle schimpfen sie seit letztem Wochenende wutschnaubend über linksextreme Steineschmeißer. Die einen fordern jetzt Law and Order und harte Strafen, den anderen ist die Sache etwas peinlich und sie beeilen sich, in der Öffentlichkeit klar zu machen, dass Krawallmacher ganz bestimmt nichts mit der linken Sache zu tun haben. Der G20-Gipfel ist vorüber und es gibt ein Thema, das die Öffentlichkeit ganz und gar bestimmt: linke Gewalt. Insbesondere die Ereignisse im Schanzenviertel am Freitag Abend haben dafür gesorgt, dass in der Öffentlichkeit kaum noch über ein anderes Thema gesprochen wird. Dabei scheint es, als ob sich beim G20-Gipfel das Vortor zur Hölle ein Stück weit geöffnet hätte. In einer solchen Atmosphäre lohnt es sich vielleicht, etwas zurückzutreten, und sich genauer anzuschauen, wie in der Öffentlichkeit über dieses Thema gesprochen wird.

Tonangebend für eine bestimmte Sichtweise war hier sicherlich Vizekanzler Sigmar Gabriel. Der äußerte sich via Bildzeitung am Sonntag folgendermaßen:

Alle angeblichen politischen Motive für diese Orgie an Brutalität sind verlogen und sollen nur das Deckmäntelchen dafür sein, worum es den Tätern aus allen Teilen Europas ging: um Gewalt an sich. Die Täter unterscheiden sich überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich ‚linken Motiven‘ hat das alles nichts zu tun.1

Es ist ein interessanter Vorwurf, der hier gemacht wird. Das Problem ist für Gabriel weniger, dass in Hamburg Gewalt als Mittel für einen bestimmten Zweck eingesetzt wurde – er erhebt den Vorwurf, dass es sich um „Gewalt an sich“ gehandelt habe. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 06-2017

In der Juni-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bernd Gehrke geführt. Anlass des Gesprächs war der 64. Jahrestag des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR. Es geht um die Frage, welchen Charakter dieser Aufstand hatte: Volksaufstand oder Arbeiteraufstand? Bei LabourNet gibt es eine Sammlung von Texten zum Thema.

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Wutpilger-Streifzüge 05-2017

In der Mai-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein Feature gesendet, das ich gemeinsam mit Lilli Helmbold produziert habe. Das Feature beschäftigt sich mit den Debatten, die auf der Tagung „Theater – Realität – Realismus“ geführt worden sind – das heißt, es geht um die Frage des Realismus im Bezug auf das Theater und um eine Kritik des post-dramatischen Theaters. Eine ausführliche Dokumentation der Tagung findet sich hier. Die Auf der Tagung gehaltenen Vorträge gibt es in Textform in der 6. Ausgabe von „Kunst, Spektakel & Revolution“.

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Radiosplitter #2 – Geschichte der Arbeiterbewegung

In meiner Interview-Reihe veröffentliche ich pünktlich zum 1. Mai eine Sammlung von Interviews, die sich der Geschichte der Arbeiterbewegung widmen – und stelle dem ein jüngst geführtes Interview zur Geschichte des 1. Mai voran. Weiterhin folgen in historisch-chronologischer Reihenfolge folgende Themen: Kommunismus in Iowa, Zur Pariser Commune, Louise Michel, Scheitern revolutionärer Anläufe, Erich Mühsam, Marinus van der Lubbe, Rätekommunismus, Roman Rosdolsky und Paul Mattick, Operaismus, und wilde Streiks im Jahr 1969. Beachtet im Zusammenhang dieses Themenkomplexes auch mein Feature über die Mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 und meine Radiosendung über Max Hölz, die hier dokumentiert sind. In diesem Zusammenhang weiterhin interessant: Dissidenten der Arbeiterbewegung (Dokumentation der Reihe im Audioarchiv). Und außerdem: Wer hier ein wenig stöbert, wird entdecken, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung auch mit jener des (freien) Radios verbunden ist. Untenstehend findet ihr eine Übersicht über die gesammelten Interviews, mit der ihr direkt zu den einzelnen Interviews springen könnt. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 04-2017

In der April-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge dreht es sich ausführlich um den revolutionären Arbeiter Max Hoelz. Dafür habe ich ein ausführliches Interview mit Norbert Marohn geführt. Der hat 2014 im Lychatz Verlag eine Hoelz-Biografie veröffentlicht. Ergänzend sei auf mein Feature über die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 hingewiesen. Die Sendung enthält Tonspur-Auszüge aus den Filmen „Wolz – Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten“ und „Max Hölz, der Revolutionär“.

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Radiosplitter #1 – Gesellschaftskritisches

Seit anderthalb Jahren führe ich immer wieder Interviews im Rahmen des tagesaktuellen Programms von Radio Corax. Da diese Beiträge auf der Austauschplattform der freien Radios einigermaßen unsystematisch verstreut sind, möchte ich an dieser Stelle einige ausgewählte Interviews zusammenstellen. Die Interviews stelle ich in mehreren Beiträgen thematisch geordnet zusammen: Kultur und Gegenkultur, Kritische Theorie, Geschichte der Arbeiterbewegung, Antifaschismus, Geschichte der Hausbesetzerbewegung, Radiogeschichte, Psychologie und Geschlechterverhältnis – das sollen einige grobe Ordnungskategorien sein. Im Sinne einer umfassenden Gesellschaftskritik sollen alle diese Beiträge verstanden sein – in der ersten Folge finden sich Interviews, die in keine der obigen Ordnungskategorien so recht hineingepasst haben und daher unter dem groben Stichwort „Gesellschaftskritisches“ versammelt werden. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Interviews, die sich um Sozialpolitik als soziale Kontrolle drehten – zuletzt mit einem Exkurs zur postmodernen Bildungstheorie. Die einzelnen Beiträge sind jeweils mit weiterführenden Links versehen. Mit der untenstehenden Übersicht könnt ihr zu den einzelnen Audiobeiträgen springen: (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 03-2017

In der März-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge thematisiert den Lärm. Dabei handelt es sich um einenen feature-artigen Einblick in die zweite Ausgabe der Zeitschrift Tortuga. Die musikalische Begleitung ist dem Sampler entnommen, der dieser Ausgabe beigegeben ist. Außerdem ist das kleine Hörstück „Lärm in Fetzen“ enthalten, das Katharina Pressl als Beigabe zum Heft produziert hat.

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Wutpilger-Streifzüge 02-2017

Die Februar-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge ist Mark Fisher gewidmet, der sich am 13.01.2017 das Leben genommen hat. Dazu hört ihr ein Gespräch mit Philipp Böhm, der für das Neue Deutschland einen Nachruf auf Mark Fisher geschrieben hat. Außerdem hört ihr einen Auszug aus einem älteren Interview mit Mark Fisher, in dem dieser den Begriff des „kapitalistischen Realismus“ erklärt.

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Antifa Offensive 2017

Vor ca. 2 Jahren habe ich mit zwei Freunden einen Text für die linksradikale Gazette „Lirabelle“ geschrieben. Der Text stand damals unter dem Eindruck des ersten großen Mobilisierungserfolgs von PEGIDA und hat versucht einige Ursachen für den Rechtsruck in Deutschland zu ermitteln. Vor allem haben wir versucht einen Zusammenhang von (Anti)faschismus und sozialer Frage zu begründen. Der Rechtsruck hat sich seitdem verbreitert und er hat mit der AfD eine partei-politische Repräsentation gefunden – und ich glaube, dass unser Text in vielen Aspekten immer noch richtig liegt. Daher sei der Text hier noch einmal gespiegelt. Ein – wie mir scheint – wichtiges Kapitel haben wir aber damals vergessen: Den „Aufstand der Anständigen“, den Sommer der Staatsantifa. Ein paar Überlegungen dazu stelle ich dem Text als (längeren) Kommentar voran. In der selben Ausgabe der Lirabelle ist damals ein weiterer Text von mir erschienen, der eigentlich als Unterkapitel des unten gespiegelten Textes gedacht war, dann aber ausgegliedert wurde – wenn auch holperig, sind sicher auch noch ein paar richtige Gedanken drin.

Deutschland 2000

Die erste Großtat der rot-grünen Bundesregierung war die Beteiligung am NATO-geführten kriegerischen Eingriff in den jugoslawischen Zerfallskrieg, in dem übrigens auch deutsche Neonazis auf kroatisch-nationalistischer Seite als Söldner mitgekämpft haben1 (das zu erwähnen macht Sinn im Kontext des untenstehenden Absatzes „Deutschland 1989/90“). Die rot-grüne Regierung hat in diesem Kontext eine Verschiebung im antifaschistischen Diskurs vorgenommen: Der Kriegseinsatz sollte als wahrgenommene Verantwortung vor der deutschen Vergangenheit verstanden werden, im Bundestag wurde Adorno zitiert, dass sich Auschwitz und Ähnliches nicht wiederholen solle. Die deutsche Identität (inklusive ihrer Affirmation eines weltweit auch mit kriegerischen Mitteln „verantwortungsbewusst“ handelnden Staates) wurde antifaschistisch. Dieser Kurs setzte sich dann innenpolitisch fort. Nachdem dieser erste deutsche Kriegseinsatz nach ’45 die Grünen vor eine Zerreißprobe gestellt hatte und Teile der Friedensbewegung der Regierung kurzfristig abhold geworden waren, begann die Regierung nach dessen Ende einen Vorstoß, um die Zivilgesellschaft an sich zu binden: Nach einem versuchten Brandanschlag auf die Synagoge in Düsseldorf rief Gerhard Schröder 2000 den „Aufstand der Anständigen“ aus. Es war dies nicht nur ein moralischer Appell: Der Aufstand der Anständigen war verbunden mit der bundesweiten Einrichtung von Aktionsplänen gegen Rechtsextremismus und der gezielten Förderung von Initiativen gegen Rechtsextremismus. Während sich AntifaschistInnen zuvor immer gegen Widerstände von Staat und Gesellschaft organisiert hatten – ein Zeugnis davon ist die Entstehungsgeschichte des Antifa-Ratschlags Thüringen – wurde ihr Handeln nun alimentiert. Dass dieses Programm immer auch mit einer Aussiebung linksradikaler, staats- und kapitalismuskritischer Positionen verbunden war ist klar – dazu bedurfte es nicht erst der Extremismusklausel. Aber machen wir uns nichts vor: Es war schnell gelernt, in den entsprechenden Antragsschriften das Bekenntnis zu Demokratie und Weltoffenheit einzubauen und so haben sich in den Folgejahren auch viele linksradikale Gruppen auf eine dauerhafte staatliche Förderung eingestellt. In diesen Jahren wurde es auch Mode, davon zu reden, dass man ja immer Teil der gesellschaftlichen Strukturen sei, man auch den Staat als Teil eines Kräfteverhältnisses, als Kampffeld begreifen müsse und man sich in Sachen „Beteiligung an Strukturen“ nicht moralisch schuldig mache2 – wir hören solche Sprüche heute von selbstredend kritischen Landespolitikern, Gewerschaftsfunktionären und Institutsleitern3. Und es hat sich tatsächlich herausgestellt, was die staatlich geförderte antifaschistische Zivilgesellschaft unter linksradikaler Beteiligung immer auch war: ein Karrieresprungbrett in die ideologischen Staatsapparate und die Politik. Eine anständige Sozialkritik hat die radikale Linke in dieser Zeit gründlich verlernt – im „Aufstand der Anständigen“ galt als Prototyp des Rassisten immer der pöbelnde Unterschichts-Nazi4. Mit gutem antifaschistischen Gewissen hat die rot-grüne Regierung vier Jahre später Hartz 4 eingeführt.5

Auch heute noch ist ein zivilgesellschaftlicher Antifaschismus Teil der Staatsräson – viele Linksradikale von damals sind inzwischen in den Institutionen angekommen. Dass Pegida, AfD und Montagsmahnwachen von der Refugees-Welcome-Mafia und der staatlich finanzierten Antifa sprechen, ist Teil eines Wahngebildes – als ob Angela Merkel direkten Funkkontakt zum örtlichen Antifa-Plenum hätte und als ob Gruppen, die Geflüchtete unterstützen, nicht gerade gegen Gesetze dieser Regierung ankämpfen müssten (ein erneut verschärftes Asylrecht etwa). Die oben skizzierte Geschichte erklärt auch nicht den Rechtsruck, denn die Rechten haben ihre ganz eigene Motivation, die nicht durch ein Versagen der Linken erklärt werden kann. Aber dass der „Aufstand der Anständigen“, der Sommer der Staatsantifa, Teile auch der radikalen Linken vermittelt an den Staat gebunden hat, erklärt vielleicht deren heutige Hilflosigkeit angesichts des Rechtsrucks. Sie sind gelähmt angesichts eines Zustands, in der die Rechte als starke Opposition gegen die Regierung auftritt – weil sie es selbst nicht ist. Eine bestimmte Spielart des Antifaschismus ist zum wichtigsten Aspekt der Linken geworden und so ensteht in den Köpfen die falsche Alternative: Merkel oder AfD. So ganz will man sich natürlich doch nicht hinter Merkel stellen, weil man irgendwie weiß, dass das nicht richtig wäre – man traut sich aber die Regierung nur für den fehlenden Humanismus zu kritisieren, den sie selbst von sich behauptet und bleibt mit solcher Kritik in der Moral befangen. Und damit haben es die Rechten natürlich auch leichter. Was man daraus lernen kann: Man sollte nicht vorbehaltlos einschlagen, wenn der Staat einem die Hand reicht. Was für die nächste Zeit zu tun ist: Die Strukturen so abzusichern, dass sie nicht untergehen, wenn der Wahlerfolg der AfD sich bald auch in der Fördermittelvergabe bemerkbar macht.

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Antifa Offensive 2015

„Pegida“ und ähnliche Aufmärsche, zunehmende „Bürgerproteste“ gegen Asylbewerberheime und vermehrte Mobilisierungserfolge der extremen Rechten geben in den letzten Monaten einen Eindruck davon, wie sich ein allgemeiner europäischer Rechtsruck auf spezifische Weise nun auch in Deutschland umsetzt. Eine gute Antwort darauf, wie diesem Rechtsruck von radikal linker Seite her zu begegnen wäre, scheint es momentan nicht zu geben. Im Gegenteil – es gibt keine selbstbewussten, eigenständigen und wirksamen Handlungsansätze von links. Diejenigen Gruppen und Bewegungsscherben, die ehrlich genug sind, gestehen sich diese Krise linksradikaler Theorie und Praxis zumindest offen ein, andere machen in den tradierten Formen einfach weiter. Nicht selten manifestiert sich diese Krise in fruchtlosen Szenedebatten, die nicht deswegen verkehrt sind, weil man sich gegenseitig kritisiert, sondern weil der Gegenstand dieser Debatten auf seltsame Weise abwesend ist und so ein Gespensterkrieg um Identitäten geführt wird.

Wir finden, dass angesichts des braunen Winters 2014/15 eine breit angelegte Antifa-Offensive notwendig wäre. Dafür ist aber eine Reflexion auf die Krise des linksradikalen Antifaschismus notwendig, die einerseits die Niederlagen und Sackgassen der letzten Jahrzehnte bewusst machen und andererseits eine adäquate Feindbestimmung vornehmen muss. Wir wollen uns im Folgenden vor allem auf Ersteres konzentrieren und einige Thesen zur Diskussion stellen. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 12-2016

In der Dezember-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge dreht sich alles um Gewalt. Es ist ein Feature, das sich um die fünfte Ausgabe der Zeitschrift „Kunst, Spektakel & Revolution“ kreist. Kritik der Gewalt – Gewalt der Verhältnisse – revolutionäre und gegenrevolutionäre Gewalt – Gewalt der Subjektwerdung – das sind die Themen, die angerissen werden. Zu Wort kommen Roger Behrens, Jakob Hayner, Susann Offenmüller und Lukas Holfeld. Siehe auch die Audio-Dokumentation hier.

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Wutpilger-Streifzüge 11-2016

In der November-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich die Aufnahme eines Vortrags gesendet, den ich selbst gehalten habe. Thema ist „Destruction of the RSG-6 – oder: Wie man die Kunst mit den Mitteln der Kunst zerstört“. Dabei geht es um eine Ausstellung, die die Situationistische Internationale 1963 in Odense (DK) organisiert hat, mit der sie einerseits das Weltgeschehen in der Situation des kalten Krieges kommentierte und andererseits einen von ihr erarbeiteten Stand der Kritik der Kunst vorstellte. Zum ursprünglichen Ankündigugnstext geht es hier. Die Sendung ist länger als sonst: 90 min.

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Wutpilger-Streifzüge 10-2016

In der Oktober-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein Interview mit Alexander Emanuely und Hanna Mittelstädt geführt. Im Interview dreht sich alles um den Dichter, Avantgardisten und Boxer Arthur Cravan. Alexander Emanuely hat vor einigen Jahren einen Text über Cravan geschrieben, der hier nachgelesen werden kann und Hanna Mittelstädt hat mit der Edition Nautilus eine Sammlung mit Texten von Cravan herausgegeben. Im Gespräch geht es nicht nur um die Aktionen des Arthur Cravan, sondern auch um die politische Situation der Jahrhundertwende. Im zweiten Teil der Sendung hört ihr einen Text von Arthur Cravan selbst – eine Beschimpfung des Schriftstellers André Gide.

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