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Art is a weapon – Ein Film über Angel Wagenstein

Andrea Simon hat einen Film über den bulgarischen Drehbuchautoren Angel Wagenstein gemacht, der u.a. mit dem DEFA-Regisseur Konrad Wolf zusammengearbeitet hat. Ich habe mit ihr über Wagenstein und die Geschichte Bulgariens gesprochen und daraus einen Radio-Beitrag gebaut. Alle Infos zum Film und einen Trailer gibt es hier. Den Film „Sterne“ von Konrad Wolf, der im Beitrag eine zentrale Rolle spielt, für den Wagenstein das Drehbuch geschrieben hat, kann man hier ansehen. Eine Sendestrecke zur DEFA, in der auch ein Interview mit Jakob Hayner über Konrad Wolf enthalten ist, findet sich hier – ein Interview mit Andreas Kötzing vom Hannah-Ahrend-Institut Dresden über zensierte DEFA-Filme nach dem 11. Plenum des ZK der SED findet sich hier.

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Beat und Gammler, Konsum und Verweigerung

Anlässlich seines morgigen Vortrags in Weimar habe ich ein Interview mit Wolfgang Seidel geführt. Er argumentiert darin, dass in der Studentenbewegung von 1968 bereits eine gewisse Verachtung gegenüber Arbeiter*innen anwesend war – weshalb der Weg von 1968 zu Hartz IV (verkörpert in Gerhard Schröder) als nicht zu abwegig erscheint. Statt einer Fokussierung auf das eine Jahr 1968 schlägt Seidel eine Betrachtung der long sixties vor. Innerhalb dieses Zeitraumes werden erhebliche Konflikte um Jugend, Ausbildung, Arbeit, Lebensstandard und Geschlechterverhältnisse ausgetragen. Das von Seidel erwähnte Gespräch zwischen Enzensberger, Dutschke und Rabehl im Kursbuch findet sich hier. Zum Thema 1968 sei außerdem die aktuelle Programmzeitung von Radio Corax empfohlen, deren Inhalte ihren Weg auf diesen Blog noch finden werden. Empfehlenswert ist auch die Lektüre des Buches Wir müssen hier raus! Krautrock, Freebeat, Reeducation (zu dem ich Wolfgang Seidel bereits hier interviewt habe).

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Wutpilger Streifzüge 03-2018

In der Märzausgabe der Wutpilger-Sendung bin ich einmal darauf zurückgegangen, was eigentlich das Wutpilgern bedeutet. Dazu hört ihr Auszüge aus meiner ersten Sendung kombiniert mit aktuellen Überlegungen. Zu Wort kommen außerdem Gerd Roscher und Jan Bönkost, die ich kürzlich zur Geschichte des Arbeiter- und der Piratenradios interviewt habe. Flankiert wird das Ganze außerdem von Überlegungen zu den Grenzen des freien Radios, die Anna Lensen, Patrick Korchmar und Jerome Joswig einmal in eine radiophile Form gebracht haben. Also – es geht um die Wut, die Geschichte und das Radio-Machen.

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Den Himmel stürmen

Passend zur letzten Wutpilger-Sendung, in der immer wieder auch von „Klassenzusammensetzung“ die Rede gewesen ist, spiegele ich hier eine Rezension, die ich vor ein paar Jahren zur Bewerbung eines Vortrags über den Operaismus geschrieben habe. Besprochen wird darin das Buch „Den Himmel stürmen. Eine Theoriegeschichte des Operaismus“.

Aspekte eines Kampf-Zyklus und einer großen Niederlage

Üblicherweise gilt Frankreich als Zentrum der 68′er-Revolte – hatten sich doch hier die Kämpfe in den Fabriken mit der Studentenbewegung zur „Bewegung der Besetzungen“ verbunden, die schließlich sogar in einem Generalstreik landesweit die Produktion lahmlegte. Demgegenüber werden die Kämpfe, die nach 1968 in Italien stattfanden, oft vergessen – und das obwohl hier das Bündnis zwischen linksradikaler Studentenbewegung und nicht-normierten Klassenkämpfen in den Fabriken viel weiter ging und sich die Kämpfe beinahe über ein Jahrzehnt erstreckten, die schließlich in einen blutigen Bürgerkrieg mündeten. In den 60′er und 70′er Jahren entstand in Italien eine Bewegung, die ihre Höhepunkte 1969 und 1974 hatte. Auf der einen Seite wurden vor allem im Norden Italiens extrem militante Kämpfe in den Fabriken geführt, die sich jenseits der üblichen Organisationsformen von Partei und Gewerkschaft Bahn brachen und in deren Rahmen teilweise Forderungen gestellt wurden, die einen Ruin der Kapital-Seite bewusst in Kauf nahmen. Teilweise wurden überhaupt keine Forderungen gestellt, sondern einzig die Zerstörung der Lohnarbeit anvisiert: „Wir wollen Alles.“ Auf der anderen Seite entwickelte sich eine eher subkulturell geprägte Strömung, die die Lebensbedingungen außerhalb der Fabrik ins Visier nahm – eine vielseitige Bewegung, die in den Schulen, an den Universitäten, in der Psychatrie und im Gefängnis, in den Stadtteilen und in Form von Hausbesetzungen kämpfte. Dieser radikale Kampf-Zyklus endete schließlich in einer fatalen Niederlage – die Konfrontation mit dem Staat hatte sich zugespitzt und ein Teil der Bewegung hatte geglaubt, den Kampf durch die Bildung spezialisierter bewaffneter Gruppen militärisch entscheiden zu können. Noch in diesem Stadium zeigt sich der Unterschied zu anderen europäischen Ländern: während sich bspw. die RAF größtenteils aus einem studentisch-kleinbürgerlichen Milieu rekrutiert hat, waren die Mitglieder der „Brigate Rosse“ (Rote Brigaten) vorwiegend selbst Fabrikarbeiter. Der italienische Staat sollte schließlich zu einem Schlag aushholen, der sich nicht nur gegen die bewaffneten Gruppen sondern gegen die Kämpfe insgesamt richten sollte und der Konflikt militarisierte sich immer mehr. Am Ende konnte sich der Staat in diesem Konflikt mit Hilfe von Sondergesetzgebungen und faschistischen Gruppen durchsetzen, zahlreiche Genoss_innen verloren das Leben, Tausende landeten in den Knästen. (mehr…)

Ich möcht‘ einmal am Sender steh‘n

Am 27.03.2018 wird im Medienpädagogik Zentrum Hamburg der Film „Ich möcht‘ einmal am Sender steh’n ! – Die Arbeiter-Radio-Bewegung in den zwanziger Jahren“ von Gerd Roscher und Jutta Herrcher gezeigt. Neben den beiden Filmemacher/innen sind danach zu einem Podiumsgespräch Aktivist/innen vom FSK und von Radio Corax und Jan Bönkost vom Archiv der sozialen Bewegungen Bremen geladen. Aus Anlass dieser Veranstaltung habe ich mit Gerd Roscher und Jan Bönkost ein Interview geführt. Es geht darin um die Geschichte der Bewegung für ein Arbeiterradio, die Geschichte der Piratenradios und um die heutige Rolle von freien Radios. Es sind doch ein paar gute Gedanken dabei. Weitere Interviews zur Geschichte der Arbeiterbewegung gibts hier.

Ein längeres Gespräch mit Gerd Roscher gibt es hier. Viele weitere Gespräche zur Geschichte (freier) Radios finden sich im Audioarchiv der „Radio-Revolten“. Passend zum Thema erscheint übrigens bald ein Buch über die Radio-Revolten, für das ich auch einen Beitrag zum Verhältnis von Kunst, Avantgarde und gesellschaftskritischem Radio geschrieben habe. Damit der Druck dieses Buches finanziert werden kann fährt Corax zur Zeit eine Startnext-Kampagne, die ihr hier unterstützen könnt. Weitere Interviews zur Geschichte der Arbeiterbewegung gibts hier.

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Wutpilger Streifzüge 02-2018

In der Februar-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Charlotte Mohs, Marco Bonavena und Johannes Hauer geführt. Es ging im Interview um das linke Sprechen über die Klasse und den Formenwandel der Klassengesellschaft. Anlass für das Interview war der Text „Abschied von der Klassenmetaphysik. Formwandel der Klassengesellschaft, Paralyse der Kritik“, den die drei in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Phase 2 veröffentlicht haben. Der Text kann hier nachgelesen werden.

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Mythos ‚Mitte‘

Im letzten Jahr ist im Verlag Bertz+Fischer (in dem immer wieder sehr interessante Bücher erscheinen, oft auch im kleineren Format) ein Buch mit dem Titel „Mythos ‚Mitte‘ – Oder: Die Entsorgung der Klassenfrage“ erschienen. Der Autor Ulf Kadritzke kritisiert darin einerseits eine gesellschaftliche Selbstwahrnehmung als „Mittelstandsgesellschaft“ und weist andererseits Widersprüche in gängigen soziologischen Theorien zum Mittelstand nach. Vor dem Hintergrund von Forschungen zum Angestellten-Milieu in der Weimarer Republik (u.a. von Theodor Geiger, Carl Dreyfuss, Siegfried Kracauer) skizziert er, was eine Analyse der Klassengesellschaft heute leisten müsste. Dabei beharrt Kaditzke auf dem Klassencharakter der bestehenden Gesellschaft, wobei er sich auch gegen einen „Klassenreduktionismus“ wendet: Eine kritische Gesellschaftstheorie, die nicht jenseits der Klassen denkt, hätte auch zu erklären, warum sich so viele Lohnabhängige als „Mittelstand“ begreifen. Das Buch ist m.E. als Anregung zu lesen – es ist mehr eine methodische Vorüberlegung als eine gegenwärtige Zuwendung zur Klassengesellschaft selbst. Nimmt man es als solche, enthält es auch einige Argumente gegen linke/linksradikale Theorien, die sich von der Klasse verabschiedet haben.

Die weitere Arbeit an einer Klassenanalyse, die der Marx’schen Theorie verpflichtet bleibt, wäre ein notwendiger Schritt im Versuch, die Rolle der modernen lohnabhängigen Mittelklassen zu klären. Gegenüber klassenreduktionistischen Vorstellungen ist daran zu erinnern, dass im Verhältnis von Arbeit und Kapital die gemeinsame ökonomische Klassenlage zwar den Raum der objektiven Interessen konstituiert, aber ‚nicht unmittelbar‘ das gesellschaftliche Bewusstsein oder gar das politische Handeln bestimmt. (73)

Machte sich die Phrase von der Mitte zur Tat auf, könnte sie wieder leicht bei der ‚Volksgemeinschaft‘ anlangen.“ (84)

Ich habe ein Interview mit Ulf Kadritzke geführt, wobei ich ihn zunächst gefragt habe, wie er das öffentliche Sprechen über die Mitte wahrnimmt und was der Anlass zur Veröffentlichung seines Buches gewesen ist:

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AfD und Neoliberalismus

Björn Oellers hat bei Kritiknetz einen Text veröffentlicht, in dem er die neoliberalen Elemente in den Programmen der AfD herausgearbeitet hat. Auf Basis seines Textes habe ich ein Interview mit ihm geführt:

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Das doppelte Gesicht des Sozialstaats

In der Februar/März-Ausgabe der Programmzeitschrift von Radio Corax habe ich einen kleinen Text zur Kritik des Sozialstaats formuliert. Untenstehend findet sich eine ungekürzte Version des Artikels. Im Heft (das in wenigen Tagen auch online einsehbar ist) sind außerdem weitere Texte enthalten: Zum Bafög, zu aktuellen Entwicklungen des Sozialstaats und zur Debatte um die Sozialstaatskritik.

Skizzenartige Ausführungen zur Geschichte und Kritik des Sozialstaats

Der Bezug auf den Sozialstaat ist so selbstverständlich, wie das Prinzip der Sozialstaatlichkeit umkämpft ist. Linke Aktivist*innen rufen zu seiner Verteidigung auf, Politiker*innen von Union und SPD führen zu seiner Rettung Sparmaßnahmen durch, besorgte Bürger*innen sehen ihn von Flüchtlingsströmen bedroht, während rechte Libertäre den Sozialstaat als sozialistisch-autoritären Eingriff in die Freiheit des Individuums geißeln. In einer solch widersprüchlichen Gemengelage lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um zu einem Begriff des Sozialstaats zu gelangen – hier skizzenhaft versucht in Einschränkung auf seine deutsche Version.

Die Ursprünge des Sozialstaats sind in den Folgen der Industrialisierung zu suchen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich auch in Deutschland Städte, die von den enormen Auswirkungen der industriellen Arbeitswelt geprägt waren: Wohnungsnot, Pauperismus, physisch zerschundene und moralisch verwahrloste Arbeiter*innen, Arbeitslosigkeit. Die Tendenz ging dahin, dass industrielle Kapitalist*innen derart auf Arbeitskräfte zugriffen, dass das Überleben eines großen Bevölkerungsteils – oder: einer ganzen Klasse – infrage gestellt war: Arbeiter*innen wurden regelrecht verheizt. Auf diesen Umstand reagierten zwei gesellschaftliche Kräfte: (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 01-2018

In der Januarausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich mich mit dem Verhältnis von Rosa Luxemburg zu den Bremer Linksradikalen beschäftigt. Dazu kommt ausführlich Jörg Wollenberg zu Wort, der hier einen Text zum selben Thema veröffentlicht hat. Musikalische Rahmung: Hanns Eisler, Vashty Bunyan, Gentle Giant, Le Scrawl, Nick Drake.

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Wutpilger-Streifzüge 12-2017

In der Dezember-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich zwei Manifestationen diverser Ausflüge in die Gefilde der Radiokunst zum Besten gegeben: Einerseits mein Eröffnungsbeitrag zur Gründung des „Free International Radio Prague“ Anfang Dezember in Prag, andererseits eine radiophile Rede bei einer Performance in Bitterfeld am 100. Jahrestag der Oktoberrevolution. Musik: Human Abfall.

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Wutpilger-Streifzüge 11-2017

In der November-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich einige Auszüge von Nachkriegsliteratur collagiert: „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf, „Rummelplatz“ von Werner Bräunig und „Unmögliche Beweisaufnahme“ von Hans-Erich Nossack. Siehe auch meine Besprechung von „Rummelplatz“. Musik: Max Butting, Glen or Glenda und […].

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Now they‘ve changed their tune

„Katie Cruel“ von Karen Dalton gehört meines Erachtens zu einem der schönsten Songs der Country- bzw. Folk-Geschichte um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Allein die raue Stimme von Karen Dalton erzählt etwas von dem Leben, das sie geführt hat: ein Leben voll Armut in Bars und Spelunken, enttäuschende Liebesbeziehungen, der ausbleibende musikalische Erfolg, Alkohol, Heroin und Exzess, das Leben auf der Straße – all das ist in ihre ausdrucksstarke Stimme eingegangen, als ein Instrument, das so unmittelbar mit dem eigenen Körper verbunden ist. Auch der Text von „Katie Cruel“ – ein traditioneller schottischer Folk-Song, der in seiner amerikanischen Version die Ereignisse des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs verarbeit – erzählt etwas von diesen Erfahrungen: Die Desituiertheit einer Frau, der es nicht gelingt, sich in die geltenden Regeln einzufügen, die deshalb keinen festen Ort finden kann, deren Örtlichkeit durch die Vergeblichkeit des Wünschens auf seltsame Weise raum-zeitlich verschoben ist: Oh that I was where I would be, Then I would be where I am not, Here I am where I must be, Go where I would, I can not. So ist diese Frau auf doppelte Weise getrieben: Von den anderen Menschen und von ihrem eigenen Verlangen (als zurückblickende Fliehende ist Karen Dalton auch auf dem Cover ihres Albums „In my own time“ zu sehen). Zuerst war diese Frau für ihre Schönheit bewundert worden – dann jedoch wird sie von den Leuten in Katie Cruel umbenannt. Diese Umbenennung markiert ein Ereignis – vielleicht ein Verbrechen, das sie begangen hat oder etwas, das ihr selbst angetan wurde, ihr aber als Schande angehängt wird? –, das selbst nicht aussprechbar ist. So ist Katie die Grausame in Ungnade gefallen und läuft durch den Wald und das Moor, schließlich die Straße herunter, als ob sie verfolgt würde, aber doch auch ihrer eigenen Liebe nach. Diese Gleichzeitigkeit von Flucht und Verlangen drückt sich in der Version von Karen Dalton auch auf der musikalischen Ebene aus: Ihre Stimme läuft beinahe hastend über die Banjo-Klänge, die selbst wie ein kieselig-unebener Boden klingen. Ein unglaublich schönes, trauriges Lied – Karon Dalton stand in der Rezeption zu Unrecht hinter Folk-Größen wie Bob Dylan zurück.

Wutpilger-Streifzüge 10-2017

In der Oktober-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bersarin geführt. Anlass war ein Vortrag von ihm in Weimar (siehe hier) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel & Revolution“. Es geht in dem Interview um politische Sozialisierung, um das Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik, Ästhetik und Gewalt, revolutionäre Perspektiven heute und die Ästhetik des Punk. Musik: Jonny Kurt vs. Hank the Tank.

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Wutpilger-Streifzüge 09-2017

In der September-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Jakob Hayner geführt. Anlass war ein Eröffnungsvortrag von Jakob zu einer Filmvorführung im Rahmen der Sendereihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ (siehe hier). Im Interview geht es um politische Sozialisierung, Kritik und Würdigung der Antifa-Bewegung, DDR-Literatur und um revolutionäre Perspektiven heute.

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Wutpilger-Streifzüge 08-2017

In der August-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bernd Gehrke geführt. Anlass war eine Tagung des AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost/West, die im Juli unter dem Titel „Ostwind – Soziale Kämpfe gegen Massenentlassungen und Betriebsschließungen in Ostdeutschland 1990 bis 1994“ in Berlin stattgefunden hat. Es handelt sich um ein vergessenes Kapitel von Klassenkämpfen in der jüngeren Geschichte. Eine Kurzform des Interviews findet sich hier.

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Anforderungen des Regierens

Folgender Text von mir ist in der gerade eben erschienen Corax-Programmzeitung für August/September 2017 erschienen. Die ganze Ausgabe kann hier per issuu angesehen oder als PDF heruntergeladen werden. Neben meinem Text sind auch lesenswerte Beiträge u.a. von Jakob Hayner und Peter Schadt enthalten. Einige der im Heft angesprochenen Punkte werden auch im tagesaktuellen Programm von Radio Corax wieder auftauchen: 95.9 FM oder webstream.

Gegen eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos

Angesichts des Erstarkens rechter Parteien in Europa und des zu erwartenden Einzugs der AfD in den deutschen Bundestag wird zur Zeit vermehrt gefordert, es müsse einen neuen linken Populismus geben. In diesen Forderungen schwingt oft zweierlei mit: Erstens wird als Ursache für den erstarkenden Rechtspopulismus ausgemacht, dass die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in der linken Politik unterrepräsentiert seien – deshalb seien große Teile der Arbeiter_innen nach rechts abgewandert. Zweitens wird als ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Rechtspopulismus vorgeschlagen, dass die linken und sozialdemokratischen Parteien kämpferischer die Sache der Arbeiter_innen in die Politik bringen sollen1 – die Arbeiter_innen würden so die linke Politik besser als ihre Sache erkennen können. Praktisch läuft diese Diagnose dann meistens darauf hinaus, dass die linke Bewegung mit der Linkspartei paktieren müsse2 – konkret findet dies seinen realpolitischen Fluchtpunkt in der Befürwortung einer rot-rot-grünen Koalition.3

Tatsächlich hat sich linke Politik in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den kulturellen Bereich verlagert – materielle Forderungen sind kaum noch offensiv vorgetragene Anliegen der Linken. Dies hat auch einen realpolitischen Effekt: Neoliberale Sozialpolitik wird exekutiert, während eine weitestgehend ›linke‹ Kulturpolitik die Begleitmusik dazu spielt. Dies mag ein Stück weit erklären, warum sich die Linke gegenüber dem Rechtspopulismus in der Defensive befindet. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dem gegenüber eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos wirklich eine geeignete Strategie darstellt. Allein die historische Erfahrung kann Anlass zur Skepsis sein. Immer wenn es kritisch wurde, hat sich die Sozialdemokratie gegen das Interesse der Arbeiter_innen gestellt: als sie die für den ersten Weltkrieg notwendigen Kriegskredite bewilligte, als sie den Spartakusaufstand niederschießen ließ, als sie gemeinsam mit den Grünen die Hartz-Reformen durchsetzte – um nur wenige Beispiele zu nennen. (mehr…)

Radiosplitter #3 – [Sub & Pop]Kultur

Im dritten Sammelbeitrag stelle ich Interviews zusammen, die sich im weitesten Sinne um Kultur drehen. Themen sind: Jüdische Subkultur, Steve Reich, GG Allin, DEFA Filme, Krautrock, Theater, Bertolt Brecht, Arthur Cravan, Punk, Mark Fisher u.a. … Untenstehend findet ihr eine Inhaltsübersicht, in der ihr direkt zu den einzelnen Beiträgen springen könnt – die Interviews sind eher thematisch als chronologisch geordnet. Zum Thema „Kultur/Gegenkultur“ siehe auch die Märzausgabe der Programmzeitung von Radio Corax aus dem letzten Jahr. (mehr…)

Für das Ende der Schüchternheit

Folgender Text ist ein Redebeitrag, den ich am 15.07. auf einer Demonstration für Freiräume gehalten habe.

Im Januar 2016 haben einige Leute in Halle etwas getan, was den üblich geltenden Regeln widerspricht. Sie haben die Tür eines leerstehenden Hauses aufgebrochen, eines Hauses, das sich im Besitz der städtischen Wohnungsgesellschaft befindet – und sie haben öffentlich Anspruch auf die selbstbestimmte Nutzung dieser Räume angemeldet. Eine Hausbesetzung in Halle. Hausbesetzungen unterscheiden sich dahingehend von anderen üblichen Aktionsformen der Linken, als dass hier eine unmittelbare Aneignung stattfindet. Der symbolisch-politische Raum wird verlassen, ein Stück weit werden die herrschenden Eigentumsregeln gebrochen und im Rahmen der angeeigneten Räumlichkeiten beginnt die bewusste Bestimmung über den eigenen Wohn- und Lebensraum. Aus dem Akt einer solchen Regelverletzung, wie es eine Hausbesetzung ist, kann etwas entstehen. Ein Stützpunkt vielleicht, im Anliegen, der totalen Verwaltung zu entgehen. Seit dem die Hafenstraße 7 im letzten Jahr besetzt wurde, ist sie für mich zu einem wichtigen Ort geworden. Die hier anzutreffende Gesellschaft ist meistens angenehm, es ist ein Ort, an dem man mit Sicherheit Leute trifft – auch wenn man am Sonntag Nachmittag verkatert ist, kann man hier Leute treffen, denen es vielleicht ähnlich geht. Die Hafenstraße 7 ist Punkrock – auch, aber nicht nur im musikalischen Sinn – der Ort strahlt eine Art von Energie aus, die sich gegen eine Domestizierung sträubt. Die Hafenstraße 7 ist gleichzeitig hippiesk – darin häufig politisch naiv, dafür aber angenehm unverkrampft im Vergleich zu anderen linken Hausprojekten, in denen allzuoft Dresscodes und Sprachregelungen über den Zugang entscheiden. Das Milieu der Hafenstraße 7 ist angenehm heterogen zusammengesetzt – sowohl was die soziale Herkunft, als auch das Alter betrifft. Kurz: Es ist ein Ort, an dem man angenehm Zeit verbringen kann. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 07-2017

In der Juli-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein Gespräch mit Karl-Heinz Dellwo, Thomas Seibert und Roger Behrens geführt. Im Gespräch diskutieren wir die Frage, ob und inwiefern der Aufbruch von 1968 in eine Niederlage gemündet ist. Das Gespräch ist im Zuge der Corax-Morgenmagazine während der G20-Tage in Hamburg entstanden (siehe hier). Über ein ähnliches Thema habe ich mit Karl-Heinz Dellwo bereits hier gesprochen. Musik: NoMeansNo.

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