Archiv der Kategorie 'Veranstaltung'

Es gibt kein gesundes Leben im Kranken #2

International Day Against Homophobia

Jena:

“Speaking about silence – Homophobie im Sport”

Organisiert vom IDAHO-Jena, So, 16. Mai, 17 Uhr im Kassablanca, Podiumsdiskussion mit

* Tanja Walther-Ahrens (ehem. Bundesligaspielerin bei Turbine Potsdam, heute Projektleiterin bei der European Gay And Lesbian Sport Foundation),
* Karolin Heckemeyer (Soziologin an der Uni Freiburg mit Arbeitsschwerpunkten “Soziologie des Sports und des Körpers” sowie “Geschlechterforschung und feministische Theorie”)
* Marcus Urban (ehem. DDR-Jugendnationalfußballspieler bei FC Rot-Weiß Erfurt)

Vortrag zu Verfolgung Homosexueller um Dritten Reich

Am Mittwoch den 19. Mai, 19Uhr (SR 208, Carl-Zeiß-Str.) findet ein Vortrag über die Verfolgung Homosexueller zu Zeit des Nationalsozialismus statt. Dr. Gottfried Lorenz aus Glinde (Schleswig Holstein) wird zu diesem Thema einen Vortrag und eine anschließende Diskussion anbieten. Organisiert vom “Referat gegen Rechtsextremismus”.

via bubizitrone: this is where iadho begins

Weimar:

Bürgerliche Subjektivität und Homophobie
Montag 17. Mai – 20:00 Uhr – Radio Lotte Weimar

Diskriminierung und Toleranz gegenüber Homo- und Bisexuellen – Warum überhaupt?
Dr. Gerhard Reese
Dienstag 18. Mai - 20:00 Uhr – Radio Lotte Weimar

Queer – eine Idee zur Auflösung der Geschlechterbilder
Mittwoch 19. Mai – 20:00 Uhr – Radio Lotte Weimar

Interessant, dass der Internationale Tag gegen Homophobie doch Anlass für so viele Veranstaltungen ist. Dieser Tag wurde ausgerufen, nachdem die WHO 1990 (!) beschlossen hatte Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten zu streichen. Auch wenn am idaho immer wieder darauf hingewiesen wird, dass damit nicht automatisch die Homophobie verschwunden ist, ist die Liste dieser ominösen psychischen Krankheiten selbst eigentlich nie ein Thema. Wie sieht es aber aus mit Krankheitsbildern wie Transsexualismus, Transvestitismus, Störung der Geschlechtsidentität, Fetischismus, Fetischistischer Transvestitismus, Exhibitionismus, Voyeurismus, Pädophilie, Sadomasochismus, Störungen der Sexualpräferenz, Sexuelle Reifungskrise, Ichdystone Sexualorientierung und Sexuelle Beziehungsstörung? Das alles sind nach der deutschen Version der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ der WHO: „Psychische und Verhaltensstörungen“. Und zwar heute. Gestört. Alles nachzulesen hier.

Das bürgerliche Subjekt und sein Anderes

Um den Internationalen Tag gegen Homophobie am 17. Mai herum organisiert die „Ag Queer“ der Neuen Linken Weimar mehrere Veranstaltungen – ich möchte dabei auf folgenden Vortrag hinweisen:


Bürgerliche Subjektivität und Homophobie

Heterosexualität und Homophobie sind notwendigerweise miteinander verbunden – als Folge einer spezifisch bürgerlichen (und damit männlichen) Subjektivität. Während das männliche Subjekt dazu gezwungen ist sich selbst zu beherrschen, soll die Frau als sein Anderes beherrscht werden. Der Homosexuelle stellt als Drittes diese Ordnung in Frage und muss daher als abweichend markiert werden. Der Vortrag will diesen Theorieansatz erklären und dabei auf Veränderungen in der Postmoderne eingehen.

17. Mai – 20:00 Uhr – Radio Lotte Weimar (Niketempel), Goetheplatz 12

Zur Expressionismusdebatte

Am Donnerstag werden in der ACC Galerie Weimar Kerstin Stakemeier und Roger Behrens einen Vortrag über die Expressionismusdebatte halten. Im Vorfeld wurde schon zahlreiches Material veröffentlicht: Ein Telefoninterview mit Kerstin Stakemeier und Roger Behrens über die Expressionismusdebatte, sowie ein Gespräch mit Christopher Zwi über Georg Lukács und die Expressionismusdebatte gibt es im KSR-Radio. Im Audioarchiv gibt es die Glossen zum Realismus von Bert Brecht, welche dieser während der Expressionismusdebatte verfasst hatte. Es sei auch nochmal auf den Vortrag von Kerstin Stakemeier zum Konstruktivismus hingewiesen, den sie als Realismus verhandelt – am Ende des Vortrages geht sie auch kurz auf die Expressionismusdebatte ein (bei KSR-Radio 2009).

Grails in Leipzig

Am 6. Mai werden die wunderbaren Grails im UT Connewitz in Leipzig spielen. Ich hoffe, ich schaff’s hinzukommen.

Veranstaltungsreihe zur Klassenfrage

Alle Jahre wieder wird darüber gestritten ob man sich nicht endlich von der Klasse verabschieden sollte. Schon in historischen Debatten stand auf der Tagesordnung, ob der positive Bezug auf das Proletariat eine realistische Perspektive ist. Analytisch konkurriert die Marxsche Vorstellung von Klassengesellschaft von Beginn an mit eher soziologischen Ansätzen zur Beschreibung sozialer Schichtung. Heute ist der Begriff umstrittener denn ja. Antideutsche und wertkritische Ansätze sehen den Begriff als Erbe des „Arbeiterbewegungsmarxismus“, der wegen des positiven Bezugs auf die Arbeit sowohl analytisch als auch strategisch untauglich ist. Operaist_innen halten Klassenkämpfe für den entscheidenden Motor gesellschaftlicher Veränderung und warten darauf, dass die chinesischen Wanderarbeiter_innen ihre Arbeiterautonomie erkennen und den Karren der Geschichte herumdrehen. Post-operaistische Ansätze sprechen von der Multitude, die werden muss, um dem Empire entgegen zu treten – ähnlich wie im Traditionsmarxismus die ökonomisch bestimmte Klasse an sich ihre Bestimmung erkennen und zur kollektiv handelnden Klasse für sich werden musste. Postmarxist_innen suchen mit Max Weber und Foucault nach der sozialen Reproduktion von Klassen und beschreiben, wie der Klassenunterschied durch moderne Regierungstechniken ins Innere der Subjekte verlegt wird. Als positiver Bezugspunkt bleibt oft die klassenlose Gesellschaft – auch wenn völlig unklar ist, wie sie aussieht und es keine nennenswerte Debatte über Transformationsperspektiven gibt. Die Veranstaltungsreihe nähert sich dem Begriff der Klasse durch die Erschließung der Debatten, die um die Klassenfrage geführt wurden. In der Vertiefung setzen wir uns mit aktuellen Ansätzen von Klassentheorie auseinander und fragen VertreterInnen der verschiedenen Theorien, wie tauglich der Begriff für eine Kritik der Verhältnisse auf der Höhe der Zeit ist. Die Reihe kann als Hinführung zur wissenschaftlichen Tagung „Prekarier, Pauper und Proleten – Zum aktuellen Gebrauchswert des Klassenbegriffs“ der RLS Thüringen am 11./12. Juni 2009 genutzt werden, welche die Diskussion über den politischen Nutzen des Begriffs der Klasse vertiefen wird.

07.05.2010
Klasse an und für sich, Multitude, Schicht, Milieu

Viele Gesellschaftstheorien bieten Brillen an, um soziale Ungleichheit zu beschreiben. Sowohl die Kriterien, nach denen Gruppen unterschieden werden als auch die Frage, wie (und ob überhaupt) aus der Beschreibung irgendwelche Schritte zur Veränderung folgen, unterscheiden sich immens. Um sich im ersten Schritt dem Begriff der Klassengesellschaft zu nähern, wird der Klassenbegriff in der Veranstaltung ins Verhältnis zu anderen Beschreibungen von Ungleichheit gesetzt.

14.05.2010
Thesen zur klassenlosen Klassengesellschaft

Im Juni 2007 veröffentlichten die „Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft“ in einer Zeitschrift mit dem Titel „Kosmoprolet“ ihre „28 Thesen zur klassenlosen Klassengesellschaft“. Sie konstatieren darin, dass die alte proletarische Bewegung zwar restlos in der herrschenden Ordnung aufgegangen ist, halten jedoch an einem Begriff der Klasse fest und konstatieren in ihrer Analyse, dass es auch in dieser historischen Situation noch Klassenkämpfe gibt. Ebenso wie Marx den Klassenkampf nicht erfunden habe, sondern die Klassenkämpfe der Entwicklung seiner Kritik vorangegangen seien, wollen sie an aktuelle Kämpfe anknüpfen und sprechen damit recht optimistisch von einem „Proletariat, das für seine Selbstaufhebung bereits weltweit kämpft.“ In der Veranstaltung werden sie ihre Thesen vorstellen und dabei einen Fokus auf die Begriffe der Klasse und des Klassenkampfes rücken.

04.06.2010
Globale Perspektiven auf Klassenkämpfe

Seit der Wirtschaftskrise der ’70er Jahre und ihrem Aufschub, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und einem erneutem Ausbruch der Krise im vorletzten Jahr kann eine fortschreitende Verschiebung der Klassenverhältnisse auf globaler Ebene konstatiert werden. Der Vortrag soll darlegen was diese Veränderungen für die Proletarisierten bedeutet, welche Perspektiven des Widerstands sich unter diesen neuen Bedingungen ergeben und wo bereits Klassenkämpfe ausgebrochen sind.

VERANSTALTUNGSORT
Radio F.R.E.I., Gotthardtstraße 21, Erfurt

BEGINN
Jeweils um 20:30 Uhr

EINE KOOPERATION ZWISCHEN
Bildungskollektiv, Radio F.R.E.I., Jugendbildungsnetzwerk der RLS

INTERNET
biko.arranca.de

Bei dieser Gelegenheit sei auf einen Vortrag von Zwi zum „Proletariat als Prozess“ hingewiesen.

Sieg über die Sonne

Wie es aussieht machen sich gerade ein paar Leute daran die suprematistische Oper „Sieg über die Sonne“ in Form eines Ausstellungs- und Fanzine-Projektes zu bearbeiten. Neben der Faszination, die ich für den Konstruktivismus habe, kann ich mich nicht des Gefühls erwehren, dass daran etwas höchst problematisch ist. Grund genug, sich damit noch einmal näher zu beschäftigen. [Dabei sei noch einmal auf den Vortrag über Konstruktivismus von Kerstin Stakemeier hingewiesen – KSR Radio]

*Anfang gut, alles gut. Beginning good. All good.*
Actualization of „Pobeda nad solncem“, 1913 (Victory over the Sun) with contributions by Thomas Baldischwyler, Mareike Bernien & Kerstin Schroedinger, Nine Budde, Ruth May, Avigail Moss, Peter Wächtler, Susanne M. Winterling

*Thursday, April 29, 2010, 6.30h pm
Presentation of the first Fanzine with a short introduction and sound recordings
Motto, Skalitzer Str. 68, Hinterhof, 10997 Berlin*

The futurist opera *Victory over the Sun*, which was written and staged in 1913 in Petersburg wanted to “establish a collective work on the basis of word, painting and music”. Those are the words of the opera’s authors, the painter Kasimir Malewitsch, the musician Michail Matjuschin and the poets Alexeij Krutschenych and Welimir Chlebnikov, who wanted to create an ‚antiharmonious’ work – against the spirit of their times.

*Beginning good. All good*, an actualization of „*Pobeda nad solncem*“ (Victory over the Sun), will translate this programmatic on the basis of the historical text and documentation of its stagings and reception into the present. The project brings together about 30 artists, musicians, theoreticians and people from other disciplines in order realise the exhibition project in May 2011.

Participants (until now):
Katrin Bahrs, Thomas Baldischwyler, Roger Behrens, Mareike Bernien, Nine Budde, Robert Burkhardt, Natalie Czech, Damn‘it Janet, Kirsten Forkert, Fox Hysen, Oliver Jelinski, Christiane Ketteler, Nicholas Matranga, Ruth May, Michaela Mélian, Jan Molzberger, Avigail Moss, Ulrike Müller, Orakel, P.O.G., Johannes Paul Raether, David Riff, Kerstin Schroedinger, SchröterundBerger, Jessica Sehrt, Amy Sillman, Tillmann Terbuyken, Peter Thiessen, Dimitry Vilensky, Jeronimo Voss, Peter Wächtler, Patricia Wedler, Susanne M. Winterling

With the project we would like to dismantle the opera’s self-enclose form into those artistic fragments and traces, which seem to correspond with the present, to than reconstruct them as actualized reformulations. To make the pre-production visible, we will produce a series of three subsequent fanzines for may 2010, october 2010 and january 2011.

The project is initiated by Nina Köller and Kerstin Stakemeier.

Ken Vandermark im Wagner

Heute Abend wird im Café Wagner in Jena einer der aktuellsten Avantgarde-Jazz-Musiker aus den USA spielen: Ken Vandermark. Begleitet wird er von Paal Nilssen Love, der in der norwegischen Free-Jazz-Szene bekannt geworden ist. Beide verbindet unter Anderem, dass sie schon mit Peter Brötzmann zusammengespielt haben.

Hier eine Kostprobe (eine andere Besetzung als heute Abend – es handelt sich um irgend eine der Tausend Bands von Ken Vandermark):

Brimboria Kongress

Werde am Samstag dort anwesend sein:

Siehe auch das Interview mit Max vom Brimboria-Institut mit durchaus kritischen Fragen zum Konzept des Fake.

Das wahre Leben trainieren

An Zynismus und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten:

Training für Hartz-IV-Empfänger
Arbeitslose spielen Kaufmannsladen

Aufblasbarer Plastikkäse, kopiertes Spielgeld, gefärbtes Wasser in Weinflaschen: Das Jobcenter Hamburg finanziert einen kompletten Supermarkt. Hartz-IV-Empfänger sollen dort wieder arbeiten lernen. Die simulierte Einkaufstour kostet Millionen – und hat bislang nur eine magere Erfolgsquote.

Hamburg – Eine Flasche Mirabellenbrand hält den Betrieb auf, die Scannerkasse erkennt sie nicht. Die Frau an der Kasse guckt fragend zu ihrem Ausbilder, dem Herrn Rothe. Die F7-Taste soll sie drücken, den Artikel eingeben, nochmal F7, dann den Preis, irgendwann die Taste F2. Und dann soll es weitergehen. „miraabellenbrand“ wird später auf dem Kassenbon stehen, verkauft für 49,90 Euro. Ein Tippfehler beim Namen, nicht so wichtig, Hauptsache, der Preis stimmt.

Die Flasche ist leer.

Der Kunde heißt heute Markus Repschinski. Der 28-Jährige hat die leere Mirabellenbrandflasche gekauft. In seinem Einkaufswagen liegen außerdem eine leere Flasche Ouzo für 29 Euro und volle Packungen Cornflakes, Reis, Toffifee, Pedigree sowie eine Dose weiße Bohnen. Insgesamt sind es Waren für 129,13 Euro. Repschinski wird noch mehrere dieser Wagen zusammenpacken, wahllos, mal ist Katzenfutter dabei, mal Hundefutter, manchmal beides.

Er wird jeden Wagen vorbeischieben an der Kühltheke mit den aufblasbaren Käselaiben aus Plastik, vorbei an den leeren Plastikschalen „Nordseekrabben Natur“, vorbei an den Weinflaschen mit gefärbtem Wasser. Auch vorbei an 6000 echten und gefüllten Kekspackungen, Konservendosen und Chipstüten, die hier in den Regalen liegen.

„Real Life Training“ steht auf seinem Rücken, deswegen ist er hier: Das wahre Leben trainieren, in einem Übungssupermarkt mit angeschlossenem Lager. Es ist die erste Maßnahme dieser Art deutschlandweit. Arbeitslose sollen lernen, wie es ist, im Lager zu arbeiten, an der Supermarktkasse, im Großhandel. Früh aufstehen, pünktlich erscheinen, die Mütze ab, die Hände sauber, Arbeitszeiten ordentlich dokumentiert auf einer Stempelkarte, das ist die Idee; jede Woche knapp 40 Stunden, für sechs bis neun Monate. Betreut von sechs Sozialpädagogen und fünf Übungsleitern. → weiter lesen

Passend zum Thema sei dabei auf das Interview mit den Neptunianer_innen King und Kodos von der „Außerplanetarischen Opposition“ hingewiesen, die im März nach Erfurt gekommen waren und nicht begreifen konnten, dass auf der Erde Häuser (Arbeitsämter) gebaut werden, die dafür erdacht sind sich vollkommen sinnlose Tätigkeiten für Menschen auszudenken, die eigentlich nicht notwendig arbeiten müssten:

(Siehe Artikel Infoladen Sabotnik)

Um eine Kritik der Arbeit wird es auch am 10. April bei einem einführenden Seminar zur wertkritischen Kapitalismuskritik in Weimar gehen:

SEMINAR
EINFÜHRUNG IN DIE WERTKRITISCHE KAPITALISMUSKRITIK

Das zunehmende Unbehagen im Kapitalismus ist leider noch kein Garant für eine angemessene Kritik und nicht jeder Widerstand ist per se emanzipatorisch zu nennen. Die Gefahr, Bestandteil des Problems zu werden, gegen das sich der Unmut richtet, ist groß genug, wie viele (ex-)linke Biographien beweisen. Um den Kapitalismus kritisieren zu können, muss er auch verstanden werden. Wir wollen Euch die grundlegenden Kategorien der kapitalistischen Gesellschaft näher bringen, wie sie Marx im Kapital entwickelt hat. Entgegen einer traditionsmarxistischen Lesart stehen hier nicht Klassenkampf und Loblieder auf das Proletariat im Vordergrund, sondern die Kritik von Ware, Geld, Kapital und Warenfetischismus.

DATUM: 10. April 2010
BEGINN: 11:00 UHR
ORT: Weimar, Jakobsstraße 22 (Bureau der „Neuen Linken“)
EINTRITT: frei

Das Seminar findet leider parallel zu einer öffentlich angekündigten Hausbesetzung in Erfurt statt (wir vertrösten die Genoss_innen, auf dass die Theorie baldig die Massen ergreift). Diese Aktion wird im Rahmen einer Aktionswoche anlässlich der Jährung der Räumung des Besetzten Hauses in Erfurt ausgerichtet:

EIN JAHR RÄUMUNG – PROGRAMM: 10. – 17. APRIL

Kreuz.net und andere Gräuel

Auf ufo.arranca.de befindet sich seit Kurzem der Mitschnitt eines sehr hörenswerten Vortrags über das nazi-katholische Nachrichtenportal kreuz.net und die Pius-Bruderschaft.

Hinzuweisen wäre dabei auch auf das katholische Youtube Gloria TV, das zwar auf den ersten Blick nicht ganz so rechts zu stehen scheint, aber z.B. immer wieder gegen AbtreibungsbefürworterInnen und Feministinnen hetzt, z.B. hier:

Gegen den nächsten 1000-Kreuze-Marsch (bzw. einen Kreuzweg der Ungeborenen) in Freiburg, der von der Pius-Bruderschaft organisiert ist und am 26. März stattfinden soll, wird hier mobilisiert: piusentgegentreten.blogsport.de

KSR – Neues Programm

Nun ist das Programm für den Part 2.2 von Kunst | Spektakel | Revolution online:

Utopie, Spiel, Menschenmaschine

Charles Fourier und die surrealistische Avantgarde
Tilman Reitz • Do 15.04.2010

Lautreamont & Detournement

Lautreamonts Plagiatkunst als Destruktionsmodell der Moderne
Christopher Zwi & R.G. Dupius • Do 22.04.2010

Realismus, Antifaschismus, Expressionismus

Die Expressionismus-Debatte und das Konzept des Realismus
Kerstin Stakemeier & Roger Behrens • Do 13.05.2010

SARKASMEN

Überlegungen zum poetischen Interventionismus in Paul Celans Spätwerk
Magnus Klaue • Do 17.06.2010

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20:00 Uhr in der ACC Galerie Weimar (Burgplatz 1). Weitere Infos auf: spektakel.blogsport.de

Noch schnell:

Veranstaltungsreihe zur Kritik irrationaler Glaubenssysteme

9.3.2010 – Es ist ein Kreuz… mit kreuz.net
16.3.2010 – Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft
23.3.2010 – Party auf Area 51 – zum Ufoglauben

Die Veranstaltungen beginnen jeweils 20.30 Uhr bei Radio FREI (Gotthardtstr. 21, Erfurt).

Heute Abend:

Auf Kreuz.net wird jede Handlung der Kirche kritisch kommentiert. Ob es die Pius-Brüder sind, die Messe auf Latein oder der Kampf gegen den Schwangerschaftsabbruch – Kreuz.net organisiert die Anhänger eines ultra-reaktionären Christentums und macht mobil gegen Schwule und Lesben, gegen Frauenrechte, gegen Jüdinnen und Juden, gegen jede Spur liberaler Auslegung des Glaubens. Die Veranstaltung vermittelt einen Überblick über die Hintergründe und Themen von Kreuz.net und die seine aktuellen Angriffe auf bürgerliche Grundrechte.

Indeterminate Revolution

Hier hin zieht’s mich am Wochenende:

Veranstaltungstip

Wann hört Macht auf? Hier fängt Macht an. Lass uns nicht von Sex reden…

heißt es in Blumfelds Lied „Lass uns nicht von Sex reden“. Mit diesem Zitat wollen wir auf den postmodernen Zwang zur Freiheit verweisen: Sex(ualität) als allgegenwärtige, selbstverständliche Gegenwart, aber dennoch unhinterfragt gebliebene Kategorie, die gesellschaftliche Realität und Alltag schafft. Wir wollen dagegen eben diesen Alltag und seine (Un-)möglichkeiten thematisieren. Die geplante Veranstaltungsreihe hat zum Ziel Unsichtbares sichtbar zu machen und Widersprüche herauszustellen, in diesem Sinne also auch gesellschafts- und herrschaftskritisch zu argumentieren. Aus diesem Grund liegt es uns besonders am Herzen, die Zusammenhänge zwischen Körper, Macht und Sex anhand popkultureller Phänomene aufzuzeigen.

Das sehr vielversprechende Programm gibt es hier.

Buch, Geschichte, Referenz

Ich werde leider nicht beiwohnen können:

Till Gathmann (Leipzig)

Buch, Geschichte, Referenz

Dienstag, 10. November 2009, 19 Uhr

Das Buch als „Feststellungs“medium konstituiert nicht nur Geschichte, indem es sie aufbewahrt, es speichert dabei auch die historischen Formen der Ordnung von Wissen und Gedanken, konstituiert visuelle Kultur. Die Gestaltung eines Buches kann heute ein Formfindungsprozess auch in archäologischem Sinne sein. Die „Ausgrabung“ vorangegangener Ausdrucksformen, die Recherche, die Reflexion auf visuelle Kultur, sind die Grundlage für die Kontextualisierung eines bestimmten Inhalts durch die Strukturierung und Gestaltung des Buches. Ausgehend von der Gestaltung der Künstlerbuches Desire in Representation, welches Ausgangspunkt für die Ausstellung war, wird der Vortrag einige dieser Momente freilegen.

Mit solcherart Formfindung aber nähert sich reflexive Buchgestaltung einer zentralen Kategorie der zeitgenössischen Kunst an: der Referenzialität. Bemerkbar macht sich diese in den Metaphern der Sprache, die die Beschreibung von Kunst heute bestimmen. Die Herkunft des Begriffs der Referenz aus der Zeichentheorie aber weist auf ein Problem: Kann man Referenzen in der Kunst einfach lesen, in Text bzw. Sprache verwandeln? Was genau meint die Kategorie der Referenz dann in der zeitgenössischen Kunst?

Diese Fragen zielen auf den Erkenntnischarakter ästhetischer Erfahrung. Denn nicht geht es hier um die Überführung von Erkenntnis in Kunst, sondern um Bestimmung der Kunst als Form der Erkenntnis.

Das ganze findet im Württembergischen Kunstverein Stuttgart im Schlossplatz 2 in Stuttgart statt. | via

Der Zwang zur Freiheit

Veranstaltungstip: 08.10.2009 – Offene Arbeit Erfurt – 20:30 Uhr

Mit dem Einzug des Kapitalismus kam vor 20 Jahren die zweischneidige Freiheit des Marktes in den Osten. Frei von Produktionsmitteln sind die Menschen im Kapitalismus frei zu entscheiden, wo sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Diese Zumutung – der Zwang, die eigene Haut zu Markte zu tragen und die Frechheit, das auch noch als Freiheit anzupreisen – hat Karl Marx beschrieben, insofern ist sie ein alter Hut. Trotzdem konnte sich 1989 fast ein ganzes Land dafür begeistern, sich dieser Freiheit an den Hals zu werfen. Ein Teil einer Erklärung mag sein, daß an die Stelle der offenen Unterdrückung im Frühkapitalismus – als am Morgen Weckmannschaften losziehen mussten, um die Arbeiter an die Maschine zu zwingen – mittlerweile eine dynamische Anreizstruktur getreten ist, die so umfassend funktioniert, daß die überwiegende Mehrheit der Menschen gerne zur Arbeit geht. Arbeit ist heute immer mehr ein Ort spannender Herausforderungen, der für Selbstverwirklich-ung, Kreativität und Kommunikation steht. Was in kleinen Kollektivbetrieben und der D.I.Y.-Szene angefangen hat und in der DDR oft nicht funktioniert hat („Mach doch mal einen Verbesserungsvorschlag“), wird heute flächendeckend verwertet – ein Arbeitsklima, in dem die Menschen ihr Selbst und ihre Wünsche flexibel und eigenverantwort-lich in den Produktionsprozess einbringen.

Ulrich Bröckling hat untersucht, wie sich Menschen unter diesen Bedingungen mit der Gesellschaft ins Verhältnis setzen und sich selbst entwerfen (sollen). In der Veranstaltung am 8.10.2009 erläutert er die Formen des „unternehmerischen Selbst“ und zeigt, wie Kreativität, Flexibilität und Eigenverantwortung nicht als Freiheit, sondern als Zwang daher kommen.

Ulrich Bröckling ist einer der bekanntesten deutschen Foucault-Kenner und lehrt Soziologie an der Uni Halle. 2007 ist von ihm „Das unter-nehmerische Selbst“ erschienen: Die Maxime „Handle unternehmer-isch!“ ist der kategorische Imperativ der Gegenwart. Ein unternehmer-isches Selbst ist man nicht, man soll es werden. Und man wird es, indem man sich in allen Lebenslagen kreativ, flexibel, eigenverantwortlich, risikobewusst und kundenorientiert verhält. Das Leitbild ist zugleich Schreckbild. Was alle werden sollen, ist auch das, was allen droht. Der aber keine Anstrengung vermag seine Angst vor dem Scheitern zu bannen. Ulrich Bröcklings grundlegende soziologische Studie nimmt diese Ambivalenz in den Blick und spitzt sie zu einer Diagnose der gegenwärtigen Gesellschaft zu.

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Bildungskollektiv Biko – aktuelles Programm unter http://biko.arranca.de

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Illusion, Wahrheit, Wirklichkeit: Religion als Symptom
17.September – 20:00 Uhr – Radio FREI Erfurt

Marx‘ Kritik des religiösen Elends, ‚in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend‘ ist der Ausgangspunkt einer psychoanalytischen Reflexion der Freudschen Religionskritik. Nicht noch einmal soll dabei versucht werden, Belegstellen dafür herbeizuzitieren, der Psychoanalyse eine Kompatibilität mit revolutionärem Gedankengut unterzuschieben. An der Abschaffung des gesellschaftlichen Zwangszusammenhangs (deren Voraussetzung beim frühen Marx u.a. in der Kritik der Religion festgestellt wurde) Interessierte werden in Freuds Religionskritik, beim Wort genommen, kaum Hilfreiches finden. Für Freud ist die Religion ‚bloße Illusion‘, Hemmschuh des Praktischwerdens instrumenteller Vernunft, Verblendung des Realitätsprinzips. Negiert aber Religionskritik das illusionäre Moment der Religion mit der Begründung, dieses verhindere die Einsicht in die Wirklichkeit und damit in die Notwendigkeit ihrer Veränderung, ohne hierin zugleich auch die Möglichkeit des wahren Momentes der Religion zu begreifen, verschenkt kritisches Denken seine Begründung im Wunsch, es möge wirklich anders zugehen in der Welt. Warum radikale Religionskritik etwas anderes zu sein hätte als Denkkorrektur im Namen des Realitätsprinzips, da diese den Zugriff auf die Wirklichkeit verhindere und infolgedessen auch ihre Veränderung, wird anhand einer Kritik der Freudschen Religionskritik begründet. Dafür wird ein ‚anderer Freud‘ bemüht: gegen den religionskritischen Freud wird der Vortrag mit Adorno den Freud des Symptoms und des unbewussten Wunsches ins Feld führen, um zu zeigen, dass das Unbewusste Triebkraft des rationalen Denkens ist – um aber vom Wahn sich scheiden zu können, muss der sich selbst nicht innewerdende, zur bewusstlosen Wiederholung drängende Wunsch in der Reflexion zu etwas anderem, Wahrheit werden… und diese Wahrheit ist nicht ganz ohne ein theologisches Moment zu haben.

Referentin: Sonja Witte (Extrablatt)

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Redaktion Chiligays bei Radio FREI und dem DGB-Bildungswerk Thüringen

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Ich schau dir in die Augen, Kleines…

Ein hörenswertes Interview zu einer besuchenswerten Veranstaltungsreihe:

Teil 1 ||
Teil 2 ||

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