Archiv der Kategorie 'Text'

Anforderungen des Regierens

Folgender Text von mir ist in der gerade eben erschienen Corax-Programmzeitung für August/September 2017 erschienen. Die ganze Ausgabe kann hier per issuu angesehen oder als PDF heruntergeladen werden. Neben meinem Text sind auch lesenswerte Beiträge u.a. von Jakob Hayner und Peter Schadt enthalten. Einige der im Heft angesprochenen Punkte werden auch im tagesaktuellen Programm von Radio Corax wieder auftauchen: 95.9 FM oder webstream.

Gegen eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos

Angesichts des Erstarkens rechter Parteien in Europa und des zu erwartenden Einzugs der AfD in den deutschen Bundestag wird zur Zeit vermehrt gefordert, es müsse einen neuen linken Populismus geben. In diesen Forderungen schwingt oft zweierlei mit: Erstens wird als Ursache für den erstarkenden Rechtspopulismus ausgemacht, dass die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in der linken Politik unterrepräsentiert seien – deshalb seien große Teile der Arbeiter_innen nach rechts abgewandert. Zweitens wird als ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Rechtspopulismus vorgeschlagen, dass die linken und sozialdemokratischen Parteien kämpferischer die Sache der Arbeiter_innen in die Politik bringen sollen1 – die Arbeiter_innen würden so die linke Politik besser als ihre Sache erkennen können. Praktisch läuft diese Diagnose dann meistens darauf hinaus, dass die linke Bewegung mit der Linkspartei paktieren müsse2 – konkret findet dies seinen realpolitischen Fluchtpunkt in der Befürwortung einer rot-rot-grünen Koalition.3

Tatsächlich hat sich linke Politik in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den kulturellen Bereich verlagert – materielle Forderungen sind kaum noch offensiv vorgetragene Anliegen der Linken. Dies hat auch einen realpolitischen Effekt: Neoliberale Sozialpolitik wird exekutiert, während eine weitestgehend ›linke‹ Kulturpolitik die Begleitmusik dazu spielt. Dies mag ein Stück weit erklären, warum sich die Linke gegenüber dem Rechtspopulismus in der Defensive befindet. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dem gegenüber eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos wirklich eine geeignete Strategie darstellt. Allein die historische Erfahrung kann Anlass zur Skepsis sein. Immer wenn es kritisch wurde, hat sich die Sozialdemokratie gegen das Interesse der Arbeiter_innen gestellt: als sie die für den ersten Weltkrieg notwendigen Kriegskredite bewilligte, als sie den Spartakusaufstand niederschießen ließ, als sie gemeinsam mit den Grünen die Hartz-Reformen durchsetzte – um nur wenige Beispiele zu nennen. (mehr…)

Für das Ende der Schüchternheit

Folgender Text ist ein Redebeitrag, den ich am 15.07. auf einer Demonstration für Freiräume gehalten habe.

Im Januar 2016 haben einige Leute in Halle etwas getan, was den üblich geltenden Regeln widerspricht. Sie haben die Tür eines leerstehenden Hauses aufgebrochen, eines Hauses, das sich im Besitz der städtischen Wohnungsgesellschaft befindet – und sie haben öffentlich Anspruch auf die selbstbestimmte Nutzung dieser Räume angemeldet. Eine Hausbesetzung in Halle. Hausbesetzungen unterscheiden sich dahingehend von anderen üblichen Aktionsformen der Linken, als dass hier eine unmittelbare Aneignung stattfindet. Der symbolisch-politische Raum wird verlassen, ein Stück weit werden die herrschenden Eigentumsregeln gebrochen und im Rahmen der angeeigneten Räumlichkeiten beginnt die bewusste Bestimmung über den eigenen Wohn- und Lebensraum. Aus dem Akt einer solchen Regelverletzung, wie es eine Hausbesetzung ist, kann etwas entstehen. Ein Stützpunkt vielleicht, im Anliegen, der totalen Verwaltung zu entgehen. Seit dem die Hafenstraße 7 im letzten Jahr besetzt wurde, ist sie für mich zu einem wichtigen Ort geworden. Die hier anzutreffende Gesellschaft ist meistens angenehm, es ist ein Ort, an dem man mit Sicherheit Leute trifft – auch wenn man am Sonntag Nachmittag verkatert ist, kann man hier Leute treffen, denen es vielleicht ähnlich geht. Die Hafenstraße 7 ist Punkrock – auch, aber nicht nur im musikalischen Sinn – der Ort strahlt eine Art von Energie aus, die sich gegen eine Domestizierung sträubt. Die Hafenstraße 7 ist gleichzeitig hippiesk – darin häufig politisch naiv, dafür aber angenehm unverkrampft im Vergleich zu anderen linken Hausprojekten, in denen allzuoft Dresscodes und Sprachregelungen über den Zugang entscheiden. Das Milieu der Hafenstraße 7 ist angenehm heterogen zusammengesetzt – sowohl was die soziale Herkunft, als auch das Alter betrifft. Kurz: Es ist ein Ort, an dem man angenehm Zeit verbringen kann. (mehr…)

Stonewall was a Riot!

In Halle fand der Christopher Street Day dieses Jahr etwas verspätet im September statt. Radio Corax hat aus diesem Anlass eine Themenzeitung zum CSD herausgegeben, in der es um den Stand der LGBTI-Bewegung geht. Ich habe einen kleinen Text dazu beigesteuert:

Stonwall was a Riot!

CSD – Zwischen Revolte und Anpassung

Am 28. Juni 1969 ist es in New York zu einem folgenreichen Aufstand gekommen. Die Polizei hat damals, vor 47 Jahren, versucht, eine Bar mit dem Namen „Stonewall Inn“ zu stürmen – eine Bar, in der vor allem Schwule und Lesben, Drags und Prostituierte einkehrten. Solche Leute hatten in jenen Jahren nichts zu lachen – Demütigungen und Schikane standen auf der Tagesordnung. Am 28. haben sie es sich nicht weiter gefallen lassen. Sie haben zurückgeschlagen. Diese Gegengewalt hat einen unumkehrbaren Prozess in Gang gesetzt – zum Glück. Dass dieser Prozess aber sehr widersprüchlich war und ist, zeigt ein Vergleich der Anfänge des CSD mit den heutigen Paraden. Heute finden lokale CSD-Paraden unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeistern statt, linke Sozialdemokraten demonstrieren einträchtig mit dem Schwulen- und Lesbenverband der CDU, oftmals steht die Forderung nach der gleichgeschlechtlichen Ehe im Zentrum1. Ein Freund von mir hat einmal gesagt: Wozu denn die Ehe für Schwule – dann kann ich doch auch gleich hetero sein. Vom Aufstand gegen die heterosexuelle Gesellschaft2, hin zur Angleichung an sie – so lässt sich vielleicht die Entwicklung eines Teils der CSD-Bewegung beschreiben. Natürlich gibt es auch kritische Teile der Homo-Bewegung3 (die etwa alternative, radikale CSD‘s organisieren). Und von da ist etwa die Analyse zu hören, dass es seit 1969 in der westlichen Welt zwar einige (nicht gering zu schätzende) Verbesserungen für Homosexuelle gegeben hat, dies aber zu dem Preis der Heterosexualisierung der Homosexualität. Anders ausgedrückt: Je mehr Homosexuelle rechtlich und gesellschaftlich gleichgestellt sind, um so mehr unterliegen sie dem Druck, einem bestimmten Bild der Homosexualität entsprechen zu müssen. (mehr…)

Zum Verhältnis von Nationalstaat und Migrationskontrolle

Durchaus in Ergänzung zum vorherigen Beitrag spiegele ich hier ein Interview, das in der aktuellen Programmzeitschrift von Radio Corax abgedruckt ist. Es ist ein Interview mit Fabian Georgi, das einige Aspekte einer materialistischen Kritik der Migrationskontrolle sehr klar zusammenfasst. In der Juli-Ausgabe der Corax-Programmzeitung sind ein weiteres Interview und ein Kommentar zum Thema enthalten. Das Original-Interview mit Fabian Georgi kann untenstehend auch angehört werden.

Anzumerken bleibt, dass Fabian Georgi m.E. einen notwendigen Schritt nicht geht: Eine Kritik des Sozialstaats als solchem zu formulieren. Eine Kritik des Sozialstaats würde dann nicht nur die Genese des sozial-chauvinistischen Rassismus aufzeigen, sondern auch – indem sie aufzeigt, dass auch die hier ansässigen LohnarbeiterInnen letztlich am sozialstaatlichen Klassenkompromiss leiden, im Kompromiss eine unterlegene Partei bleiben – ein gemeinsames Interesse mit den Geflüchteten begründen. Zur Kritik des Sozialstaats sei auf den Artikel von Ingo Stützle in der Analyse und Kritik und auf den Kommentar von Christian Frings in der selben Corax-PZ-Ausgabe verwiesen. Demnächst auch hier dazu mehr.

Zum Verhältnis von Nationalstaat und Migrationskontrolle

Ein Gespräch mit Fabian Georgi

Die Juni-Ausgabe unserer Programmzeitung enthält mehrere Texte zur Kritik der deutsch-europäischen Migrationskontrolle. Hier könnt ihr die ungekürzte Version des Interviews mit Fabian Georgi nachlesen. Fabian Georgi arbietet am Marburger Institut für Politikwissenschaft im Fachbereich »Europäische Integration«. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die europäische und internationale Migrationspolitik. Wir haben ein längeres Gespräch mit ihm geführt, in dem es um historische und strukturelle Aspekte der deutschen Migrationspolitik ging.

CORAX: Eine der wichtigsten Tendenzen in der Migrationspolitik scheint ihre Europäisierung zu sein. Wie lässt sich diese Tendenz beschreiben?

FABIAN GEORGI: Um die Entstehung der heutigen Migrationspolitik zu verstehen, muss man bis in die 1980er Jahre zurückgehen. In den Achtziger Jahren sind neue Migrations- und Fluchtbewegungen entstanden, die als „Neue Flüchtlinge“ bezeichnet wurden. Zuvor war Flucht in Westeuropa primär als Bewegung von „Opfern des Kommunismus“ verhandelt worden, die vom Osten in den Westen kamen und aus geostrategischen Gründen positiv aufgenommen worden waren. Doch ab Ende der 1970er Jahre suchten zunehmend Menschen aus dem globalen Süden Asyl in Europa. Die Lebensbedingungen in vielen Ländern des globalen Südens hatten sich in jener Zeit immer mehr verschlechtert – weil „Entwicklung“ scheiterte, weil soziale Konflikte zu Bürgerkriegen eskalierten, weil Militärdiktaturen regierten. Die linksliberale Kritik an der wachsenden Panik über die „Asylkrise“ in den Achtziger Jahren ging damals (und auch heute noch) dahin, zu sagen: „Das ist alles gar nicht so schlimm, so viele Leute kommen gar nicht – keine Hysterie, keine Panik.“ Das ist zum Teil richtig – und trotzdem muss man sehen, dass es eine echte soziale Bewegung von Menschen ist, die auf sich verschlechternde Lebensbedingungen, auf das Scheitern von Kapitalverwertung reagierte. (mehr…)

Immer wieder Montags

In Halle hat ein loser Zusammenhang in einer anonymen Flugschrift einige Argumente zur Kritik der Hallenser Montagsmahnwachen veröffentlicht. Da die kleine Broschüre bisher nur analog verteilt wurde, stelle ich sie hier als PDF- und html-Version zur Verfügung. Die Texte sind um den Jahreswechsel 2015/16 herum entstanden – dementsprechend haben sich auch die Schwerpunkte der Texte ergeben. Inzwischen mögen sich die Themen auf den Montagsmahnwachen in Halle verschoben haben. Wer die Thesen überprüfen möchte, findet schnell bei Youtube die Aufnahmen sämtlicher Redebeiträge der Mahnwachen. Die PDF kann gleichzeitig als Kopiervorlage verwendet werden. Zur Einführung empfiehlt sich ein Jungle-World-Artikel über die Hallenser Montagsmahnwachen. Tom Uhlig hat in der Zeitschrift Freie Assoziation aus sozialpsychologischer Perspektive eine Kritik an der bundesweiten Mahnwachenbewegung formuliert.

Download Broschüre: Immer wieder Montags – Zur Kritik der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ in Halle

Immer wieder Montags

Zur Kritik der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ in Halle

Ende des letzten Jahres haben die sogenannten „Montagsmahnwachen für den Frieden“ in Halle zwischenzeitlich einen größeren Zulauf erhalten. Während diese Montagsmahnwachen im Jahr zuvor als Lachnummer galten, war es den Organisator_innen auf einmal gelungen, jede Woche fünfzig bis zweihundert Menschen zu mobilisieren. Die Versammlungen bestanden aus einer Mischung aus Friedensbewegten, Verschwörungstheoretiker_innen, Querfrontler_innen und Neonazis. Die Montagsmahnwachen hatten von der „Flüchtlingsdebatte“ profitiert und machten folglich fortan gegen die Ankunft von Geflüchteten mobil. Die Autor_innen dieser Broschüre haben sich an den Protesten gegen diese Montagsmahnwachen beteiligt. Ihnen ist jedoch im Laufe der Zeit aufgefallen, dass von Seiten der Gegendemonstrant_innen kaum eine Auseinandersetzung mit den Inhalten der „Wahnmachlern“ stattgefunden hat und sich die Proteste zum großen Teil auf eine Skandalisierung der Teilnahme von Neonazis an den Mahnwachen beschränkt haben. Zwar hielten wir die Teilnahme der Neonazis auf den Mahnwachen allein schon für einen guten Grund, Stellung gegen diese zu beziehen – allerdings dachten wir, dass dies eine gründliche Kritik der Mahnwachen-Inhalte nicht ersetzen kann. Also haben wir uns bemüht, selbst eine Kritik an den halle’schen Montagsmahnwachen zu formulieren. Im Zuge des Schreibens haben wir selbst gemerkt, dass wir in den Details durchaus unterschiedliche Einschätzungen haben – insbesondere was die Formulierung von Gegenargumenten betraf. Also haben wir uns entschieden, unsere verschiedenen Entwürfe in dieser losen Form als einzelne Beiträge einer kleinen Broschüre zu veröffentlichen. Das Resultat haltet ihr in den Händen. Die Texte sind als Handreichung, Argumentationshilfe und Anregung für jene gedacht, die sich ohnehin entschieden haben, etwas gegen die Montagsmahnwachen zu unternehmen. Sie sollen gleich-zeitig zur Diskussion gestellt werden, in deren Verlauf unsere Thesen auch korrigiert und verbessert werden mögen. Inzwischen hat der Mobilisierungserfolg der Montagsmahnwachen (und mit ihm die Gegenproteste) wieder nachgelassen. Dass die Montagsmahnwachen wieder relevant werden, ist jedoch nicht auszuschließen. Außerdem glauben wir, dass unsere Texte sich in ihrer Stoßrichtung nicht auf die Montagsmahnwachen beschränken, sondern in einigen Punkten auch auf ähnliche Bewegungen (Pegida, AfD, etc.) zutreffen. Die Texte dürfen gern weiterveröffentlicht und kopiert werden. (mehr…)

Die negative Universität

Primo Moroni und Nanni Balestrini berichten in ihrem Buch „Die Goldene Horde – Arbeiterautonomie, Jugendrevolte und bewaffneter Kampf in Italien“ von den Auseinandersetzungen an der Universität Trient in den Jahren 1965-67. In diesem Abschnitt zitieren sie Auszüge aus dem Manifest für eine negative Universität von 1967:

Universität und Gesellschaft

Heute stellt sich die Universität strukturell als eine Organisation dar, deren Funktion es ist, die unterschiedlichsten technischen Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen. Die Universität stellt die auf den neuesten Stand gebrachten (technischen) Instrumente zur Verfügung, um die Organisation der Herrschaft einer Klasse über die anderen Klassen weiter auszubauen. Der so ausgebaute, potenzierte technologische Apparat kann endlich an die Stelle des »Terrors« in der Bändigung der zentrifugalen gesellschaftlichen Kräfte treten und gibt der Klasse, die über ihn verfügt, eine immense Überlegenheit über den Rest der Gesellschaft.

Die Universität als Herrschaftsinstrument

Die Universität ist ein Klasseninstrument. Auf ideologischer Ebene hat sie die Aufgabe, eine bestimmte Ideologie zu produzieren und zu vermitteln – jene der herrschenden Klasse – die sich aber als objektive Wissenschaft präsentiert und Verhaltensweisen – bestimmte Verhaltensweisen – jene der herrschenden Klasse, die sie aber als notwendig und universell darstellt.

Universität und Unterdrückung

Manchmal aber genügen die technischen Instrumente nicht, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Das ist dann der Fall, wenn nicht-integrierte Gruppen das ruhige, manipulierte politische Universum stören. In den Universitäten wird den Studenten das Recht verweigert, sich zu grundsätzlichen (oder weniger wichtigen) Problemen der nationalen und internationalen Politik zu äußern … UNTERDRÜCKUNG UND GEWALT bilden in unserer Gesellschaft ein zusammenhängendes Geflecht. Aber wir stellen die Hypothese auf, daß es noch eine konkrete Möglichkeit gibt, dieses reife kapitalistische System durch neue Formen des inneren und äußeren (nationalen und internationalen) Klassenkampfes radikal umzustülpen. Wir propagieren die Idee einer NEGATIVEN UNIVERSITÄT, die innerhalb der offiziellen Universität, aber in Widerspruch zu ihr, die Notwendigkeit eines theoretischen, kritischen und dialektischen Denkens begründet. Ein Denken, welches das, was die Marktschreier Vernunft nennen, entlarvt und so die Voraussetzungen für eine politisch kreative, antagonistische und alternative Arbeit schafft.

Politischer Protest

… Nur der Umsturz des Staates wird eine reale Umstrukturierung des Bildungssystems möglich machen … Der Student muß daher – über seinen aktuellen Status hinaus – in einer langfristigen Perspektive an der Herausbildung (Stimulierung) einer revolutionären Bewegung der unteren Klassen arbeiten, die sich eine dem neuen Kampftypus angemessene organisatorische Form gibt. Wir haben die Negative Universität als den Ort bestimmt, der Politik und die kritische Analyse der Anwendung wissenschaftlicher Instrumente integriert, Instrumente, wie sie sonst von der Schicht der intellektuellen der herrschenden Klasse an unserer Universität propagiert werden.
Einem kapitalistischen Gebrauch der Wissenschaften muß man einen sozialistischen Gebrauch der entwickelsten Techniken und Methoden gegenüberstellen. (mehr…)

Sich um Inhalte herum organisieren

Herr Feeper, der hier und da seine Spuren hinterlässt, hat einen Kommentar für die März-Ausgabe des Transmitter™ geschrieben. Hier zum Nachlesen:

Der Grund, ein freies Radio – wie etwa FSK oder Radio Corax – zu betreiben, liegt in dem Bedürfnis nach Verständigung. Auch wenn solche Projekte meist nicht auf einem ausgearbeiteten, einheitlichen Programm basieren, geht es doch um mehr als um bloße Berichterstattung. Es geht um eine grundlegende Kritik der Gesellschaft, es geht darum, zu artikulieren, nicht akzeptieren zu können, dass es bleibt wie es ist, es geht um die Artikulation einer Feindschaft gegenüber den herrschenden Institutionen, um die Entfaltung subversiver Tätigkeiten, um die Wiederaneignung des eigenen Lebens. Das sind große Ansprüche. Und viele, die heute an solchen Ansprüchen festhalten, fühlen sich allein und marginalisiert. Man sieht sich in seinem Bedürfnis nach Veränderung mit einer Übermacht der Verhältnisse konfrontiert und in linksradikalen Kreisen herrscht eine allgemeine Ratlosigkeit darüber, wie und wo man heute praktisch ansetzen könnte. Wenn man die eigene Marginalisierung feststellt, liegt es nahe, darüber zu diskutieren, wie sich die Marginalisierten zusammenschließen können, wie sie sich besser organisieren können. Ein Beispiel eines größeren Organisierungsversuchs ist etwa das kommunistische Um’s-Ganze-Bündnis, das bundesweit mittlerweile 11 linksradikale Gruppen zusammenschließt. Ein weiteres Beispiel ist die Interventionistische Linke. Die Motivation, sich in solchen Bündnissen zusammenzuschließen, liegt in der Hoffnung, so einen Weg zu finden, um nicht mehr nur vereinzelt herzumzuwurschteln, die Fähigkeiten der Beteiligten zusammenwirken zu lassen und so auch überregional handlungsfähig zu werden. Allerdings stellt sich für mich die Frage, ob mit der Quantität der in einer Gruppe oder in einem Bündnis organisierten Personen automatisch eine größere Handlungsfähigkeit oder Wirksamkeit verbunden ist. Mir scheint es oftmals so zu sein, dass ein größerer Organisierungsrahmen die Fähigkeiten und Potentiale der beteiligten Individuen eher absorbiert, als sie zu potenzieren. Ich habe es oft erlebt, dass der Aufruf eines Bündnisses inhaltlich unbestimmt und leidenschaftslos blieb, obwohl ich wusste, dass einzelne beteiligte Personen zum betreffenden Gegenstand viel klugere und treffendere Dinge zu sagen gewusst hätten. Der Zwang, eine gemeinsame Bündnis-Position finden zu müssen, führt so mitunter zu einer inhaltlichen Verwässerung. Überhaupt scheint es mir so zu sein, dass der Zusammenschluss in einem Bündnis die Gefahr in sich birgt, sich vor allem auf die eigene Darstellung nach außen und die Beschäftigung mit sich selbst konzentrieren. So verringert sich aber die Aufmerksamkeitsspanne und man droht in Schematismus zu verfallen. So fällt meines Erachtens etwa das Um’s-Ganze-Bündnis nicht durch bestechende Analysen und gelungene praktische Coups auf, sondern vor allem durch bestimmte Schlagwörter und ein gewisses Auftreten auf Demonstrationen.

Mein Misstrauen gegenüber Polit-Bündnissen soll dabei nicht falsch verstanden werden. Ich möchte nicht die Vereinzelung hochleben lassen und sehe selbst eine Notwendigkeit darin, sich zusammenzutun und sich auszutauschen. Nur glaube ich nicht, dass die große Veränderung damit beginnt, eine große Organisation zu schaffen. Die Marginalisierung ist nicht durch einen Sprung zu überwinden – wer glaubt, dass eine Organisation oder ein Bündnis die Sache reißen könnte, hängt einem gewissen Voluntarismus oder einem Erlösungsglauben an. Die Organisation wird uns ins gelobte Land führen. Eine qualitative Veränderung der Gesellschaft hängt aber weniger davon ab, wie groß die Bündnisse sind, in denen sich ihre Gegner zusammenschließen, sondern eher davon, wie sich der Bodensatz der Gesellschaft entwickelt – welche Risse darin aufbrechen, welche Konflikte sich daraus ergeben und welche Möglichkeitsräume sich aus der Überkommenheit ihrer politischen Formen ergeben. Die marginalisierten radikalen Kräfte müssen ihre Aufmerksamkeit auf diese Dinge lenken. Veränderungsmöglichkeiten entstehen oftmals nicht dort, wo man sie erwartet – sie entstehen aber sicherlich nicht in den Kreisen linker Polit-Profis. Um die Aufmerksamkeit für solche Möglichkeiten zu schärfen und sich daran zu üben, sie zu ergreifen, ist es sicherlich notwendig, sich auch überregional auszutauschen und informelle Verbindungen zu schaffen. Um ein Gespür für die untergründigen Entwicklungen und Verschiebungen der Gesellschaft zu entwickeln, müssen diese Netzwerke aber verzweigter sein und an randständigere Orte reichen, als dies in der Trägheit und vereindeutigenden Kraft eines Bündnisses möglich wäre, in denen man doch immer nur die gleichen Leute trifft. Wenn die Organisation wichtiger ist, als das, was mann konkret in den Blick nimmt, wird sie in dem Moment im Weg stehen, in dem es notwendig wird, eine schnelle Entscheidung zu fällen. Deshalb ist es m.E. eher notwendig, sich erst einmal zeitlich befristet um bestimmte Interessen und Vorhaben herum zu organisieren und zu schauen, wie von dort aus weiter gegangen werden kann. Oder wie es Johannes Agnoli einmal formulierte:

Gerade in dieser desolaten Situation muß man vielleicht doch den Mut haben, nicht nach Organisationsformen zu suchen, sondern sich gewissermaßen um Inhalte herum organisieren. Ich kann mir denken, daß in der heutigen Situation lose miteinander verbundene, aber inhaltlich wirklich geklärte und vernunftbegabte Kollektive den ersten Schritt darstellen. Nicht etwa in den alten Fehler verfallen: zuerst schaffen wir ein Zentralkomitee, die Massen werden dann kommen. Offensichtlich ist das der falsche Weg. Es ist viel wichtiger, an der Basis zu arbeiten und kleine, in sich konsistente Gruppierungen zu schaffen. Wie sie dann zueinander in Verbindung kommen, das hängt zum Teil auch von der gesellschaftlichen Entwicklung ab. Ich bin da keineswegs Pessimist. Die Wissenschaft beweist, daß es zu keiner Revolution mehr kommen wird. Und ich sage eben: die Menschheit ist viel flexibler, als es die Wissenschaft manchmal glaubt. Auf einmal ist eine Explosion da. Und wenn eine Explosion da ist, so ist die Möglichkeit dieser Kollektive, miteinander in Verbindung zu treten und tatsächlich etwas gemeinsam zu schaffen, durchaus gegeben.

Sicherlich muss man im Moment eher Angst vor den vorhandenen Explosivkräften haben, wie man an den täglichen Nachrichten über Angriffe auf Asylunterkünfte ablesen kann. Aus diesem Grund erhält der Zusammenschluss antifaschistischer Zusammenhänge eine größere Notwendigkeit. Meinem Eindruck nach können aber große überregionale Bündnisse, wie Um’s Ganze, kaum einspringen, wenn es um die Reaktion auf lokale Vorkommnisse geht. Ob das große Antifa-Bündnis-Treffen in Frankfurt angemessen auf das Nazi-Problem in Chemnitz reagieren kann oder ob regionale, dezentrale Vernetzungen – die sich wohl oftmals andere Gedanken machen (müssen), ob sie nach außen nun wahlweise als antideutsch oder antionational wahrgenommen werden – hier wesentlich effektiver agieren können, wird sich praktisch herausstellen. Bis dahin sollten wir uns über diverse Ansätze und verschiedene Erfahrungen austauschen. Freie Radios könnten eine Plattform für einen solchen Austausch sein.

■ Literaturhinweis: Mikrostrategischer Versuch (enthalten in: Gift. Zeitschrift für Linke mit Problemen, No.2)

Vs. Kultur & Kontrakultur

Ich habe ein paar Zeilen für die aktuelle Ausgabe der Programmzeitschrift von Radio Corax geschrieben. Im Text »Gegen die Kultur« habe ich ein paar facts über einige Aspekte kommunistischer (Anti-)Kulturpolitik gespittet. Sicherlich unvollständig, vielleicht für den einen oder die andere eine Anregung. Untenstehend eine etwas längere Version mit ein paar abweichenden Formulierungen und zusätzlichen Literaturhinweisen. Im Heft ist außerdem ein Text von Nora zur Kritik der Kontrakultur enthalten (der Hallenser Sektion der Identitären) – einige Aspekte davon können in den Antifa-News vom 28. Januar 2016 nachgehört werden.

»Gegen die Kultur«

Wir können nichts bewahren / nichts erhalten / es gibt kein Zurück / die Uhr tickt / es hilft auch kein sparen und verwalten / die Natur siegt, immer / deshalb bringen wir nur / Raps pur / MOR kämpfen gegen die Kultur. (M.O.R. – Gegen die Kultur)

Eine Stakatto-Fingerübung zur Frage, was Kulturpolitik sein könnte

Es gibt keinen so schillernden und so schwer definierbaren Begriff wie den der Kultur. Bezeichnet er den Komplex jener Tätigkeiten, der den Menschen von der Natur unterscheidet (im Sinne von Kulturleistung)? Umschreibt er jenen enger umgrenzten Tätigkeitsbereich, in dem der Mensch malt, musiziert, dichtet, gestaltet und spielt (also das Ensemble der Künste)? Oder fasst er die Besonderheiten territorial abgegrenzter Verhaltensweisen und Bräuche (in diesem Sinne gäbe es eine abendländische, deutsche oder bayrische Kultur)? Es ließen sich weitere Definitionen heranziehen – und je nachdem in welchem Wörterbuch man nachschlägt, welche Philosophin oder welchen Historiker man fragt, wird man eine andere Antwort erhalten. Es gibt zumindest einige Gründe, misstrauisch zu sein, wenn mit dem Begriff der Kultur hantiert wird: Weil die Deutschen keine politische Revolution hinbekommen haben, verstanden sie sich (durchaus in antifranzösischer Manier) fortan als Kulturnation – und während sich heute keiner mehr traut, von rassischen Besonderheiten zu reden, lässt man es durchgehen, wenn gefordert wird, Verständnis für die Eigenarten bestimmter Kulturkreise zu haben (wer das Gruseln lernen will, sollte in diesen Fällen probeweise einmal das Wort Kultur durch Rasse ersetzen). In Zeiten ihrer fortschreitenden Marginalisierung scheint in der Linken die Kulturpolitik – verbunden mit den Stichwörtern der alternativen, Sub- oder Gegenkultur – einer der letzten Bereiche zu sein, in denen die Kämpfe nicht hoffnungslos verloren sind. Es lohnt sich daher, einmal einen Schnelldurchlauf durch einige Aspekte der Geschichte »linker Kulturpolitik« zu machen. (mehr…)

Gegen Stirner

Eben habe ich den Text »Stirner und der Materialismus« von Jörg Finkenberger gelesen, der mir sehr lesenswert erscheint und auf leidenschaftliche Weise ein redliches Anliegen vorträgt, den ich aber in seinem Kernpunkt verkehrt finde und der mich daher zum unmittelbaren Widersprechen anregt. Wenn ich hier kurz und knapp etwas zu Stirner schreibe, muss ich vorausschicken, dass meine Stirner-Lektüre einige Jahre zurück liegt und ich daher nicht alle Thesen textsicher belegen kann. »Der Einzige und sein Eigentum« steht jedoch erneut auf meinem Lektüreplan – daher ist Folgendes vielleicht als Ankündigung zu lesen; ich werde mich sicher nochmal ausführlicher zu Stirner & co äußern.

Jörg Finkenberger behauptet, dass Stirner, im Gegensatz zu Marx, der den Widerspruch zwischen idealistischem und materialistischem Flügel des Junghegelianismus harmonisch (geradezu diktatorisch) aufgehoben habe, einen entscheidenden Punkt markiert habe: das auf keinen Begriff reduzierbare, einzelne, leibliche Individuum. In Finkenbergers Worten:

Dieser Punkt besteht aber traurigerweise genau darin, dass sowohl Bauers Begriff des Selbstbewusstseins, als auch Feuerbachs Begriff des Menschen daran scheitern, dass die Menschen, die darunter verstanden werden sollen, notwendig einzelne, notwendig leibliche, notwendig auf Begriffe nicht reduzible sind; sie gehen sowenig im Begriff auf die alle anderen Naturdinge, die Machinationen der philosophischen Kritik werden daran zuschanden.

Aus diesem Grund habe Stirner den Begriff der Menschheit, als eine Abstraktion, selbst der Religionskritik überführt, dagegen den Einzelnen stark gemacht und von dieser Warte aus, käme der Staat, der Marx notwendig entgangen sei, in das Blickfeld der Kritik.

Die Annahme, Stirner wäre es um das konkrete, leibliche Individuum gegangen, ist jedoch verkehrt. Der Fluchtpunkt von Stirners Kampf gegen Begriffe (anstatt gegen wirkliche Verhältnisse), die er als Namen nimmt, der sich im letzten Satz seines Buches – »Ich hab mein Sach auf nichts gestellt.« – konzentriert, ist nämlich eine Befreiung des Einzelnen von jeglicher Bestimmtheit. Auf diese Weise verkehrt sich das Gefecht gegen Allgemeinheiten und Abstraktionen und wird am Ende ein Kampf gegen Bestimmtheit und Bestimmungen überhaupt. Der Einzelne ist auf nichts gestellt – er ist vollkommen voraussetzungslos, unbestimmt, unbedingt – er ist ein Nichts. Somit hat aber Stirners Individualismus mit konkreter Leiblichkeit und Individualität nichts zu tun, vielmehr zielt sie auf die Vernichtung dieser. Der Einzige ist ein Mann ohne Eigenschaften – er ist daher nicht das Nichtidentische, das sich dem Begriff entzieht, sondern reine und daher leere Identität. Und so nimmt Stirner auch keine Vermittlung zwischen Idealismus (dem die menschliche Selbsttätigkeit der Geist ist) und mechanischem Materialismus vor – in seinen Worten: der Einzelne muss als Dritter das Ideale und das Reale gleichermaßen zerstören, um endlich Mensch (nicht mehr Menschheit) zu sein.

Es ist sicher kein Zufall, dass Stirnerianer und Individualanarchisten außerhalb und gegen die moderne Arbeiterbewegung standen, gegen soziale Revolution und Generalstreik das individuelle, nomadische Sich-Entziehen stellten und das Privateigentum verteidigten – so etwa John Henry Mackay, neben dem jungen Rudolph Steiner einer der wenigen deutschsprachigen Individualanarchisten, der Stirner überhaupt erst in den Anarchismus eingeführt hat, der dort vorher zurecht keine Rolle spielte. Denn Stirner markiert nicht das Unabgegoltene, das in der historischen Trennung zwischen Anarchisten und Kommunisten in der IAA liegt. Die Kritik an einigen Ausprägungen des Anarchismus, die Joachim Bruhn in seinen lesenswerten »Thesen über das Verhältnis von anarchistischer und marxistischer Staatskritik« formuliert, die Finkenberger heranzieht, trifft m.E. genau Stirner, mit dem Finkenberger jenes Unabgegoltene identifiziert: Stirner will lediglich den Bourgeois vom Citoyen befreien und entfesselt damit dessen unmenschliche Gestalt. Mit dem Citoyen wird auch der Begriff der Menschheit und damit jede gattungsmäßige Solidarität getötet und der Bourgeois wird zum Raubmörder, dem nur noch das Recht des Stärkeren gilt. Dies bringt Ahlrich Meyer in seinem lesenswerten Nachwort in der Reclam-Ausgabe des »Einzigen« mit Moses Hess auf den Punkt:

„Moses Heß, der Stirner auf den Standpunkt der bürgerlichen Gesellschaft bringt, bemerkt, daß hier an der freien Konkurrenz allein kritisiert wird, daß sie »kein unmittelbarer Raubmord ist«: »Die ›Konsequenz‹ des ›Einzigen‹, rationell ausgedrückt, ist der kategorische Imperativ: Werdet Tiere!«“ (S.449)

Für eine Staatskritik ist damit m.E. wenig gewonnen. Im Gegenteil – mir scheint Stirners Individualismus eher mit einem soldatischen Individualismus ala Ernst Jünger einherzugehen, der ideengeschichtlich die Voraussetzung für den nationalsozialistischen Volksstaat war: Das Individuum muss erst zum isolierten, voraussetzungslosen, eigenschaftslosen Einzelnen werden, bevor es widerspruchslos in der Volksgemeinschaft aufgehen kann.

Wie gesagt – die hier vorgestellten Thesen sind noch mit Textbelegen zu versehen. Ich werde sie in der nächsten Zeit bringen.

Bis dahin noch zwei Empfehlungen, beide mit Einschränkungen versehen:

■ Peter Bierl zu den aktuellen Ausprägungen des Individualanarchismus, in seinem Text „Der Geheimbund der Revolutionäre“ – der Text ist insgesamt lesenswert, hat aber wie viele Texte Bierls das Problem, dass er sich an einem gewissen Punkt in der kriminalistischen Frage verliert, wer hier mal mit wem rumgehangen hat und wer wo publizieren darf obwohl er sich in einer Fußnote mal auf den und den bezogen hat (sich also mit Problemen der Verwandtschaftsschuld herumschlägt).

■ Das Buch „Die Ideologie der anonymen Gesellschaft“ untersucht die untergründige Wirkungsgeschichte Max Stirners. Ich kann es nur leider nicht kompetenter Weise empfehlen, weil ich es noch nicht gelesen habe. Klappentext und erste Seiten lassen es mir aber als eine lohnende Lektüre erscheinen, die eine Debatte über Stirner sicher anregen kann.

Geheimnis & Gewalt

»Geheimnis und Gewalt« ist der Titel der sehr lesenswerten Autobiografie von Georg K. Glaser. Glaser, 1919 in Guntersblum im Rhein-Main-Gebiet geboren, litt in seiner Kindheit unter den Misshandlungen seines sadistischen Vaters, vor dem er bald auf die Straße floh. So wurde Glaser noch als Kind ein Landstreicher und Vagabund. In verschiedenen Heimen, in denen Glaser immer wieder Aufstände anstachelte, geriet er in Kontakt mit den Organisationen der Arbeiterjugendbewegung, zu deren anarchistischem und kommunistischem Flügel er sich besonders hingezogen fühlte. So wurde Glaser ein umtriebiger Revolutionär und Kämpfer, der sich (auch innerhalb der KPD, für die er später organisatorisch und literarisch tätig wurde) stets den eigensinnigen Geist des Vagabunden bewahrte. Infolgedessen lernte er nicht nur Jugendheime und Nachtasyle, sondern auch die Knäste der Weimarer Republik von innen kennen.

In der Verwegenheit des Charakters, aber auch in ihrem Zynismus, ist Glasers Autobiografie durchaus mit den Lebensberichten von Franz Jung und Victor Serge verwandt. Mit beiden hat Glaser einiges gemein – leider auch eine bestimmte Haltung zu Frauen. Dies deutet sich bereits am Anfang des Buches an, als Glaser eine strotzend-symbolisch aufgeladene Situation beschreibt, in der sich in einem Zoo ein verwelktes Fräulein, das »längst jenseits der Hoffnung war, eine vollständige Frau zu werden« und ein riesiger Stier gegenüberstehen. Die Frau ist vom Anblick des Stieres gebannt, der einen Samenerguss auf die Fliesen seines Käfigs verliert und dieses Bild braut sich für Glaser zusammen, »zu einem einzigen, gewaltigen, einmaligen, wie zu Fels gewordenen Schrei, einer urgrundtiefen Auflehnung gegen die Schöpfung.« Seine Haltung gegenüber Frauen wird deutlich, wenn er zahlreiche seiner Beziehungen und zuletzt seine Ehe schildert – die Frauen, denen er begegnet ist, sind im Buch charakterlose, kaum beschriebene Figuren, deren Funktion lediglich darin besteht, Glaser aus einer seiner Krisen herauszuhelfen oder ihm Beistand zu leisten. Im Gegensatz zu seinen männlichen Gefährten bleiben sie blass im Hintergrund.

Das Buch ist dennoch empfehlenswert, insbesondere die Beschreibungen der kommunistischen Bewegung und des antifaschistischen Widerstands sind spannend und lehrreich. Glaser bringt hier Einsicht in ein Milieu – es ist ein heimatloses, subproletarisches und desillusioniertes Milieu –, das entschlossen war, den Nazis mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. In der Weimarer Republik war Glaser an der Organisierung roter Garden beteiligt, schlug sich mit SA-Leuten und reiste im Auftrag der KPD in verschiedene Städte, um dort eine Vormachtstellung der Nazis auf der Straße zu verhindern. Mit der Machtübernahme der Nazis ging er in den Untergrund, verteilte illegal antifaschistische und kommunistische Flugschriften und floh, nachdem er einen SS-Mann erschossen hatte, der ihn beim Flugblattverteilen gestellt hatte, erst ins Saargebiet und dann nach Frankreich. Durch Heirat zum französischen Staatsbürger geworden, zog er dann unter französischer Flagge gegen die Deutschen in den Krieg und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, wo er sich als Franzose ausgab. Noch im Arbeitslager organisierte Glaser Widerstand und konnte gegen Ende des Krieges fliehen. Die Autobiografie bricht nach dem Kriegsende ab.

Kaum etwas ist in Glasers historischen Schilderungen deutlicher, als seine Enttäuschung von der Arbeiterbewegung und der KPD angesichts deren Versagen vor dem Aufstieg des Faschismus – und diese Reflexionen sind es, die »Geheimnis und Gewalt« vor allem lesenswert machen. (mehr…)

Zwischenbericht

Um das Aergernis-Blog ist es in der letzten Zeit ruhig geworden. Mir fehlten die Zeit und der Antrieb, das Blog mit sinnvollen Beiträgen zu bestücken und wenn ich doch schreiberisch tätig war, habe ich dies lieber in kleinen Postillen, Fanzines und Zeitschriften getan, deren Form mir verbindlicher erschien und eine angenehmere Debattenkultur ermöglicht als es in den Blogspalten oftmals der Fall ist. Ich wollte das Blog trotzdem nicht löschen, da es (wenn für niemanden sonst, so doch wenigstens für mich) ein teils interessantes, teils amüsantes Archiv und Abbild früherer Ansichten und Phasen meiner Begriffsbildung ist. Die meisten Posts betrachte ich inzwischen mit Distanz.

Gerade bekomme ich wieder Lust, hier hin und wieder kleinere Kommentare und Hinweise zu platzieren. Wie kontinuierlich ich dem nachgehen kann, wird sich herausstellen. Wahrscheinlich werde ich wenig Zeit haben, die Disussion in den Kommentarspalten zu pflegen – aber wir werden sehen. Ich beginne mit ein paar kleineren Hinweisen.

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In Leipzig hat kurz vor dem Jahreswechsel mit der „Translib“ ein „communistisches Labor“ eröffnet – eine Bibliothek, die ein sehr umfangreiches Sortiment an (zum Teil sehr exklusiver und hochkarätig interessanter) Literatur aufweisen kann. Berichten zufolge wird es noch eine Weile dauern, bis ein Katalog erstellt und das wissenschaftliche Arbeiten in der Translib möglich ist. Trotzdem gibt es bereits ein interessantes Veranstaltungsprogramm. Außerdem hat das Bibliothekskollektiv einen lesenswerten Selbstverständnistext veröffentlicht, der thesenartig ein Kritikprogramm vorstellt. Der Text kann hier gelesen und hier gehört werden:

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Im letzten Jahr ist in Erfurt eine linke Zeitschrift mit dem Titel „Lirabelle“ entstanden, für die ich den Schriftzug entworfen habe (das oben abgebildete Logo fand leider keine Verwendung). In den bisher ersten drei Ausgaben stellt sich eine bunte Mischung dar: Typisch Links (im guten wie im schlechten Sinne), Schülerzeitung, zeckiges Fanzine, Linkskommunistisch, Antideutsch, Thüringisch, Bildungsarbeit, Wütend – das wären Attribute, mit denen ich das Projekt beschreiben würde. Ich selbst habe meinen Senf in einer Theorie-Praxis-Debatte dazu gegeben, die sich durch die ersten drei Hefte zieht. Ich bilde hier den Verlauf der Debatte ab, in der (auch bezüglich meines eigenen Versuchs) noch einige Widersprüche und Unklarheiten vorhanden sind, die sich vielleicht im weiteren Verlauf der Debatte aufklären können:

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Zufällig ist mir die aktuelle Ausgabe der „Mittelungen des Archivs der Arbeiterjugendbewegung“ in die Hände gefallen. In dem darin enthaltenen sehr lesenswerten Text „Antifaschistischer Widerstand von Arbeiterjugendlichen mit der bündischen Jugend, der Sportjugend und dem ›politisierenden Katholizismus‹ in Bremen“ von Jörg Wollenberg bin ich auf ein Zitat gestoßen, das eine These des Textes „Wer nicht wütend ist, kann nicht denken“ bestätigt: Dass eine wissenschaftliche Analyse der Verhältnisse einerseits notwendig ist, da sie die Bedingungen des eigenen Handelns bewusst macht, theoretische Bildung allein aber andererseits kein Garant dafür ist, in der jeweiligen Situation (und insbesondere angesichts des Faschismus oder von Faschisierungstendenzen) das richtige tun zu können. Wollenberg zitiert Nico Rost aus dessen Tagebuch vom 31.08.1944:

Es ist eine Tragödie, die viele von uns nicht sehen und begreifen, dass diese Zehntausende deutscher Sozialdemokraten […] trotz ihres guten Willens und obwohl sie viel belesener und entwickelter waren als die meisten Arbeiter in den anderen Ländern Europas, doch beinahe nichts getan haben, um den nazis den Weg zur Macht zu versperren. Sie hatten ein so großes Wissen, doch in der Praxis – in der revolutionären Praxis wussten sie damit nichts anzufangen. Ich neige oft zu der Annahme, dass den Duetschen, also auch den deutschen Arbeitern, jede politische Intuition fehlt, jedes politische ›Feeling‹.

Die Seminarraumsterilität, die heute der Praxiswut der Linken entgegengestellt wird, wird keine Subjekte hervorbringen, die dazu fähig sind, in der entscheidenden Situation das Richtige tun. Classless Kulla beschreibt das heutige Szenario in seinem Neujahrsgruß m.E. treffend:

Die absolute Demokratie am Ende der Geschichte sorgt sich um die gewählte Königin und ihren Hofstaat. In den Großstädten verdichten sich die nationalistische, gesunde und saubere Bourgeoisie und ihr Anhang. Die Ordnungsmacht bekämpft Widerstand, bevor er entsteht. Und die kritischen Häuflein haben Angst, daß es sie auch erwischt; wundern sich, daß niemand was macht, wenn sie nichts machen; regen sich auf, daß niemand weiß, was sie niemandem sagen; und organisieren sich als rivalisierende Seminare, die über das Hausrecht in nicht mehr vorhandenen Häusern streiten. [via]

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Damit schließe ich für heute erstmal.

Die Gewalt und ihre Grenzen

Ein Bericht über einige Vorfälle in Weimar (erschienen im Heft „Stadt der Vielfalt? – Rassismus, soziale Ausgrenzung und Nazigewalt in Erfurt

Gewalt, Sadismus, Bandenwesen und Willkür der Stärkeren sind nicht das ganz Andere zum Rechtsstaat, gegen das Recht und Gesetz einfach regulativ in Stellung zu bringen sind. Dass dies so scheinen kann, liegt daran, dass diese Phänomene an Orten stattfinden, die oftmals kaum sichtbar sind. Jede Rechtsstaatlichkeit und die dazugehörige Zurichtung der Individuen zu Rechtssubjekten basiert auf Gewalt1 – eine Banalität, die nicht ausgesprochen werden müsste, wenn es nicht so große Unterschiede in der Art und Weise geben würde, wie Menschen aufgrund unterschiedlicher Stellungen in der Gesellschaft von dieser Gewalt betroffen sind. Denn die Tatsache, dass die Zurücknahme unmittelbarer Gewalt in die Vermittlung der Institutionen nicht ohne eine gewisse alltägliche Konformität zu haben ist, macht die andere Tatsache unsichtbar, dass es keine Gewaltpotenz geben kann, ohne dass diese immer wieder umschlägt in ihren tatsächlichen Vollzug. So wie die Gewalt unsichtbar wird, wenn eine Institution auf ihrer bloßen Möglichkeit basiert (im Bezug auf den Staatssouverän ist dies nach Carl Schmitt die Fähigkeit, über den Ausnahmezustand entscheiden zu können), so muss sie doch an irgend einer Stelle des Institutionengefüges wieder ausbrechen und kann in der Vermittlung nicht ganz verschwinden. Es ist nur eine Ebene dieses Problems angesprochen, wenn man darauf verweist, dass beispielsweise die Polizei auf Subjekte angewiesen ist, welche die Fähigkeit zur Gewaltanwendung erlernen müssen – Subjekte, für die der Vollzug von Gewalt und ihre Einübung sowie Routinierung zu ihrem Berufsalltag gehören und die nicht funktionieren können, ohne eine gewisse Abhärtung und einer programmatischen Empathielosigkeit gegenüber den Objekten dieser Gewalt. Das Polizeiwesen setzt eine Charakterdisposition voraus, der Mitgefühl und das Bewusstsein für die Grenzen des Gegenübers tendenziell verloren gehen müssen. Der Möglichkeit der eingeübten Gewaltanwendung sind nun freilich institutionelle Grenzen gesetzt – ihre Systematik wäre nicht möglich, ohne ein genau definiertes Regelwerk, das festlegt in welchem Maß und in welchen Fällen Gewalt angewendet werden muss. Wäre die institutionalisierte Gewalt nicht in solche Grenzen gebannt, würde sie die Rechtsstaatlichkeit, die auf dieser Gewalt beruht, selbst gefährden und sich auflösen in miteinander konkurrierende Rackets. Doch eine solche Begrenzung der Gewalt ist nie ganz möglich – schon aus dem Grund, dass Gewalt per se eine Grenzüberschreitung ist. Sie würde ihre regulative Funktion nicht erfüllen können, wenn sie ihrem Objekt nicht real mit dem Grenzverlust drohen würde. So wie es keine Gewalt ohne Grenzüberschreitung gibt, so ist die institutionell organisierte Potenz von Gewalt nicht zu haben ohne einen Graubereich, in dem die Gewalt das Regelsystem verlässt und von der geregelten Potenz in den entregelten Vollzug übergeht – und dies nicht erst im Ausnahmezustand. Gewalt ist nie gänzlich zu kontrollieren. Dies bekommen vor allem Menschen zu spüren, die aus unterschiedlichen Gründen kaum in der Lage sind, ihre gesetzlich verbrieften Rechte, welche jene Begrenzung der Gewalt garantieren, geltend zu machen. Wenden wir unseren Blick von der weltoffenen Landeshauptstadt auf die nachbarlich gelegene Kulturstadt Weimar. Die folgende Geschichte aus Weimar handelt von einer solchen Grauzone, in der die eingeübte Gewalt der Polizei sich ungehemmt ausleben konnte. (mehr…)

Die Schmach noch schmachvoller machen indem man sie publiziert

*** Auf der Piazza haben ‚Tine und Lena‘ einen Text zur Plakataktion (siehe unten) gepostet, den ich an dieser Stelle dokumentieren möchte. ***

Dass Bauhaus-StudentInnen ihre gestalterische Expertise für politische Agitation an den Mann bringen, ist nicht neu: So entwarfen beispielsweise Dessauer Bauhaus-StudentInnen der kommunistischen Zellen – ein der KPD-nahestehender Studentenverband – kommunistische Wahlplakate in den 30er Jahren.

Der OB-Kandidat der Grünen, Carsten Meyer, wirbt derzeit mit sieben großformatigen Plakaten, die von der Künstlergruppe »Land in Sicht« (StudentInnen der Bauhaus-Universität, betreut von Prof. Joachim Preiss) gestaltet wurden. Eines dieser Plakate zeigt sechs verschiedenfarbige Mülltonnen, im Vordergrund einer abstrahierten Plattenbaulandschaft. Dazwischen ein zwei Tüten tragender Mann, den laut TA »viele Weimarer als Flaschensammler kennen dürften« (TA vom 11. April 2012). Das Plakat trägt den Slogan »Mehr Farben. Mehr Freude«. Der Flaschensammler als stereotype Sozial-Karikatur, der zunehmend polarisierten deutschen Klassengesellschaft, steht hier womöglich nicht nur für „Multikulti“ sonderN insbesondere für sozio-kulturelle Biodiversität. Das Flaschensammlen eine Freude sei, entspringt vermutlich ebenjener spießbürgerlichen Euphorie angesichts jedweder Differenz (ob horizontal oder vertikal). Das ist nicht nur zynisch und geschmacklos, könnte man meinen sondern spricht aus, was den gesellschaftlichen Diskurs seit ein paar Jahren prägt: Unverhohlen aggressiver Klassismus der abstiegsbedrohten Mittelschicht. Damit gesellt sich der Slogan sowohl neben »die spätrömische Dekadenz« eines Westerwelle als auch neben den Unterschichtenrassismus eines Sarrazin. Scheinbar Naiv wird hier mit den Insignien städtischer Armut opperiert und das in einer farbenfroh-infantilen Weise, die an eine romantisiert-heitere Vorstellung sozialer Ungleichheit anknüpft.

Die Situationistische Internationale hatte 1966 in ihrer Schrift »Über das Elend im Studenten-Milieu« die herkunftsspezifische Borniertheit der StudentInnen attackiert: »Wie ein stoischer Sklave glaubt der Student sich um so freier, je mehr alle Ketten der Autorität ihn fesseln. Genau wie seine neue Familie, die Universität, hält er sich für das gesellschaftliche Wesen mit der größten Autonomie, (…) .«1 Scheinbar fühlen sich unsere StudentInnen so frei, dem Kandidaten mittels ihres kreativen Potentials mit peppigen Design unter die Arme zu greifen. Diese Gestaltung bleibt keine Formsache. Armut dient hier als Werbegag und artikuliert daneben im beste Sinne »wohlgemeinten Bürgerrat«. Der Arme ist in der modernen Gesellschaft nicht bloß Manövriermasse sozialpolitischer Verwaltung sondern zieht stets das erzieherische Engagement besser gestellter BürgerInnen auf sich. Er kann nicht nur beraten, begleitet, therapiert, weggesperrt oder geduzt werden – er kann auch ungefragt als großformatige Werbefigur eine Stadt und deren Lokalpolitik präsentieren, die ihm nur in den Arsch tritt.

Die Diagnose Hannes Meyers, seines Zeichens Nachfolger von Gropius am Bauhaus Dessau, dass das Bauhaus von seiner Idee, »für das Volk«, also für die ärmeren Kreise zu gestalten, abgekommen sei, sieht sich aktuell erneut bestätigt. Ärmere Schichten sind schon lange kein Anlass oder gar Trägergruppe sozialen Engagements, sondern dienen vielmehr als Kontrastfolie aufstiegsorientierter Bevölkerungsgruppen.

Das wahrscheinlich nicht zufällig in unmittelbarer Nähe zum Polizeirevier platzierte Plakat wurde mittlerweile solide durch einen durchschlagenden Fusstritt angemessen verziert. Im Namen derer, die mit politischer Plakatkunst den Kampf um ein gutes Leben jenseits von Klassengesellschaften statt der naiv-verklärenden Darstellung hiesigen Elend verbinden: Vielen Dank an Unbekannt!

Von Tine und Lena

(via via)

  1. Situationsistische Internationale: Über das Elend im Studentenmilieu, Straßburg, 1966. [zurück]

Mehr Farben – Mehr Freude?

[via]

Wenn man mich fragen würde, was ich an Weimar verachte, dann würde mir – home is where my hate is – sicherlich eine Menge einfallen. Besonders sichtbar wird der unselige Geist einer solchen Stadt, wenn wieder mal eine Oberbürgermeisterwahl ansteht und manch spießbürgerlicher, weltabgewandter, dumpf heimatverliebter und kleinkarierter OB-Kandidat seinen Charakter auch offen zur Schau stellt, um seine Wähler – die genauso sind – ehrlich erreichen zu können; so etwa Carsten Meyer von den Grünen, dem es nicht peinlich ist, mit dem Spruch »Lass du die große Welt nur sausen, Wir wollen hier im stillen hausen« für seine Wahl zu werben und dies auch noch als Goethe-Zitat auszugeben. Eben jener Carsten Meyer ist sich aber nicht nur darüber bewusst, dass Goethe und Schiller aus Weimar kamen, sondern natürlich weiß er auch vom avantgardistischen Flair, der stets von der Bauhaus-Universität ausging. So hat er (oder einer seiner Wahlhelfer) sich eine »Originelle Plakataktion« [via] ausgedacht: Die Künstlergruppe »Land in Sicht« an der Bauhaus-Uni (betreut vom Kunst-Prof Joachim Preiß) hat sich dafür hergegeben und hat Herrn Meyer mit der Gestaltung von sieben großformatigen Wahlkampfplakaten unterstützt. Neben einigen mehr oder weniger langweiligen Entwürfen, die allesamt von denen manche an den Stil der Leipziger Schule erinnern, wurde am vergangenen Dienstag ein ganz besonders aussagekräftiges Plakat von den Künstlern und Wahlkämpfern enthüllt: Im Vordergrund sieht man eine Reihe von sechs je verschiedenfarbigen Mülltonnen, während sich im Hintergrund die blass-trübe Landschaft einer Plattenbau-Gegend vor den blauen Himmel schiebt. Im Mittelpunkt des Bildes sieht man eine langhaarige, etwas verlotterte Gestalt mit einem Plastik-Beutel in der Hand, die sich unentschlossen den farbigen Mülltonnen nähert – neben dieser Figur prangt der Slogan: »Mehr Farben. Mehr Freude.« Die TA, die wohlwollend über die gelungene Plakataktion schreibt, weiß zu berichten, dass es sich bei dieser Figur um einen Mann handelt, »den viele Weimarer als Flaschensammler kennen dürften«. Und tatsächlich – wer sich öfter in der Weimarer Innenstadt bewegt, erkennt auf dem Bild eindeutig einen Mann, der sich jeden Tag ein paar Cent damit verdient, Papierkörbe und Mülltonnen nach Pfandflaschen zu durchsuchen. Nun, was ist davon zu halten?

Politische Kunst ist meistens peinlich – sich als »Künstlergruppe« an eine etablierte politische Partei anzuschmeißen spricht dagegen nicht nur für einen wirklich schlechten Geschmack, sondern ist zudem gleichzeitig ein doppelter Verrat – an der Autonomie der Kunst, die sich einst von den staatlichen Institutionen emanzipierte, sowie am avantgardistischen Aufhebungsversuch der Kunst (dies gerade an einem Ort, wie dem Bauhaus, das vormals von den Weimarer Spießbürgern vertrieben worden war). Aber sei’s drum. Wie viel schamlose Arroganz gehört dazu, aus einer materiell nicht gerade schlecht gestellten Position (als Kunst-Prof, Student und Stadtrat), einen Menschen, der aus welchen Gründen auch immer (sicher weder aus Zufall, noch selbstgewählt, noch aus Vorliebe für farbige Mülltonnen), vom Müll der anderen leben muss, derart bloßzustellen? Sich so unverhohlen über das Elend, das man sich selbst ganz bestimmt nicht wünscht, lustig zu machen? Es ist die widerliche Klassenarroganz und Distinktion der gut gestellten Mittelschicht, die im Bioladen einkaufen kann, sich im Eigenheim am Rand einer Kulturstadt zur Ruhe gesetzt hat, oder hier verweilt, um das von den Eltern bezahlte Studium zu absolvieren. Hier spricht so ungeschminkt eine – zur Rede gestellt ganz bestimmt überhaupt nicht bös‘ gemeinte – Verachtung für diejenigen, die vom Wohlstand dieser Gesellschaft ausgeschlossen sind und denen man – wenn nicht mit den Polizeiknüppeln der Ordnungsmacht, so doch symbolisch, mit Bildern – noch hinterhertreten muss.

Sicherlich mit Bewusstsein darüber, dass dieser Klassenkampf von oben, von denen, die damit gemeint sind, nicht gerade mit Gegenliebe beantwortet werden wird, haben die Künstler – und das passt ganz zum zwielichtigen Habitus eines Neo Rauch – das Plakat direkt neben der Polizeiwache am Kirschberg aufgestellt. Weil es zu gefährlich wäre, kann man nun kaum dazu aufrufen, dieses Plakat seinerseits künstlerisch umzugestalten – so muss man aufs Ganze gehen und sollte es mit Raoul Hausmann halten:

Wir werden Weimar in die Luft sprengen!

Edit (11:55 Uhr):

Ich habe eben erfahren, dass jemand beherzt genug gewesen ist und schon gestern Nacht (also bevor ich meinen Artikel geschrieben habe) die Nähe zur Polizei nicht gescheut hat. Falls es zu irgendwelchen Repressalien kommt, jetzt schon mal: Aufruf zur Solidarität mit den Betroffenen!

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Über Positivität in Religion und Philosophie

Anlässlich einiger Diskussionen über Religion und Religionskritik, die ich im Rahmen der Mobilisierung gegen den Papst-Besuch in Erfurt geführt habe, will ich hier einen kurzen, etwas älteren Text von mir zur Verfügung stellen, der vermutlich etwas formal geschrieben ist, aber hoffentlich deutlich macht: dass es sinnvoll ist, sich Hegel zuzuwenden. Der Text kann als Einleitung, Einführung gelesen werden – ansonsten empfehle ich sehr die Lektüre des besprochenen Textes „Glauben und Wissen“ von Hegel selbst.

Über Positvität in Religion und Philosophie

Hegels Kritik an der verkehrten Trennung von Vernunft und Religion in seinem Aufsatz „Glauben und Wissen“

Ob Hegel eine frühe „theologische Phase“ durchlaufen habe oder ob er in seinen Frühschriften als vehementer Religionskritiker auftritt ist bis heute eine mitunter heftig umstrittene Frage in der Hegelrezeption. Im Gegensatz dazu möchte ich hier anhand der Einleitung seines Textes von 1802 „Glauben und Wissen oder die Reflexionsphilosophie der Subjektivität in der Vollständigkeit ihrer Formen als Kantische, Jacobische und Fichtesche Philosophie“ herausarbeiten wie Hegel zwar das bloße Sehnen des Glaubens nach Unendlichkeit als Unzulänglichkeit und letztlich als eine Verhaftung im Endlichen kritisiert, jedoch den bisherigen Aufklärern vorwirft in ihrer bloßen Entgegensetzung zur Religion den selben Fehler zu machen. Wenn der Philosophie des frühen Hegels ein religionskritisches Motiv zugrunde liegt, dann nur in der Weise, dass er den geschichtlichen Schritt, der sich in ihr äußert, zu würdigen weiß und anstatt sie einfach wegzuschaffen – ebenso wie die Philosophie – über sich hinaus treiben will und in diesem Sinne ihren Impetus zur Unendlichkeit ausdrücklich würdigt.

Am Beginn des Textes konstatiert Hegel, dass der Kampf zwischen Vernunft und Glauben inzwischen zu Gunsten der Vernunft entschieden gilt, sodass die Philosophie den Gegenstand der Religion nicht mehr ernst nimmt und sich über ihn erhaben dünkt. Er zieht jedoch in Zweifel, ob dieser Sieg der Vernunft tatsächlich gewonnen ist: „Es ist aber die Frage, ob die Siegerin Vernunft nicht eben das Schicksal erfuhr, welches die siegende Stärke barbarischer Nationen gegen die unterliegende Schwäche gebildeter zu haben pflegt, der äußeren Herrschaft nach die Oberhand zu behalten, dem Geiste nach aber dem Überwundenen zu erliegen.“ [S.287f]1 Schon in der Charakterisierung der Religion als zwar unterlegen, dafür aber gebildeter, macht deutlich, dass er an die Religion im Modus der rettenden Kritik herantritt. Er konstatiert, dass nach dem vermeintlichen Sieg der Aufklärung und mit der bloßen Entgegensetzung von Glauben und Vernunft, beide ihrer jeweils spezifischen Qualität beraubt werden: „Der glorreiche Sieg, welchen die aufklärende Vernunft über das, was sie nach dem geringen Maße ihres religiösen Begreifens als Glauben sich entgegengesetzt betrachtete, davongetragen hat, ist beim Lichte besehen kein anderer, als daß weder das Positive, mit dem sie sich zu kämpfen machte, noch daß sie, die gesiegt hat, Vernunft blieb und die Geburt, welche auf diesen Leichnamen triumphierend als das gemeinschaftliche, beide vereinigende Kind des Friedens schwebt, ebensowenig von Vernunft als echtem Glauben an sich hat.“ [S.288] In diesem Satz ist Hegels Stellung zu Religion und Aufklärung zusammengefasst: In der verkehrten Entgegensetzung von Vernunft und Glauben verbleiben beider auf einer Ebene – gewissermaßen in einer verkehrten und unbewussten Versöhnung – stehen. Ich möchte im Folgenden herausarbeiten warum a.) bei Hegel die Religion in Gestalt des Protestantismus eine Tendenz in die richtige Richtung darstellt, als solche jedoch befangen bleibt und warum b.) die Philosophie lediglich die Tendenz und mit dieser die Befangenheit der Religion bzw. des Eudämonismus weiter treibt, aber nicht über sie hinaus gelangt. (mehr…)

Die Aufhebung der Avantgarde

»Eine der bisher umfassendsten Untersuchungen der S.I. im deutschsprachigen Raum.« [via]

So zitiert die Homepage des Transcriptverlags meine Rezension über das Buch »Situationistische InternationaleEintritt, Austritt, Ausschluss. Zur Dialektik interpersoneller Beziehungen und Theorieproduktion einer ästhetisch-politischen Avantgarde (1957-1972)« von Max Orlich, die in der aktuellen Ausgabe der Phase 2 zu lesen ist. So wirbt nun meine Rezension, die eigentlich ein Verriss der Dissertation von Orlich sein sollte, für dieses Machwerk akademischer Rekuperation. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch weil der Kürzungsprozess für die Kilby-Redaktion äußerst schmerzlich für mich war, stelle ich hier nun die ungekürzte extended-Version der Rezension zur Verfügung. Irgendwann soll auch ein Verriss der SI-Dissertation von Jörn Etzold folgen.

Die Aufhebung der Avantgarde

Die Situationistische Internationale gehörte von 1957 bis 1972 zu einer der radikalsten Gruppierungen derjenigen Bewegung, die es anstrebt, den jetzigen Zustand aufzuheben. Selbst hervorgegangen aus versprengten Resten der nach dem zweiten Weltkrieg verbliebenen Kunstavantgarde, richtete sich die S.I., ausgehend von Frankreich, gegen die Borniertheit der Künstler-Kreise und die Szene linker Polit-Spezialisten, um außerhalb des akademischen Wissenschaftsbetriebs eine umfassende Kritik der kapitalistischen Gesellschaft auf der Höhe der Zeit zu formulieren und ein Programm der Abschaffungen zu erarbeiten. Während die S.I. vor allem für einen gewissen Stil bekannt wurde, der sich etwa in der Herausgabe einer aufwendig gestalteten Zeitschrift oder in den bekannten Comic-Verfremdungen zeigte, war es jedoch eines ihrer vorrangigen Tätigkeiten, eine von Hegel ausgehende Theorietradition des Marxismus – jedoch nicht mehr als »ismus«– als Theorie der Praxis zu rekonstruieren und hiervon ausgehend eine Kritik der »Gesellschaft des Spektakels« [Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels (1967), dt. Berlin 1996] zu entwickeln. Deren Augenmerk ist besonders auf die Bildhaftigkeit kapitalistischer Warenproduktion und -konsumtion gerichtet, begreift das Alltagsleben als Hauptfeld der Auseinandersetzungen, richtet sich zentral gegen das Prinzip der Repräsentation, setzt sich intensiv mit Zeitstrukturen und Geschichtsschreibung in der Warengesellschaft auseinander und widmet sich der Ordnung des urbanen Raums als einem wichtigen Aspekt der Disziplinierung und Zurichtung rund um die Lohnarbeit und ihre Reproduktion. In ihrer Ablehnung des Staatssozialismus und mit ihrer gnadenlosen Kritik des Marxismus-Leninismus kann die S.I., neben Adorno/Horkheimer in Deutschland, Georg Lukács in Ungarn und den rätekommunistischen Zusammenhängen in den Niederlanden, zu einem der wichtigsten Stränge kritischer Theorie gezählt werden. Da eines der Hauptprobleme der so verstandenen Ansätze kritischer Theorie, die, in voneinander noch isoliert gebliebene Abteilungen oder Parzellen getrennt, jeweils ihre Sehschärfen und blinden Flecken aufweisen (bei der S.I. am gravierendsten ihre Ausblendung von Antisemitismus, NS und Shoa, bei den anderen die radikale Kritik des Staats), jedoch bei ihnen allen das Verhältnis von Theorie und Praxis darstellt, lohnt es einen Blick darauf zu werfen, wie die S.I. dieses Vermittlungsproblem selbst praktisch zu lösen suchte.

Im Transcript-Verlag ist nun eine Arbeit erschienen, die sich zentral mit der Gruppenpraxis der S.I. in ihren verschiedenen Phasen auseinandersetzt. Max Jakob Orlich legt hier ein Buch vor, das mit über 600 Seiten wohl eine der bisher umfassendsten Untersuchungen der S.I. im deutschsprachigen Raum darstellt. In seiner Dissertation, der er eine nützliche Zusammenfassung des bisherigen internationalen Stands der Forschung zur S.I., eine ausführliche Darlegung seiner methodischen Herangehensweise und eine brauchbare Einführung in die Begriffe der S.I. voranstellt, widmet er sich in mehreren Schritten vor allem der organisatorischen und zugleich personellen Gruppenstruktur der S.I. im Spannungsfeld von Theorie und Praxis. Einzigartig dürfte bisher der Versuch sein, die Wechselbedingtheit dieser Theoriebildung einerseits und der Dynamik der Gruppenstruktur andererseits mit solcher Akribie zu rekonstruieren. Ein Gesamtbild dessen, wer die SituationistInnen tatsächlich waren, wie sie miteinander umgingen und wie sie ihre Theorien ausfochten und eine ihr entsprechende Praxis suchten, lag bisher derart mikrologisch-übersichtlich in einer kompakten Buchdarstellung nicht vor. (mehr…)

Dass es ›so weiter‹ geht, ist die Katastrophe.

Im Mai-Programmheft von Radio Corax ist die schriftliche Version eines Gesprächs über Fukushima und das Atomzeitalter erschienen, das ich im März mit Roger Behrens geführt habe (und das inzwischen im Audioarchiv dokumentiert ist). Das Gespräch kann hier online oder als PDF gelesen werden oder untenstehend im html-Modus. (mehr…)

Vom Scheiternd er Sprache #8

Hiermit verweise ich auf meinen kürzlich bei Beatpunk erschienenen Text über Nietzsches Sprachphilosophie: vom Scheitern der Sprache. Der Artikel war ursprünglich als Beitrag zur Sprachdebatte (hier, hier, hier, hier und hier) im Conne Island Newsflyer Cee Ieh konzipiert, in der Zwischenzeit hat sich jedoch die alte Redaktion aufgelöst (ein neues Zeitungsprojekt befindet sich zur Zeit in Gründung). In der Zwischenzeit ist außerdem ein lesenswerter Text zur Sprache von Magnus Klaue erschienen: Die Bauchredner des Affekts.

Fukushima und das Mittel zum Zweck

Hannah Arendt beschreibt im ersten Kapitel ihres Essays „Macht und Gewalt“, wie nach dem zweiten Weltkrieg eine ganze Generation mit der Erfahrung aufwächst, dass der Fortschritt – also ein Fortschritt der Wissenschaft, der Technik und der Produktion – nicht in erster Linie einen Reichtum an individuellen oder kollektiven Handlungsmöglichkeiten schafft, sondern dass dieser Fortschritt „in mancherlei Hinsicht das Leben auf der Erde katastrophal bedroht (…)1“. Sie demonstriert dieses Gefühl einer Generation, in dem sie auf die Fragen „Wie soll die Welt in fünfzig Jahren aussehen?“ oder „Wie möchtest Du, daß Dein Leben in fünfzig Jahren aussieht?“ die fiktiven Antworten gibt: „Voraußgesetzt, daß es dann noch eine Welt gibt“ oder „Vorausgesetzt, daß ich dann noch lebe2“. Dieses katastrophische und perspektivlose Lebensgefühl manifestierte sich in unterschiedlicher Form in allen gesellschaftlichen Bereichen: die Philosophie musste sich mit der Möglichkeit der Vernichtung alles menschlichen Lebens auf der Erde auseinandersetzen, der dystopische Roman etablierte sich als literarische Form der Auseinandersetzung mit der Möglichkeit einer katastrophischen Zukunft und die Perspektivlosigkeit angesichts des drohenden Gefahrenpotentials schlug sich in einer Reihe von Subkulturen nieder, allem voran im Punk mit seiner Parole „There is no future“. Dieses Katastrophengefühl einer ganzen Generation hatte vor allem einen Anlass: die militärische und zivile Nutzung der Kernenergie. Konkret waren dies die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, die atomare Aufrüstung und Atomwaffentest im Zuge des kalten Krieges und schließlich die Reaktorunfälle in Harrisburg 1979 und in Tschernobyl 1986.

Ich selbst habe dieses Katastrophengefühl nur vermittelt erlebt – über Erzählungen, sowie über kulturelle Manifestationen, etwa den Punk der 80′er Jahre. Doch dieses Gefühl war für mich selbst nie real – auch wenn ich mir bald über die Gefahren der Nutzung von Kernenergie bewusst wurde und selbstverständlich den Einsatz von Atomwaffen ablehnte, waren die Möglichkeiten des Supergaus oder eines die Menschheit gefährdenden Militärschlags nie zentraler Bestandteil meines Lebensgefühls und ich glaube, dass dies ebenso wenig bei einem Großteil meiner Generationsgenossen der Fall gewesen ist. Man könnte meinen, dass die Menschen gelernt haben mit der Möglichkeit der absoluten Vernichtung zu leben. Die Katastrophe ist aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Die Möglichkeit der Katastrophe selbst ist hingegen objektiv in keinem Augenblick verschwunden: nach wie vor spielen Atomwaffen international eine entscheidende Rolle im Machtgefälle, nach wie vor sind weltweit über 200 Atomkraftwerke in Betrieb, nach wie vor kann niemand die Folgen im Falle eines Unfalls abschätzen. (mehr…)