Archiv der Kategorie 'Radio'

Das berühmteste Werk eines Bauhäuslers

Im Zuge der Debatte um das Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet in Dessau haben sich auch Besorgte Bauhäusler zu Wort gemeldet. Deren Statement war eigentlich das Interessanteste, was in der Debatte zu hören war und las sich so:

Wer vom Bauhaus redet ohne an die Shoa zu denken, soll bitte die Klappe halten!

Es wurden nicht nur das Bauhaus und seine Meister aus Weimar, Dessau und Berlin vertrieben, sondern auch die Schülerinnen und Schüler. Ihre Architektur, Kunst und Gestaltung wurde von den Deutschen als entartet oder als Kulturbolschewismus verunglimpft. Sie wurden verfolgt weil sie nicht in das Bild der Rechten passten — wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, weil sie anderer Meinung waren oder weil sie einfach etwas gegen Nazis hatten.

Mindestens 60 Bauhäusler*innen wurden direkte Opfer rechter Ideologie, saßen in Knästen und Konzentrationslagern, viele konnten vor den Nazis fliehen. Es gab auch einige, die sich mit den Rechten arrangierten, ihnen gehorchten oder verstummten.

17 Bauhäusler*innen wurden von den deutschen Faschisten ermordet.

Mehrere Bauhäusler*innen gingen in den Widerstand, manche in den Untergrund. Einer von ihnen, der Dessauer Bauhäusler Max Gebhard, gestaltete 1932 unter Regie von Max Keilson das Logo der Antifaschistischen Aktion. Die Einflüsse vom Bauhaus sind klar zu erkennen.

Bis heute gibt es unzählige Abwandlungen des ursprünglichen Logos. Es ist mittlerweile weltweit zu finden und gehört mit all seinen Variationen zu den bekanntesten politischen Zeichen. Das Logo der Antifaschistischen Aktion ist somit wohl das berühmteste Werk eines Bauhäuslers.

Ich wollte der Geschichte von Max Gebhard weiter nachgehen und habe mit Schröter von Schroeter und Berger über ihn gesprochen.

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➳ Siehe auch meine Sendung zum Bauhaus

Punks on Air

Die letzte Ausgabe der CORAX-Programmzeitschrift (August/September) hat sich dem Punk gewidmet. In mehrerer Hinsicht ein sinnvolles Anliegen: Punk findet bei Radio CORAX immer wieder statt, Punk und Gesellschaftskritik haben durchaus eine Beziehung (siehe Lipstick Traces) und (wie Jonas Engelmann im Heft herausarbeitet) die Geschichte des Punk spiegelt sich in jener des Radios. Das Magazin kann online hier angeschaut werden (was sich auch aufgrund der darin enthaltenen Collagen lohnt). Das Debatten-Onlinemagazin TRANSIT hat die darin enthaltenen Texte auf ihrem Blog veröffentlicht:

Jonas Engelmann – The End of Radio. Punk, Radio und keine Zukunft

Lisa: RRR für die Revolution. Eine kleine Geschichte der Riot Grrrls

Alexander Pehlemann – I belong to the (late) DT64 generation. Eine audiobiografische UKW-Wegskizze

Reem: Punk Music in the Islamic World. Peace, Unity, and Truth

Außerdem fanden sich entsprechende Inhalte im Programm von Radio Corax wieder. Gemeinsam mit Lisa habe ich Jonas Engelmann über die Kulturgeschichte des Punk interviewt:

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Lisa hat die Autorin Anna Seidel (u.a. Pop-Zeitschrift) über die Geschichte der Riot GRRRls interviewt:

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Gemeinsam mit Nico von Radio Corax haben wir über Bücher zur Punkgeschichte (Please kill me | Punk Rock – Die ganze Geschichte | Verschwende deine Jugend) gesprochen:

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Und zuletzt haben wir ein paar Leute aus dem Bekanntenkreis über ihre Ansichten zum Punk befragt. Mit dabei waren auch John, George, Paul Ringo & Richard mit ein par Akustik-Nummern:

Abschied von der SPEX

Im Editorial ihrer aktuellen Ausgabe hat die Musikzeitschrift SPEX angekündigt, das Erscheinen zum Jahresende einzustellen. Auch wenn ich SPEX in den letzten Jahren nicht mehr verfolgt habe und mir ihr Ansatz oft zu postmodern war (ich gleichwohl viel gute Musik durch Spex entdeckt habe, nicht zuletzt einen meiner Lieblingsmusiker), glaube ich, dass das Ende der SPEX ein Verlust ist. In einem Radio-Beitrag verabschiede ich mich von der SPEX. Gemeinsam mit Roger Behrens (Testcard) und Nico von Radio CORAX gehe ich den Frage nach, was die SPEX war und was kritischer Popjournalismus bedeuten kann.

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Erhart Löhnberg: Linkssozialist, Antifaschist und Marx-Interpret

Erhart Löhnberg wurde 1903 als Sohn eines jüdischen Arztes geboren. In der Weimarer Republik betätigte er sich in pazifistischen und linken studentischen Gruppen. 1937 musste er vor der Verfolgung der Nationalsozialisten fliehen. Im bolivianischen Exil bemühte er sich um die Organisierung einer antifaschistischen Einheitsfront, er gehörte zum deutschen Emigranten-Komitee Das Andere Deutschland und betätigte sich als undogmatischer Linkssozialist. Zurück in Deutschland veröffentlichte er 1975 eine Einführung in die drei Bände des „Kapitals“ von Karl Marx und kommentierte darin auch die Debatten um die Interpretationen und Probleme marx’scher Theorie. Heute ist sein Leben und Werk so gut wie vergessen.

Auf verdienstvolle Weise hat Nathanael Wolff zum Lebensweg von Erhart Löhnberg geforscht und die Resultate in einem Text beim Online-Magazin Kritische Perspektive zusammengefasst. Darin geht er auch auf Stärken und Schwächen der Marx-Interpretation Löhnbergs ein. Ich habe mit Nathanael Wolff ein Interview über Löhnberg geführt. Das Interview beginnt mit der Frage danach, warum Löhnberg heute so vergessen ist.

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Ruhe und Ordnung in Halle

Ruhe und Ordnung – Roman aus dem Leben der nationalgesinnten Jugend“ ist der Titel eines Romans von Ernst Ottwalt. Schauplatz dieser Autobiografie ist die Stadt Halle. Ottwalt schildert die Folgeereignisse der Novemberrevolution in Halle – dies aus der Sicht eines Freikorps-Soldaten und Spitzels in revolutionären Arbeiterkreisen. Ottwalt beschreibt nicht nur einen Teil der Stadtgeschichte Halles, sondern legt auch eine psychologische Studie über jenes Milieu vor, aus dem später die nationalsozialistische Bewegung entstand. In seinem weiteren Lebensweg wechselte Ottwalt die Seiten und wurde zu einem Kommunisten – er bewegte sich im Umfeld des linken Malik-Verlags und arbeitete mit Bertolt Brecht zusammen. Ich habe das Buch gemeinsam mit meiner Kollegin Christina im Morgenmagazin von Radio Corax vorgestellt. In Halle ist zur Zeit eine Ausstellung über den Malikverlag zu sehen.

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Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand

Später erst habe ich begriffen, daß in einer Gesellschaft, die den Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlt (darüber gibt es nichts zu reden), daß bei uns noch andere ungeschriebene Gesetze walten, die in einer von Männern beherrschten Welt gemacht worden sind, – die werden mitgeschleppt, zäh und dumm und als ein Joch, unter das man unseren Nacken beugt, nicht anders als das verfluchte Man-tut-das-nicht meiner Eltern …

Soll das heißen: sie stellt die Prinzipien des sozialistischen Städtebaus in Frage? Die Dogmen – ja, sagte sie. Schafheutlin stemmte die Fersen gegen den Boden. Die Komplexe zum Beispiel? – Ein Haufen Angerdörfer. – Aber die ökonomisch günstigste Lösung. – Aber Mord an der Stadt. – Für sie spielt Ökonomie natürlich keine Rolle. – Und Sie denken nur in Wohnungseinheiten …

Mit diesen Zitaten sind zwei zentrale Stränge des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann hervorgekehrt: Die Emanzipation der Frau und die Frage des Städtebaus in der DDR. Was „Franziska Linkerhand“ – ebenso wie die Literaturverfilmung „Unser kurzes Leben“ von Lothar Warneke – gegenüber den meisten heutigen Literaturerzeugnissen auszeichnet, ist, dass das Alltags- und Berufsleben und die damit verbundenen Konflikte zum Sujet erhoben werden, ohne dass der Inhalt dadurch banal würde. Ich habe den Roman gemeinsam mit meiner Kollegin Christina im Morgenmagazin von Radio Corax vorgestellt:

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Raban Radio Online

Eine von mir sehr geschätzte Radio-Genossin hat einen Blog erstellt, auf dem sie Interviews, Beiträge und Features online stellt. Den möchte ich nicht einfach nur in meine Linkliste aufnehmen, sondern explizit darauf hinweisen: Es lohnt sich, ein wenig darauf rumzustöbern. Schwerpunktthemen sind bisher Flucht und Exil im zweiten Weltkrieg, Literatur der Zwischenkriegszeit und Tod & Freitod. Auf weitere Themen darf man gespannt warten.

Von ‚Crisis‘ zu ‚Death in June‘

Über die Grauzone im Neofolk

Fans des ’70er-Jahre-Anarchopunk mögen sich über diese Nachricht freuen: Die britische Band „Crisis“ hat sich wiedervereinigt und wird in diesem Jahr unter anderem auf dem „Wave-Gothik-Treffen“ (WGT) in Leipzig spielen. Allerdings hat diese Nachricht einen faden Beigeschmack – sie ist im Zusammenhang mit einer Diskussion über die Grauzone in der „Schwarzen Szene“ zu sehen. Eine Diskussion, der sich diese Szene nie wirklich gestellt hat. Aus „Crisis“ ist Anfang der ’80er Jahre die Band „Death in June“ hervorgegangen, die das Genre des Neofolk maßgeblich geprägt hat und die sich immer wieder positiv auf die SA und den Strasser-Flügel der NSDAP bezogen hat. Um dieser Gemengelage auf den Grund zu gehen, haben ich ein Interview mit Peter Schulz geführt, der sich immer wieder kritisch mit dem Genre des Neofolk auseinandergesetzt hat. Ich habe ihn zunächst nach einer Definition des Neofolk gefragt.

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Ergänzend sei auf den sehr lesenswerten Text „Ästhetik des Eigensinns – Goth zwischen bürgerlichem Befreiungsideal und Duldung der Barbarei“ aus dem Cee Ieh hingewiesen, an dem Peter Schulz mitgeschrieben hat. In der 7. Ausgabe von „Kunst, Spektakel und Revolution“ werden Magdalena Gerwien und Peter Schulz einen Text über „Schwärze und Dunkelheit im Neofolk“ veröffentlichen. Die Ausgabe ist derzeit in Arbeit und wird in den nächsten Monaten erscheinen. In KSR N°3 schrieben sie bereits über „Risse im Traum – Neue Barbaren in Brechts Nordseekrabben“.

Art is a weapon – Ein Film über Angel Wagenstein

Andrea Simon hat einen Film über den bulgarischen Drehbuchautoren Angel Wagenstein gemacht, der u.a. mit dem DEFA-Regisseur Konrad Wolf zusammengearbeitet hat. Ich habe mit ihr über Wagenstein und die Geschichte Bulgariens gesprochen und daraus einen Radio-Beitrag gebaut. Alle Infos zum Film und einen Trailer gibt es hier. Den Film „Sterne“ von Konrad Wolf, der im Beitrag eine zentrale Rolle spielt, für den Wagenstein das Drehbuch geschrieben hat, kann man hier ansehen. Eine Sendestrecke zur DEFA, in der auch ein Interview mit Jakob Hayner über Konrad Wolf enthalten ist, findet sich hier – ein Interview mit Andreas Kötzing vom Hannah-Ahrend-Institut Dresden über zensierte DEFA-Filme nach dem 11. Plenum des ZK der SED findet sich hier.

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Beat und Gammler, Konsum und Verweigerung

Anlässlich seines morgigen Vortrags in Weimar habe ich ein Interview mit Wolfgang Seidel geführt. Er argumentiert darin, dass in der Studentenbewegung von 1968 bereits eine gewisse Verachtung gegenüber Arbeiter*innen anwesend war – weshalb der Weg von 1968 zu Hartz IV (verkörpert in Gerhard Schröder) als nicht zu abwegig erscheint. Statt einer Fokussierung auf das eine Jahr 1968 schlägt Seidel eine Betrachtung der long sixties vor. Innerhalb dieses Zeitraumes werden erhebliche Konflikte um Jugend, Ausbildung, Arbeit, Lebensstandard und Geschlechterverhältnisse ausgetragen. Das von Seidel erwähnte Gespräch zwischen Enzensberger, Dutschke und Rabehl im Kursbuch findet sich hier. Zum Thema 1968 sei außerdem die aktuelle Programmzeitung von Radio Corax empfohlen, deren Inhalte ihren Weg auf diesen Blog noch finden werden. Empfehlenswert ist auch die Lektüre des Buches Wir müssen hier raus! Krautrock, Freebeat, Reeducation (zu dem ich Wolfgang Seidel bereits hier interviewt habe).

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Ich möcht‘ einmal am Sender steh‘n

Am 27.03.2018 wird im Medienpädagogik Zentrum Hamburg der Film „Ich möcht‘ einmal am Sender steh’n ! – Die Arbeiter-Radio-Bewegung in den zwanziger Jahren“ von Gerd Roscher und Jutta Herrcher gezeigt. Neben den beiden Filmemacher/innen sind danach zu einem Podiumsgespräch Aktivist/innen vom FSK und von Radio Corax und Jan Bönkost vom Archiv der sozialen Bewegungen Bremen geladen. Aus Anlass dieser Veranstaltung habe ich mit Gerd Roscher und Jan Bönkost ein Interview geführt. Es geht darin um die Geschichte der Bewegung für ein Arbeiterradio, die Geschichte der Piratenradios und um die heutige Rolle von freien Radios. Es sind doch ein paar gute Gedanken dabei. Weitere Interviews zur Geschichte der Arbeiterbewegung gibts hier.

Ein längeres Gespräch mit Gerd Roscher gibt es hier. Viele weitere Gespräche zur Geschichte (freier) Radios finden sich im Audioarchiv der „Radio-Revolten“. Passend zum Thema erscheint übrigens bald ein Buch über die Radio-Revolten, für das ich auch einen Beitrag zum Verhältnis von Kunst, Avantgarde und gesellschaftskritischem Radio geschrieben habe. Damit der Druck dieses Buches finanziert werden kann fährt Corax zur Zeit eine Startnext-Kampagne, die ihr hier unterstützen könnt. Weitere Interviews zur Geschichte der Arbeiterbewegung gibts hier.

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Mythos ‚Mitte‘

Im letzten Jahr ist im Verlag Bertz+Fischer (in dem immer wieder sehr interessante Bücher erscheinen, oft auch im kleineren Format) ein Buch mit dem Titel „Mythos ‚Mitte‘ – Oder: Die Entsorgung der Klassenfrage“ erschienen. Der Autor Ulf Kadritzke kritisiert darin einerseits eine gesellschaftliche Selbstwahrnehmung als „Mittelstandsgesellschaft“ und weist andererseits Widersprüche in gängigen soziologischen Theorien zum Mittelstand nach. Vor dem Hintergrund von Forschungen zum Angestellten-Milieu in der Weimarer Republik (u.a. von Theodor Geiger, Carl Dreyfuss, Siegfried Kracauer) skizziert er, was eine Analyse der Klassengesellschaft heute leisten müsste. Dabei beharrt Kaditzke auf dem Klassencharakter der bestehenden Gesellschaft, wobei er sich auch gegen einen „Klassenreduktionismus“ wendet: Eine kritische Gesellschaftstheorie, die nicht jenseits der Klassen denkt, hätte auch zu erklären, warum sich so viele Lohnabhängige als „Mittelstand“ begreifen. Das Buch ist m.E. als Anregung zu lesen – es ist mehr eine methodische Vorüberlegung als eine gegenwärtige Zuwendung zur Klassengesellschaft selbst. Nimmt man es als solche, enthält es auch einige Argumente gegen linke/linksradikale Theorien, die sich von der Klasse verabschiedet haben.

Die weitere Arbeit an einer Klassenanalyse, die der Marx’schen Theorie verpflichtet bleibt, wäre ein notwendiger Schritt im Versuch, die Rolle der modernen lohnabhängigen Mittelklassen zu klären. Gegenüber klassenreduktionistischen Vorstellungen ist daran zu erinnern, dass im Verhältnis von Arbeit und Kapital die gemeinsame ökonomische Klassenlage zwar den Raum der objektiven Interessen konstituiert, aber ‚nicht unmittelbar‘ das gesellschaftliche Bewusstsein oder gar das politische Handeln bestimmt. (73)

Machte sich die Phrase von der Mitte zur Tat auf, könnte sie wieder leicht bei der ‚Volksgemeinschaft‘ anlangen.“ (84)

Ich habe ein Interview mit Ulf Kadritzke geführt, wobei ich ihn zunächst gefragt habe, wie er das öffentliche Sprechen über die Mitte wahrnimmt und was der Anlass zur Veröffentlichung seines Buches gewesen ist:

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AfD und Neoliberalismus

Björn Oellers hat bei Kritiknetz einen Text veröffentlicht, in dem er die neoliberalen Elemente in den Programmen der AfD herausgearbeitet hat. Auf Basis seines Textes habe ich ein Interview mit ihm geführt:

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Das doppelte Gesicht des Sozialstaats

In der Februar/März-Ausgabe der Programmzeitschrift von Radio Corax habe ich einen kleinen Text zur Kritik des Sozialstaats formuliert. Untenstehend findet sich eine ungekürzte Version des Artikels. Im Heft (das in wenigen Tagen auch online einsehbar ist) sind außerdem weitere Texte enthalten: Zum Bafög, zu aktuellen Entwicklungen des Sozialstaats und zur Debatte um die Sozialstaatskritik.

Skizzenartige Ausführungen zur Geschichte und Kritik des Sozialstaats

Der Bezug auf den Sozialstaat ist so selbstverständlich, wie das Prinzip der Sozialstaatlichkeit umkämpft ist. Linke Aktivist*innen rufen zu seiner Verteidigung auf, Politiker*innen von Union und SPD führen zu seiner Rettung Sparmaßnahmen durch, besorgte Bürger*innen sehen ihn von Flüchtlingsströmen bedroht, während rechte Libertäre den Sozialstaat als sozialistisch-autoritären Eingriff in die Freiheit des Individuums geißeln. In einer solch widersprüchlichen Gemengelage lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um zu einem Begriff des Sozialstaats zu gelangen – hier skizzenhaft versucht in Einschränkung auf seine deutsche Version.

Die Ursprünge des Sozialstaats sind in den Folgen der Industrialisierung zu suchen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich auch in Deutschland Städte, die von den enormen Auswirkungen der industriellen Arbeitswelt geprägt waren: Wohnungsnot, Pauperismus, physisch zerschundene und moralisch verwahrloste Arbeiter*innen, Arbeitslosigkeit. Die Tendenz ging dahin, dass industrielle Kapitalist*innen derart auf Arbeitskräfte zugriffen, dass das Überleben eines großen Bevölkerungsteils – oder: einer ganzen Klasse – infrage gestellt war: Arbeiter*innen wurden regelrecht verheizt. Auf diesen Umstand reagierten zwei gesellschaftliche Kräfte: (mehr…)

Radiosplitter #3 – [Sub & Pop]Kultur

Im dritten Sammelbeitrag stelle ich Interviews zusammen, die sich im weitesten Sinne um Kultur drehen. Themen sind: Jüdische Subkultur, Steve Reich, GG Allin, DEFA Filme, Krautrock, Theater, Bertolt Brecht, Arthur Cravan, Punk, Mark Fisher u.a. … Untenstehend findet ihr eine Inhaltsübersicht, in der ihr direkt zu den einzelnen Beiträgen springen könnt – die Interviews sind eher thematisch als chronologisch geordnet. Zum Thema „Kultur/Gegenkultur“ siehe auch die Märzausgabe der Programmzeitung von Radio Corax aus dem letzten Jahr. (mehr…)

Radiosplitter #2 – Geschichte der Arbeiterbewegung

In meiner Interview-Reihe veröffentliche ich pünktlich zum 1. Mai eine Sammlung von Interviews, die sich der Geschichte der Arbeiterbewegung widmen – und stelle dem ein jüngst geführtes Interview zur Geschichte des 1. Mai voran. Weiterhin folgen in historisch-chronologischer Reihenfolge folgende Themen: Kommunismus in Iowa, Zur Pariser Commune, Louise Michel, Scheitern revolutionärer Anläufe, Erich Mühsam, Marinus van der Lubbe, Rätekommunismus, Roman Rosdolsky und Paul Mattick, Operaismus, und wilde Streiks im Jahr 1969. Beachtet im Zusammenhang dieses Themenkomplexes auch mein Feature über die Mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 und meine Radiosendung über Max Hölz, die hier dokumentiert sind. In diesem Zusammenhang weiterhin interessant: Dissidenten der Arbeiterbewegung (Dokumentation der Reihe im Audioarchiv). Und außerdem: Wer hier ein wenig stöbert, wird entdecken, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung auch mit jener des (freien) Radios verbunden ist. Untenstehend findet ihr eine Übersicht über die gesammelten Interviews, mit der ihr direkt zu den einzelnen Interviews springen könnt. (mehr…)

Radiosplitter #1 – Gesellschaftskritisches

Seit anderthalb Jahren führe ich immer wieder Interviews im Rahmen des tagesaktuellen Programms von Radio Corax. Da diese Beiträge auf der Austauschplattform der freien Radios einigermaßen unsystematisch verstreut sind, möchte ich an dieser Stelle einige ausgewählte Interviews zusammenstellen. Die Interviews stelle ich in mehreren Beiträgen thematisch geordnet zusammen: Kultur und Gegenkultur, Kritische Theorie, Geschichte der Arbeiterbewegung, Antifaschismus, Geschichte der Hausbesetzerbewegung, Radiogeschichte, Psychologie und Geschlechterverhältnis – das sollen einige grobe Ordnungskategorien sein. Im Sinne einer umfassenden Gesellschaftskritik sollen alle diese Beiträge verstanden sein – in der ersten Folge finden sich Interviews, die in keine der obigen Ordnungskategorien so recht hineingepasst haben und daher unter dem groben Stichwort „Gesellschaftskritisches“ versammelt werden. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Interviews, die sich um Sozialpolitik als soziale Kontrolle drehten – zuletzt mit einem Exkurs zur postmodernen Bildungstheorie. Die einzelnen Beiträge sind jeweils mit weiterführenden Links versehen. Mit der untenstehenden Übersicht könnt ihr zu den einzelnen Audiobeiträgen springen: (mehr…)

SUBjektiv – Ærgernis

Ich war im April zu Gast bei der schönen Punkrock-Sendung SUBjektiv auf Radio Corax und habe ein paar Schallplaten ausgepackt. El Nicotico hat noch ein paar draufgesetzt und so hat sich (m.E.) eine ziemlich schöne Playlist ergeben – Fachgesimpel inklusive. Alle SUBjektiv-Sendungen zum Nachhören gibt es übrigens hier.

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Aus dem Abseits

Zur Zeit ist in der Mediathek von 3sat der Film „Aus dem Abseits“ zu sehen. Der Film von Simon Brückner geht den Spuren von dessen Vater Peter Brückner nach – kritischer Sozialpsychologe, Staatskritiker, Theoretiker der Neuen Linken. Obwohl es ein sehr persönlicher Film ist, in dem die Beziehung zwischen Vater und Sohn eine zentrale Rolle spielt, ist der Blick nicht „personalisierend“ und ohne Kitsch. Es geht darum, inwiefern die Biographie Peter Brückners die Konflikte und Widersprüche einer Epoche enthält. Ich habe kurz nach Erscheinen des Films ein Interview mit Simon Brückner geführt:

Download (38 MB)

Hier gibt es außerdem ein schriftliches Interview mit Simon Brückner. Der Film ist noch bis zum 05.09.2016 in der 3sat-Mediathek abrufbar1. Weiterführend empfohlen (jeweils antiquarisch zu erwerben):

■ Johannes Agnoli / Peter Brückner: Die Transformation der Demokratie
■ Peter Brückner / Barbara Sichtermann: Solidarität und Gewalt. Zur Ermordung Ulrich Schmückers durch Genossen
■ Peter Brückner: Das Abseits als sicherer Ort

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Aspekte des Fußballs

Alle reden vom Wetter. Ich nicht. Und als die Fußball-EM in Frankreich vorbei war – da habe ich angefangen über Fußball zu sprechen und mich in einem dreistündigen Magazin auf Radio Corax ganz dem Rasensport gewidmet. Es ging um innenpolitische Maßnahmen während der Fußball-EM in Frankreich, um Fußball-Diskurse im deutschen Kaiserreich, antifaschistischen Fußball, um die Kritik der Fußball-Ideologie und um die Rolle der Ultras in den Revolten der letzten Zeit. Untenstehend stelle ich alle Beiträge und Interviews zur Verfügung, die ich im Rahmen dieses Magazins gesendet habe. (mehr…)