Archiv der Kategorie 'Radio'

Radiosplitter #2 – Geschichte der Arbeiterbewegung

In meiner Interview-Reihe veröffentliche ich pünktlich zum 1. Mai eine Sammlung von Interviews, die sich der Geschichte der Arbeiterbewegung widmen – und stelle dem ein jüngst geführtes Interview zur Geschichte des 1. Mai voran. Weiterhin folgen in historisch-chronologischer Reihenfolge folgende Themen: Kommunismus in Iowa, Zur Pariser Commune, Louise Michel, Scheitern revolutionärer Anläufe, Erich Mühsam, Marinus van der Lubbe, Rätekommunismus, Roman Rosdolsky und Paul Mattick, Operaismus, und wilde Streiks im Jahr 1969. Beachtet im Zusammenhang dieses Themenkomplexes auch mein Feature über die Mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 und meine Radiosendung über Max Hölz, die hier dokumentiert sind. In diesem Zusammenhang weiterhin interessant: Dissidenten der Arbeiterbewegung (Dokumentation der Reihe im Audioarchiv). Und außerdem: Wer hier ein wenig stöbert, wird entdecken, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung auch mit jener des (freien) Radios verbunden ist. Untenstehend findet ihr eine Übersicht über die gesammelten Interviews, mit der ihr direkt zu den einzelnen Interviews springen könnt. (mehr…)

Radiosplitter #1 – Gesellschaftskritisches

Seit anderthalb Jahren führe ich immer wieder Interviews im Rahmen des tagesaktuellen Programms von Radio Corax. Da diese Beiträge auf der Austauschplattform der freien Radios einigermaßen unsystematisch verstreut sind, möchte ich an dieser Stelle einige ausgewählte Interviews zusammenstellen. Die Interviews stelle ich in mehreren Beiträgen thematisch geordnet zusammen: Kultur und Gegenkultur, Kritische Theorie, Geschichte der Arbeiterbewegung, Antifaschismus, Geschichte der Hausbesetzerbewegung, Radiogeschichte, Psychologie und Geschlechterverhältnis – das sollen einige grobe Ordnungskategorien sein. Im Sinne einer umfassenden Gesellschaftskritik sollen alle diese Beiträge verstanden sein – in der ersten Folge finden sich Interviews, die in keine der obigen Ordnungskategorien so recht hineingepasst haben und daher unter dem groben Stichwort „Gesellschaftskritisches“ versammelt werden. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Interviews, die sich um Sozialpolitik als soziale Kontrolle drehten – zuletzt mit einem Exkurs zur postmodernen Bildungstheorie. Die einzelnen Beiträge sind jeweils mit weiterführenden Links versehen. Mit der untenstehenden Übersicht könnt ihr zu den einzelnen Audiobeiträgen springen: (mehr…)

SUBjektiv – Ærgernis

Ich war im April zu Gast bei der schönen Punkrock-Sendung SUBjektiv auf Radio Corax und habe ein paar Schallplaten ausgepackt. El Nicotico hat noch ein paar draufgesetzt und so hat sich (m.E.) eine ziemlich schöne Playlist ergeben – Fachgesimpel inklusive. Alle SUBjektiv-Sendungen zum Nachhören gibt es übrigens hier.

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Aus dem Abseits

Zur Zeit ist in der Mediathek von 3sat der Film „Aus dem Abseits“ zu sehen. Der Film von Simon Brückner geht den Spuren von dessen Vater Peter Brückner nach – kritischer Sozialpsychologe, Staatskritiker, Theoretiker der Neuen Linken. Obwohl es ein sehr persönlicher Film ist, in dem die Beziehung zwischen Vater und Sohn eine zentrale Rolle spielt, ist der Blick nicht „personalisierend“ und ohne Kitsch. Es geht darum, inwiefern die Biographie Peter Brückners die Konflikte und Widersprüche einer Epoche enthält. Ich habe kurz nach Erscheinen des Films ein Interview mit Simon Brückner geführt:

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Hier gibt es außerdem ein schriftliches Interview mit Simon Brückner. Der Film ist noch bis zum 05.09.2016 in der 3sat-Mediathek abrufbar1. Weiterführend empfohlen (jeweils antiquarisch zu erwerben):

■ Johannes Agnoli / Peter Brückner: Die Transformation der Demokratie
■ Peter Brückner / Barbara Sichtermann: Solidarität und Gewalt. Zur Ermordung Ulrich Schmückers durch Genossen
■ Peter Brückner: Das Abseits als sicherer Ort

  1. Danach lohnt sich eine Anfrage über die Kommentarspalte. [zurück]

Aspekte des Fußballs

Alle reden vom Wetter. Ich nicht. Und als die Fußball-EM in Frankreich vorbei war – da habe ich angefangen über Fußball zu sprechen und mich in einem dreistündigen Magazin auf Radio Corax ganz dem Rasensport gewidmet. Es ging um innenpolitische Maßnahmen während der Fußball-EM in Frankreich, um Fußball-Diskurse im deutschen Kaiserreich, antifaschistischen Fußball, um die Kritik der Fußball-Ideologie und um die Rolle der Ultras in den Revolten der letzten Zeit. Untenstehend stelle ich alle Beiträge und Interviews zur Verfügung, die ich im Rahmen dieses Magazins gesendet habe. (mehr…)

Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921

Als „mitteldeutsche Märzkämpfe“ oder „mitteldeutsche Märzaktion“ wird eine Streik-Aktion bezeichnet, mit der im Jahr 1921 KPD und KAPD auf einen Schupo-Einsatz reagierten, der die Entwaffnung von Arbeitern im Mansfelder Land zum Ziel hatte. Im Zuge der Aktion kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen bewaffneten Arbeitern auf der einen Seite und Schupo und Reichswehr auf der anderen Seite – aufsehenerregend waren in diesem Zusammenhang vor allem die Aktionen von Max Hölz und seiner Truppe. Der geplante Generalstreik konnte nicht erreicht werden und die Aktion bedeutete in der Konsequenz einen Rückschlag für die radikalen Arbeiter. Die mitteldeutschen Märzkämpfe sind ein nicht zu unterschätzendes Ereignis innerhalb der Geschichte der Arbeiterbewegung der Weimarer Republik – ein Puzzleteil für das Verständnis einer Reihe von Klassenkämpfen, der Spaltung der Arbeiterparteien und letztlich der Niederlage der Arbeiterbewegung vor dem Nationalsozialismus. Ich habe im März dieses Jahres im Morgenmagazin auf Radio Corax eine kleine Reihe zu den Märzkämpfen gemacht – untenstehend dokumentiere ich die darin gesendeten Beiträge. Hilfreich zum Verständnis: Eine Chronik des Jahres 1921. (mehr…)

Zum Verhältnis von Nationalstaat und Migrationskontrolle

Durchaus in Ergänzung zum vorherigen Beitrag spiegele ich hier ein Interview, das in der aktuellen Programmzeitschrift von Radio Corax abgedruckt ist. Es ist ein Interview mit Fabian Georgi, das einige Aspekte einer materialistischen Kritik der Migrationskontrolle sehr klar zusammenfasst. In der Juli-Ausgabe der Corax-Programmzeitung sind ein weiteres Interview und ein Kommentar zum Thema enthalten. Das Original-Interview mit Fabian Georgi kann untenstehend auch angehört werden.

Anzumerken bleibt, dass Fabian Georgi m.E. einen notwendigen Schritt nicht geht: Eine Kritik des Sozialstaats als solchem zu formulieren. Eine Kritik des Sozialstaats würde dann nicht nur die Genese des sozial-chauvinistischen Rassismus aufzeigen, sondern auch – indem sie aufzeigt, dass auch die hier ansässigen LohnarbeiterInnen letztlich am sozialstaatlichen Klassenkompromiss leiden, im Kompromiss eine unterlegene Partei bleiben – ein gemeinsames Interesse mit den Geflüchteten begründen. Zur Kritik des Sozialstaats sei auf den Artikel von Ingo Stützle in der Analyse und Kritik und auf den Kommentar von Christian Frings in der selben Corax-PZ-Ausgabe verwiesen. Demnächst auch hier dazu mehr.

Zum Verhältnis von Nationalstaat und Migrationskontrolle

Ein Gespräch mit Fabian Georgi

Die Juni-Ausgabe unserer Programmzeitung enthält mehrere Texte zur Kritik der deutsch-europäischen Migrationskontrolle. Hier könnt ihr die ungekürzte Version des Interviews mit Fabian Georgi nachlesen. Fabian Georgi arbietet am Marburger Institut für Politikwissenschaft im Fachbereich »Europäische Integration«. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die europäische und internationale Migrationspolitik. Wir haben ein längeres Gespräch mit ihm geführt, in dem es um historische und strukturelle Aspekte der deutschen Migrationspolitik ging.

CORAX: Eine der wichtigsten Tendenzen in der Migrationspolitik scheint ihre Europäisierung zu sein. Wie lässt sich diese Tendenz beschreiben?

FABIAN GEORGI: Um die Entstehung der heutigen Migrationspolitik zu verstehen, muss man bis in die 1980er Jahre zurückgehen. In den Achtziger Jahren sind neue Migrations- und Fluchtbewegungen entstanden, die als „Neue Flüchtlinge“ bezeichnet wurden. Zuvor war Flucht in Westeuropa primär als Bewegung von „Opfern des Kommunismus“ verhandelt worden, die vom Osten in den Westen kamen und aus geostrategischen Gründen positiv aufgenommen worden waren. Doch ab Ende der 1970er Jahre suchten zunehmend Menschen aus dem globalen Süden Asyl in Europa. Die Lebensbedingungen in vielen Ländern des globalen Südens hatten sich in jener Zeit immer mehr verschlechtert – weil „Entwicklung“ scheiterte, weil soziale Konflikte zu Bürgerkriegen eskalierten, weil Militärdiktaturen regierten. Die linksliberale Kritik an der wachsenden Panik über die „Asylkrise“ in den Achtziger Jahren ging damals (und auch heute noch) dahin, zu sagen: „Das ist alles gar nicht so schlimm, so viele Leute kommen gar nicht – keine Hysterie, keine Panik.“ Das ist zum Teil richtig – und trotzdem muss man sehen, dass es eine echte soziale Bewegung von Menschen ist, die auf sich verschlechternde Lebensbedingungen, auf das Scheitern von Kapitalverwertung reagierte. (mehr…)

Sich um Inhalte herum organisieren

Herr Feeper, der hier und da seine Spuren hinterlässt, hat einen Kommentar für die März-Ausgabe des Transmitter™ geschrieben. Hier zum Nachlesen:

Der Grund, ein freies Radio – wie etwa FSK oder Radio Corax – zu betreiben, liegt in dem Bedürfnis nach Verständigung. Auch wenn solche Projekte meist nicht auf einem ausgearbeiteten, einheitlichen Programm basieren, geht es doch um mehr als um bloße Berichterstattung. Es geht um eine grundlegende Kritik der Gesellschaft, es geht darum, zu artikulieren, nicht akzeptieren zu können, dass es bleibt wie es ist, es geht um die Artikulation einer Feindschaft gegenüber den herrschenden Institutionen, um die Entfaltung subversiver Tätigkeiten, um die Wiederaneignung des eigenen Lebens. Das sind große Ansprüche. Und viele, die heute an solchen Ansprüchen festhalten, fühlen sich allein und marginalisiert. Man sieht sich in seinem Bedürfnis nach Veränderung mit einer Übermacht der Verhältnisse konfrontiert und in linksradikalen Kreisen herrscht eine allgemeine Ratlosigkeit darüber, wie und wo man heute praktisch ansetzen könnte. Wenn man die eigene Marginalisierung feststellt, liegt es nahe, darüber zu diskutieren, wie sich die Marginalisierten zusammenschließen können, wie sie sich besser organisieren können. Ein Beispiel eines größeren Organisierungsversuchs ist etwa das kommunistische Um’s-Ganze-Bündnis, das bundesweit mittlerweile 11 linksradikale Gruppen zusammenschließt. Ein weiteres Beispiel ist die Interventionistische Linke. Die Motivation, sich in solchen Bündnissen zusammenzuschließen, liegt in der Hoffnung, so einen Weg zu finden, um nicht mehr nur vereinzelt herzumzuwurschteln, die Fähigkeiten der Beteiligten zusammenwirken zu lassen und so auch überregional handlungsfähig zu werden. Allerdings stellt sich für mich die Frage, ob mit der Quantität der in einer Gruppe oder in einem Bündnis organisierten Personen automatisch eine größere Handlungsfähigkeit oder Wirksamkeit verbunden ist. Mir scheint es oftmals so zu sein, dass ein größerer Organisierungsrahmen die Fähigkeiten und Potentiale der beteiligten Individuen eher absorbiert, als sie zu potenzieren. Ich habe es oft erlebt, dass der Aufruf eines Bündnisses inhaltlich unbestimmt und leidenschaftslos blieb, obwohl ich wusste, dass einzelne beteiligte Personen zum betreffenden Gegenstand viel klugere und treffendere Dinge zu sagen gewusst hätten. Der Zwang, eine gemeinsame Bündnis-Position finden zu müssen, führt so mitunter zu einer inhaltlichen Verwässerung. Überhaupt scheint es mir so zu sein, dass der Zusammenschluss in einem Bündnis die Gefahr in sich birgt, sich vor allem auf die eigene Darstellung nach außen und die Beschäftigung mit sich selbst konzentrieren. So verringert sich aber die Aufmerksamkeitsspanne und man droht in Schematismus zu verfallen. So fällt meines Erachtens etwa das Um’s-Ganze-Bündnis nicht durch bestechende Analysen und gelungene praktische Coups auf, sondern vor allem durch bestimmte Schlagwörter und ein gewisses Auftreten auf Demonstrationen.

Mein Misstrauen gegenüber Polit-Bündnissen soll dabei nicht falsch verstanden werden. Ich möchte nicht die Vereinzelung hochleben lassen und sehe selbst eine Notwendigkeit darin, sich zusammenzutun und sich auszutauschen. Nur glaube ich nicht, dass die große Veränderung damit beginnt, eine große Organisation zu schaffen. Die Marginalisierung ist nicht durch einen Sprung zu überwinden – wer glaubt, dass eine Organisation oder ein Bündnis die Sache reißen könnte, hängt einem gewissen Voluntarismus oder einem Erlösungsglauben an. Die Organisation wird uns ins gelobte Land führen. Eine qualitative Veränderung der Gesellschaft hängt aber weniger davon ab, wie groß die Bündnisse sind, in denen sich ihre Gegner zusammenschließen, sondern eher davon, wie sich der Bodensatz der Gesellschaft entwickelt – welche Risse darin aufbrechen, welche Konflikte sich daraus ergeben und welche Möglichkeitsräume sich aus der Überkommenheit ihrer politischen Formen ergeben. Die marginalisierten radikalen Kräfte müssen ihre Aufmerksamkeit auf diese Dinge lenken. Veränderungsmöglichkeiten entstehen oftmals nicht dort, wo man sie erwartet – sie entstehen aber sicherlich nicht in den Kreisen linker Polit-Profis. Um die Aufmerksamkeit für solche Möglichkeiten zu schärfen und sich daran zu üben, sie zu ergreifen, ist es sicherlich notwendig, sich auch überregional auszutauschen und informelle Verbindungen zu schaffen. Um ein Gespür für die untergründigen Entwicklungen und Verschiebungen der Gesellschaft zu entwickeln, müssen diese Netzwerke aber verzweigter sein und an randständigere Orte reichen, als dies in der Trägheit und vereindeutigenden Kraft eines Bündnisses möglich wäre, in denen man doch immer nur die gleichen Leute trifft. Wenn die Organisation wichtiger ist, als das, was mann konkret in den Blick nimmt, wird sie in dem Moment im Weg stehen, in dem es notwendig wird, eine schnelle Entscheidung zu fällen. Deshalb ist es m.E. eher notwendig, sich erst einmal zeitlich befristet um bestimmte Interessen und Vorhaben herum zu organisieren und zu schauen, wie von dort aus weiter gegangen werden kann. Oder wie es Johannes Agnoli einmal formulierte:

Gerade in dieser desolaten Situation muß man vielleicht doch den Mut haben, nicht nach Organisationsformen zu suchen, sondern sich gewissermaßen um Inhalte herum organisieren. Ich kann mir denken, daß in der heutigen Situation lose miteinander verbundene, aber inhaltlich wirklich geklärte und vernunftbegabte Kollektive den ersten Schritt darstellen. Nicht etwa in den alten Fehler verfallen: zuerst schaffen wir ein Zentralkomitee, die Massen werden dann kommen. Offensichtlich ist das der falsche Weg. Es ist viel wichtiger, an der Basis zu arbeiten und kleine, in sich konsistente Gruppierungen zu schaffen. Wie sie dann zueinander in Verbindung kommen, das hängt zum Teil auch von der gesellschaftlichen Entwicklung ab. Ich bin da keineswegs Pessimist. Die Wissenschaft beweist, daß es zu keiner Revolution mehr kommen wird. Und ich sage eben: die Menschheit ist viel flexibler, als es die Wissenschaft manchmal glaubt. Auf einmal ist eine Explosion da. Und wenn eine Explosion da ist, so ist die Möglichkeit dieser Kollektive, miteinander in Verbindung zu treten und tatsächlich etwas gemeinsam zu schaffen, durchaus gegeben.

Sicherlich muss man im Moment eher Angst vor den vorhandenen Explosivkräften haben, wie man an den täglichen Nachrichten über Angriffe auf Asylunterkünfte ablesen kann. Aus diesem Grund erhält der Zusammenschluss antifaschistischer Zusammenhänge eine größere Notwendigkeit. Meinem Eindruck nach können aber große überregionale Bündnisse, wie Um’s Ganze, kaum einspringen, wenn es um die Reaktion auf lokale Vorkommnisse geht. Ob das große Antifa-Bündnis-Treffen in Frankfurt angemessen auf das Nazi-Problem in Chemnitz reagieren kann oder ob regionale, dezentrale Vernetzungen – die sich wohl oftmals andere Gedanken machen (müssen), ob sie nach außen nun wahlweise als antideutsch oder antionational wahrgenommen werden – hier wesentlich effektiver agieren können, wird sich praktisch herausstellen. Bis dahin sollten wir uns über diverse Ansätze und verschiedene Erfahrungen austauschen. Freie Radios könnten eine Plattform für einen solchen Austausch sein.

■ Literaturhinweis: Mikrostrategischer Versuch (enthalten in: Gift. Zeitschrift für Linke mit Problemen, No.2)

Zum 40. Todestag von Ulrike Meinhof

Am 9. Mai 2016 jährt sich der Todestag von Ulrike Meinhof zum 40. mal. Sie ist am Morgen des 9. Mai 1976 im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden worden – über den Vorgang ihres Todes gibt es unterschiedliche Versionen. Andere können besser einschätzen als ich, welche Rolle Ulrike Meinhof gespielt hat – erst als linke Journalistin und Autorin für Konkret, später als Mitglied der ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Über die RAF seien etwa empfohlen das Buch „Stadtguerilla und soziale Revolution“ von Emile Marenssin und der Band „Rote Armee Fiktion“ von Joachim Bruhn und Jan Gerber (Hg.), beide erschienen bei ça ira. Ich möchte hier nur den Film „Bambule (Fernsehspiel)“ von Ulrike Meinhof empfehlen. Der Film ist von 1970 und zeigt die Situation in einem autoritären Mädchen-Erziehungsheim. Der Film zeigt, wie Konflikte zwischen den Heiminsassinnen und den Erzieherinnen aufbrechen, ein Mädchen haut ab, ein Mädchen wird bestraft, schließlich proben einige einen Aufstand. Der Aufstand scheitert und endet mit der Überlegung darüber, wie man weiter machen kann. Weil die Befreiung von Andreas Baader dazwischen kam, durfte der Film im Westfernsehen nicht gezeigt werden. Die Erstausstrahlung war erst im Jahr 1994 möglich. Der Film ist Realismus im besten Sinne und weist über sein Ende hinaus in die Realität hinein.

Ich habe aus der Tonspur des Films eine Art Hörspielcollage zusammengestellt – in der Hoffnung, dass die zusammengestellten Töne auch unabhängig vom Film als kleine Aufstands-Geschichte funktionieren. Hier hörbar:

Download (22 MB)

Bei freie-radios.net gibt es eine Sendung über Ulrike Meinhof – habe sie noch nicht gehört, aber wird schon gut sein.

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Vs. Kultur & Kontrakultur

Ich habe ein paar Zeilen für die aktuelle Ausgabe der Programmzeitschrift von Radio Corax geschrieben. Im Text »Gegen die Kultur« habe ich ein paar facts über einige Aspekte kommunistischer (Anti-)Kulturpolitik gespittet. Sicherlich unvollständig, vielleicht für den einen oder die andere eine Anregung. Untenstehend eine etwas längere Version mit ein paar abweichenden Formulierungen und zusätzlichen Literaturhinweisen. Im Heft ist außerdem ein Text von Nora zur Kritik der Kontrakultur enthalten (der Hallenser Sektion der Identitären) – einige Aspekte davon können in den Antifa-News vom 28. Januar 2016 nachgehört werden.

»Gegen die Kultur«

Wir können nichts bewahren / nichts erhalten / es gibt kein Zurück / die Uhr tickt / es hilft auch kein sparen und verwalten / die Natur siegt, immer / deshalb bringen wir nur / Raps pur / MOR kämpfen gegen die Kultur. (M.O.R. – Gegen die Kultur)

Eine Stakatto-Fingerübung zur Frage, was Kulturpolitik sein könnte

Es gibt keinen so schillernden und so schwer definierbaren Begriff wie den der Kultur. Bezeichnet er den Komplex jener Tätigkeiten, der den Menschen von der Natur unterscheidet (im Sinne von Kulturleistung)? Umschreibt er jenen enger umgrenzten Tätigkeitsbereich, in dem der Mensch malt, musiziert, dichtet, gestaltet und spielt (also das Ensemble der Künste)? Oder fasst er die Besonderheiten territorial abgegrenzter Verhaltensweisen und Bräuche (in diesem Sinne gäbe es eine abendländische, deutsche oder bayrische Kultur)? Es ließen sich weitere Definitionen heranziehen – und je nachdem in welchem Wörterbuch man nachschlägt, welche Philosophin oder welchen Historiker man fragt, wird man eine andere Antwort erhalten. Es gibt zumindest einige Gründe, misstrauisch zu sein, wenn mit dem Begriff der Kultur hantiert wird: Weil die Deutschen keine politische Revolution hinbekommen haben, verstanden sie sich (durchaus in antifranzösischer Manier) fortan als Kulturnation – und während sich heute keiner mehr traut, von rassischen Besonderheiten zu reden, lässt man es durchgehen, wenn gefordert wird, Verständnis für die Eigenarten bestimmter Kulturkreise zu haben (wer das Gruseln lernen will, sollte in diesen Fällen probeweise einmal das Wort Kultur durch Rasse ersetzen). In Zeiten ihrer fortschreitenden Marginalisierung scheint in der Linken die Kulturpolitik – verbunden mit den Stichwörtern der alternativen, Sub- oder Gegenkultur – einer der letzten Bereiche zu sein, in denen die Kämpfe nicht hoffnungslos verloren sind. Es lohnt sich daher, einmal einen Schnelldurchlauf durch einige Aspekte der Geschichte »linker Kulturpolitik« zu machen. (mehr…)

Radio Works

Da ich gerade den größten Teil meiner Lebenszeit in einem freien Radio verbringe und da auf diesem Blog ohnehin zur Zeit nicht mehr so viel passiert, möchte ich an dieser Stelle einige meiner Radio-Produktionen des letzten halben Jahrs dokumentieren. Es handelt sich größtenteils (aber nicht nur) um Interviews, wobei ich eine Auswahl der m.E. hörenswertesten Sachen ausgewählt habe (d.h., sie sind eher zeitlos, weniger tagesaktuell). Es gibt dazu jeweils eine kurze Einleitung, die meistens schon auf die erste Antwort des Interviewpartners hinführt, sodass sich der geneigte Leser die Sachen aussuchen kann, die ihm selbst am interessantesten erscheinen. Außerdem habe ich jeweils weiterführende Links hinzugefügt. Weitere Interviews und Beiträge von Radio Corax finden sich auf der Austauschplattform der freien Radios unter freie-radios.net. Ich denke, ich werde diesen Blog in nächster Zeit mal wieder öfter bestücken – wenn es die Zeit zwischen Radiomachen und sonstigem Leben zulässt. Mit der untenstehenden Übersicht könnt ihr zu den einzelnen Interviews springen: (mehr…)

Das große Thier

Die bereits jetzt schon gerüchte-umwobene, neue Zeitschrift »Das große Thier« wird in Kürze in einigen Städten als Printprodukt vorliegen und findet dann auch hier eine Web-Präsentation. Bis dahin kann man hören, was uns erwarten wird:

KSR – aktuelle Veranstaltungen

Ich verweise hier auf das Interview, das ich der Sendung Reibungspunkt über Kunstautonomie und Avantgarde, sowie über die gegenwärtigen Veranstaltungen der Reihe „Kunst, Spektakel und Revolution“ gegeben habe. Im Interview habe ich unzulässigerweise Kunst der Neuzeit und Moderne viel zu wenig voneinander differenziert – man möge es mir verzeihen, es war halt ein Interview:


[via]

Und damit verweise ich auf die nächsten KSR-Veranstaltungen:
23.10.2011 – Tagesseminar mit Martin Dornis zur materialistischen Theorie der Musik
27.10.2011 – Vortrag von Christopher Zwi über Sehen und Bildlichkeit in der Gesellschaft des Spektakels

Dass es ›so weiter‹ geht, ist die Katastrophe.

Im Mai-Programmheft von Radio Corax ist die schriftliche Version eines Gesprächs über Fukushima und das Atomzeitalter erschienen, das ich im März mit Roger Behrens geführt habe (und das inzwischen im Audioarchiv dokumentiert ist). Das Gespräch kann hier online oder als PDF gelesen werden oder untenstehend im html-Modus. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge: Bargan lässt es sein

In der Neujahrssendung der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ hört ihr am kommenden Sonntag ab 22:00 Uhr ein frühes Prosastück von Bertolt Brecht: Bargan lässt es sein. Die Flibustier-Geschichte handelt von einer Männerliebe und lässt noch zwischen Schmutz, Vergewaltigung und Blut Menschlichkeit aufblitzen – eine Neigung, die in der Verlorenheit des todbringenden Meeres endet…

Die Sendung wird am 09.01. auf Radio Corax um 18:00 Uhr wiederholt und kann jeweils per stream gehört werden:

http://www.radio-lotte.de/
http://www.radiocorax.de/

Audio-Feature „Unsereiner Kriegsundführerkinder“

In ihrem Roman „Unsereiner Kriegsundführerkinder“ erzählt Heike Schmitz von einer Kontinuität des Nationalsozialismus, die als Haltung, Ich-Zurichtung, Wir-Halluzination und Trauma über die Generationen hinweg weiter gegeben wurde. Die Wiederkehr des Verdrängten äußert sich in diesem Roman, der weniger Erzählung, viel mehr Traumbild ist, in einer rasanten Geschwindigkeit der Sprache – es ist zum einen das leere Vorwärts des Wiederaufbaus, zum Anderen das plötzliche, blitzhafte Aufbrechen von Erinnerungen; eine traumartige Gleichzeitigkeit von Stillstand und Raserei. Am kommenden Freitag, den 03. Dezember 2010, wird Heike Schmitz in der ACC Galerie Weimar aus ihrem Buch lesen. Wir haben uns mit ihr getroffen und uns mit ihr über „Unsereiner Kriegsundführerkinder“ unterhalten:

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Wutpilger-Streifzüge – Peter Bürger über den Umgang mit den Avantgardebewegungen

Die nächste Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ naht. Nachdem in der letzten Sendung ein ausführliches Interview mit Peter Bürger gesendet wurde (nachzuhören hier), hört ihr am kommenden Sonntag, am 07.11.2010, den Mitschnitt des Vortrages, den Peter Bürger am 07.10. in Weimar gehalten hat. Die Sendung beginnt wie immer um 22:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar (106.6 Mhz oder per stream) und wird am 14.11.2010 um 18:00 Uhr auf Radio Corax (95.9 UKW oder per stream) wiederholt. Der Mitschnitt wird nach dem zweiten Sendetermin auf spektakel.blogsport.de zur Verfügung gestellt.

Wutpilger Streifzüge: Peter Bürger im Gespräch

Die nächste Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge naht: Am kommenden Sonntag (10.10.2010) hört ihr ab 22:00 Uhr ein Gespräch mit Peter Bürger über das Verhältnis von Kunstautonomie und Kritischer Theorie, über das Kunstwerk als Subjekt, das Scheitern der Avantgardebewegungen und die Möglichkeit einer radikalen Moderne. Hören könnt ihr die Sendung auf 106.6 MHz oder per Livestream auf der Homepage von Radio Lotte.

Kriegstheaters Podcast online

K’s Kriegstheater eröffnet seinen Podcast mit einem Gespräch über das Verhältnis von Theologie und historischem Materialismus bei Walter Benjamin. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema soll in den nächsten Folgen, die von nun an jeden ersten Freitag im Monat erscheinen, vertieft werden.

Podcast 1 – Anselm Gramspan über Walter Benjamins Verhältnis zur Theologie

Christopher Zwi über „Das Geschlecht des Situationismus“

Das feministische Magazin Outside the box lädt am Donnerstag den 9. September um 19:00 Uhr ins Conne Island zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Das Geschlecht des Situationismus. Transcending gender by abolishing the spectacle?“ – Ein Gespräch mit einem der drei Referent_innen über die Situationistische Internationale, deren Schweigen über das Geschlechterverhältnis und über die Möglichkeit einer feministischen Aktualisierung der Spektakelkritik:

[via]