Archiv der Kategorie 'Hörspiel'

Zum 40. Todestag von Ulrike Meinhof

Am 9. Mai 2016 jährt sich der Todestag von Ulrike Meinhof zum 40. mal. Sie ist am Morgen des 9. Mai 1976 im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden worden – über den Vorgang ihres Todes gibt es unterschiedliche Versionen. Andere können besser einschätzen als ich, welche Rolle Ulrike Meinhof gespielt hat – erst als linke Journalistin und Autorin für Konkret, später als Mitglied der ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Über die RAF seien etwa empfohlen das Buch „Stadtguerilla und soziale Revolution“ von Emile Marenssin und der Band „Rote Armee Fiktion“ von Joachim Bruhn und Jan Gerber (Hg.), beide erschienen bei ça ira. Ich möchte hier nur den Film „Bambule (Fernsehspiel)“ von Ulrike Meinhof empfehlen. Der Film ist von 1970 und zeigt die Situation in einem autoritären Mädchen-Erziehungsheim. Der Film zeigt, wie Konflikte zwischen den Heiminsassinnen und den Erzieherinnen aufbrechen, ein Mädchen haut ab, ein Mädchen wird bestraft, schließlich proben einige einen Aufstand. Der Aufstand scheitert und endet mit der Überlegung darüber, wie man weiter machen kann. Weil die Befreiung von Andreas Baader dazwischen kam, durfte der Film im Westfernsehen nicht gezeigt werden. Die Erstausstrahlung war erst im Jahr 1994 möglich. Der Film ist Realismus im besten Sinne und weist über sein Ende hinaus in die Realität hinein.

Ich habe aus der Tonspur des Films eine Art Hörspielcollage zusammengestellt – in der Hoffnung, dass die zusammengestellten Töne auch unabhängig vom Film als kleine Aufstands-Geschichte funktionieren. Hier hörbar:

Download (22 MB)

Bei freie-radios.net gibt es eine Sendung über Ulrike Meinhof – habe sie noch nicht gehört, aber wird schon gut sein.

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Candide oder das Hoffen lernen

Hörspielabend und Gespräch nach einer satirischen Erzählung von Voltaire
17. Februar 2011 – Sächsischer Bahnhof, Gera – Erfurtstraße 19 – 19:00 Uhr
BaD / BiKo

Wenige Jahre nachdem der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz seine grundsätzliche Überlegung publiziert hatte, dass diese Welt trotz all ihrer Übel die beste aller möglichen Welten sei, wurde Lissabon von einem verheerenden Erdbeben zerstört, bei dem es zu 100.000 Toten kam. Dieses Ereignis verarbeitete der französische Aufklärer Voltaire in einer seiner bekanntesten Erzählungen „Candide oder der Optimismus“. Der optimistische Protagonist Candide wird in dieser Geschichte mit den grausamsten Übeln der Welt konfrontiert – und kann trotzdem nicht aufhören zu hoffen. Es handelt sich bei dieser Erzählung um einen satirischen Schlag gegen Leibniz und den Optimismus – in ihrer beißenden Ironie ist es eine Klage gegen vermeidbares Leiden und eine Polemik gegen die unkritische Genügsamkeit der Philosophen.

Nach einer kurzen Einleitung zu Voltaire und dem Verhältnis von Optimismus, Pessimismus und negativem Denken wollen wir eine Hörspielbearbeitung von „Candide oder der Optimismus“ hören und anschließend darüber diskutieren.

via BiKo

Audio-Feature „Unsereiner Kriegsundführerkinder“

In ihrem Roman „Unsereiner Kriegsundführerkinder“ erzählt Heike Schmitz von einer Kontinuität des Nationalsozialismus, die als Haltung, Ich-Zurichtung, Wir-Halluzination und Trauma über die Generationen hinweg weiter gegeben wurde. Die Wiederkehr des Verdrängten äußert sich in diesem Roman, der weniger Erzählung, viel mehr Traumbild ist, in einer rasanten Geschwindigkeit der Sprache – es ist zum einen das leere Vorwärts des Wiederaufbaus, zum Anderen das plötzliche, blitzhafte Aufbrechen von Erinnerungen; eine traumartige Gleichzeitigkeit von Stillstand und Raserei. Am kommenden Freitag, den 03. Dezember 2010, wird Heike Schmitz in der ACC Galerie Weimar aus ihrem Buch lesen. Wir haben uns mit ihr getroffen und uns mit ihr über „Unsereiner Kriegsundführerkinder“ unterhalten:

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Das ærgerliche Tierlexikon zum Hören #3

Ist die Mücke gedankenloses Objekt? Denkt sie ihre gedankenlose Objekthaftigkeit? Kann sie überhaupt denken, ist ihr Zustand denkbar, ist uns ihre Erfahrungswelt erschließbar und was ergibt sich aus dieser Biegung des Blicks auf die Natur? Diese Fragen beschäftigen successless und ærgernis bei ihren Forschungsarbeiten für das animalische Audiolexikon. Um der Beantwortung dieser Fragen ein Stück weit näher zu kommen, wollen wir uns in dieser Folge mit einem Verhältnis beschäftigen, welches für die grundlegenden Fragen des Menschen in seiner Natur seit jeher von immenser Bedeutung war: dem Verhältnis von Sein und Nicht-sein, von Leben und Tod. Die Chaoboridae, auch genannt Büschelmücke – ein äußerst friedliebendes Tier; es saugt kein Blut – warnt noch im Augenblick ihres Todes ihre Artgenossen vor der Bedrohung. Hieraus ergibt sich: in der Welt der Mücken siegt noch im Angesicht des Todes das zur höheren Einheit strebende Prinzip des Eros. Die Büschelmücke der Lust:

Das ærgerliche Tierlexikon zum Hören #2

Ærgernis und successless erklären die Natur. Schon Nietzsche hatte geschrieben: „Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, dass auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fühlt.“ (Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, 1873) Ob dieser Wichtigkeit dieser fliegenden Zentren der Welt wollen wir noch ein wenig im Reich der Mücken verbleiben und ihre Signale zu verstehen suchen. In dieser Folge beschäftigen wir uns mit der Chironomus Atroviridis, auch genannt Zuckmücke:

Das ærgerliche Tierlexikon zum Hören #1

Tiere um uns – was wär‘n wir ohne sie“, so sang es schon Jochen Distelmeyer und da successless und ich Freunde des Projekts „Versöhnung mit der Natur“ sind, haben wir uns gedacht, diese eigene Welt, in der die Tiere leben, der Blogsport-Gemeinde etwas näher zu bringen. Da der gemeine Blogsportler sehr lesefaul ist, sind wir mit unserem Aufnahmegerät in die Natur gegangen, haben die Geräusche der unterschiedlichsten Tiere aufgenommen und naturgetreue Zeichnungen der selbigen angefertigt. Niemand soll nun mehr sagen können, das da draußen sei das Unbekannte, Ungeheuerliche, das gar beherrscht werden müsse.

In der ersten Folge stellen wir euch die Brüllmücke vor:

Das Scheitern der Sprache #5

Das Scheitern am nachsprechen-müssen

Es ist erstickend etwas sagen zu müssen, das man nicht sagen will. Der Zwang etwas sagen zu müssen ist das Ende der Sprache, vollzogen in Worten. Das erzwungene Geständnis geht allzu oft einher mit dem Brechen einer Persönlichkeit. Die Wiederholung eines Schwurs, einer Parole im Chor ist oftmals eine Selbstvergewisserung der Herrschaft. Es kann aber auch schon eine schmerzhafte Erfahrung sein etwas nachsagen zu müssen, wenn man dazu einfach nicht in der Lage ist – sei es durch einen Sprachfehler, sei es weil man der Sprache des Vorsprechers nicht mächtig ist oder weil man das Vorgesagte schlicht nicht versteht.

I. Der Rabe Josef

Während viele Geschichten und Hörspiele von Janosch prägend für meine Kindheit gewesen sind, habe ich die Geschichte vom Raben Josef erst später entdeckt, nachdem zwei Freundinnen von mir immer wieder „RooRääRooRää“ singend durch die Gegend gerannt sind. Der Rabe Josef ist, wie viele von Janoschs Figuren, ein trauriger Außenseiter, der von den anderen gehänselt wird. Da er später als seine Rabenbrüder aus seinem Ei schlüpft, entdecken ihn die Rabeneltern nicht und er bekommt nur die Reste zu essen, die seine Brüder übrig gelassen haben. Erst als zwei seiner Brüder aus dem Nest fliegen, wird Josef von seinen Eltern entdeckt – nun muss auch er das Krächzen lernen. Statt dem harten „Raab Raab“ kann Josef aber nur ein schüchternes, flötendes „RoRää RoRää“ von sich geben. Dafür wird er von seinen Eltern und Brüdern ausgelacht und aufgezogen. Seitdem ist Josef einsam – er spricht eine eigene Sprache, die niemand versteht und wünscht sich sehnsüchtig einen Freund, mit dem er reden könnte. Eines Tages, als er über einen spiegelglatten See fliegt entdeckt er einen Raben, der ihm ganz ähnlich sieht… Hier nur ein Ausschnitt, in dem Josef am nachsprechen-müssen scheitert:

II. 1984

Es ist eine der erniedrigendsten Erfahrungen, von jemandem gezwungen zu werden etwas zu sagen, das man nicht sagen will – sei es, weil das Gesagte gegen einen selbst gerichtet ist, sei es weil es der eigenen Überzeugung zutiefst widerspricht. Ich erinnere mich an ein Ereignis auf dem Schulhof, als ich in der fünften Klasse an der Regelschule war. Einige der Zehnt-Klässler hatten sich einen Jungen aus meiner Klasse ausgesucht, um ihn jeden Tag aufs neue zu malträtieren. Ich beobachtete wie sie ihn eines Tages umstellten und von ihm verlangten von sich selbst zu sagen, dass er schwul wäre. Der Junge war in dieser Situation so wehrlos, dass er alles sagte, was die größeren Jungs von ihm verlangten. Kein Argument hat in einer solchen Situation eine Chance. Um die Schrecklichkeit eines solchen Zwangs wissend, hat George Orwell dieses Motiv in seinem Roman 1984 aufgenommen. Winston Smith, der als Gedankenverbrecher gefangen ist, wird während der Folter dazu aufgefordert zu sagen, wie viele Finger der Folterer ihm zeige. Dabei weist der Folterer Smith auf eine Aussage von ihm hin, Freiheit sei die Freiheit zu sagen, dass 2 und 2 gleich vier1 ist und er verlangt von Winston zu sagen, dass er fünf Finger sehe. Die wahre Folter besteht nun darin, dass es dem Folterer nicht genügt die „fünf“ aus dem Mund Winstons zu hören – er soll davon überzeugt sein. Dieser Überzeugung steht aber die Offensichtlichkeit entgegen, dass der Folterer tatsächlich vier Finger zeigt. Die Brechung der Persönlichkeit Winstons besteht darin, dass ihm die Möglichkeit genommen wird über Sprache Wahrheit verhandeln zu können – wahr ist, was die Partei als Wahrheit festlegt. Gerade weil Sprache nur dann mit Sinn und Wahrheit vermittelt ist, wenn sie in Bewegung bleibt (der Begriff nähert sich seinem Gegenstand immer nur an, Sprache oszilliert um die Dinge die sie meint), ist die Partei dazu gezwungen Sprache im Neusprech zu dezimieren und statisch zu machen. Sprache scheitert, wenn sie zum Code wird – die Durchsetzung des Neusprech ist das Ende jeder Vermittlung.

  1. Sicherlich ist es problematisch, dass hier Mathematik und Logik als unabhängige Wahrheiten gesetzt werden. Hat doch die Entwicklung einer Universalsprache auf einer ausschöpfend logischen Grundlage, wie sie etwa im Wiener Kreis angestrebt wurde, einen ähnlichen Wahn an sich, wie die Entwicklung des Neusprech – als eine unglaubliche Beschränkung der Sprache, die zudem als eine Beschränkung der Welt erscheint. Wittgenstein hat später selbst darauf hingewiesen, dass ein solcher Umgang mit Sprache notwendig fehlläuft. [zurück]

Die Verwirklichung der Philosophie

Im Gesamtzusammenhang nicht so marxistisch wie es in diesem Ausschnitt erscheint – dennoch ist das Hörspiel „Abendstunde im Spätherbst“ von Friedrich Dürrenmatt eine sympathische Betrachtung der Rolle des Schriftstellers in der Moderne, als eine zynische Verwirklichung der Avantgarde in einem durch Erfahrungsverlust gekennzeichneten Ist-Zustand.

Satanus im Hinterhof

Auf dem, auch ansonsten sehr lesens- und hörenswerten, Blog „Klangverhältnisse“ wird auf ein Feature mit dem Titel „Satanus im Hinterhof – aus der Hexenküche des neonazistischen Kulturbetriebs“ verwiesen. Bis auf einige altbekannte Plattitüden zur Neonaziszene, ist diese Produktion von Deutschlandfunk (vom Januar ’09) sehr aufschluss- und detailreich gemacht und außerdem äußerst nett anzuhören. Unter anderem kommt dort auch ♥Martin Büsser♥ von Testcard und dem Ventilverlag zu Wort. Ein großes Manko des Features ist die völlige Aussparung eines der neuesten und inzwischen sehr wichtigen Trends in der Naziszene, die wohl kaum als antizivilisatorisch und -aufklärerisch bezeichnet werden können, sondern wohl eher als völkische Fortführung bevölkerungspolitischer Aufklärungskampagnen.

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Sinnscheiße zu Sinnscheiße

Hegel, Sie Halunke!

Der ganze Planet besteht aus Sinnscheiße. Warum muss man dann so tief in die Sinnscheiße-Bergwerke hinabsteigen, um unter entsetzlichen Qualen und unzähligen Opfern ein Material heraufzubefördern, das an der Oberfläche des Planeten in rauen Mengen herumliegt, wo man sich nur bücken müsste um es aufzuheben? Aber nur dadurch, dass wir die Sinnscheiße unter solchen entsetzlichen Qualen zu Tage fördern, erhält sie das wichtigste: Nämlich Wert!

In dem Hörspiel „Aufstand in den Sinnbergwerken“ von Matthias Schamp wird auf amysante Art und Weise die Sinnlosigkeit der kapitalistischen Arbeit geschildert. Und doch ist auch sichtbar Aussicht in Sicht: Den Hauptfiguren wird die Sinnlosigkeit der ganzen Schufterei bewusst und sie fangen an, sich anderen Dingen zu widmen. Damit bekommt die Geschichte aber leider einen idealistischen Charakter: Dadurch, dass sie sich der ganzen Scheiße bewusst werden und mit Hilfe der Metaphysik, gelingt es ihnen die Sinnscheiß-Gesellschaft aufzulösen. Wenn der Feind nicht eine Rückenkratzbürste in die Hände bekommen hätte…

Dennoch ist „Aufstand in den Sinnbergwerken“ ein äußerst köstliches Hörstück. Es ist verstörend, was unter anderem durch die verkleckerten Geräuschkulissen und den krokant-musikalischen Rahmen erzeugt wird. Unter anderem ist eine EA80-Coverversion von der Musikgruppe Bierbeben zu hören, die Teil der „Künstlergruppe Im Namen des Volkes“1 ist und im neuen Jahr ein neues Album herausbringt.

Schräckes Hörspiel:

via

  1. siehe [zurück]

Viel zu viel…

[…find ich auch!] Aus dem kleinen Schnipsel-Zine „Geschriebenes gegen die Normalität“ aus Hamburg. Zugeschickt bekommen in einer netten Post (Danke, Purzel!).

Erinnerungen an wilde Party mit harmloser Musik, nackte Hedonisten-Menschen mit Bier beschmiert, Kater. Nicht so harmlose Musik:

Schulanfang

Ich habe in letzter Zeit Freude daran gefunden Samples aus Hörspielen und Filmen rauszuschnippeln. Dieses Sample aus dem Hörspiel „Der untröstliche Witwer von Montparnasse“ nach dem Roman von Fred Vargas ist ein Gruß an die Genossen die heut wieder zur Schule mussten.

Zu Besuch im Kommunismus

Ich bin hörspielsüchtig. Schon lange. Gestern habe ich wieder ein nettes Hörspiel gehört: „Canide oder das Hoffen lernen“, nach einem Text von Voltaire. Auf seiner Reise kommt Candide, ein Philosophie-Schüler, der zwischen dem Optimismus seines Lehrers und dem nihilistischen Pessimismus seines Freundes umherirrt, auch zum Kommunismus.

Schade ist, dass der Kommunismus nicht als etwas dargestellt wird, was zu verwirklichen wäre, im Gegenteil: Er gelangt zu ihm durch „einseitige geistige Ernährung“, erfährt von ihm in einem Fieberschlaf. Die Wirklichkeit muss sich in dieser Geschichte zwar mit dem Kommunismus messen, doch er bleibt ein Traum. Obendrein verlässt Candide den Kommunismus aufgrund seines Glaubens an die Ehe. Dennoch ist die Beschreibung des Kommunismus ziemlich cool und das Hörspiel ist sehr amüsant. Doch hört selbst über Candides Besuch im Kommunismus:

SINNAN

Wer wissen will was dabei herauskommt wenn man in Ostdeutschland (Kühe, Schweine) auf die Suche nach politischen Idealen geht, sollte sich das Hörspiel SINNAN herunterladen.

Sinnan Hörspiel

(auf den Link klicken, dann auf download file)

SINNAN ist eine Produktion von Schroeter und Berger und der Mitpilgerzentrale. Musik und Soundeffekte stammen von Galerie 3000.

Die Bildershow zum Hörspiel:

Leben wie Gott im Osten…

Ps: Als ich heute mit andersleben im Kino war, meinte dieser, dass ich eigentlich andersleben sollte. Seltsam. Auf dem Nachhauseweg ist mir glatt der Gürtel geplatzt und ich musst auf dem restlichen Weg meine Hose festhalten.

Pps: Blut tropft von Helm und Sebel – hat sich deine unvollhofft andere Malzeit wenigstens gelohnt? Unfreiwillige Reise trotzdem genossen? (-;

EDIT: Der obige Link zum Hörspiel ist inzwischen tot. Man kann sich das Hörspiel hier anhören.