Archiv der Kategorie 'Film'

Aus dem Abseits

Zur Zeit ist in der Mediathek von 3sat der Film „Aus dem Abseits“ zu sehen. Der Film von Simon Brückner geht den Spuren von dessen Vater Peter Brückner nach – kritischer Sozialpsychologe, Staatskritiker, Theoretiker der Neuen Linken. Obwohl es ein sehr persönlicher Film ist, in dem die Beziehung zwischen Vater und Sohn eine zentrale Rolle spielt, ist der Blick nicht „personalisierend“ und ohne Kitsch. Es geht darum, inwiefern die Biographie Peter Brückners die Konflikte und Widersprüche einer Epoche enthält. Ich habe kurz nach Erscheinen des Films ein Interview mit Simon Brückner geführt:

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Hier gibt es außerdem ein schriftliches Interview mit Simon Brückner. Der Film ist noch bis zum 05.09.2016 in der 3sat-Mediathek abrufbar1. Weiterführend empfohlen (jeweils antiquarisch zu erwerben):

■ Johannes Agnoli / Peter Brückner: Die Transformation der Demokratie
■ Peter Brückner / Barbara Sichtermann: Solidarität und Gewalt. Zur Ermordung Ulrich Schmückers durch Genossen
■ Peter Brückner: Das Abseits als sicherer Ort

  1. Danach lohnt sich eine Anfrage über die Kommentarspalte. [zurück]

Zum 40. Todestag von Ulrike Meinhof

Am 9. Mai 2016 jährt sich der Todestag von Ulrike Meinhof zum 40. mal. Sie ist am Morgen des 9. Mai 1976 im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden worden – über den Vorgang ihres Todes gibt es unterschiedliche Versionen. Andere können besser einschätzen als ich, welche Rolle Ulrike Meinhof gespielt hat – erst als linke Journalistin und Autorin für Konkret, später als Mitglied der ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Über die RAF seien etwa empfohlen das Buch „Stadtguerilla und soziale Revolution“ von Emile Marenssin und der Band „Rote Armee Fiktion“ von Joachim Bruhn und Jan Gerber (Hg.), beide erschienen bei ça ira. Ich möchte hier nur den Film „Bambule (Fernsehspiel)“ von Ulrike Meinhof empfehlen. Der Film ist von 1970 und zeigt die Situation in einem autoritären Mädchen-Erziehungsheim. Der Film zeigt, wie Konflikte zwischen den Heiminsassinnen und den Erzieherinnen aufbrechen, ein Mädchen haut ab, ein Mädchen wird bestraft, schließlich proben einige einen Aufstand. Der Aufstand scheitert und endet mit der Überlegung darüber, wie man weiter machen kann. Weil die Befreiung von Andreas Baader dazwischen kam, durfte der Film im Westfernsehen nicht gezeigt werden. Die Erstausstrahlung war erst im Jahr 1994 möglich. Der Film ist Realismus im besten Sinne und weist über sein Ende hinaus in die Realität hinein.

Ich habe aus der Tonspur des Films eine Art Hörspielcollage zusammengestellt – in der Hoffnung, dass die zusammengestellten Töne auch unabhängig vom Film als kleine Aufstands-Geschichte funktionieren. Hier hörbar:

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Bei freie-radios.net gibt es eine Sendung über Ulrike Meinhof – habe sie noch nicht gehört, aber wird schon gut sein.

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Dexter: Der postmoderne Dandy in Gestalt eines serienmordenden Polizisten

Mit Dexter ist es mir passiert, dass mich seit Twin Peaks zum ersten mal eine Serie (ein Format, mit dem ich sonst eigentlich recht wenig anfangen kann) wieder gefesselt hat. Nachdem ich nun die ersten drei Staffeln durchgesehen habe, wollte ich hier fragmentarisch ein paar Reflexionen zu dieser Serie niederschreiben, die vor Allem auf einen Vergleich hinauslaufen: Die Figur Dexters entspricht in wesentlichen Zügen der das Dandys des Ästhetizismus. Die entscheidenden Unterschiede verweisen hingegen auf einige spezifische Merkmale postmoderner Subjektivität.

Dexter Morgan arbeitet in der Spurensicherung der Polizei von Miami und hat als Bulle etwas zu verbergen: Seitdem er als Kind traumatisiert wurde, da er die blutige Ermordung seiner Mutter mit ansehen musste, verspürt er in sich einen unstillbaren Drang zu töten. Sein Adoptivvater, seinerzeit ebenfalls Polizist, hat die mordlüsterne Neigung seines Ziehsohns jedoch früh erkannt und hat ihm beigebracht seinen Trieb zu kanalisieren: zunächst auf Tiere, später auf Schwerverbrecher, die ungestraft durch Gesetzeslücken entschlüpfen konnten. Dexter lernt wie er seine Opfer töten kann ohne Spuren zu hinterlassen und folgt dabei den strengen Anweisungen seines Vaters: niemals einen unschuldigen Menschen zu töten und niemals irgend einen Menschen von seinem düsteren Inneren erfahren zu lassen. Letzteres ist für Dexter die einzige Möglichkeit zu überleben. So dem Kodex seines Vaters folgend, lebt Dexter ein ganzes Leben als Fassade. Er muss selbst vor seinen nahsten Menschen sein wahres Ich ständig und immer wieder verbergen, ist als das Monster, das in seinem Innersten lauert, immer von allen Menschen um ihn herum entrückt und muss ob seiner inneren Leere, die er nur durch das Morden für eine kurze Zeit füllen kann, alle gesellschaftlichen Konventionen und Bräuche , die er nicht nachvollziehen kann, vortäuschen.

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Damit trägt die Serie zum Teil stockreaktionäre Züge. Die ständig präsente Stimme der Vaterfigur wird als gerechte immer wieder geadelt, es gibt keine Möglichkeit für Dexter sich von seinem Familienschicksal zu emanzipieren, das unentrinnbare Band der Familie erscheint zudem oft als einzig mögliche Rettung, das Mörder-Morden ist als korrigierende Aufrechterhaltung einer bürgerlichen Ordnung letztlich okay, Triebverzicht und absolute Selbstkontrolle werden propagiert. Schließlich manifestiert sich in Dexters Freundin Rita – ein Vergewaltigungsopfer, das ohne Dexters Hilfe kaum zurecht kommt, sich weinerlich-hilflos auf dessen starke Schulter stützt und ohne ihn, ihrem kriminellen Ex-Mann hilflos ausgeliefert ist – eine ziemlich sexistische Projektion.

Dennoch gibt es neben diesen Tendenzen eine Ambivalenz in der Serie, die es zu untersuchen lohnt. Gerade das Verhältnis zu seinem Vater und zu seinen Trieben wird gegen Ende der ersten Staffel nicht mehr zu einer eindeutigen Angelegenheit. Dexter entdeckt, dass sein Vater ihm einige wichtige Details über seine Vergangenheit vorenthalten hat und als sein Bruder, von dem er nichts gewusst hatte, plötzlich auftaucht, beginnt er an der Richtigkeit des Codex von Morgan Senior zu zweifeln. Ist es richtig, ständig von sich selbst absehen zu müssen? Dass sich Dexter schließlich doch für sein gespieltes Ich entscheidet, das sich ständig gegen sein ‚wahres Ich‘ richten muss, ist nicht in erster Linie eine Entscheidung für seinen Vater, sondern dafür überhaupt bestehen – ergo überleben – zu können. Damit gibt der Verlauf der Serie möglicherweise einen Verweis darauf, dass Dexters Qualen nicht lediglich dem Schicksal seiner Kindheit entspringen, sondern etwas mit einer Gesellschaft zu tun haben, die alles andere als in Ordnung ist. Nicht nur dass sich während der ersten zwölf Folgen immer wieder Konstellationen entfalten, die von einem gestörten Miteinander erzählen. Dexter begegnet immer wieder Menschen, die ebenfalls mit einer Kraft zu kämpfen haben, die tief in ihrem Inneren lauert. Es ist eigentlich verdammt witzig, wie so ganz nebenbei, sich die Mordlust auch in anderen Mitmenschen zu erkennen gibt, denen Dexter begegnet. Und auch wenn Dexter am Ende allein seinen aufrechten Gang als Fassade geht – hier wird gegenüber den deutschen Fernsehproduktionen eine spezifische Qualität des amerikanischen Fernsehens sichtbar: Könnte es in Deutschland jemals einen Polizisten als Helden geben, der neben seinem Berufsalltag serienweise Menschen um die Strecke bringt, der aus einem Rachemotiv kein verquirlt moralisches Ding macht, sondern es einfach für sich tut? In Deutschland ist die Welt am Ende meistens so heile wie sie vorher war – Dexter hingegen hinterlässt nichts als Verstörung, die von einer verstörten Welt herkommt. (mehr…)

Geschichten der Freundschaft

Auf Arte plus 7 gibt es gerade eine sehr sehenswerte Dokumentation über Walter Benjamin:

Was ist ein Sarrazin?

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Hilferuf aus Weimar

Hier wird dringend Hilfe benötigt:

Der Goldene Oktober – Straßenkampf

Gefunden bei agmeer.
Ach leck mich doch am Arsch…

Anarchopower Berlin

Ich habe soeben folgendes Video entdeckt, welches ich als sehr gut einschätzen musste:

Während ich das sah (und dabei einfach zugeben musste, dass hier jemand genau den Nerv getroffen hat), überlegte ich ob es sich bei dieser Gruppe wohl um eine Neugründung der Greifswalder Gruppe „Anarchopower“ um Bert Papenfuß handelt, was ich für sehr unwahrscheinlich hielt. Als ich dann aber weiter recherchierte gelangte ich auf eine Seite, auf der man folgendermaßen willkommen geheißen wird:

Auf dieser Homepage, die auf jeden Fall ausgezeichnet gestaltet ist, entdeckte ich dann, dass es sich bei der neuen Anarchopower-Gruppe tatsächlich um einen Nachfolger der Greifswalder Gruppe handelt und sogar, dass Bert Papenfuß selbst daran beteiligt ist. Auf der Seite können die Manifeste von Anarchopower gelesen werden, die auf jeden Fall auch sehr gut sind, bis auf das letzte Traktat zum G8-Gipfel. Das ist wirklich schlecht, das hättet ihr euch wirklich sparen können, das ist ungefähr so wie die Texte des Schwachkopfs Wenzel.

Das Leben des Sid Vicious

Danke, Schröter!

Beuys Beuys Beuys

… der alte Nazi-Unteroffizier:

Ich schau dir in die Augen, Kleines…

Ein hörenswertes Interview zu einer besuchenswerten Veranstaltungsreihe:

Teil 1 ||
Teil 2 ||

via
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Stalker

In unregelmäßigen Abständen ab jetzt immer wieder Literaturhinweise von Aergernis. Dieser 80-Pf-Trivial-Scince-Fiction-Roman „Picknick am Wegesrand“ ist die Vorlage für den guten Film „Stalker“.