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Was ist Materialismus?

Folgende Gedanken kamen mir heut bei der Kant-Lektüre. Ich bin mir noch etwas unsicher, vielleicht findet sich ja jemand, der mich herausfordert oder ergänzt…

Im allgemeinen Gebrauch des Begriffs „Materialismus“ wird dieser verstanden als ein Gegensatz zum Idealismus, der darin bestehe, dass der Idealismus davon ausgeht, dass die materielle Wirklichkeit ein Produkt der Ideen sei, während der Materialismus diese Bestimmung umdrehe und dagegen setzt, dass das Sein das Bewusstsein bestimme. Folglich analysiere der Materialist die Produktionsverhältnisse, aus denen die Ideen resultieren. Nun sind letztere Bestimmungen in Hinsicht auf Marx nicht unbedingt verkehrt – in etwa werden diese in der „Deutschen Ideologie“ so formuliert, doch ich meine, dass damit überhaupt nicht gesagt ist, was Materialismus ist. Aufschluss darüber, was Marx mit Materialismus meint, könnte der Idealist Kant in der Kritik der praktischen Vernunft geben. Als Grundsatz der reinen praktischen Vernunft wird dort formuliert, dass ein praktischer Grundsatz nur dann ein praktisches Gesetz sein kann, wenn der Bestimmungsgrund des Willens weder auf Lust/Unlust begründet ist, noch auf eine begehrte Wirkung hinziehlt. Glück als Bestimmungsgrund ist für ein praktisches Gesetz somit ausgeschlossen, weil ein praktisches Gesetz allgemein gelten muss, das Streben nach Glückseligkeit jedoch bei jedem Individuum etwas anderes bedeutet:

Worin nämlich jeder seine Glückseligkeit zu setzen habe, kommt auf jedes sein besonderes Gefühl der Lust und Unlust an, und selbst in einem und demselben Subjekt auf die Verschiedenheit der Bedürnis, nach den Abänderungen dieses Gefühls, und ein subjektiv notwendiges Gesetz (als Naturgesetz) ist also objektiv ein gar sehr zufälliges praktisches Prinzip, das in verschiedenen Subjekten sehr verschieden sein kann und muß, mithin niemals ein Gesetz abgeben kann, weil es, bei der Begierde der Glückseligkeit, nicht auf die Form der Gesetzmäßigkeit, sondern lediglich auf die Materie ankommt ob und wie viel Vergnügen ich in der Befolgung des Gesetzes habe. [I. Kant: Kritik der praktischen Vernunft, in: I. Kant: Die Kritiken, Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 2008, S. 726]

Wenn nun Marx eine Gesellschaft fordert, die nach den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, in der die Entfaltung des Einzelnen Grundlage für die Entfaltung aller ist, dann bedeutet dies, dass er darauf beharrt, dass es durchaus auf die Materie ankommt. Eine Gesellschaft ist dementsprechend daraufhin zu überprüfen, ob es den Einzelnen in der Verschiedenheit ihrer Bedürfnisse gut geht – was mit dem Aufstellen von der Form nach objektiven und verallgemeinerbaren Gesetzen nichts zu tun hat, sehr wohl aber damit ob ich ein Vergnügen daran habe oder nicht wie die Gesellschaft gestaltet ist. Vernunft ist demnach nichts, was vom Materiellen unbeschmutzt bliebe, sondern etwas, das es in der materiellen Welt zu verwirklichen gilt. Wenn das Materialismus ist, dann ist aber der Satz von Marx, dass alle Verhältnisse umzuwerfen seien, in denen der Mensch ein geknechtes, verächtliches (…) Wesen ist, alles andere als ein kategorischer Imperativ, wie Stephan Grigat diesen Satz öfters nennt. Denn ein kategorischer Imperativ ist gerade dadurch bestimmt, dass er unabhängig von Bedürftigkeit sowie Lust/Unlust, der Form nach verallgemeinerbar ist und nicht auf eine begehrte Wirkung ziehlt. Ich bin aber nur für den Kommunismus, wenn ich davon auch etwas habe.

Das Scheitern der Sprache #5

Das Scheitern am nachsprechen-müssen

Es ist erstickend etwas sagen zu müssen, das man nicht sagen will. Der Zwang etwas sagen zu müssen ist das Ende der Sprache, vollzogen in Worten. Das erzwungene Geständnis geht allzu oft einher mit dem Brechen einer Persönlichkeit. Die Wiederholung eines Schwurs, einer Parole im Chor ist oftmals eine Selbstvergewisserung der Herrschaft. Es kann aber auch schon eine schmerzhafte Erfahrung sein etwas nachsagen zu müssen, wenn man dazu einfach nicht in der Lage ist – sei es durch einen Sprachfehler, sei es weil man der Sprache des Vorsprechers nicht mächtig ist oder weil man das Vorgesagte schlicht nicht versteht.

I. Der Rabe Josef

Während viele Geschichten und Hörspiele von Janosch prägend für meine Kindheit gewesen sind, habe ich die Geschichte vom Raben Josef erst später entdeckt, nachdem zwei Freundinnen von mir immer wieder „RooRääRooRää“ singend durch die Gegend gerannt sind. Der Rabe Josef ist, wie viele von Janoschs Figuren, ein trauriger Außenseiter, der von den anderen gehänselt wird. Da er später als seine Rabenbrüder aus seinem Ei schlüpft, entdecken ihn die Rabeneltern nicht und er bekommt nur die Reste zu essen, die seine Brüder übrig gelassen haben. Erst als zwei seiner Brüder aus dem Nest fliegen, wird Josef von seinen Eltern entdeckt – nun muss auch er das Krächzen lernen. Statt dem harten „Raab Raab“ kann Josef aber nur ein schüchternes, flötendes „RoRää RoRää“ von sich geben. Dafür wird er von seinen Eltern und Brüdern ausgelacht und aufgezogen. Seitdem ist Josef einsam – er spricht eine eigene Sprache, die niemand versteht und wünscht sich sehnsüchtig einen Freund, mit dem er reden könnte. Eines Tages, als er über einen spiegelglatten See fliegt entdeckt er einen Raben, der ihm ganz ähnlich sieht… Hier nur ein Ausschnitt, in dem Josef am nachsprechen-müssen scheitert:

II. 1984

Es ist eine der erniedrigendsten Erfahrungen, von jemandem gezwungen zu werden etwas zu sagen, das man nicht sagen will – sei es, weil das Gesagte gegen einen selbst gerichtet ist, sei es weil es der eigenen Überzeugung zutiefst widerspricht. Ich erinnere mich an ein Ereignis auf dem Schulhof, als ich in der fünften Klasse an der Regelschule war. Einige der Zehnt-Klässler hatten sich einen Jungen aus meiner Klasse ausgesucht, um ihn jeden Tag aufs neue zu malträtieren. Ich beobachtete wie sie ihn eines Tages umstellten und von ihm verlangten von sich selbst zu sagen, dass er schwul wäre. Der Junge war in dieser Situation so wehrlos, dass er alles sagte, was die größeren Jungs von ihm verlangten. Kein Argument hat in einer solchen Situation eine Chance. Um die Schrecklichkeit eines solchen Zwangs wissend, hat George Orwell dieses Motiv in seinem Roman 1984 aufgenommen. Winston Smith, der als Gedankenverbrecher gefangen ist, wird während der Folter dazu aufgefordert zu sagen, wie viele Finger der Folterer ihm zeige. Dabei weist der Folterer Smith auf eine Aussage von ihm hin, Freiheit sei die Freiheit zu sagen, dass 2 und 2 gleich vier1 ist und er verlangt von Winston zu sagen, dass er fünf Finger sehe. Die wahre Folter besteht nun darin, dass es dem Folterer nicht genügt die „fünf“ aus dem Mund Winstons zu hören – er soll davon überzeugt sein. Dieser Überzeugung steht aber die Offensichtlichkeit entgegen, dass der Folterer tatsächlich vier Finger zeigt. Die Brechung der Persönlichkeit Winstons besteht darin, dass ihm die Möglichkeit genommen wird über Sprache Wahrheit verhandeln zu können – wahr ist, was die Partei als Wahrheit festlegt. Gerade weil Sprache nur dann mit Sinn und Wahrheit vermittelt ist, wenn sie in Bewegung bleibt (der Begriff nähert sich seinem Gegenstand immer nur an, Sprache oszilliert um die Dinge die sie meint), ist die Partei dazu gezwungen Sprache im Neusprech zu dezimieren und statisch zu machen. Sprache scheitert, wenn sie zum Code wird – die Durchsetzung des Neusprech ist das Ende jeder Vermittlung.

  1. Sicherlich ist es problematisch, dass hier Mathematik und Logik als unabhängige Wahrheiten gesetzt werden. Hat doch die Entwicklung einer Universalsprache auf einer ausschöpfend logischen Grundlage, wie sie etwa im Wiener Kreis angestrebt wurde, einen ähnlichen Wahn an sich, wie die Entwicklung des Neusprech – als eine unglaubliche Beschränkung der Sprache, die zudem als eine Beschränkung der Welt erscheint. Wittgenstein hat später selbst darauf hingewiesen, dass ein solcher Umgang mit Sprache notwendig fehlläuft. [zurück]

Sieg über den Tod

Ohne die Vorstellung eines fessellosen, vom Tod befreiten Lebens kann der Gedanke der Utopie nicht gedacht werden.

Theodor W. Adorno, Möglichkeiten der Utopie heute

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Links zum Thema: Beitrag zu Fedorov in einem Kirchenlexikon | Alexandr A. Bogdanow – Der rote Planet (Roman)

Das wahre Leben trainieren

An Zynismus und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten:

Training für Hartz-IV-Empfänger
Arbeitslose spielen Kaufmannsladen

Aufblasbarer Plastikkäse, kopiertes Spielgeld, gefärbtes Wasser in Weinflaschen: Das Jobcenter Hamburg finanziert einen kompletten Supermarkt. Hartz-IV-Empfänger sollen dort wieder arbeiten lernen. Die simulierte Einkaufstour kostet Millionen – und hat bislang nur eine magere Erfolgsquote.

Hamburg – Eine Flasche Mirabellenbrand hält den Betrieb auf, die Scannerkasse erkennt sie nicht. Die Frau an der Kasse guckt fragend zu ihrem Ausbilder, dem Herrn Rothe. Die F7-Taste soll sie drücken, den Artikel eingeben, nochmal F7, dann den Preis, irgendwann die Taste F2. Und dann soll es weitergehen. „miraabellenbrand“ wird später auf dem Kassenbon stehen, verkauft für 49,90 Euro. Ein Tippfehler beim Namen, nicht so wichtig, Hauptsache, der Preis stimmt.

Die Flasche ist leer.

Der Kunde heißt heute Markus Repschinski. Der 28-Jährige hat die leere Mirabellenbrandflasche gekauft. In seinem Einkaufswagen liegen außerdem eine leere Flasche Ouzo für 29 Euro und volle Packungen Cornflakes, Reis, Toffifee, Pedigree sowie eine Dose weiße Bohnen. Insgesamt sind es Waren für 129,13 Euro. Repschinski wird noch mehrere dieser Wagen zusammenpacken, wahllos, mal ist Katzenfutter dabei, mal Hundefutter, manchmal beides.

Er wird jeden Wagen vorbeischieben an der Kühltheke mit den aufblasbaren Käselaiben aus Plastik, vorbei an den leeren Plastikschalen „Nordseekrabben Natur“, vorbei an den Weinflaschen mit gefärbtem Wasser. Auch vorbei an 6000 echten und gefüllten Kekspackungen, Konservendosen und Chipstüten, die hier in den Regalen liegen.

„Real Life Training“ steht auf seinem Rücken, deswegen ist er hier: Das wahre Leben trainieren, in einem Übungssupermarkt mit angeschlossenem Lager. Es ist die erste Maßnahme dieser Art deutschlandweit. Arbeitslose sollen lernen, wie es ist, im Lager zu arbeiten, an der Supermarktkasse, im Großhandel. Früh aufstehen, pünktlich erscheinen, die Mütze ab, die Hände sauber, Arbeitszeiten ordentlich dokumentiert auf einer Stempelkarte, das ist die Idee; jede Woche knapp 40 Stunden, für sechs bis neun Monate. Betreut von sechs Sozialpädagogen und fünf Übungsleitern. → weiter lesen

Passend zum Thema sei dabei auf das Interview mit den Neptunianer_innen King und Kodos von der „Außerplanetarischen Opposition“ hingewiesen, die im März nach Erfurt gekommen waren und nicht begreifen konnten, dass auf der Erde Häuser (Arbeitsämter) gebaut werden, die dafür erdacht sind sich vollkommen sinnlose Tätigkeiten für Menschen auszudenken, die eigentlich nicht notwendig arbeiten müssten:

(Siehe Artikel Infoladen Sabotnik)

Um eine Kritik der Arbeit wird es auch am 10. April bei einem einführenden Seminar zur wertkritischen Kapitalismuskritik in Weimar gehen:

SEMINAR
EINFÜHRUNG IN DIE WERTKRITISCHE KAPITALISMUSKRITIK

Das zunehmende Unbehagen im Kapitalismus ist leider noch kein Garant für eine angemessene Kritik und nicht jeder Widerstand ist per se emanzipatorisch zu nennen. Die Gefahr, Bestandteil des Problems zu werden, gegen das sich der Unmut richtet, ist groß genug, wie viele (ex-)linke Biographien beweisen. Um den Kapitalismus kritisieren zu können, muss er auch verstanden werden. Wir wollen Euch die grundlegenden Kategorien der kapitalistischen Gesellschaft näher bringen, wie sie Marx im Kapital entwickelt hat. Entgegen einer traditionsmarxistischen Lesart stehen hier nicht Klassenkampf und Loblieder auf das Proletariat im Vordergrund, sondern die Kritik von Ware, Geld, Kapital und Warenfetischismus.

DATUM: 10. April 2010
BEGINN: 11:00 UHR
ORT: Weimar, Jakobsstraße 22 (Bureau der „Neuen Linken“)
EINTRITT: frei

Das Seminar findet leider parallel zu einer öffentlich angekündigten Hausbesetzung in Erfurt statt (wir vertrösten die Genoss_innen, auf dass die Theorie baldig die Massen ergreift). Diese Aktion wird im Rahmen einer Aktionswoche anlässlich der Jährung der Räumung des Besetzten Hauses in Erfurt ausgerichtet:

EIN JAHR RÄUMUNG – PROGRAMM: 10. – 17. APRIL

Dafür oder dagegen

Ist zwar schon älter, fehlt aber in Aftershows Original-und-Fäschung-Kategorie:

Original (via Associazione Delle Talpe)

Fälschung (pro capitalism):

Beinahe-Eklat um Gebirgsjäger-Denkmal

Am Sonntag wurde das Denkmal für die Opfer der Gebirgsjäger zur Zeit des NS-Regimes feierlich eingeweiht. Zum erhofften Schlussstrich unter den seit Monaten schwelenden Streit mit dem militärkritischen Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ kam es aber nicht. Die Gräben bleiben.

--> hören

Indeterminate Revolution

Hier hin zieht’s mich am Wochenende:

Autumn

Entsprechend der Jahreszeit habe ich mal meinen Header umgestaltet. Allerdings ist das neue Design noch nicht vollständig: Alle lieben Grafiker von Blogsport seien dazu aufgerufen, sich daran zu versuchen einen Schriftzug „Aergernis“ in passender Machart zu entwerfen, der zwischen dem Waldgewächs und dem Verzweifelten platziert werden soll. Einige Vorlagen gibt es untenstehend.

Empfehlung

Am Freitag im Zoro le: Fall of Efrafa, Witch Hunt und Antimaster. Ich hoffe ich bleibe von esoterischen Crust-Fans verschont.

Again…

Nach fast einem halben Jahr ohne Beitrag wird es hier in unregelmäßigen Abständen wieder weiter gehen. Bevor ich richtig losstarte werde ich erst einmal versuchen das Design dieses Blogs zu erneuern – eventuelle Scherben beim Umbau bitte ich zu entschuldigen. Bis dahin – herzliche Grüße, Aergernis!

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Bis auf weiteres…

…nothing to regret.

SI Revue | Writers Corner Similde

Eine Neuauflage Gesamtausgabe der Internationale Situationniste und alle Texte online gibt es auf der Homepage SI-Revue:

Si-revue.de ist die Website, auf der die Zeitschrift der Situationistischen Internationale neu zugänglich gemacht wird, deren deutsche Übersetzung seit Jahren vergriffen ist. Die Artikel sind hier online lesbar, und es gibt eine neue gedruckte Ausgabe. Wenn Sie noch nicht wissen, was die S.I. war und was Ihre Zeitschrift interessant macht, können Sie hier klicken: Situationistische Internationale.

Am Mittwoch organisiert die Mittwochsgruppe der Similde (Simildenstraße 9) in Leipzeig wieder eine writers corner, in der sich der Theorie zugeneigte Tagger mit der Situationistischen Internationale auseinandersetzen werden. Auch wenn der hergestellte Bezug zwischen Street Art und S.I. sicher nicht ganz unproblematisch ist, kann ich mir vorstellen, dass es spannend wird.

No No No

Erfurt: Räumungsklage für besetztes Gelände eingegangen

Der neue Besitzer hat beim Amtsgericht Antrag auf Räumung des besetzten Geländes “Topf & Söhne” gestellt. Bis morgen soll darüber entschieden werden. Die Besetzer können nach Angaben des Gerichts noch Widerspruch einlegen. Sie hatten zuvor erklärt, für eine Räumung gebe es keine rechtliche Grundlage.

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Da unten sind sie. Die Werbetafeln…

Gekommen um zu bleiben


24.01.09 Bahnhofsvorplatz, Erfurt

„69″ the Movie

Auch wenn es sich nicht um einen Splatterfilm handelt, so könnte mein Wunsch nach verwiefterer Agitation, den ich bereits hier geäußert habe, doch in Erfüllung gehen. Der Film „’69′ the Movie“ klingt zumindest in dieser Beschreibung recht verlockend:

…Kopenhagen ist eine von vielen europäischen Städten, die mitten im Prozess der Stadtumstrukturierung und Säuberung durch Stadtverwaltungen stecken. Der organisierte Widerstand der im Zeitraum der Räumung des Jugendhauses stattfand, brachte den Konflikt auf ein neues Level.

’69′ schildert die letzten 6 Monate in der Geschichte des Jugendhauses, gesehen durch die Augen der Aktivisten. Durch die Zusammenstellung von einzigartigem Filmmaterial von geheimen Meetings, direkten Aktionen, Riots, den Alltag des Jugendhauskollektivs und die Räumung, gefilmt im Haus, portraitiert diese Dokumentation die Spannungen zwischen marginalisiert und radikalisiert werden.

Die Kombination zwischen einem Filmregisseur aus der europäischen DIY/Aktivisten Szene und einer hochfinanzierten Filmproduktion ergibt einen ziemlich kontroversen Mix. Seit der Premiere im Oktober, bekam ’69′ drei Auszeichnungen eines internationalen Filmfestivals für den besten neuen nordischen Regisseur, die beste dänische Dokumentation und einen Audience award..

Eine Hauptfigur und der Regisseur des Filmes sind gerade auf Tour in Deutschland, um den deutschen Linken dieses Machwerk darzubieten, die dann entspannt ihre krawalligen Sehnsüchte auf das nordische Kopenhagen übertragen können. Am kommenden Freitag, also morgen, wird der Film in der Köpi zu sehen sein. Beginn ist 21:00 Uhr. Ich bin gespannt und werde gegebenen Falls berichten.

Informationen zum Jugendhaus in Kopenhagen
:
Ungdomshuset bei Wikipedia | Ungeren Blog | Homepage des Jugendhauses | Besetze deine Stadt! | Jungle-World Artikel

Internationaler Tag der Menschenrechte

Wird begangen:

Wir laden am 10.12., dem internationalen Tag der Menschenrechte, zu einer Abendveranstaltung unter dem Titel “Zur Kritik der Menschenrechte” ein. Referent ist Martin Dornis (Gruppe in Gründung) aus Leipzig. Der Vortrag beginnt um 20:00 Uhr.

Das Bekenntnis zu Menschenrechten gehört zum Grundinventar linken und demokratischen Denkens und Handelns. Aber Menschenrechte werden nach wie vor mißachtet, Körper werden versehrt, Menschen erleiden Not, Hunger und Gewalt, die unmenschliche Verfasstheit der Gesellschaft dauert an. – Sind die Menschenrechte nur nicht wirklich durchgesetzt, oder halten sie vielleicht gar nicht, was sie versprechen? Was genau versprechen sie überhaupt? Welches Bild vom Menschen und vom Recht liegt ihnen zugrunde?

20:00 Uhr | Gerberstraße 1 | Weimar

via

EDIT (19.12.08): Den Mittschnitt des Vortrages gibt es, leider in ziemlich schlechter Qualität, hier zum runterladen oder untenstehend zum anhören. Einen weiteren Vortrag von Martin Dornis zur Iedeologiekritik gibt es hier.

Experimente des Leibes

Für diejenigen Linken, die sich einer Kritik der Sphärentrennung verschrieben haben, könnte folgende Veranstaltung durchaus interessant sein. Ich werde mich überraschen lassen.

Experimente des Leibes – Genie in Kunst und Philosophie

In diesem Seminar werden Annäherungen an den Begriff des Genies sowohl in kunsthistorischer als auch in philosophischer Sichtweise und Tradition diskutiert. Grundlegend geht es dabei um einen Gegenwartsbezug der verschiedenen Auslegungsarten des Geniegedankens in der Vergangenheit, immer mit Blick auf die Frage, was es heute heißen kann, Genie zu haben. Oder: Kann jemand ein Genie sein? Wie ist das zu verstehen?

Im Anschluss an „Selbst Macht Originalität“ soll nun zum Kern unserer Fragestellungen selbst vorgedrungen werden, indem direkt nach dem Genie, dem genialen Funken oder dem „Genialen an sich“ innerhalb des Menschengeschlechtes, grundlegend verstanden als Künstlergeschlecht, gefragt werden soll.

Kolloquium vom 12.-14.12.2008 in der Schreibwerkstatt / Schreibmaschine Leipzig
Gutsmutsstr. 47, 04177 Leipzig

http://www.hgb-leipzig.de/leib/

& Dienstag 9.12.2oo8 KRACH Konzert im Schreibbüro

Ich hab geträumt… #18

…ich würde mit meinen Eltern in der Innenstadt spazieren gehen und ein Eis essen. Auf einmal entdecke ich eine Frau, die einen Thor-Steinar-Pullover trägt. Ich stiere sie an und merke plötzlich, dass sie drei Kinder am Arm hat, die die gleichen Thor-Steinar-Pullover tragen. Das besondere an diesen Pullovern ist, dass unter dem Marken-Schriftzeichen zusätzlich „Deutschland über Alles“ gestickt ist. Ich gerate in Wut und sage in befehlerischem Ton zu der Frau, dass sie den Pullover ausziehen und in den nebenstehenden Papierkorb werfen soll. Seltsamerweise tut sie das auch. Ich hingegen bekomme es nun mit der Angst zu tun, als hätte ich eine schlimme Straftat begangen, für die man mich verfolgen könnte. Also flüchte ich von dem öffentlichen Platz und laufe zu einem verfallenen Haus in der Nähe und bemerke, dass es sich Freunde von mir darin bequem gemacht haben und habe plötzlich einen kleinen Hund an meiner Seite, der wohl mir gehört und den ich zu mögen scheine. Ich gehe zum Eingang des Hauses, der beinahe wie ein Tunnel gebaut ist und halte Ausschau nach meinen Freunden, sehe aber nur noch mehr Hunde. Plötzlich merke ich, dass mir schwerbewaffnete Polizisten gefolgt sind. Ich gerate in Panik und laufe weg vom Eingang, damit die Polizisten nicht auch noch merken, dass jemand das Haus besetzt hat. Dann falle ich hin, über mir ein Polizist, ich sehe noch den Tonfa-Schlagstock, dann Bewusstlosigkeit.

Ich wache wieder auf und weiß erstmal nicht wo ich bin, bis ich feststelle, dass ich in einem Zug sitze. Haben mich die Bullen hier reingesetzt? Oder hatte ich ein Blackout? Ich versuche zu erfahren wohin der Zug fährt und kann schließlich aus den Gesprächen heraushören, dass es zu einem Fußballspiel geht und dass die meisten Mitfahrer Ultras sind. Das ist schon etwas seltsam für mich, aber ich richte mich geistig darauf ein an diesem Fußball-Drumherum teilzunehmen. Der Zug hält schließlich an und wir fahren mit einer Straßenbahn bis kurz vors Stadion. Dort halte ich Ausschau, ob auch ein paar antifaschistische Ultras dabei sind und tatsächlich: Ich treffe sogar einige mir bekannte Gesichter, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie etwas mit Fußball zu tun haben könnten. Es liegt Spannung in der Luft – es könnte jeden Moment losgehen. Ich stelle mich auf Gewalt ein. Vorher setze ich mich aber mit ein paar Genoss_innen aus meiner Umgebung auf eine Mauer um die Rückfahrt zu besprechen, als es an meiner Zimmertür klopft und ich aufwache…

Vielleicht fühle ich mich in meinen Träumen zur Gewalt hingezogen, weil ich zur Zeit so viel Hippie-Mucke höre:

Auf ins Schreibmaschienen-Café

Ich habe soeben diese erfreuliche Nachicht erhalten:

26/27 September JUBILÄUM “26 JAHRE SCHREIBMASCHINENENBÜRO” im BÜRO des SCHREIBMASCHINENBÜROCAFES DER SCHREIBMASCHINENCAFEFRAKTION. in der Guts-Muths-Straße 47

z.B MIT:

- Rauchen aufhören innerhalb einer Stunde – Mit Geld zurück Garantoe
- Vortrag zur Quantenphysik
- Diverses Lesen der aktuellen Aktenlage
- Bockwurst und Brötchen
- Musik von echten Menschen
- UND: Alles Darf aufgeschrieben werden / auch vom CIA und KGB und BND / die wir herzlich dazu einladen unsere Textmappen auszuspionieren
- krampfhaftes Lustigsein unter Anderem.

GEHEIMGESELLSCHAFT “Schreibcafe_leipzig[at]yahoo.de”

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Siehe auch:

Guts-Muths-Straße 47

Der verpasste Tag