Archiv für Juli 2019

Bauhaus und Nationalsozialismus

Das Bauhaus gilt als Gründungsmoment einer modernen und fortschrittlichen Tradition, die durch den Nationalsozialismus abgebrochen wurde. Bauhaus und Nationalsozialismus erscheinen im kulturellen Gedächtnis als Gegensätze. Bei genauerem Blick kommt diese Entgegensetzung ins Wanken. Es stimmt, dass das Bauhaus von den Nazis aufgelöst wurde und VertreterInnen der Schule von den Nazis verfolgt wurden. Aber der Nationalsozialismus wusste Formelemente des Bauhauses auch zu integrieren. Innerhalb des Bauhauses gibt es gegenüber dem Nationalsozialismus eine große Bandbreite an Positionen: Von aktivem Antifaschismus über Opportunismus und Anpassung bis hin zur aktiven Mittäterschaft.

Kürzlich ist der Sammelband „100 Jahre Bauhaus. Vielfalt, Konflikt und Wirkung“ im Metropol-Verlag erschienen, herausgegeben von Bernd Hüttner und Georg Leidenberger. Darin hat Laura Rosengarten einen Beitrag über Bauhaus und Nationalsozialismus veröffentlicht. Ich habe mit ihr über das Thema ihres Textes gesprochen – zunächst habe ich sie nach den Ursprüngen und Anlässen ihrer Auseinandersetzung mit dem Bauhaus gefragt.

Hinweis zur Korrektur: Es sind 17 BauhäuslerInnen bekannt, die von den Nationalsozialisten ermordet worden sind – im Interview sind irrtümlich andere Zahlen genannt worden.

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Siehe auch:

    Hannes Meyer und das Bauhaus
    Wutpilger-Sendung über den Bauhäusler Max Gebhard
    Wutpilger-Sendung über linke Debatten um’s Bauhaus

Une situation excellente? – Publikation und Radiobeiträge zur Gelbwestenbewegung

Die Translib hat eine Broschüre mit dem Titel „Une situation excellente? – Beiträge zu den Klassenauseinandersetzungen in Frankreich“ veröffentlicht. Das Heft enthält, neben einem Beitrag des Translib-Arbeitskreises selbst, Übersetzungen von Debattenbeiträgen um die Gelbwestenbewegung.

Um das Heft im Radio vorzustellen, habe ich einen hörbaren Rückblick auf die Gelbwestenbewegung zusammengestellt, der zuletzt auch auf den aktuellen Stand der Bewegung eingeht:

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Außerdem habe ich ein Interview mit Marco von der Translib geführt, das einen Einblick ins Heft gibt. Wir gehen darin vor allem auf den größeren historischen Kontext ein, in dem die Gelbwestenbewegung zu verorten ist: Die Krisenentwicklung seit den 70er Jahren und die Strategie des Kapitals, diese Krise in einen Angriff auf Reproduktionsansprüche der Lohnabhängigen umzuwandeln. Dabei gehen wir auch auf die spezifischen Verhältnisse in Frankreich ein:

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Siehe auch meinen älteren Blogeintrag: Zur Gelbwestenbewegung.

Zur politischen Ökonomie des Ostens

Im Vorfeld eines Vortrags, der am 10.07.2019 in der Translib Leipzig stattfinden wird, habe ich ein Interview mit Daniel Intelmann geführt. Diese Art des Nachdenkens über die polit-ökonomischen Strukturen in Ostdeutschland finde ich sehr wichtig und möchte das Interview daher sehr empfehlen. Es geht darin u.a. um die Abwicklung des DDR-Volkseigentums durch die Treuhand, den durch die Wiedervereinigung notwendig gewordenen und verfestigten Staatsinterventionismus, die Umverteilungslogik zwischen den jeweiligen Arbeiterklassen in Ost und West … Ausführlicher hat Dominik Intelmann Aspekte dessen in einem Vortrag dargelegt, der hier nachgehört werden kann. – Im Interview benennen wir u.a. den Arbeitskampf in Bischoferode – eine ausführliche Radiosendung über die Betriebskämpfe im Osten Anfang der 90er Jahre findet ihr hier.

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Die fünf Leben des B. Traven

Der Roman „Das Totenschiff“ von B. Traven wäre nicht ausreichend als Abenteuer- oder Seefahrerroman charakterisiert. Auch wenn er Abenteuerliches erzählt, enthält er eine Zeitdiagnose: Wie Staatszugehörigkeit und nationale Identität im Zuge des 1. Weltkriegs auf neue Weise an Bedeutung gewinnen. Dabei geht es zentral um die Position der Staatenlosigkeit. Der Staatenlose befindet sich in einem Zustand der Rechtslosigkeit, wird von Behörde zu Behörde weiter gereicht und bleibt als Nicht-Person in einem rastlosen Zwischenzustand gefangen. Der Roman beschreibt zudem den Zustand und Alltag des Arbeitslagers, dessen Insassen sich jenseits von Leben und Tod befinden – ein Arbeitslager, das in diesem Fall als Schiff die Meere befährt.

Lange Zeit rankten sich zahlreiche Mythen und Vermutungen um den Romanautoren B. Traven, bis vor Kurzem wurde noch die Vermutung angestellt, dass sich hinter diesem Namen mehrere Autoren verbergen. Bei Edition Tiamat ist jüngst ein Buch erschienen, das verspricht, den Lebensweg und die Identität B. Travens weitestgehend aufzuklären: „Das Phantom. Die fünf Leben des B. Traven“ von Jan-Christoph Hauschild. Ich habe ein Interview mit Hauschild geführt, in dem wir einige Lebensstationen B. Travens besprochen haben. Ich habe ihn zunächst danach gefragt, was für ihn Ausgangspunkt und Motivation der Publikation gewesen ist.

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Wutpilger Streifzüge 06-2019

Die letzte Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge hat sich mit dem linkskommunistischen Theoretiker, Philosophen und Aktivisten Karl Korsch auseinandergesetzt. Ich habe dafür mit Felix Klopotek über Leben, Werk, Grundmotive und Organisationsversuche Karl Korschs gesprochen. Jenseits der Sendung ist das Gespräch Teil einer dreiteiligen Interview-Serie mit Felix Klopotek, in dem es um „Revolutionäre Theorie am Nullpunkt“ und die Linie Karl Korsch / Amadeo Bordiga geht. Die einzelnen Interviews können hier nachgehört werden:

    1) Karl Korsch – Theoretiker des linken Kommunismus
    2) Amadeo Bordiga – Theoretiker des linken Kommunismus
    3) Revolutionäre Theorie am Nullpunkt – Korsch-Bordiga.

Zahlreiche Texte von Bordiga in deutscher Übersetzung gibt es hier. Das Hauptwerk von Korsch, „Philosophie und Marxismus“, gibt es bei kommunismus.narod.ru zum Download. Die in der Sendung besprochenen „Züricher Thesen“ (im Original: „Zehn Thesen über Marxismus heute“) gibt es hier zum Nachlesen. Musik in der Sendung: Lifted | Roberto Crippa.

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