Radiosplitter #3 – [Sub & Pop]Kultur

Im dritten Sammelbeitrag stelle ich Interviews zusammen, die sich im weitesten Sinne um Kultur drehen. Themen sind: Jüdische Subkultur, Steve Reich, GG Allin, DEFA Filme, Krautrock, Theater, Bertolt Brecht, Arthur Cravan, Punk, Mark Fisher u.a. … Untenstehend findet ihr eine Inhaltsübersicht, in der ihr direkt zu den einzelnen Beiträgen springen könnt – die Interviews sind eher thematisch als chronologisch geordnet. Zum Thema „Kultur/Gegenkultur“ siehe auch die Märzausgabe der Programmzeitung von Radio Corax aus dem letzten Jahr.

Arthur Cravan: König der verkrachten Existenzen
Theater, Realität, Realismus
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Aspekte des Werks von Steve Reich
70 Jahre DEFA
Dekadent. Jugendgefährdend. Staatsfeindlich
Polnische Retrospektive
Wurzellose Kosmopoliten
Zur libidinösen Ökonomie des Pfannkuchens
Avant-garde from below
Typical Girl: Viv Albertine
Wir müssen hier raus
Mark Fisher: Reste einer verlorenen Zukunft

König der verkrachten Existenzen

Er war Boxer und Anarchist, er war Deserteur, Abenteurer und Herausgeber der Zeitschrift „Maintenant“ – er beschrieb sich selbst als Hochstapler, Seemann im Pazifik, Mauleseltreiber, Orangenpflücker in Kalifornien, Schlangenbeschwörer, Hoteldieb, Neffe von Oskar Wild, Holzfäller in den riesigen Wäldern, Einbrecher und er war sicherlich noch einiges mehr – einer, der so viele Titel auf sich vereinigen konnte, der muss schon aufgrund seiner Selbstbeschreibungen das Interesse auf sich ziehen. Die Rede ist von Arthur Cravan – einer schillernden Figur des frühen 20. Jahrhunderts. Über ihn habe ich mit Hanna Mittelstädt und Alexander Emanuely gesprochen. Hanna Mittelstädt ist Mitbegründerin der Edition Nautilus, wo ein Band mit Schriften Cravans erschienen ist. Alexander Emanuely ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Theodor-Kramer-Gesellschaft für Exil-Literatur und er hat zur künstlerischen Avantgarde des 19. und 20. Jahrhunderts geforscht (siehe auch die Interviews mit Emanuely hier) – siehe Emanuelys Text u.a. über Cravan hier. Ich habe beiden zunächst die Frage gestellt, wie sie auf Arthur Cravan gestoßen sind.

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Theater, Realität, Realismus

Im Juli 2016 hat in Berlin eine Tagung stattgefunden, die sich mit einer Kritik des Gegenwartstheaters befasste. Dabei standen die Debatten um ein realistisches Theater (Expressionismusdebatte, Brecht, Hacks, Müller) auf der einen Seite, auf der anderen Seite das postdramatische Theater. Ich habe Jakob Hayner – einen der OrganisatorInnen – im Vorfeld zur Tagung befragt. Das Interview ist dann später eingegangen in ein längeres Feature über die Tagung. Die Tagung ist außerdem in der sechsten Ausgabe der Zeitschrift „Kunst, Spektakel & Revolution“.

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Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Anfang des Jahres hat Michael von zur Mühlen an der Oper zu Halle das Stück „Aufstieg und Fall der Staddt Mahagonny“ von Bertolt Brecht inszeniert. Es ist ein Stück, das eine frühe Phase der Kapitalismuskritik von Brecht zeigt – dementsprechend hat schon der Text seine Stärken und seine Schwächen. Die Inszenierung fand ich sehr gelungen – auch wenn ich an einigen Details eine Kritik formuliert habe. Ihr könnt hier meine Radio-Besprechung des Stücks nachhören. (Siehe auch die Besprechung von Jakob Hayner in „Theater der Zeit“.)

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Aspekte des Werks von Steve Reich

Am 28. Februar 2016 wollte der iranische Musiker Mahan Esfahani das Stück „Piano Phrase“ von Steve Reich in der Kölner Philharmonie vor 1.800 Gästen darbieten. Doch es kam anders als gedacht – aufgrund von Zwischenrufen musste das Konzert abgebrochen werden. Unter anderem „Reden Sie gefälligst deutsch“ wurde dem Musiker zugerufen. Diesen Vorfall haben ich damals zum Anlass genommen, mich überhaupt näher mit Steve Reich auseinanderzusetzen. Dafür sprach ich mit Olaf Hering (Redakteur der Sendung „Bürgerliche Kunstmusik“ bei FSK) und mit Roger Behrens (Redakteur der Freibad- bzw. Hallenbaduniversität). Zur Einleitung habe ich selbst einen kleinen Beitrag gebaut:

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Interview mit Olaf Hering:

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Interview mit Roger Behrens:

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70 Jahre DEFA

Am 17. Mai 1946 wurde in der sowjetischen Besatzungszone die DEFA gegründet. Am 17. Mai 2016 – also 70 Jahre danach – habe ich in einem Morgenmagazin von Radio Corax mehrere Interviews zur DEFA zusammengestellt und selber geführt. Unter anderem habe ich darin mit Jakob Hayner über den Regisseur Konrad Wolf gesprochen (siehe Jakob Hayners Text über Wolf hier):

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Dekadent. Jugendgefährdend. Staatsfeindlich.

Einige DEFA-Filme gehören zu den besten Streifen der deutschen Filmgeschichte. Im Jahr 1965 war es aber vorbei mit einer produktiven und progressiven Filmarbeit in der DDR: Vom 15. bis zum 18. Dezember 1965 fand in der DDR das 11. Plenum des ZK der SED statt. Für die Kulturlandschaft in der DDR war das ein folgenreiches Plenum, unter anderem wurde dort das Verbot einiger DEFA-Filme beschlossen. Aus Anlass dieses Datums fand im letzten Jahr in Dresden und Leipzig eine Filmreihe statt, in der einige dieser verbotenen DEFA-Filme gezeigt wurden. Ich habe mit dem Kurator dieser Reihe – Andreas Kötzing – gesprochen. Ich habe ihn zunächst gefragt, was damals eigentlich beim 11. Plenum des ZK der SED passiert ist.

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Polnische Retrospektive – DOK Filmfestival Leipzig

Die Retrospektive des DOK-Filmfestivals in Leipzig hat im letzten Jahr einige historische Filmdokumentationen aus Polen gezeigt. Tatsächlich zeichnet sich der polnische Dokumentarfilm durch eine ganz besondere Tradition aus. Darüber habe ich mit Grit Lemke, der damaligen Programmleiterin des DOK Leipzig, ein Interview geführt. Das Interview gehört meines Erachtens zu den interessantesten und am meisten gelungenen, die ich bei Corax geführt habe – vielleicht gerade auch in seiner Kürze und Dichte. Durch das Interview bin ich auf den Film „Wave“ aufmerksam geworden, den ich sehr empfehlen kann.

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Wurzellose Kosmopoliten.

Von Golems, Luftmenschen und jüdischer Subkultur – das ist der Titel eines Buches, das Jonas Engelmann im letzten Jahr im Ventilverlag veröffentlicht hat. Osteuropäisch-jüdische Kultur vor der Shoah; fliegende Luftmenschen in der Literatur von Bruno Schulz, Franz Kafka und Theodor Herzl; kabbalistische Golems und die jüdischen Gangster Isaak Babels; popkulturelle Gegenwart, Musik, Film und Comic – das sind Gegenstände, mit denen sich Engelmann in diesem Buch auseinandersetzt. Es geht dabei auch um Antisemitismus und wie jüdische (Sub)Kultur damit umgegangen ist.

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Zur libidinösen Ökonomie des Pfannkuchens

Im April 2016 habe ich mit einer Freundin einen Radio-Thementag organisiert. Der wurde so angekündigt:

Es existiert ein Mitschnitt dieses Thementags – allerdings wird sich kaum jemand sieben Stunden Lyrik anhören (der Thementag dauerte von 10 bis 17 Uhr). Ihr bekommt hier nur einen Auszug zu hören. Tatsächlich wurde ich selbst am Thementag um ein Interview gebeten – ausgerechnet, um über Pfannkuchen zu sprechen:

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Avant-garde from below

Im letzten Jahr hat Clemens Marschall ein Buch mit dem Titel „Avant-garde from Below: Transgressive Performance from Iggy Pop to Joe Coleman and GG Allin“ veröffentlicht. Clemens Marschall war mir zuvor vor allem als Herausgeber von „Rokko’s – Adventures“ bekannt gewesen – ein immer wieder sehr lesenswertes Interview-Magazin, das sehr umtriebig in diversen Randgebieten ist. Für das Buch hat sich Rokko mit vielen Menschen aus dem Umfeld der genannten transgressive Performers getroffen und Interviews geführt. Mir schien es spannend zu sein – deshalb habe ich ihn um ein Interview gebeten:

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Eigentlich habe ich mich dann erst nach dem Interview intensiver mit GG Allin auseinandergesetzt. Nun ließe sich tatsächlich Interessantes über GG Allin sagen: Welche Umstände, welche Epoche bringen eine solche Figur innerhalb der Popkultur hervor – welche Konflikte kommen darin zum Ausdruck? Was machen einen zerstörten Typen, dem Exkremente und Selbstverletzung zu den wichtigsten Stilmitteln wurden, zu einem derart begehrten Objekt der Betrachtung? Als ich mit diesen Fragen zu einer Buchvorstellung von Clemens Marschall in Leipzig ging, wurde ich enttäuscht. Die Erzählung erschöpfte sich in Anekdoten. Und es kam mir der Verdacht, dass GG Allin letztlich eine viel trivialere Figur ist – und dass das ganze Gerede von Avantgarde und transgressiver Performance letztlich diese Trivialität überdeckt. Also wollte ich Rokko noch einmal bei einer Lesung in Halle abfangen – konnte selbst nicht hin, schickte also einen Freund, dem ich einige Fragen mit gab. Die erste Frage lautete, was Clemens Marschall unabhängig von theoretisierenden Einordnungen überhaupt an GG Allin interessiert:

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Wer das Interview gehört hat, weiß dann auch wie das Pfannkuchen-Interview zustande gekommen ist. Wirklich zufrieden gestellt haben mich die Antworten nicht – da ich selbst beim Interview nicht dabei war, konnte ich keine Rückfragen stellen. Zwischenzeitlich hatte ich einen eigenen Text zu GG Allin entworfen – wollte dann aber erstmal das Buch von Clemens Marschall zu Ende lesen. Ich bin damit aber nicht fertig geworden. … Im Übrigen hat Martin Büsser in der ersten Ausgabe der Testcard ein paar gute Gedanken zu GG Allin formuliert. Und: Interessanter als GG Allin scheint mir allemal Jayne County zu sein, die schon vor GG Allin live auf die Bühne kackte und dabei insgesamt um einiges radikaler gewesen ist …

Typical Girl – Viv Albertine

Punk ist eine Subkultur, die in ihren Ursprüngen auch gängige Geschlechternormen über den Haufen geworfen hat – und trotzdem hatten es damals, in der Ursuppe des Punk, Frauen nicht unbedingt leicht, sich durchzusetzen und mussten auch innerhalb des Punk eigene Ausdruksformen neu erschaffen. Eine, die in diesem Zusammenhang ganz entscheidend mitgemischt hat, ist Viv Albertine – die Gitarristin der Punkband „The Slits“. Und Viv Albertine hat einige Erinnerungen über diese Zeit aufgeschrieben. Die deutsche Übersetzung dieser Erinnerungen von Viv Albertine ist im letzten Jahr beim Suhrkamp-Verlag erschienen. Übersetzt hat diese Autobiografie Conny Lösch – ich habe mit ihr einen Blick in das Buch geworfen. – … – Am Anfang gab es eine Band, die „The Flowers of Romance“ gehießen hat – ein Bandprojekt in dem neben Viv auch Palmolive (beide später The Slits), Sid Vicious (später Sex Pistols) und Keith Levene (später The Clash) waren. Dann kam es zu einem Konflikt mit Sid Vicious und erst dann haben sich The Slits gegründet. Ich habe Conny Lösch gefragt, wie es zur Gründung der Slits gekommen ist.

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Wir müssen hier raus

Krautrock ist eine seltsame Genre-Bezeichnung. Viele der unter diesem Titel zusammengefassten Bands sangen weder deutsch, noch legten sie besonderen Wert darauf aus Deutschland zu kommen – viel mehr orientierten sie sich auch an musikalischen Entwicklungen in anderen Regionen der Welt. Dazu kommt, dass in der musikalischen Ausrichtung der zum Krautrock gezählten Bands enorme Unterscheide bestehen. Dass dennoch in den 60′er und 70′er Jahren von Krautrock gesprochen wurde, spricht dafür, dass Deutschland im musikalischen Bereich ein Entwicklungsland gewesen ist – es viel auf, dass dort auf einmal musikalische Neuentwicklungen stattfanden. Wolfgang Seidel – Gründungsmitglied der Ton-Steine-Scherben – hat im letzten Jahr im Ventil-Verlag ein Buch mit dem Titel „Wir müssen hier raus! Krautrock, Free Beat, ­Reeducation“ veröffentlicht. Ich habe mit ihm über dieses Buch gesprochen und ihn zunächst gefragt, mit welcher Motivation er dieses Buch geschrieben hat.

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Reste einer verlorenen Zukunft

Wenn es um eine kritische Theorie der Popkultur geht, so hat hier ein Autor entscheidende Beiträge geliefert: Mark Fisher (u.a. k-punk). Mark Fisher hat sich im letzten Jahr das Leben genommen. Aus diesem Anlass habe ich mit Philipp Böhm gesprochen, der zuvor im Neuen Deutschland einen Nachruf auf Mark Fisher geschrieben hatte. Im Gespräch haben wir einige wichtige Motive von Mark Fishers Denken rekonstruiert.

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