Radiosplitter #2 – Geschichte der Arbeiterbewegung

In meiner Interview-Reihe veröffentliche ich pünktlich zum 1. Mai eine Sammlung von Interviews, die sich der Geschichte der Arbeiterbewegung widmen – und stelle dem ein jüngst geführtes Interview zur Geschichte des 1. Mai voran. Weiterhin folgen in historisch-chronologischer Reihenfolge folgende Themen: Kommunismus in Iowa, Zur Pariser Commune, Louise Michel, Scheitern revolutionärer Anläufe, Erich Mühsam, Marinus van der Lubbe, Rätekommunismus, Roman Rosdolsky und Paul Mattick, Operaismus, und wilde Streiks im Jahr 1969. Beachtet im Zusammenhang dieses Themenkomplexes auch mein Feature über die Mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 und meine Radiosendung über Max Hölz, die hier dokumentiert sind. In diesem Zusammenhang weiterhin interessant: Dissidenten der Arbeiterbewegung (Dokumentation der Reihe im Audioarchiv). Und außerdem: Wer hier ein wenig stöbert, wird entdecken, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung auch mit jener des (freien) Radios verbunden ist. Untenstehend findet ihr eine Übersicht über die gesammelten Interviews, mit der ihr direkt zu den einzelnen Interviews springen könnt.

Zur Geschichte des 1. Mai
Kommunismus in Iowa
Zur Pariser Commune von 1871
Zum Leben von Louise Michel
Vom Scheitern revolutionärer Anläufe
Der Anarchist Erich Mühsam
Marinus van der Lubbe
Rätekommunismus in Deutschland
Roman Rosdolsky und Paul Mattick
Zur Geschichte des Operaismus
Wilde Streiks 1969

Zur Geschichte des internationalen Kampftags der Arbeiterklasse

Zur Geschichte des ersten Mai habe ich den Historiker Ralf Hoffrogge (u.a. Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland) befragt. Ausgangspunkt sind zunächst kurz die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, dann ausführlicher die Haymarket-Affaire in Chicago. Davon ausgehend wird dann besprochen, wie sich der 1. Mai international als Tag der Forderung nach dem 8-Stunden-Tag etablierte (vor allem in Deutschland und Österreich). Zuletzt geht es um die Rekuperation dieses Datums durch die Nationalsozialisten. Von Ralf Hoffrogge gibt es auch hier einen hörenswerten Vortrag. Die Haymarket-Affaire ist auch Bestandteil einer sehenswerten Arte-Dokumentation zur Geschichte des Anarchismus (Teil 1 | Teil 2). Einen lesenswerten Text über den 1. Mai hat der Club Communism geschrieben.

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Kommunismus in Iowa

Dieses Interview berührt die frühsozialistische bzw. präkommunistische Phase der Arbeiterbewegung: Der Versuch genossenschaftlicher Siedlungen im 19. Jahrhundert in Amerika. Rudolf Stumberger hat dazu ein Buch im Mandelbaumverlag veröffentlicht: Das kommunistische Amerika. Auf den Spuren utopischer Kommunen in den USA. Das Interview habe ich gemeinsam mit einer Kollegin von Corax vorbereitet – komme selbst nur am Schluss zu Wort.

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Zur Pariser Commune von 1871

Im März letzten Jahres habe ich bei Radio Corax selbst ein Interview zur Pariser Commune gegeben. Es rekonstruiert in knappen Zügen die Vorgeschichte und die Ereignisse im März und Mai 1871 in Mai. Ein Text von mir zum selben Thema ist in der vierten Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution erschienen – ein ausführlicher Vortrag zum Thema findet sich hier. Standard hierzu: Der Commune-Text von Marx.

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Zum Leben von Louise Michel

Ebenfalls in der vierten Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution hat Alexander Emanuely (Theodor-Kramer-Gesellschaft) einen Text geschrieben – über Louise Michel, die durch die Pariser Commune zur Anarchistin wurde. Im Interview wird u.a. auch auf ihre Mitgliedschaft bei den Freimaurern und auf ihre literarische Tätigkeit eingegangen. Das Interview ist nicht nur eng am Leben von Michel orientiert, sondern ist auch ein wenig der Versuch, die historische Situation jener Zeit zu rekonstruieren.

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Mit wehenden Fahnen

In diesem Interview mit Holger Marcks (Aktivist der FAU, Mitübersetzer von Schwarze Flamme – Revolutionäre Klassenpolitik im Anarchismus und Syndikalismus) spielt u.a. auch die Erfahrung der Pariser Commune eine Rolle. Unter dem Titel Mit Wehenden Fahnen – Vom Scheitern revolutionärer Aufbrüche hatte er im März 2016 in Halle einen Vortrag gehalten. Dass Revolutionsversuche entweder oftmals mit einer überbordenden konterrevolutionären Gewalt konfrontiert waren, oder dass sie andererseits oft selbst in gewalttätige Exzesse umkippten – diesem Umstand wollte Holger Marcks in seinem Vortrag gerecht werden. Ein Fokus auf den Anarchismus liegt hier deswegen nahe, weil innerhalb der diversen anarchistischen Strömungen besonders intensiv über Gewalt diskutiert wurde – andererseits sucht Holger Marcks insbesondere innerhalb des Anarchosyndikalismus nach Ansätzen, die der skizzierten Problemstellung seines Erachtens eher gerecht werden. Unzureichend beantwortet blieb meines Erachtens die Frage nach dem Umgang damit, dass mit dem faktischen Bestehen von Herrschaft Gewalt in der Welt ist, und dass den Revolutionären daher die Frage der Gewalt objektiv aufgezwungen ist. Ähnliches wurde auch im Anschluss an seinen Vortrag diskutiert, von dem es jedoch leider keine Aufnahme gibt. Zur Behandlung der konterrevolutionären Gewalt empfehle ich den Text Die Ordnung herrscht in Berlin von Jörg Finkenberger in der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution.

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Der Anarchist Erich Mühsam

Weiter mit dem Anarchismus: Anlässlich des 138. Geburtstags von Erich Mühsam habe ich im letzten Jahr gemeinsam mit einer Kollegin von Corax einen kleinen Beitrag über Erich Mühsam gebaut. Siehe hierzu auch die Audioarchiv-Reihe Libertärer Literat und Lebemann.

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Der Linkskommunist Marinus van der Lubbe

In die gleiche Epoche fällt ein folgenschweres Ereignis: Der Reichstagsbrand im Februar 1933, der den Nationalsozialisten zur Legitimation der Beschleunigung des Ausbaus ihrer Herrschaft diente. Marinus van der Lubbe wurde am Tatort ergriffen und der Brandstiftung beschuldigt – die genauen Umstände des Reichstagsbrands konnten nie aufgeklärt werden. Es ist wahrscheinlich, dass van der Lubbe den Reichstag anzünden wollte – und in der Intention lag er richtig, ging damit aber an der Fähigkeit und Ausrichtung der deutschen Arbeiterbewegung vorbei: Der Reichstagsbrand hätte ein Fanal zum Aufstand gegen den Nationalsozialismus sein müssen. So sehr van der Lubbe von allen Seiten dämonisiert wurde – so sehr lohnt sich eine wirkliche Auseinandersetzung mit seiner Person und der damit verbundenen Geschichte. Ich habe ein Interview mit Robert Brack geführt, der einen Roman über van der Lubbe und den Reichstagsbrand geschrieben hat.

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Rätekommunismus in Deutschland

Marinus van der Lubbe stand den Rätekommunisten nahe. Über diese Strömung innerhalb der kommunistischen Bewegung habe ich ein Interview mit Seb Bronsky geführt. Der Rätekommunismus gehört meines Erachtens zu den fortschrittlichsten und radikalsten Strömungen innerhalb der Arbeiterbewegung in Deutschland – mit Bronsky spreche ich über die Entstehung und wichtige Theoreme des Rätekommunistmus. Zum selben Thema gibt es von ihm einen ausführlichen Vortrag: Ein Bürgerkrieg in Deutschland – Zu Theorie und Praxis des antiautoritären Kommunismus 1914 – 1923 (im selben Audioarchiv-Beitrag ist auch ein Vortrag über den Rätekommunisten Paul Mattick enthalten). In diesem Zusammenhang außerdem relevant: Hans Manfred Bock – Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918-1923.

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Zum Briefwechsel zwischen Roman Rosdolsky und Paul Mattick

Paul Mattick spielt auch eine zentrale Rolle in einem Interview, das ich mit Felix Klopotek geführt habe. Der hatte im Mai 2016 in Erfurt einen Vortrag über den äußerst interessanten Briefwechsel zwischen Paul Mattick und Roman Rosdolsky gehalten. Der Rätekommunist und der Trotzkist fanden durch das Medium Brief im us-amerikanischen Exil zu Zeiten der antikommunistischen Hetze zusammen. Das Interview rekonstruiert die historische Situation, in der sich beide befanden.

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Zur Geschichte des Operaismus

In diese thematische Interview-Sammlung fügt sich ein Interview ein, das ich schon vor längerer Zeit – damals noch bei Radio F.R.E.I. – geführt habe. Damals hatte Christian Frings einen Vortrag über die neue Marxlektüre des Operaismus in Erfurt gehalten. Im Gespräch rekonstruiert Christian Frings den Operaismus als dissidente marxistische Strömung innerhalb der italienischen Arbeiterbewegung der 60′er Jahre – dementsprechend spielt hier die italienische Situation eine große Rolle. Christian Frings legt im Interview großen Wert darauf, den frühen Operaismus vom späteren Postoperaismus abzugrenzen. Die Antworten von Frings sind leider etwas leise gepegelt. In einem gesonderten zweiten Teil des Interviews habe ich mit Christian Frings kurz über die Kritik des Sozialstaats gesprochen, das man hier nachhören kann (siehe dazu auch hier). Hier ist ein ausführlicher Vortrag von Christian Frings über den Operaismus dokumentiert. Im Vorfeld des Erfurter Vortrags von Frings hatte ich damals eine Rezension über die Bücher Den Himmel Stürmen. Eine Theoriegeschichte des Operaismus von Steve Wright und den Roman Die Unsichtbaren von Nanni Balestrini geschrieben – empfohlen als kurze Einführung, nachzulesen mit weiteren Literaturhinweisen und Links hier.

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Wilde Streiks 1969

Die letzten beiden (zusammenhängenden) Interviews führen uns zurück nach Deutschland. Während Deutschland gemeinhin als eines der streikärmsten Länder der Welt gilt, ist dies keine ausgemachte Sache und war nicht immer so. Dies wird in einer ZDF-Dokumentation von Ute Bönnen und Gerald Endres aus dem letzten Jahr deutlich: Wilde Streiks – Der heiße Herbst 1969. Im Jahr 1969 wurden in Deutschland eine ganze Reihe von wilden Streiks geführt. Anlässlich der Erstausstrahlung dieser Dokumentation habe ich mit dem Regisseur Gerald Endres gesprochen. Im Interview geht es um die Entstehung des Films und um eine knappe Rekonstruktion der Geschehnisse:

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In einem zweiten, ausführlicheren Interview habe ich mit dem Historiker Peter Birke gesprochen, der in der besagten Doku auch als Experte zu Wort kommt. Die Streikbewegung von 1969 wird hier eingeordnet in die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung – zunächst habe ich ihn nach Schwierigkeiten und Fragen seiner eigenen Forschungsarbeit zum Thema gefragt. Aus beiden Interviews habe ich übrigens ein kleines Feature gebastelt – das reiche ich bei Gelegenheit mal nach.

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2 Antworten auf “Radiosplitter #2 – Geschichte der Arbeiterbewegung”


  1. 1 dino 12. Mai 2017 um 12:01 Uhr

    Hey, danke fürs hochstellen.
    Die geschichte des Operaismus geht nicht zu downloaden, nur direkt anzuhören, was ist da los? Kann das Problem behoben werden?

    Danke

  2. 2 Ærgernis 12. Mai 2017 um 12:16 Uhr

    Es war ein Zeichenfehler in der Verlinkung. Ich hab es korrigiert und es müsste jetzt funktionieren.

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