Radiosplitter #1 – Gesellschaftskritisches

Seit anderthalb Jahren führe ich immer wieder Interviews im Rahmen des tagesaktuellen Programms von Radio Corax. Da diese Beiträge auf der Austauschplattform der freien Radios einigermaßen unsystematisch verstreut sind, möchte ich an dieser Stelle einige ausgewählte Interviews zusammenstellen. Die Interviews stelle ich in mehreren Beiträgen thematisch geordnet zusammen: Kultur und Gegenkultur, Kritische Theorie, Geschichte der Arbeiterbewegung, Antifaschismus, Geschichte der Hausbesetzerbewegung, Radiogeschichte, Psychologie und Geschlechterverhältnis – das sollen einige grobe Ordnungskategorien sein. Im Sinne einer umfassenden Gesellschaftskritik sollen alle diese Beiträge verstanden sein – in der ersten Folge finden sich Interviews, die in keine der obigen Ordnungskategorien so recht hineingepasst haben und daher unter dem groben Stichwort „Gesellschaftskritisches“ versammelt werden. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Interviews, die sich um Sozialpolitik als soziale Kontrolle drehten – zuletzt mit einem Exkurs zur postmodernen Bildungstheorie. Die einzelnen Beiträge sind jeweils mit weiterführenden Links versehen. Mit der untenstehenden Übersicht könnt ihr zu den einzelnen Audiobeiträgen springen:

Zur Kritik des Sozialstaats
Zur Geschichte der Überwachung von Erwerbslosen
Der lange Marsch in die kapitalistische Arbeitsgesellschaft
Der ›Trainingsraum‹ als neoliberales Strafarrangement

Zur Kritik des Sozialstaats

Wenn von Armut die Rede ist, dann wird der Sozialstaat beschworen. Der Staat müsse sich seiner sozialen Funktion gewahr werden und Verarmungstendenzen abmildern oder die Mittelschicht stärken. Demgegenüber weist Christian Frings darauf hin, dass der Sozialstaat immer eine disziplinierende Funktion hatte, gegen die Autonomie von Arbeiterorganisierung gerichtet ist und Armut als Voraussetzung des Arbeitszwangs verewigt. Eine linke Kritik des Sozialstaats ist seit den 80′er Jahren weitgehend aus den Debatten verschwunden. Der Sozialstaat wird als eine erkämpfte Errungeschaft gesehen, die es gegen neoliberale Bestrebungen zu verteidigen gelte. Ich habe Christian Frings zunächst gefragt, ob der Sozialstaat tatsächlich eine Errungeschaft darstellt. Am Ende des Gesprächs sind wir auch darauf eingegangen, welche Rolle eine Kritik des Sozialstaats in der Flüchtlingsdebatte spielen könnte oder sollte. Text von Christian Frings zur Kritik des Sozialstaats | Text von Ingo Stützle zu Sozialstaat und Flüchtlingsdebatte | Text der Wildcat zur Kritik des Sozialstaats | Paul Lapinski: Der ‚Sozialstaat‘. Etappen und Tendenzen seiner Entwicklung | Interview mit Silke van Dyk über Sozialpolitik im flexiblen Kapitalismus | Vortrag zur Kritik des Sozialstaats (mp3) | Rodenstein/Rödel/Stille/Guldimann: Starnberger Studien 2 – Sozialpolitik als soziale Kontrolle (Suhrkamp, 1978).

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Zur Geschichte der Überwachung von Erwerbslosen

Kontrolle, drakonische Disziplinierungsmaßnahmen und Verfolgung von Erwerbslosen gibt es schon seit den Anfängen des Kapitalismus im 12. Jahrhundert. Einer, der die Stigmatisierung von Erwerbslosen zum Programm erhoben hat war übrigens Martin Luther, der den Satz bekannt gemacht hat: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Im Gespräch mit Radio Corax hat Anne Allex berichtet, welche Repressionsmaßnahmen gegen Arbeitslose es in dieser Zeit gegeben hat. Anne Allex ist an verschiedenen Erwerbsloseninitiativen beteiligt und hat sich sozialhistorisch mit der Stigmatisierung von Erwerbslosen auseinandergesetzt. Aus dem Interview mit Anne Allex habe ich außerdem eine längere Radiosendung produziert, die hier (via Mediafire) heruntergeladen werden kann. Zur Homepage von Anne Allex.

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Faul! Der lange Marsch in die kapitalistische Arbeitsgesellschaft

Mit der Repression gegen Arbeitsunwillige hat sich auch ein Interview beschäftigt, das ich mit Hans-Albert Wulf geführt habe. Der hat zur Geschichte des Ressentiments gegen Faulheit geforscht und dazu 2016 ein Buch veröffentlicht – über dieses Buch habe ich mit ihm gesprochen. Das Interview ist nach meinem Geschmack etwas kurz ausgefallen und die wichtigen Punkte werden jeweils nur kurz angerissen – das Interview macht aber vielleicht neugierig auf das Buch von Wulf.

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Der ›Trainingsraum‹ als neoliberales Strafarrangement

Überwachung, Bestrafung, Kontrolle, Disziplinierung – das findet auch in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts statt. Allerdings in veränderten Formen. Das lässt sich beispielsweise an der gegenwärtigen Ausrichtung der Bildungswissenschaft ablesen. Mit Ludwig Pongratz – einem maßgeblichen Autor der kritischen Bildungstheorie – habe ich über aktuelle Paradigmen der Pädagogik und Bildungswissenschaft gesprochen. Es geht um einen Begriff der Bildung zwischen Emanzipation und Zurichtung. Das Interview fand im Vorfeld eines Vortrags von Pongratz statt, der im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des [KriLe] stattfand – mit den VeranstalterInnen der Reihe habe ich ebenfalls ein Interview geführt, das hier nachgehört werden kann.

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