Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921

Als „mitteldeutsche Märzkämpfe“ oder „mitteldeutsche Märzaktion“ wird eine Streik-Aktion bezeichnet, mit der im Jahr 1921 KPD und KAPD auf einen Schupo-Einsatz reagierten, der die Entwaffnung von Arbeitern im Mansfelder Land zum Ziel hatte. Im Zuge der Aktion kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen bewaffneten Arbeitern auf der einen Seite und Schupo und Reichswehr auf der anderen Seite – aufsehenerregend waren in diesem Zusammenhang vor allem die Aktionen von Max Hölz und seiner Truppe. Der geplante Generalstreik konnte nicht erreicht werden und die Aktion bedeutete in der Konsequenz einen Rückschlag für die radikalen Arbeiter. Die mitteldeutschen Märzkämpfe sind ein nicht zu unterschätzendes Ereignis innerhalb der Geschichte der Arbeiterbewegung der Weimarer Republik – ein Puzzleteil für das Verständnis einer Reihe von Klassenkämpfen, der Spaltung der Arbeiterparteien und letztlich der Niederlage der Arbeiterbewegung vor dem Nationalsozialismus. Ich habe im März dieses Jahres im Morgenmagazin auf Radio Corax eine kleine Reihe zu den Märzkämpfen gemacht – untenstehend dokumentiere ich die darin gesendeten Beiträge. Hilfreich zum Verständnis: Eine Chronik des Jahres 1921.

1. Zur Geschichte der mitteldeutschen Märzkämpfe

Zur Eröffnung der Reihe gibt es eine kleine Einführung ins Thema, wofür ich u.a. den Auszug aus dem Vortrag „Ein Bürgerkrieg in Deutschland – Zu Theorie und Praxis des antiautoritären Kommunismus 1914 – 1923“ von Seb Bronsky verwendet habe.

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2. Kapp-Lüttwitz-Putsch und Generalstreik

Die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 sind nicht zu verstehen ohne die Ereignisse des Vorjahres: Den Kapp-Putsch und dessen Abwehr durch einen der größten Generalstreiks in der deutschen Geschichte. Zu Wort kommt der Hallenser Historiker Erwin Könnemann, der Anfang dieses Jahres leider verstorben ist. Im zweiten Teil folgt eine Lesung aus dem Buch „Ruhe und Ordnung“ von Ernst Ottwald.

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3. Karsten Rudolph zur Geschichte der Mitteldeutschen Märzkämpfe

Karsten Rudolph ist Historiker und arbeitet am Bochumer Institut für soziale Bewegungen. Im Interview geht es um die Ursachen und den Auslöser der Märzkämpfe, um die Rolle von Schutzpolizei, KPD und KAPD sowie um das Scheitern und die Folgen der Märzaktion. Ich habe zunächst nach der Quellenlage zur Märzaktion gefragt.

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4. Stefan Weber über die Mitteldeutschen Märzkämpfe

Stefan Weber hat eines der letzten bisher erschienenen Bücher über die mitteldeutschen Märzkämpfe geschrieben: Ein kommunistischer Putsch? Märzaktion 1921 in Mitteldeutschland (Dietz-Verlag, 1991). Es ist ein sehr genau recherchiertes Buch, das zahlreiche Quellen zusammenträgt und es ist gleichzeitig ein Diskussionsbeitrag innerhalb der Geschichtsforschung der DDR. In diesem Sinne ist es auch etwas gefärbt – so werden etwa Max Weber und die Linkskommunisten ohne eine ausführlichere Betrachtung als „Linkssektierer“ und „Abenteurer“ abgetan. Interessant ist vor allem die genaue Rekonstruktion der Diskussionen zwischen der KPD und der Kommunistischen Internationale, die vor, während und nach der Mäürzaktion stattfanden. Auch ihn habe ich zunächst nach der Quellenlage gefragt.

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5. Rätekommunismus in Deutschland – KAPD

Ein Jahr vor der Märzaktion hatte sich der linke Flügel der KPD abgespalten und die „Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands“ gegründet. Die KAPD hatte engen Kontakt zu den holländischen Rätekommunisten, kritisierte den Zentralismus der KPD, lehnte Parlamentswahlen und Gewerkschaften ab und entwickelte eine Kritik an der Sowietunion. Dennoch war die KAPD von 1920 bis 1921 Mitglied der III. Internationale – und so kam es auch in den mitteldeutschen Märzkämpfen wieder zu einer Zusammenarbeit mit der KPD. Über die KAPD habe ich mit Seb Bronsky gesprochen. Er schildert zunächst, wie es zur Abspaltung der KAPD von der KPD kam.

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Der zweite Teil ist ein Auszug aus einem Vortrag von Seb Bronsky, in dem er die Folgen schildert, die die Märzaktion für die Linkskommunisten in Deutschland hatte.

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