Mein Beitrag zur Thüringer Landtagswahl

Eine Erinnerung an Zeiten, in denen Teile des Proletariats einmal kämpferischer unterwegs waren:

Du sollst nicht wählen ...

Dafür gibt es heutzutage zumindest vereinzelte Meldungen, die auf sympathische Zeitgenossen schließen lassen:

Gesichter nicht ertragen – Alkoholisierter 27-Jähriger reißt Wahlplakate herunter

Leipzig. Ein stark alkoholisierter 27-Jähriger hat am Sonntagmorgen auf dem Connewitzer Teil der Karl-Liebknecht-Straße 38 Wahlplakate abgerissen und dabei stark beschädigt. Wie die Polizei mitteilte, zog er sich eine blutende Wunde an einem Finger zu. Gegenüber den Beamten sagte er, er habe die Gesichter der Kandidaten nicht ertragen können.

„Sie schauen, als wäre die Welt in Ordnung“, soll er der Polizei erklärt haben. Ein Atemalkoholtest zeigte, dass der 27-Jährige mindestens 1,72 Promille im Blut hatte. Bei seiner Attacke auf die Wahlwerbung habe der Mann laut Polizei keine bestimmte Partei bevorzugt, sondern gleichermaßen Plakate aller Kandidaten beschädigt.

LVZ-Online, 11.08.2014, 18:12 Uhr

Diese Notiz, als eine leichte Korrektur des mittleren Absatzes dieses Artikels gedacht, habe ich im September letztes Jahr mal aufgeschrieben:

Für wen ist die Funktion der Wahlen selbst ein Gegenstand der Kritik? Für alle diejenigen, die erkannt haben, dass in der bürgerlichen Gesellschaft die Beziehungen zwischen den Menschen durch die Beziehung der Waren wesentlich bestimmt werden; für alle diejenigen, die es satt haben, im Überleben abhängig davon zu sein, für den Gewinn Anderer arbeiten zu müssen und dadurch nicht über das eigene Leben bestimmen zu können; für alle diejenigen, die erkannt haben dass die Warenförmigkeit der Bildung mit der Ausdifferenzierung des Wissenssektors in den kapitalistischen Zentren zusammenhängt, der wiederum als Verwaltungsabteilung einer globalen Ordnung unersetzbar ist, in der die Menschen in der Peripherie notwendig weder eine gute Bildung noch ausreichend zu Essen genießen können; für alle diejenigen, die es für keine gute Alternative halten, dass die gesellschaftliche Reproduktion entweder durch ein scheußliches Geschlechterverhältnis oder durch den Staat reguliert wird; für alle diejenigen, die es für absurd halten, „dem Rechtsstaat“ zu vertrauen, was selbst einem liberalen Bürger als widersinnig erscheinen müsste; für alle diejenigen, die wissen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nur bedingt von tagespolitischen Entscheidungen abhängen, sondern sehr eng verbunden sind, mit dem was konsensual nicht angezweifelt wird: Volk, Staat und Nation – und die wissen, dass es Flucht und Migration in einer globalen, sich in Norden und Süden gliedernden kapitalistischen Wirtschaftsordnung immer geben wird und die wissen, dass es Elend, Ausschluss und Unfreiheit solange geben wird, solange eine Herrschaft besteht, die es nötig hat, sich durch Grenzen abzusichern; für alle diejenigen, die nicht nur ihre Miete nicht bezahlen können, sondern es darüber hinaus für unmenschlich halten, dass man für ein Grundbedürfnis wie das Wohnen bezahlen muss und auch dadurch in Arbeitsverhältnisse gezwungen wird, über die man selbst nicht bestimmen kann. Für all diejenigen, die wissen, dass alle oben beschriebenen Probleme nicht zur Wahl stehen und denen es zu blöd ist, der Herrschaft über sich auch noch mit einem Wahlkreuz bekenntnismäßig zuzustimmen. Und dann schließlich für all jene, für die die „Ich möchte lieber oder lieber nicht“-Debatte einfach nur scheußlich moralisch ist, die mit der Logik des kleineren Übels Schluss machen wollen und endlich wieder eine andere Perspektive als mögliche und realistische Option ins Gespräch bringen wollen: die revolutionäre Aneignung der Produtkionsmittel durch die Produzenten selbst.

Zur Kritik an den Wahlen sei außerdem dieser Text empfohlen: Association Antiallemande Berlin – Frieden, Freiheit und Bürgerrechte wählen! – Für eine Politik die dem Volk nützt.

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Apropos KAPD – am Donnerstag den 18.09.2014 findet ab 20:00 Uhr im „Laden“ (Trierer Straße 5, Weimar) eine Lesung aus der Autobiografie des KAPD-Mitbegründers Franz Jung statt: Link.