Polizei-Brutalität in Weimar

Offensichtlich muss man sich in Weimar als Punk oder obdachloser Jugendlicher nicht nur vor Nazi-Übergriffen fürchten (eine Tatsache, die leicht am studentischen oder kulturbürgerlichen Alltag vorbei geht), sondern ebenso vor Übergriffen von der Polizei. Folgender Bericht ist schon seit dem 2. Mai auf links.unten-Indymedia zu lesen und betrifft Ereignisse vom 20. April 2012 – in Weimar hat das trotz der Ungeheuerlichkeit der Vorfälle kaum für Schlagzeilen gesorgt, was u.a. auch daran liegt, dass das Umfeld der Betroffenen kaum organisiert ist.

Schwerer polizeilicher Übergriff

Verfasst von: Solidarität mit den Betroffenen. Verfasst am: 02.05.2012 – 20:40. Geschehen am: Freitag, 20. April 2012.

In der Nacht vom 19.04. zum 20.04. gegen 1.00 Uhr wurde eine vierköpfige Personengruppe (zwei männliche und zwei weibliche) von insgesamt einem Streifenwagen, einem Sixpack und einer Zivikarre angehalten und auf aggresive Art und Weise in Gewahrsam genommen. Im Folgenden ereigneten sich Vorfälle, die nicht nur die zur Norm gewordenen repressiven Vorgehensweisen der Bullen wieder einmal offenlegt, sondern die genau diesen Repressalien eine neue, brutale Qualität verleihen.

Trotz ungeklärten Tatvorwurfs wurden die vier Personen zur Polizeiinspektion Weimar gefahren und dort jeweils in einer Einzelzelle festgehalten. Ungewöhnlich war, dass alle Einzelzellen und die Sammelzelle mit Personen gefüllt waren und somit alle Kapazitäten, nach Aussage der Bullen zum ersten Mal, erreicht waren. Bis auf die vier Menschen waren die restlichen Gefangenen nicht dem linken Spektrum zuzuordnen.

Schon kurz nach der Ankunft wurden eine männliche und eine weibliche Person genötigt, sich vollkommen auszuziehen. Da sich die weibliche Person verwehrte wurden ihr die Klamotten und Körperschmuck durch die Beamt_innen abgenommen.

Während des gesamten Aufenthalts in den Zellen sahen sich die Betroffenen mit etlichen Diskriminierungen auf sämtlichen Ebenen konfrontiert. So wurden Personen von den Beamt_innen bespuckt, geschlagen und an den Haaren gezerrt. Begleitet wurde dies von permanenten rassistischen und sexistischen Aussagen, Witzen und Beleidigungen, wie z.B.: „Dir gehts als Ausländer in Deutschland viel zu gut, wir zeigen dir mal, was man mit dir in deinem Land machen würde.“, bis hin zum Immitieren der Bewegung beim Onanieren.

Zum wiederholten Male vergnügten sich die Bullen über den Tod zweier linkspolitischer Menschen, die sich im April 2010 in Weimar das Leben nahmen.

All die Diskriminierungen spitzten sich zum Nachteil einer der weiblichen Personen in der Zelle zu. Abgesehen vom ewigen, regelmäßigen Erscheinen in der Zelle ohne ersichtlichen Grund und das ebenfalls ewig andauernde An- und wieder Ablegen der Handschellen, das insgesamt 10-Stündige Verwehren von Wasser und den daraus resultierenden Schlafentzug, kam es zu weiteren Schlägen in das Gesicht der Betroffenen.

Anschließend wurden der Person die Oberarme auf den Rücken gefesselt und sie wurde an den Handschellen von einem Bullen minutenlang durch die Zelle gezerrt. Dann wurde von mehreren Beamt_innen auf die am Boden liegende Person eingetreten. Durch diese Handlungen von Seiten der Bullen kam es zu mehreren inneren und äußeren Verletzungen.

Gegen 10.00 Uhr am Morgen wurden alle vier Betroffenen der Gruppe verhört. Ihnen wurden sämtliche Vorfälle der vergangen Nacht vorgewurfen. So z.B. diverse Sachbeschädigungen, schwerer Eingriff in den Straßenverkehr, ein entstandenes Graffito u.a. …

Alle Personen verweigerten die Aussage. Anschließend durften sie die PI verlassen.

Über das Ausmaß physischer und psysischer Gewalt von Seiten der Bullen hier in Weimar sind wir nicht verwundert, vielmehr ist es ein Vorfall, der wieder einmal unverschöhnt darstellt, dass das machtideologische Vorgehen der Cops und damit des Staates vor nichts Halt macht. Genau aus diesem Grund ist es nunmehr notwendig der Staatsmacht die scheinbare Allmächtigkeit abzusprechen, bzw. deren Strukturen geziehlt und geplant anzugreifen.

Wir rufen auf sich mit den Betroffenen hier in Weimar und auf der ganzen Welt zu solidarisieren, organisiert Widerstand!

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