Ernst Bockelmeyer über Atomkraft


4 Antworten auf “Ernst Bockelmeyer über Atomkraft”


  1. 1 Abkuehlung 26. März 2011 um 13:35 Uhr

    gibt es denn einen Mitschnitt/ eine Mitschrift der letztens gehaltenen Redebeiträge?

  2. 2 Administrator 26. März 2011 um 14:43 Uhr

    Der untenstehende Artikel („Fukushima und das Mittel zum Zweck“) ist die schriftliche Version meines Redebeitrages, ansonsten gibt es m.E. keine weitere Dokumentation der Redebeiträge. Am kommenden Sonntag (27.03.) kommt auf Radio Lotte (106.6) um 22:00 Uhr eine Themensendung zu Fukushima und dem Atomzeitalter.

  3. 3 JA 17. Juli 2011 um 14:17 Uhr

    Naja, wie man am Umschwenken der Regierungspolitik ablesen kann, ist auch die Abschaffung der Atomkraft ganz im Sinne des Kapitals, Verdinglichung hin oder her. Das Wohlergehen der Menschen spielt für’s Kapital ohnehin keine Rolle, solange nur Arbeitskräfte vorhanden bleiben. Verdinglichung ist übrigens ein Phänomen, das mit der Entstehung des Denkens und des Tauschs einhergeht, also kein unittelbares Ergebnis des „Diktats der Produktion“ oder des Kapitalismus.

    JA

  4. 4 Administrator 03. Oktober 2011 um 14:25 Uhr

    @JA: Du hast wohl dahingehend recht, dass die Deutschen schon immer schlau darin waren, antikapitalistisch zu agieren, ohne damit die Grundlagen dieser Gesellschaftsform anzutasten und damit auch noch ökonomisch erfolgreich zu sein. Dass es nicht bei einem abstrakten Protest gegen die Atomkraft bleiben darf, sondern dass auch der »Ökostaat« anzugreifen ist, habe ich mit der Spiegelung dieses Artikels deutlich gemacht. Ansonsten finde ich aber, dass du unzulässig Verdinglichung und Vergegenständlichung bzw. Verobjektivierung in eins setzt. Ja – Gegenständlichkeit und Vergegenständlichung (im Sinne etwa des Begriffs der gattungsmäßigen Verobjektivierung des späten Lukacs, oder systematischer in Agnes Hellers »Das Alltagsleben«) sind Grundlage von Vergesellschaftung überhaupt. Verdinglichung beschreibt aber einen Stadium in der Geschichte, in dem die Ware zur Universalkategorie des ganzen gesellschaftlichen Seins geworden ist (und ist darin sehr wohl spezifisches Merkmal nur des Kapitalismus) und damit hängt nicht nur zusammen, dass »dem Menschen seine eigene Tätigkeit, seine eigene Arbeit als etwas Objektives, von ihm Unabhängiges, ihn durch menschenfremde Eigengesetzlichkeit Beherrschendes gegenübergestellt wird« (Lukacs), sondern auch, dass die Zeit den Menschen enteignet wird und nur noch als homogene (ideologisch dinghafte) Zeitblöcke zur Verfügung stehen (wenn auch mit ein paar Verwirrungen beschreibt das Guy Debord ganz gut im Zeit-Kapitel der »Gesellschaft des Spektakels«). Gerade letzter Aspekt ist wird m.E. aber gerade im Atomausstieg sichtbar – die Menschen sind ihren eigenen Produktionsbedingungen so sehr unterlegen, dass der Abbau eines Produktionssektors, der das Risiko der Vernichtung eines großen Teils der ganzen Gattung in sich birgt, nur in 10/20-Jahresschritten erfolgen kann – in einem Zeitraum also, in dem »Die Möglichkeit der Vernichtung des Lebens selbst« andauernd fortbestehen bleibt. Ganz zu schweigen davon, dass damit noch gar nichts über die Atomwaffen gesagt ist.

    Ich würde in nächster Zeit nochmal einen kurzen Text zu dem Vergegenständlichungs-Verdinglichungsproblem schreiben, bis dahin empfehle ich zum Thema den Vortrag von (dem ansonsten ollen postmodernen Akademiker) Christoph Menke auf der Marburger Konferenz zur Kritischen Theorie: http://audioarchiv.blogsport.de/2011/08/22/maske-und-charakter/

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