Archiv für November 2010

Audio-Feature „Unsereiner Kriegsundführerkinder“

In ihrem Roman „Unsereiner Kriegsundführerkinder“ erzählt Heike Schmitz von einer Kontinuität des Nationalsozialismus, die als Haltung, Ich-Zurichtung, Wir-Halluzination und Trauma über die Generationen hinweg weiter gegeben wurde. Die Wiederkehr des Verdrängten äußert sich in diesem Roman, der weniger Erzählung, viel mehr Traumbild ist, in einer rasanten Geschwindigkeit der Sprache – es ist zum einen das leere Vorwärts des Wiederaufbaus, zum Anderen das plötzliche, blitzhafte Aufbrechen von Erinnerungen; eine traumartige Gleichzeitigkeit von Stillstand und Raserei. Am kommenden Freitag, den 03. Dezember 2010, wird Heike Schmitz in der ACC Galerie Weimar aus ihrem Buch lesen. Wir haben uns mit ihr getroffen und uns mit ihr über „Unsereiner Kriegsundführerkinder“ unterhalten:

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Wutpilger-Streifzüge #8

Die achte Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge beschäftigt sich mit Walter Benjamins Baudelaire-Interpretation und großstädtischer Vergesellschaftung: Ein Auszug aus einem Interview mit Esther Leslie (das ganze Interview gibt es hier), es wird gelesen „der Mann der Masse“ von Edgar Allen Poe sowie „die Menge“ von Charles Baudelaire; ein Radio-Essay von Clemens Bach über „Dandy und Paradoxie – Von Baudelaire bis zur Installation ‚Metareflektor-Luftoffensive‘“; und ein Interview mit Roger Behrens über (Post-)Urbanismus und das Wohnen im Kapitalismus (das ganze Interview gibt es hier).

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Wutpilger-Streifzüge #7

Die siebte Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge enthält eine kurze Einführung in die „Theorie der Avantgarde“ von Peter Bürger, sowie ein Interview mit dem Kultursoziologen Jan Freitag über das Verhältnis von Avantgarde und Massenkultur. Musikalische Begleitung: Do Make Say Think.

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Wutpilger-Streifzüge #6

Die sechste Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ enthält ein ausführliches Gespräch mit Kerstin Stakemeier und Roger Behrens über die 1936/37 in der Exil-Zeitschrift „Das Wort“ geführte „Expressionismus- debatte“, an der sich u.a. Georg Lukács, Klaus Mann, Béla Balázs, Ernst Bloch und am Rande Bertolt Brecht beteiligt hatten. Musikalische Begleitung: Anthony Braxton. Das unzerstückelte Interview gibt es hier.

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Wutpilger-Streifzüge #5

Die fünfte Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge beschäftigt sich mit künstlerischer und experimenteller Opposition in der DDR: Sie enthält den Auszug eines Vortrags von Alexander Pehlemann, in dem dieser über den anarchistischen Lyriker Bert Papenfuß spricht (den ganzen Vortrag gibt es hier); das „Traktat über die Lust am Fleisch“ von Hendrik Gerike, welches in der DDR in der surrealistischen Zeitschrift „Caligo“ erschien (gelesen von Birgit Holfeld); und ein Interview mit Monique Förster (Kunsthaus Erfurt) über die Künstlerinnen-Gruppe Exterra XX.



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Heike Schmitz liest aus »Unsereiner Kriegsundführerkinder«

Am Freitag den 03.12.2010, um 20:00 Uhr in der ACC Galerie Weimar:

In ihrem Roman „unsereiner Kriegsundführerkinder“ erzählt Heike Schmitz von einer Kontinuität des Nationalsozialismus, die als Haltung, Ich-Zurichtung, Wir-Halluzination und Trauma über die Generationen hinweg weiter gegeben wurde. Die Wiederkehr des Verdrängten äußert sich in diesem Roman, der weniger Erzählung, viel mehr Traumbild ist, in einer rasanten Geschwindigkeit der Sprache – es ist zum einen das leere Vorwärts des Wiederaufbaus, zum Anderen das plötzliche, blitzhafte Aufbrechen von Erinnerungen; eine traumartige Gleichzeitigkeit von Stillstand und Raserei: „Es bedurfte eines Erzähler-Ichs, das, alle Distanz preisgebend, die geahnte Kontinuität zwischen NS-Zeit und Nachkriegszeit verkörperte in einer halluzinatorisch an eine stillgestellte Gegenwart gebannten Gestalt, die sich restlos und bedingungslos mit der Bewegung identifizierte, in die ihre Eltern als Kinder hineingestellt worden waren, und die diese wie ihre Generationsgenossen bruchlos in die Zeit danach hinübergenommen hatten, so den Wiederaufbau meisternd, Erfolge auf Erfolge häufend, dabei letztlich ziellos handelnd – reine Bewegung des zerstörenden Wiederaufbaus und der aufbauenden Zerstörung“ (Peter Bürger).

Heike Schmitz ist zur Zeit Stipendiatin des Weimarer Friedrich-Nietzsche-Kollegs und arbeitet dort zu Elisabeth Förster-Nietzsche.

Wutpilger-Streifzüge #4

Die vierte Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ ist ebenfalls nicht mehr vorhanden. Aus Anlass des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz wurde das Gedicht „Deutsches Gedicht“ von Ernst Jandl gesendet, welches hier angehört werden kann. Im zweiten Teil der Sendung wurde ein Essay über Georg Simmels Philosophie der Mode gesendet, welches untenstehen nachgelesen werden kann.

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Simmel und die Philosophie der Mode

Wenn unser Erkennen von der Bestrebung nach der höchsten Verallgemeinerung und Abstraktion gelenkt wird, wie von dem Bedürfnisse, das Einzelne und Speziellste zu beschreiben; wenn unser Gefühlsleben bald in ruhiger Hingabe an Menschen und Dinge, bald in energischer Betätigung ihnen gegenüber sich befriedigt; wenn unser sittliches Wesen in der sozialisierenden Verschmelzung mit unserer Gruppe und in der individuellen Heraushebung aus derselben seine Pole, die Grenzen seiner Schwingung findet – so sind alles dies gleichsam die provinziellen Ausgestaltungen der großen gegensätzlichen Kräfte, in deren Kampf und Ausgleichung unser Schicksal besteht.

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die Beiträge der Kategorie „Wutpilger“ sind im Moment noch auf der Hauptseite unterdrückt und werden später als Kategorie-Extraseite zugänglich gemacht, sie sind also eigentlich auch noch nicht für eure Augen bestimmt. Falls ihr trotzdem der Konstruktion der Unterseite zuseht, ein Geständnis: alte Radiosendungen sowie Blogbeiträge sind zum Teil so lustig wie lächerlich.

Wutpilger #3

Die dritte Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ enthält ein ausführliches Interview mit Jan Watzlawik über einen theoretischen Zugang zur Punk-Kultur und die Rolle kultureller Materialisierung im Assecoire. Jan Watzlawik hat in Tübingen empirische Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und Rhetorik studiert, war studentische Hilfskraft an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und ist seit 2008 wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Kunst und Materielle Kultur an der technischen Universität in Dortmund. Sein Schwerpunkt ist die Analyse materieller Kultur, er beschäftigt sich mit Konsumkultur und Konsumgeschichte und arbeitet zu wechselseitigen Beziehungen hoch- und alltagskultureller Phänomene und zu Protestkultur. Das Interview führt auf seinen Vortrag „Punk Paradox. Von der Kritik der Warengesellschaft zur Ware der Kritikgesellschaft“ hin, den er am 29.01.2010 in Weimar gehalten hat. Der Ankündigungstext zum Vortrag kann hier nachgelesen werden und der Mitschnitt des Vortrags kann hier nachgehört werden. Die Sendung enthält zudem Ausschnitte aus der Dokumentation „No Future – Punk in Duisburg“, welche 1982 von Michel Braun produziert wurde. Das nicht-fragmentierte Interview mit Jan Watzlawik kann hier nachgehört werden.

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Wutpilger-Streifzüge #2

Die zweite Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ ist leider verloren gegangen. Sie enthielt ein Interview mit den Organisator_innen der Veranstaltungsreihe „Körper|Sex|Macht“, sowie ein Essay über das Verhältnis von Poststrukturalismus und Ideologiekritik von Kalle. Die Vorträge, welche im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Körper|Sex|Macht“ in Jena stattgefunden haben, können hier nachgehört werden, das Essay über Poststrukturalismus und Ideologiekritik kann untenstehend nachgelesen werden.

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Ideologiekritik?

Im Alltagsbewusstsein wird Ideologie als politisch motivierte Lüge verstanden. Dabei bedeutet der Begriff übersetzt einfach nur „Ideenlehre“ und war ursprünglich auch nicht unbedingt negativ gemeint.

Für Marx sind Ideologien Anschauungen, die als Reaktion auf gesellschaftliche Verhältnisse entstehen. Sie erklären die Verhältnisse, ebenso wie sie sie vernebeln. Adorno sagt: Ideologie ist falsch, aber doch nicht nur falsch. Auf der einen Seite ist sie Spinnerei, auf der anderen Seite kann sie das spinnerte System auf eine gewisse Weise erklären. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge – Peter Bürger über den Umgang mit den Avantgardebewegungen

Die nächste Ausgabe der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“ naht. Nachdem in der letzten Sendung ein ausführliches Interview mit Peter Bürger gesendet wurde (nachzuhören hier), hört ihr am kommenden Sonntag, am 07.11.2010, den Mitschnitt des Vortrages, den Peter Bürger am 07.10. in Weimar gehalten hat. Die Sendung beginnt wie immer um 22:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar (106.6 Mhz oder per stream) und wird am 14.11.2010 um 18:00 Uhr auf Radio Corax (95.9 UKW oder per stream) wiederholt. Der Mitschnitt wird nach dem zweiten Sendetermin auf spektakel.blogsport.de zur Verfügung gestellt.

Veranstaltungshinweise: Erinnern an die Reichspogromnacht | Antifa-/Antira-Ratschlag

Wie auch im vergangenen Jahr haben wir, ein lockerer Zusammenschluss aus Weimarer Antifaschist_innen, beschlossen eine Kundgebung zum Gedenken an die Reichspogromnacht zu organisieren. Dieses mal jähren sich die grausamen, im Volksmund häufig als „Kristallnacht“ bezeichneten Stunden zum 72. mal. Sie gelten als entgültiger Beginn der Shoa, dem Völkermord an den Juden, der 11,4 Millionen Opfer forderte. In jener Nacht brannten in etlichen deutschen Städten Synagogen, jüdische Betstuben und Geschäfte, unzählige jüdische Friedhöfe und Wohnungen wurden angegriffen, viele Juden und Jüdinnen ermordet und dies alles vor den Augen Millionen deutscher Bürger, die sich, anstatt dafür zu sorgen, dass das grausame Spektakel endlich ein Ende hat, selbst an den „Krawallen“ beteiligten oder wenigstens sprachlos zusahen. Auch in Weimar hat es übrigens Pogrome gegeben …

Weil der 9.November in Deutschland allerdings kollektiv als „Tag des Mauerfalls“ gefeiert wird, gerät das Gedenken an die Vorfälle des 9.11.1938 häufig in Vergessenheit. Ein weiterer Grund, Präsenz zu zeigen, ist der weltweit ausgeprägte und in unzähligen Köpfen verankerte Antisemitismus, gegen den es alltäglich anzukämpfen gilt.

Am 9.November möchten wir an die Reichspogromnacht erinnern. Beteiligt euch und kommt zwischen 15 und 19 Uhr auf den Theaterplatz in Weimar!

Gegen jeden Antisemitismus! Nie wieder Deutschland, nie wieder Faschismus!

Weitere Informationen auf erinnernandiereichspogromnacht.blogsport.de

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