Das ærgerliche Tierlexikon zum Hören #2

Ærgernis und successless erklären die Natur. Schon Nietzsche hatte geschrieben: „Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, dass auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fühlt.“ (Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, 1873) Ob dieser Wichtigkeit dieser fliegenden Zentren der Welt wollen wir noch ein wenig im Reich der Mücken verbleiben und ihre Signale zu verstehen suchen. In dieser Folge beschäftigen wir uns mit der Chironomus Atroviridis, auch genannt Zuckmücke:


9 Antworten auf “Das ærgerliche Tierlexikon zum Hören #2”


  1. 1 succesless 18. Oktober 2010 um 12:08 Uhr

    wobei über diese these nietzsches ja keinstenfalls konsens besteht. die strömung der anima-objektivisten, angeführt von ernst bockelmeier, gehen ja davon aus, dass sich im bewusstsein einer jeden mücke ständig der satz wiederholt „ich bin objekt, ich bin umwelt“.

  2. 2 Æ 18. Oktober 2010 um 13:08 Uhr

    Wir warten ab, was die Chaoboridae dazu sagen wird.

  3. 3 Robert 18. Oktober 2010 um 14:06 Uhr

    Jedenfalls nimmt dieses verflucht egoistische Tier nicht gerade Rücksicht auf die menschlichen Schlafgewohnheiten.

  4. 4 Æ 18. Oktober 2010 um 14:22 Uhr

    Das würde ja eher für Nietzsches These sprechen.

  5. 5 Robert 18. Oktober 2010 um 14:33 Uhr

    Ja genau.

  6. 6 succesless 18. Oktober 2010 um 16:23 Uhr

    im gegenteil. umwelt zu sein bedeutet ja eben, vor sich vor sich hin zu existieren und eben gedankenloses objekt gegenüber dem zu sein, was neben oder in einem lebt. daher auch die rücksichtslosigkeit – quasi eine aufforderung der mücke an die zentren der welt sie durch gewalt still zu stellen und an die schlafgewohnheiten anzupassen.

  7. 7 Administrator 18. Oktober 2010 um 17:17 Uhr

    Nur dass dann das gedankenlose Objekt auch keinen Gedanken über seine Objekthaftigkeit haben könnte. Mir erscheint es so, dass du selbst aus deiner System-Umwelt-Perspektive heraus nicht dazu in der Lage bist die Verschiebung des Wahrnehmungsfokus zu denken und dazu übergehst anstatt einen fremden Willen zu brechen, ihm den eigenen aus dieser fremden Perspektive einfach als weiterhin auf dich gerichteten unterzuschieben. Nietzsche geht dahingehend natürlich zu kurz, dass er im Versuch des Perspektivwechsels einfach die eigene Weltwahrnehmung als von ihm abgetrennt auf das fremde Objekt überträgt, das damit notwendig feindlich gegen ihn selbst gestellt ist. Ich denke wirklich, dass wir die Forschungsergebnisse über die Chaoboridae abwarten sollten.

  8. 8 successless 18. Oktober 2010 um 20:18 Uhr

    das problem ist: wir als subjekte können keine objekthavten gedanken denken, das ist ganz klar. die formulierung „ich bin objekt“ ist nur eine annäherung an das, was sich im geist eines solchen abspielt – auch diese formulierung ist unzulänglich, weil man hier kaum von einem „geist“ sprechen kann. ich würd hierfür den begriff einer negativen metaphysik einführen wollen – die nicht das beschreibt, was über die menschliche erfahrungswelt hinaus geht sondern das, was vor ihr stehen bleibt – was zu denken weit schwerer ist, als die Verschiebung des Wahrnehmungsfokus und wozu du, liebes ärgernis, anscheinend deinerseits nicht in der lage bist.

  9. 9 lol 19. Oktober 2010 um 11:39 Uhr

    Diese Erfahrungswelt ist uns doch nicht verschlosssen, wir schließen sie lediglich anders auf. während das Tier sich in ihr bewegt, als sei sie dessen welt*, ist der mensch -zumindest gegenwärtig – gezwungen von ihr zurückzutreten um sie in den blick zu nehmen und hat die schwierigkeit, das es ihm zumeist – sei es mangel interesse, sei es mangels mühe – nicht gelingt gleichzeitig den blick umzubiegen, sich zugleich selbst und damit die spezifische verstrickung mit der Welt, in der auch der Mensch gefangen ist, wahrzunehmen um damit erst das bild vom subjekt und das bild vom objekt komplett zu machen.

    die mücke denkt nicht, hält sich weder für objekt noch subjekt, noch hat sie überhaupt einen schimmer das sie sich anders zur Welt verhält als der Ast zum Baum oder der Halm zur Wiese.
    denken lässt sich dieser zustand überhaupt nicht (vielleicht insofern bleibt er vor dem denkmöglichen stehen), deswegen sind die ganzen Nazis und Esos letzlich auch so agressiv gegen das denken: sie können Versöhnung mit der Welt, den Ende des Zustandes das an allem gezweifelt werden kann, nur als jene der gedankenlosen Mücke denken und da sie selbst das denken gar nicht einstellen können, reagieren sie umso gereizter.

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