Archiv für August 2010

Fuckparade b/w

Ich möchte hiermit auf die sehr gelungene Fotoreihe von der Fuckparade 2010 auf dem ohnehin sehr empfehlenswerten Fotoblog proteusphotographie (bersarin) hinweisen.

Nothing

Reinkarnation gelungen: Adorno live in Fulda

Der beliebte Sozialphilosoph und Komponist Theodor W. Adorno (Mitte) spielt am kommenden Samstag live in Fulda. Mit dabei sind (v.l.n.r.) Alfred Sohn-Rethel, Siegfried Kracauer, Erich Fromm und Herbert Marcuse. Max Horkheimer wird das Orchester dirigieren.

Zustande kam das späte Comeback durch einen Zufall. Eine Gruppe von Linksradikalen hatte in einer synergetischen Reinkarnations-Gruppentherapie nach Ursachen für die häufigen Spaltungen antideutscher Gruppen gesucht. Durch einen falsch geerdeten Reinkarnationskanal manifestieren sich dabei Adorno und seine Kollegen in der Praxis von Reinkarnationstherapeut Rainer Vollmar in Dietershan bei Fulda. Schwer enttäuscht vom heutigen Zustand Kritischer Theorie entschieden sich die frisch Inkarnierten nach kurzer Diskussion dazu, sich in ihrem zweiten Leben ganz auf die Musik zu konzentrieren.

Jürgen Habermas und Axel Honneth wollten sich zu den Vorgängen nicht äußern.

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Naja – ganz aufgegeben haben die guten die Kritische Theorie doch nicht – darauf weisen Songtitel wie „Fetishized Facts“ und „Theoretically Driven“ (Adorno) hin.

Roger Behrens über FLORIDA

Eigentlich kann man überhaupt nicht mehr wohnen.
[Theodor W. Adorno, „Asyl für Obdachlose“, Minima Moralia]

In Hamburg ist kürzlich eine Zeitung erschienen welche den Titel „FLORIDA – Beiträge für das Leben nach der Stadt“ trägt und zahlreiche Texte, u.a. von Franz Kafka, Aristoteles, Georg Simmel, Henri Lefebvre, Thomas Morus, Edgar Allen Poe, Guy Debord und Friedrich Engels enthält, die sich allesamt mit dem Phänomen der Stadt auseinandersetzen. Neben diesen historischen Texten sind in der Zeitschrift aktuelle Beiträge von und mit Silke Kapp, Wolfgang Bock und Roger Behrens enthalten. Außerdem will sich die Zeitung als künstlerische Arbeit verstanden wissen – Sie wurde gestaltet von „Schroeter und Berger“ und enthält eine Fotostrecke von Daniel Poller. Das Ganze ist ein Projekt des Vereins Maknete e.V. und wurde in Zusammenarbeit von Alexandra Waligorski, Corinna Koch und Roger Behrens verwirklicht. Die Zeitschrift wird kostenlos verteilt und kann unter florida.maknete.org heruntergeladen werden. Ihr hört ein Gespräch mit Roger Behrens, der die Zeitschrift mitinitiiert hat, über das Zeitschriftprojekt, die Begriffe Stadt und (Post-)Urbanismus sowie über das Wohnen im Kapitalismus.

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Kunst und Geschmack – Leipzig

Kunst und Geschmack.
Über subjektive Emanzipation und ästhetische Autonomie

Veranstaltung mit Vortrag und Diskussion

Montag, 30. August 2010, 19 Uhr – Raum 2.41, Hochschule für Grafik u. Buchkunst, Wächterstr. 11, 04107 Leipzig

Der Begriff des Geschmacks scheint eine für die Ästhetik mittlerweile unbrauchbare Kategorie zu sein. Ihm haftet der Makel einer unhinterfragbaren, ins Diskursive schwierig aufzulösenden Einstellung an, die sich aus subjektiven Quellen speist. Allenfalls spielt dieser Begriff im erweiterten Feld der Ästhetik als Aisthesis eine Rolle, so beim Design, bei Gebrauchsgegenständen, in der Mode und in der populären Musik.
Nun wandelt sich aber das diskursive Gerüst der Ästhetik beständig. Neue Kategorien und Rahmen tauchen darin auf und verschwinden wieder. Auch der Begriff des Geschmacks ist ein solcher zuweilen wiederkehrender Kandidat. Ihm wohnt eine eigentümliche Zwischenstellung inne. Ganz ohne ihn geht es nicht, doch als Instanz der Begründung, warum ein Kunstwerk mit Gründen als ästhetisch gelungen bezeichnet werden kann, taugt er nicht recht.
Bei allem Vorbehalt, den man gegenüber diesem Begriff vorbringen mag, wird jedoch häufig übersehen, daß es sich dabei nicht bloß um eine zufällige Einstellung handelt, über die ein Streit sinnlos ist, sondern der ausgebildete Geschmack erfordert vielmehr ein hohes Maß an Reflexion: mithin Wissen um den (ästhetischen) Gegenstand. Und auch im historischen Rückgriff zeigt sich die Bedeutung des Begriffs: Die Geschmacksbildung des 17., 18. Jahr- hunderts geschieht unabhängig von den vorherrschenden religiösen und staatlichen Regel- werken dieser Zeit und vermochte es, ein eigenes Feld von Geltung auszudifferenzieren.
So konnte sich – insbesondere im deutschsprachigen Raum – die Ästhetik erst im 18. Jahrhundert, unter anderem über den Begriff des Geschmacks, als eigenständige Disziplin herausbilden. Diese Entwicklung, die mit der Entstehung des bürgerlichen Kunstgeschmacks einherging, trug schließlich dazu bei, daß ein – zunächst – freies (modernes) politisches Subjekt sich überhaupt ausbilden konnte. Frei auch von den Zwängen einer antiken und mittelalterlichen Regelpoetik, frei vom Fürstenzwang; den Gesetzen eigener Produktion unterworfen, das alte Gesetz brechend. Und insofern hat nicht nur in der Ästhetik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts auch die zunächst aufs äußerste subjektiv erscheinende Kategorie des Geschmacks ihren berechtigten Platz.
Ausgehend von Christoph Menkes Aufsatz „Ein anderer Geschmack. Weder Autonomie noch Massenkonsum“ (Texte zur Kunst, September 2009, Heft 75) soll in der Veranstaltung dieser ästhetisch-politischen Geschichte des Geschmacksbegriffs nachgegangen werden. Anschließend an Kants Analyse des Geschmacksurteils, die eine der umfassendsten Bestimmungen dieses Begriffs darstellt, sollen auch die Positionen moderner Ästhetik zur Sprache kommen – insbesondere die Adornos, bei dem die Kategorie des Geschmacks eine durchaus ambivalente Rolle spielt:

„Autonom ist künstlerische Erfahrung einzig, wo sie den genießenden Geschmack abwirft. Die Bahn zu ihr führt durch Interesselosigkeit hindurch; die Emanzipation der Kunst von den Erzeugnissen der Küche oder der Pornographie ist irrevokabel. (…) Wer Kunstwerke konkretistisch genießt, ist ein Banause; Worte wie Ohrenschmaus überführen ihn. Wäre aber die letzte Spur von Genuß exstirpiert, so bereitete die Frage, wozu überhaupt Kunstwerke da sind, Verlegenheit.“ (Ästhetische Theorie, S. 26 f.)

Wieweit sich die Kategorie des Geschmacks für eine (post-)moderne Ästhetik, die unter den Bedingungen gesellschaftlicher Zerfaserung und Atomisierung stattfindet, überhaupt noch fruchtbar machen läßt, bleibt im Anschluß an den Vortrag zu diskutieren.

Es referiert der Berliner Blogger Bersarin, der das Internet-Blog Aisthesis betreibt.

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Vortrag mit Martin Dornis in Jena

Kapitalistische Vergesellschaftung und nationalistische Ideologie
Vortrag von Martin Dornis

Der Vortrag befasst sich im ersten Teil mit einigen Thesen, die um das Verhältnis kapitalistischer Gesellschaft, Staat, Krise und nationalistischer Ideologiebildung kreisen. Sie werden erörtern, ob und in wieweit es einen deutschen Sonderweg gibt, was es heißt, von einem deutschen Kapitalismus zu sprechen, was diesen auszeichnet und was das deutsche Modell heute so attraktiv macht für historische Nachzügler kapitalistischer Entwicklung. Dabei wird auch zur Sprache kommen, was in Deutschland „Krise“ bedeutet und wie sich eine radikale Linke, die diesem Begriff gerecht werden will, zu einer solchen Krise zu verhalten hat.
Der zweite Teil diskutiert systematisch das Verhältnis von kapitalistischer Gesellschaft, dem Staat und der Ideologiebildung im Rahmen einer als Krisengeschichte verstandenen kapitalistischen Gesellschaft. Dabei wird die marxsche Kritik an Wert, abstrakter Arbeit und der Warenförmigkeit der Produkte erläutert und dargelegt, wieso dazu auch die Individuen durch den Staat in die Form des Subjekts gebracht werden mussten. Die marxsche Kritik war zwar im speziellen eine Kritik des liberalen Kapitalismus, die aber dabei im Allgemeinen auch auf die totalitäre Tendenz dieser Gesellschaft abzielte. So wie der Nazifaschismus bereits im frühen Kapitalismus in Keimform angelegt war, so kann bereits auch die marxsche Kritik als vorauseilende Kritik am Nazifaschismus gelesen werden .

19.08.2010; 19.00 Uhr; Carl-Zeiss-Straße 3 – Hörsaal 7

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Transcending gender by abolishing the spectacle?

■ Die Macher_innen des sympathischen Magazins „Outside the box“ haben im September in Leipzig eine sehr besuchenswerte Veranstaltung ausgerichtet:

Das Geschlecht des Situationismus – transcending gender by abolishing the spectacle?

Lässt sich die situationistische Revolutionstheorie aktualisieren? Wenn ja, wie sieht es dabei mit der Kritik der fundamentalsten Lebenssituation aus: der Aufhebung der Trennung(en) des Geschlechts? Sexes & gender waren für die Situationistische Internationale in ihrer Zeit ein blinder Fleck. Heute, da die Geschlechterverhältnisse nicht mehr zu verdrängen sind, sehen wir die wirkliche Bewegung auf diesem Feld der Kritik zwischen queerer Entwendung und realkapitalistischer Verstärkung des Bestehenden. BBZN stellen zuerst die Rolle der Situationistinnen (ca 1950 bis 70) und die sexistische Ambivalenz jenes „Verlorenen Haufens“ historisch-kritisch dar. In dem Versuch, die kritische Theorie der „Gesellschaft des Spektakels“ für die materialistische Kritik des allgegenwärtigen doing gender zu retten, muss es sodann um die Frage gehen, wie undoing gender als Theorie und Praxis für Communismus heute möglich ist.
[via]

Es referieren Zwi, Negator und Tagediebin vom Autorenkollektiv BBZN. Die Veranstaltung findet am 9. September um 19 Uhr im Conne Island statt.

■ Außerdem kann inzwischen die erste Ausgabe von outside the box online gelesen werden:

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Wutpilger Streifzüge

Wutpilger Streifzüge. Fragmente aus Politik und Kultur ist eine kleine Radiosendung, die einmal im Monat auf Radio Lotte in Weimar (und in Kürze auch bei Radio Corax in Halle) gesendet wird, auf die ich hier in Zukunft regelmäßig hinweisen werde:

Wutpilger Streifzüge # 8 wird am Sonntag den 15. August um 22:00 Uhr gesendet – auf 106,6 Mhz oder per Livestream auf der Homepage von Radio Lotte. In dieser Sendung werden, ausgehend von Walter Benjamins Baudelaire-Buch, die Figuren des Dandys und des Flaneurs als Sozialfiguren der frühen Großstädte vorgestellt werden – mit Ausschweifungen zu analogen Überlegungen von Georg Simmel, Sartre, Magnus Klaue u.a.

Edit: Die Radio-Sendung kann hier nachgehört werden (B. Wutpilger-Streifzüge 8 ).

Feministische Veranstaltungen

Sexualität und Kapitalismus – Montag 09.08.2010 – 19.00 Uhr

Sexualität und Kapitalismus – Für diesen Zusammenhang gibt es zwei sich widersprechende Deutungen: Die Repressionshypothese behauptet, Sex würde unterdrückt, weil der unkontrollierte Trieb eine Gefahr für die Herrschaft sei. Die Antithese meint, Sexualität sei heutzutage fest in ein Netz der Macht eingebunden und würde die Planbarkeit der Bevölkerungsentwicklung im Rahmen der kapitalistischen Verhältnisse sicherstellen. Die Gruppe wi(e)derdienatur stellt in der Veranstaltung die beiden Ansätze vor und will darüber diskutieren, wie denn nun heute das Verhältnis von Sexualität und Kapitalismus ist.

Via Mobb e.V. Eine genau Angabe des Ortes der Veranstaltung konnte ich nicht finden – vermutlich ‚Unterm Markt 2′ (Jena), wo der Mobb e.V. sitzt. Zum Thema der Veranstaltung die Texte der Gruppe WiderDieNatur: Sexualität und Kapitalismus I und Teil II in der aktuellen Ausgabe des hEFt (S.26).

Polyphantasiawoche 2010

Die Gruppe WiderDieNatur hat nun das Programm der zweiten Polyphantasiawoche veröffentlicht, die an verschiedenen Orten in Erfurt stattfinden wird:

Montag, 30.8., 20.00 Uhr, Polyphantasiabar

Forschungsreisen in nichtmonogames Gelände
„Wenn Liebe die Antwort ist, können Sie die Frage dann bitte umformulieren?“. Die Mitherausgeberin Gwendolin Altenhöger liest aus dem feministischen Zine „Die Krake. Künstliche Beziehungen für unnatürliche Frauen“. Die frisch erschienene Ausgabe Nr.5 widmet sich dem Durchlavieren zwischen schlampigen Begierden und monogamen Sehnsüchten. Mit Diskussion.

Dienstag, 31.8., 20.00 Uhr, Polyphantasiabar

Queerer Filmabend

Mittwoch, 1.9., 18.00 Uhr, Polyphantasiabar

Workshop Sexualität und Kapitalismus

Für den Zusammenhang von Sexualität und Kapitalismus gibt es zwei sich widersprechende Deutungen: Die Repressionshypothese behauptet, Sex würde unterdrückt, weil der unkontrollierte Trieb eine Gefahr für die Herrschaft sei. Die Antithese meint, Sexualität sei heutzutage fest in ein Netz der Macht eingebunden und würde die Planbarkeit der Bevölkerungsentwicklung im Rahmen der kapitalistischen Verhältnisse sicherstellen. Wir stellen zu Beginn die beiden Ansätze vor und wollen dann darüber diskutieren, wie denn nun heute das Verhältnis von Sexualität und Kapitalismus ist.

Donnerstag, 2.9., 20 Uhr, Polyphantasiabar

Intersexualität

Im Zentrum des Vortrages steht die Infragestellung der biologistischen Norm der Zweigeschlechtlichkeit. Für besonders kritisierenswert halten wir dabei die gewaltsame medizinische Herstellung von Geschlechtseindeutigkeit bei Säuglingen. Es soll aber auch auf die Frage eingegangen werden, warum in unserer Gesellschaft die Geschlechternormen eine solche Wichtigkeit besitzen und warum alle Abweichungen gewaltsam ausgegrenzt oder auf die Norm „männlich“/“weiblich“ zugerichtet werden.

Freitag, 3.9. Polyfantasiaball

Mit Monotekktoni, Eve Massacre, Phonatic, fliegvogelflieg

Die Polyphantasiabar befindet sich in der Johannesstraße 151

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