Archiv für Juli 2010

Peter Bürger in Weimar

Prof. Dr. Peter Bürger – Do 07.10.2010 – 20:00 Uhr, im Monami Weimar

„In Jeder Epoche muß versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen.“ Benjamins Satz aus seinen Thesen „Über den Begriff der Geschichte“ gilt auch für die Avantgardebewegungen. Ausgehend von einer Kritik an neuerdings zu beobachtenden Tendenzen, die Unterscheidung zwischen Avantgarde und künstlerischer Moderne einzuebnen, sollen im Anschluß an Benjamins Überlegungen zum „Augenblick der Erkennbarkeit“ eines geschichtlichen Phänomens angestellt und auf die historischen Avantgardebewegungen bezogen werden. Daraus wird sich die Überlegenheit des in der „Theorie der Avantgarde“ entwickelten spezifischen Avantgarde-Begriffs gegenüber einer unspezifischen Begriffsverwendung ergeben, die Avantgarde mit künstlerischer Moderne gleichsetzt. Im Anschluß daran soll der Frage nachgegangen werden, wie heute mit den Avantgarden umzugehen wäre.

Peter Bürger, Jahrgang 1936, hat bis Ende 1998 an der Universität Bremen Literaturwissenschaft und ästhetische Theorie gelehrt. Geprägt von der Frankfurter Schule, hat er in mehreren Arbeiten die Umrisse einer Ästhetik nach Adorno skizziert – zuletzt in Das Altern der Moderne (Suhrkamp 2001). Daneben hat er sich seit dem Ende der 80er Jahre der zeitdiagnostischen Lektüre postmoderner Philosophie zugewandt – zuletzt in Ursprung des postmodernen Denkens (Velbrück Wiss. 2000). Im Jahre 2007 erschien im Suhrkamp Verlag seine Studie über den engagierten Intellektuellen: Sartre. Eine Philosophie des Als-ob.

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Positive Stimmung

Neonazi-Randale, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und drei Tote: so die Bilanz des „fröhlichen Partyotismus“ bis zum Aus der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale der Fußball-WM. Aus gegebenem Anlaß präsentiert KONKRET diese Spezialausgabe der Chronik aus dem ganz normalen „Fußball-Deutschland“. --- lesen

Waiting ergänzt die Liste

In Schwäbisch-Gmünd machen sie es doch wie bei Judas Priest:

In Schwäbisch-Gmünd schlägt ein Mann auf ein Ehepaar ein, das ihn daran hindern will, sein Deutschland-Trikot an ihrem Zaun zu verbrennen.

Deutschland – Fußball – Männer – Kotzen

Zum Glück ist die Gefahr, dass die deutsche Nationalmannschaft Fußballweltmeister werden könnte, seit gestern gebannt und das ganze Spektakel nun zumindest etwas gedämpft. Ich habe mal von einem Judas-Priest-Konzert in den 80′ern gehört, das riesengroß angekündigt wurde, aber dann kurz vorher abgesagt wurde. Aus Wut haben die angereisten Fans vor der Konzerthalle dann ihre Judas-Priest T-Shirts verbrannt. Es wäre lustig, wenn es bei der WM mal einen ähnlichen Effekt geben würde – alle vormals enthusiastischen Deutschland-Fans zu sehen, wie sie aus Wut über die Niederlage ihrer Mannschaft und laut über die Deutschen schimpfend auf einmal ihre Trikots und Deutschlandfahnen verbrennen würden…

Noch ein paar abschließende Notizen zum WM-Kram:

■ In meinem Hassgesang auf das WM-Spektakel habe ich einen Aspekt nicht in die Betrachtung einbezogen, der in dieses Phänomen doch ganz spezifisch mit hereinspielt: Das Geschlechterverhältnis. Meine Formulierungen zur Einleitung meines Vortrages „Das Bürgerliche Subjekt und sein Anderes“ über den Männertag (ebenso Kalles Überlegungen auf dem wdn-blog), dürften auf die Fußballereignisse übertragbar sein, wenn es sich hier auch nochmal etwas anders äußert:

Ich würde gern mit einer Überlegung zum Männertag einsteigen, den wir vor wenigen Tagen wieder erlebt haben und ich würde mich gern fragen – was passiert eigentlich am Männertag? Ich denke, dass man grundsätzlich sagen kann, dass es dabei irgendwie darum geht, dass sich an einem solchen Tag Männer gegenseitig darin bestätigen, Mann zu sein. Man schließt an so einem Tag bewusst das andere Geschlecht aus und widmet sich zusammen mit anderen Männern explizit männlichen Tätigkeiten. Ich meine, dass der Männertag für ganz viele Männer tatsächlich sehr wichtig ist – gerade weil wir zur Zeit eine Entwicklung erleben, in der das Geschlechterverhältnis überhaupt nicht mehr starr zu bleiben scheint. Es gibt in einem gewissen Sinne ein Verschwimmen der Geschlechtergrenzen – die Homo-Ehe ist anerkannt, viele vormals geschlechtsspezifische Tätigkeiten können inzwischen von beiden Geschlechtern getätigt werden, ohne dass das zu irgend einem Skandal führen würde. Ich denke, dass gerade diese Entwicklung (auf die ich später noch einmal eingehen werde) für viele Männer eine enorme Verunsicherung bedeutet und dass nun solche Anlässe wie der Männertag für viele Männer die Funktion haben, sich in dieser Zeit der Verunsicherung doch ihres Männlichseins zu vergewissern. Sieht man sich solche Sachen wie den Männertag genauer an, dann kann man feststellen, dass da sehr einfache Dinge passieren: Männer rotten sich zu Horden zusammen, gehen Wandern, grölen dabei rum und besaufen sich. Ich würde sagen, dass dieses Rauschhafte, das in den kollektiven Alkoholexszessen liegt, etwas ganz wichtiges für die männlichen Subjekte ist – nämlich aus einem ganz bestimmten Grund; weil dieser Rausch es den männlichen Subjekten erlaubt, sich auf eine körperliche Nähe zu den anderen männlichen Subjekten einzulassen. Es lässt sich immer wieder beobachten – nicht nur beim Männertag, sondern auch bei Fußballspielen, beim Junggesellenabschied, bei Kneipentouren oder bei Rockkonzerten –, dass bei solchen Anlässen ein Rahmen dafür geschaffen wird, dass sich Männer gegenseitig berühren können. Es handelt sich zum Teil um innige, kameradschaftliche Umarmungen oder dass man sich gegenseitig im Arm liegt – auf jeden Fall scheint es bei solchen Anlässen wichtig zu sein, sich gegenseitig zu spüren. Leider ist es so, dass das männliche Subjekt in solchen Momenten eine gewisse Ahnung davon hat, dass es hier um eine verdrängte homosexuelle Neigung geht und das ist eine Ahnung, die das männliche Subjekt nicht zulassen darf. Deshalb gibt es verschiedene Riten, die es verhindern, dass sich die männlichen Subjekte ihrer Homosexualität bewusst werden und diese Riten enden immer wieder in einem Ausbruch von Gewalt. Die Körperlichkeit darf also nur dann zugelassen werden, wenn es sich um eine harte Körperlichkeit handelt. Die Umarmung endet oftmals in einer Kopfnuss, Körperlichkeit auf dem Rockkonzert besteht oftmals im Pogo, der bald vielmehr einer massenhaften Prügelei gleicht. Im letzten Jahr gab es zum Männertag Schlagzeilen, als sich in mehreren Städten aus den Männertagsumzügen Straßenschlachten entwickelt hatten. Letztendlich entlädt sich die nichteingestandene Homosexualität in Übergriffen gegenüber Frauen. Die Gewalt, die sich Männer täglich antun müssen, weil sie nicht passiv, sinnlich und zärtlich sein dürfen und die ganz offenbar wird, wenn tatsächlich eine Nähe zwischen Männern entsteht, wird am Ende den Anderen angetan.

Die Transkription des vollständigen Vortrages erscheint in Kürze bei Wider Die Natur.

■ Auf die Körperlichleit zwischen Männern hat Johannes Paul Raether in seiner sehr gelungen Fotoreihe von der Fanmeile der WM 2006 in Berlin einen Fokus gelegt:

Sehr zu empfehlen hier auch das Kotz-Video über Deutschland, das Land der Ideen …, es lohnt sich auf der Seite zu stöbern.

■ Bubizitrone weist auf den besonderen Service eines Cafés in Jena hin und ist ebenfalls von zwecklosen Diskussionen frustriert.

■ Anselm Gramschnabels (Gruppe Surpasser) Überlegungen zum Charakter von Massenevents anlässlich des Weimarer Zwiebelmarkts (der uns in Bälde leider wieder auf die Pelle rücken wird) könnten ebenso Aufschluss über den Charakter des Fußballspektakels geben.

■ Der Blog „Im Kopf Lokalisationweist auf ein Buch zur Kritik des Fußballsports hin, das mir nach dem Lesen der Einleitung zumindest als lesenswert erscheint, auch wenn hier mit der klassischen Manipulationsthese aufgewartet wird (Fußball ist Droge fürs Volk, damit das seine Interessen nicht erkennt). Lesen.

■ Im Audioarchiv befindet sich ein Vortrag von Freek Huisken über Fußball und Deutschlandwahn, der unter anderem auch die Manipulationsthese zurückweist:

Die neu­es­te Sen­dung Sach­zwang FM be­inhal­tet einen am 08.​06.​2010 in Ber­lin ge­hal­te­nen Vor­trag von Freek Huis­ken (GSP) über den ak­tu­el­len Deutsch­land­wahn und die Funk­tio­nen der Welt­meis­ter­schaft des Män­n­er­fuß­balls und ähn­li­cher Ver­an­stal­tun­gen für die Staa­ten­kon­kur­ren­zen.

In dem Vortrag sind einige gute Gedanken formuliert, das hören macht trotzdem keinen Spaß – „Das war der erste Punkt, jetzt komme ich zum zweiten Punkt.“ – „Wieso das ganze?“ – „Wozu die ganze Veranstaltung?“ – „Was haben die jetzt davon?“ – „Zu welchem Zweck machen die das jetzt?“ usw. – anstatt mal eine Argumentationsfolge stringent auszuführen, scheint der Referent die Höhrer_innen hier an die Hand des gesunden Menschenverstands nehmen zu wollen, was extrem nervt.

■ Und abschließend ein Zitat von einem Freund: „Wer ein Problem damit hat, wenn ich ‚Scheißdeutsche‘ sage, soll gefälligst wo anders hinziehen.“

Zum 125. Geburtstag von Georg Lukács

Ich habe eben (etwas verspätet) den Text „Transzendental obdachlos“ von Sebastian Bredtmann bei Beatpunk entdeckt – eine gelungene Würdigung und Kritik Georg Lukács‘, anlässlich dessen 125. Geburtstags.

Drei weitere Tips zum Thema:

■ Ein Gespräch mit Zwi über Georg Lukács und die Expressionismusdebatte, via Spektakel:

■ George Lichtheim: Georg Lukács (Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1971, Reihe „moderne theoretiker“) – eine dünne Einführung in das Werk von Lukács mit zahlreichen biographischen Informationen, schön zu lesen. Das Buch ist wahrscheinlich nur noch antiquarisch erhältlich.

■ Peter Bürger: Vermittlung – Rezeption – Funktion (Suhrkamp, FaM 1979) – in diesem sehr empfehlenswerten Buch diskutiert Peter Bürger Lukács‘ ästhetische Theorie der Widerspiegelung gegen andere Theorien der Ästhetik. Leider hat Bürger anscheinend zu diesem Zeitpunkt (wie ich zum jetzigen) noch nicht die „Eigenart des Ästhetischen“ (1972) von Lukács gelesen (zumindest zieht er sie nicht als Quelle heran), die sich von Lukács früheren Schriften zum Realismus doch unterscheiden soll.

Deutschland und Ich

„Warum faltest du die Hände – ist es Angst oder Dankbarkeit?“
(Bierbeben)

I.

Ereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft verwandeln einen großen Teil der deutschen Bevölkerung regelmäßig in einen Haufen von penetranten Barbaren, der es jenen Menschen, die für Fußball, Massenaufläufe, unmusikalische Chorgesänge, dilettantisches Fachgesimpel und feucht-warmes Wir-Gefühl nichts übrig haben, kaum möglich macht sich dieser Belästigung der Sinne zu entziehen. Das anti-musikalische Tröten mit Fußballtrompeten aus Plastik, das heisere Geschrei von artikulationsunfähigen Deutschlandfans, das orgiastische Aufschreien, das sich nach jedem Tor der Nationalmannschaft über die ganze Stadt erhebt und die penetrante Eindringlichkeit der laut aufgedrehten Sportmoderatorenstimmen macht vor keiner Haustür halt, dringt in jedes Schlafzimmer und in jedes heimliche Versteck ein, als wäre die kollektive Anspannung zu einer all-anwesenden Stimme geworden, die jedem Einzelnen den Imperativ einträufeln will: sei gefälligst unverkrampft und ausgelassen fröhlich mit uns, denn Wir sind Wir und du gehörst dazu. Jegliche Bestimmungen über Lärmbelästigung, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, sowie die Straßenverkehrsordnung werden bei Anlässen wie den sogenannten „Public Viewings“ und den anschließenden Auto-Konvois faktisch außer Kraft gesetzt und es scheint niemanden zu geben, der daran Anstoß nimmt. Auffällig ist, dass hier nicht nur ordnungsbehördliche Regelungen kollektiv überschritten werden (die Polizei übernimmt sogar die Koordination und Sicherung der Auto-Konvois), sondern dass auch sonst wirksame soziale Abgrenzungsmechanismen einfach verschwinden. In den Fußball-Kneipen sitzen Bauarbeiter, Universitätsprofessoren, Hartz-Vier-Empfänger und Großunternehmer nebeineinander und unterhalten sich auf einmal in der selben Sprache über das selbe Thema. Was die Möglichkeit dafür wäre, sich endlich einmal über die gesellschaftlichen Trennungen hinweg zu verständigen, ist in dieser Form der „Kommunikation“ jedoch von Anfang an liqudiert. Der Gegenstand des Gesprächs ist auf das Fachgesimpel über die Konkurrenz der Nationalmannschaften beschränkt, die gleichen auf den Sport konzentrierten Banalitäten werden bis zum erbrechen wiedergekäut, Sätze verkommen zu Parolen und Worte verschleißen zum Gestammel. Am Abend der Spiele verwandelt sich ein Teil der Fans in zombie-artige Zusammenrottungen, die sich amöbenhaft durch die Stadt bewegen, sich wahlweise vereinigen oder wieder in kleinere Gruppen zerfließen und von jedem Passanten erwarten, dass er die primitive Begeisterung teilt. Bleibt die erwartete Reaktion aus – üblicherweise das Erwidern der Fangesänge oder einfach nur die Wiederholung des gleichen Gestammels und Gestöhnes – reagieren die berauschten, zu fließenden Einheiten Verschmolzenen mit begriffsstutzigem Unverständnis, das mitunter in Aggressivität und Gewalt umschlägt. Selbst wenn die Übergriffigkeit der beflaggten Deutschen ausbleibt – dann bleibt es eine Frage des guten Geschmacks, diese widerliche Unkultur abzulehnen und die damit verbundenen Zumutungen, denen man sich dieser Tage kaum entziehen kann, zurückzuweisen.

II.

Wenn man seinen Unmut gegenüber diesen Belästigungen äußert, begegnet einem immer wieder Unverständnis – oft selbst von Menschen, die man bisher für intelligentere und einfühlsamere Zeitgenossen gehalten hat. Man bekommt Phrasen zu hören, – „Was ist denn so schlimm daran für seine eigene Nationalmannschaft zu sein?“ – „Man muss doch Nationalismus und gesunden Patriotismus voneinander unterscheiden können.“ – „Was ist denn verkehrt an so ein bisschen Gemeinschaftsgefühl?“ – „Du bist doch selber deutsch.“ – „Es ist doch total verkrampft, bei solchen unverkrampften Anlässen immer wieder mit der deutschen Vergangenheit anzukommen.“ – denen man kaum etwas erwidern kann, weil ihnen jede gemeinsame Diskussionsbasis entbehrt. Was solche Diskussionen stets durchdringt, ist die Überzeugung, dass man – ob freiwillig durch das Bekenntnis, oder zufällig qua Geburt – einem (nationalen) Kollektiv angehört. Diese Angehörigkeit ist stets positiv besetzt, hat man ihr doch eine institutionalisierte Infra- und Kommunikationsstruktur, eine gemeinsame Sprache und Kultur zu verdanken. Es gibt ein Bedürfnis, dieser Gemeinsamkeit mit den auf einem staatlichen Territorium lebenden Menschen, freudig Ausdruck zu verleihen. In diesem Bedürfnis entpuppt sich der politische Charakter von Events, in denen die „eigene Mannschaft“ gegen jene anderer Nationen antritt, Events die doch immer als so unpolitisch gelten, wo es doch angeblich nur um den Sport geht. Nicht nur, dass die am Event beteiligten Sportler nicht einfach als Sportler, sondern stets als Vertreter jenes Staats zum Wettkampf antreten, dessen Pass sie haben; die Verteidigung dieser kulturindustriellen Stumpfsinnigkeit entpuppt sich als ein Bedürfnis, sich selbst als Einzelnen einem übergeordneten – in diesem Fall dem nationalen – Kollektiv unterzuordnen. Es bedarf hier keiner Manipluation, etwa einer nationalen Bourgeoisie, die dem Volk Spiele liefern wöllte, damit das Volk von seinen eigenen Interessen abgelenkt wird, sondern es ist das Bedürfnis der Vereinzelten selbst, die es kaum noch denken können, dass das Allgemeinwohl nichts mit dem Wohl der Individuen zu tun hat. In Verhältnissen, die immer mehr dazu tendieren Individualität oder Besonderheit zu liquidieren und die die Einzelnen in der Konkurrenz stetig mit sozialem Abstieg und Entwertung bedrohen, bemerken die Einzelnen ihre eigene Bedeutungslosigkeit. Aber anstatt gegen diese Verhältnisse aufzubegehren und eigene, individuelle Wünsche und Bedürfnisse gegen die Allgemeinheit geltend zu machen, wirft man sich einer übergeordneten, abstrakten Einheit an den Hals – vielleicht um selbst an etwas teil haben zu können, das im Gegensatz zur eigenen Person offensichtlich Bedeutung hat. So gefolgert, hängen sich die Bewohner des deutschen Territoriums die Nationalfahne an`s Auto, an`s Haus und an den Körper, um das Gefühl der eigenen Nichtigkeit zu kompensieren. Das Partialinteresse war den Deutschen stets etwas Fremdes – hatte Freud den Prozess des Bewusstwerdens mit dem Satz beschrieben „Wo Es war soll Ich werden“, kann der nationale Taumel, der sich nicht nur in Fußballevents immer wieder Bahn bricht, als eine regressive Bewusstlosigkeit beschrieben werden: Wo Ich war, soll Wir werden. Dem gilt es einen Individualismus, individuelle Interessen entgegenzusetzen, ein Misstrauen gegen alles Vereinheitlichende und ein Bewusstsein darüber, dass die real hergestellte Einheit der Nation ein Zwang ist. Meine Nationalmannschaft, wäre nicht national, weil ich keine Lust darauf habe diese Form der Vergesellschaftung zu akzeptieren und mich dieser Form der Repräsentation unterzuordnen und sie wäre keine Mannschaft, weil mir Sportsgeist, körperliche Ertüchtigung und Geschlechtersegregation zuwider sind. Vielleicht würde diese nicht-nationale Nicht-Mann-Schaft sich im Versteckspiel in den Ruinen des Stadtrands ereifern oder im Wettbewerb um das Zubereiten der besten Reisplatte gegen andere solche „Schaften“ antreten, um anschließend diese Zubereitungen gemeinsam zu verzehren.

Googla Kahlo

Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Frida Kahlo hat Google heute eine Kahlo-Grafik auf der Startseite eingebunden:

Deshalb nochmal ein Verweis auf meinen Text zu Frida Kahlo: lesen.

Wenn es um Ehre geht…

… dann fließt auch schnell mal Blut:

Deutscher Fan schießt Italiener nieder

Von Julia Jüttner

Wie oft hat Italien die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen? Darüber sollen ein Deutscher und zwei Italiener in einer Kneipe in Hannovers Rotlichtviertel in Streit geraten sein. Am Ende schoss der Deutsche beiden in den Kopf. Einer von ihnen starb, der andere schwebt in Lebensgefahr.

Hamburg – Tageslicht ist im Columbus unerwünscht. Über den Schaufenstern einer der ältesten Kneipen Hannovers, am Rande des Rotlichtviertels gelegen, prangt in knallroten Lettern der Name. Hinter den großen Scheiben hängen schwere, blickdichte Vorhänge. Rund um die Uhr hat das Lokal mit der langen Holztheke geöffnet. Wer hier reingeht, braucht kein Licht.

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I really hate sundays!

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