Archiv für Juni 2010

Auf Weimarer Hinterhöfen

Wenn ich nicht hier bin…

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Die Kräfte des Rausches für die Revolution gewinnen…

Ich möchte noch einmal kurzfristig auf einen besonderen Programmpunkt der derzeit in Weimar stattfindenden Drogenwoche hinweisen:

Aus der Reihe Genuss-Gift-Geist findet am Dienstag den 15.6. um 22.00 im Zeughaus eine Literaturlesung statt. Der Schauspieler Christian Klischat liest Texte und Fragmente aus Walter Benjamins „Über Haschisch“.

Ort: Am Zeughof 1 Weimar, am Spielplatz unterhalb des Theaterplatz
Beginn: 22:00 Uhr

Unter anderem über Benjamins Erfahrung mit Drogen schreibt Esther Leslie in ihrem Text „Walter Benjamin, Politik uns Ästhetik“.

Ausbeutung – Ungleichheit – soziale Kämpfe in der Gegenwart

Erste Jenaer Klassenkonferenz

Sowohl für die kritische Gesellschaftstheorie als auch für die sozialen Bewegungen ist ungeklärt, welche analytischen und handlungsrelevanten Einsichten die Anwendung des Klassenbegriffs auf die heutige Sozialstruktur bietet, ja ob es überhaupt möglich ist, von sozialen Klassen zu sprechen.

Class Counts – selbst wer am Klassenbegriff festhält, weil alle Alternativangebote (Schicht, Milieu, Multitude) kapitalismustheoretisch fragwürdig sind, steht vor Unklarheiten: Wie ist die gegenwärtige Klassenlandschaft zu kartographieren? Welche bekannten Klassen­formationen existieren in welcher Gestalt fort, welche entstehen neu? Lässt sich in den Prozessen der Neuzusammensetzung die Ausbildung von Klassenbewusstsein beobachten? Wie entscheidend ist der (Nicht-)Besitz von Produktionsmitteln – zumal der informationstechnischen, die sich mehr und mehr verallgemeinern? Wie hängt der „arbeitsweltliche“ Klassenbegriff mit außerbetrieblichen kulturellen Praxen zusammen? Darüber hinaus: Wie artikulieren sich Klassen(-fraktionen) auf der Ebene der (staatlichen, zivilgesellschaftlichen) Politik? Welche Konsequenzen (für Gewerkschaften und soziale Bewegungen) sind aus einer aktuellen Klassenanalyse sinnvoller Weise zu ziehen?

Die Veranstaltung soll sowohl zeitdiagnostische Fragen diskutieren als auch mögliche theoretische Zugänge prüfen und nicht zuletzt Folgen für Strategie und Praxis emanzipatorischer Politik abwägen. Herausforderung, aber auch Chance liegen in der Integration wissenschaftlicher und bewegungsorientierter Perspektiven.

Zum Programm

Genuss – Gift – Geist

Drogen, Rausch, Sucht, Genuss sind Erscheinungen, die uns in allen Bereichen der Gesellschaft begegnen. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung stellen sie keine Randphänomene dar, sondern sind tagtäglich präsent und gehören zum Wesen des Menschen. Mit einer Veranstaltungswoche wollen wir ausgewählte Teilbereiche analysieren, zu Diskussionen anregen und Erfahrungen austauschen. Mit Vorträgen, Diskussionsrunden, einer Ausstellung, Filmvorführungen und Freiraum zur Entwicklung eigener Ideen oder Projekte soll eine Plattform geschaffen werden auf deren Basis ein Diskurs entstehen kann. Dabei verzichten wir ganz bewusst auf eine Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen und Genussmitteln. Die Themen und die Herangehensweise provozieren und das ist auch gewünscht, denn eine intensive Auseinandersetzung tut Not.

Zentraler Ort der Veranstaltungswoche ist das Zeughaus (Am Zeughof 1 Weimar, am Spielplatz unterhalb des Theaterplatz)

Sa 5. Juni

14:00 Uhr: Austellungseröffnung im Zeughaus
18:00 Uhr: Eröffnungsreferat von Andreas Heimler (Heinrich Böll Stiftung Thüringen)
20:00 Uhr: Musikalischer Ausklang

Die Ausstellung „Drogenkultur-Kulturdrogen“ ist täglich von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Abweichende Besichtigungstermine für Gruppen können gerne vereinbart werden.

Di 8. Juni

20:00 Uhr: „Healthy Body – Sick Mind“ Vortrag zu Drogenpolitik und Gesundheitswahn von Lars Quadfasel im Zeughaus

Mi 9. Juni

20:00 Uhr: Podiumsdiskussion „Drogen in öffentlichen Raum oder Wem gehört die Innenstadt? “ im Zeughaus

Do 10. Juni

20:00 Uhr: „Leistungsdrogen und Leistungsgesellschaft“ Vortrag von Drugscouts Leipzig im Zeughaus

Spätestens seit dem Ende des 2.Weltkrieges sind Amphetamine aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken: sei es zur Medikation, als Rauschmittel oder als Mittel, dem Druck am Arbeitsplatz standzuhalten. Entwicklungen, Zukunftsprognosen und Folgen einer „Gesellschaft auf Droge“ möchten wir vorstellen, mit euch erarbeiten, diskutieren und dieses immer im geschichtlichen Kontext.

Fr 11. Juni

16:00 Uhr: „Gute Droge – Böse Droge?“ Vortrag von Drugscouts Leipzig im Zeughaus

Hustenmittel Heroin und Teufelsdroge Schokolade – der Blick zurück zeigt: Der Legalitätsstatus von Drogen ist veränderbar. Wer bestimmt, welche Substanzen erlaubt und welche verboten sind? Auf welcher Grundlage werden Drogen in legal und illegal eingeteilt? Was erwartet uns in Zukunft? Wie beeinflusst die rechtliche Einordnung den öffentlichen und privaten Diskurs über Drogen?

20:00 Uhr: „Drug Checking now!“ Vortrag von Drugscouts Leipzig im Zeughaus

Denn sie wissen nicht, was sie tun. In der Bundesrepublik Deutschland sind KonsumentInnen von illegalisierten Stoffen aufgrund der hier geltenden Gesetze einem zusätzlichen Risiko ausgeliefert, da sie keine Möglichkeit haben zu überprüfen, was sie eigentlich konsumieren. So müssen sie bei Fragen nach Qualität und der genauen Zusammensetzung der Substanzen den AkteurInnen des Schwarzmarkts vertrauen. Mit dem Referat soll aufgezeigt werden, wie unterschiedlich in verschiedenen europäischen Ländern mit diesen Risiken umgegangen wird und welche Schritte nötig wären, um den Schutz der Gesundheit und des Lebens von DrogenkonsumentInnen in der Bundesrepublik effektiver zu gewährleisten.

Di 15. Juni

22:00 Uhr: Literarische Lesung mit Christian Klichat im Zeughaus

Weitere Infos zur Reihe: genussgiftgeist.blogsport.de

Links zum Thema: Lars Quadfasel: No Dope, no Hope | Texte der Jungen Linken zu Gesundheits- und Drogenpolitik | Flugblatt und Linksammlung von SOMOST zu Sucht und Sehnsucht | Paeris – Alles für die Volksgesundheit