Das Scheitern der Sprache #4

Butch Morris / John Zorn

Das Album „Current Trends in Racism in Modern America“ von Butch Morris, auf dem unter Anderem John Zorn mitgewirkt hat, behandelt – wie der Titel schon sagt – die Erfahrung von Rassismus. Diese Erfahrung wird auf dem Platten-Cover und in der Musik als etwas ausgedrückt, das in einem fragmentierten Alltag stattfindet. Auf dem Cover befinden sich lauter Schnipsel, auf denen Noten, Tapetenmuster, Sinnesorgane, Schriftzeichen, Instrumente, Blumen und Fossilien zu sehen sind. Diese Schnipsel sind wahllos um ein zentrales Bild geordnet, auf dem zwei dunkelhäutige Hände ein Schattenbild werfen – ein weißes Gesicht. Während alles zerstückelt, voneinander getrennt ist, ist hier der Rassismus eine alles verbindende Erfahrung – immer wieder, an jedem Ort als das Andere markiert zu werden. Ähnliche Motive sind in der Musik zu finden: Ein ständiges hin-und-her geworfen werden, gnadenlose Hektik, keine Zeit sich auszuruhen – aber immer wieder ein wehleidiges Klagen, eine Stimme die sich artikulieren will, der es aber nicht gelingt klare Worte hervorzubringen. Diese Stimme wirkt dabei, als würde sie nach bestimmten Lauten suchen, ab und zu scheint sie sich an einem bestimmten Laut festhalten zu wollen, doch auch dieser geht ihr wieder verloren. Die Erfahrung des Rassismus, als ein sprechen wollen das scheitert, weil niemand zuhört, weil es niemand hören will, weil niemand mit Worten antwortet? Oder die Erfahrung, selbst eine Antwort liefern zu müssen, die aber nicht anerkannt wird? Am Ende der ersten Seite hört man John Zorn in der für ihn typischen Weise auf dem Saxophon krächzen – ein Stammeln und Winseln. Plötzlich fährt ganz klar eine exakt, abwärts gespielte Tonleiter dazwischen – nicht sehr laut, aber bestimmend; wie eine Korrektur. Die folgende Antwort des vorherigen Sprechers ist noch rauer und verzweifelter als das Krächzen zuvor – das vorgegebene Schema ist nur noch zu erahnen…