Zum Bild der Frau bei Frida Kahlo

Wie ich im untenstehenden Beitrag schon erwähnte, ist im dschungel-Teil der aktuellen Jungle World ein Artikel von Birgit Schmidt über Frida Kahlo erschienen, was mich zunächst erfreute, da ich eine kritische Auseinandersetzung mit der Lieblings-Künstlerin aller Ethno-Öko-Kunstlehrerinnen sehr begrüße. Allerdings war ich über diesen Artikel dann sehr enttäuscht, der nicht nur inhaltslos ist, sondern an einigen Stellen einfach nur peinlich.

Auch sie hatte ihre unangenehmen Seiten: Auf dem von der Band Cafe Tacuba ins Netz gestellten Musikvideo mit Originalaufnahmen sieht man beispielsweise, wie Frida Kahlo ihren Ehemann Diego Rivera vorführt, ihm, der ganz offensichtlich nicht geküsst werden will, ihre Küsse aufgedrängt und dann triumphierend in die Kamera schaut. Sie war eitel, besitzergreifend, nörglerisch – und was sollte dieses alberne Gebaren, sich als Zugehörige der mexikanischen Oberschicht in indianische Trachten zu hüllen, während das indianische Mädchen unterbezahlt in der Küche schuftete?

Es ist wirklich eine Unverschämtheit wie solch ein Schlag von Frauen ihre Ehemänner vorführt, räusper. Was bei einer Künstlerin als „eitel, besitzergreifend, nörglerisch“ gilt, wird bei Künstlern üblicherweise als elegant, selbstbewusst und immer kritisch anerkannt. Stattdessen wünscht sich die Autorin hier anscheinend eine anständige Frau herbei, die sich zurückhaltend, passiv und einfühlsam verhält und stets lieb zu ihrem Ehemann ist. Weiter:

Die Malerin Frida Kahlo gilt als Symbol Mexikos, als Emblem des Landes, obwohl sie es zu Lebzeiten nur zu einer Einzelausstellung gebracht hat und nicht einmal zu sagen wusste, in welchem Stil sie malte.

Ein toller Anspruch der hier angelegt wird: Gehalt von Kunst ist an Leistung zu erkennen, die sich über die Zahl der Einzelausstellungen messen lässt. Ein Urteil ist überhaupt nur möglich, wenn man einen genauen Stil identifizieren kann. Dass es die Kulturindustrie ist, die Kunstgeschichte als Zerlegung und Konservierung von Kunstobjektivationen in Warensegmente betreibt und dafür Wiedererkennbarkeit über die Einteilung in abgesteckte Stile und Epochen eines der wichtigsten Kriterien ist, scheint der Autorin vollkommen zu entgehen, ebenso dass es zu dieser Zeit als Künstlerin in keiner Weise selbstverständlich gewesen ist überhaupt über eine Einzelausstellung Anerkennung zu erlangen.

So richtig die Kritik an Kahlos Inszenierung ihres Verhältnisses zu den Indigenas ist und hier eine Beschäftigung mit ihrer Biographie notwendig ist, da die Gegenstände ihrer Bilder überwiegend biographische Erfahrungen sind, so unlauter ist es, einfach eine empörende Erzählung zu liefern, ohne am Material zu überprüfen ob sich dies in ihrem Werk überhaupt wiederspiegelt. Während es allgemein anerkannt ist, dass Adornos privater Musikgeschmack nichts an seinen musiktheoretischen Urteilen ändert, hat es die Autorin überhaupt nicht notwendig einzelne Bilder von Kahlo zu analysieren. Einzelne Werke, die gerade in einer Retrospektive im Gropius-Bau in Berlin zu sehen sind, werden zwar aufgezählt und ihnen wird ein morbider und großartiger Reiz zugestanden, in Beziehung zu dem Urteil der Autorin über Kahlo werden sie in keiner Weise gesetzt. Die Frage, warum das Frauenbild Kahlos und ihre Ikonisierung des Leidens eine allgemeine Faszination ausüben versucht die Autorin nicht mal im Ansatz zu beantworten.

Da ich wie gesagt eine Kritik am Frauenbild und an der Weise der Thematisierung indigener Kultur bei Frida Kahlo für notwendig erachte, soll was der Artikel nicht liefert, hier in fragmentarischer Weise anhand von drei Bildern von Frida Kahlo ergänzt werden. Dem sei vorausgeschickt, dass das reaktionäre Frauenbild Kahlos in ihrem Werk zwar obsiegt, dass dies in einigen Bildern jedoch auch durchaus gebrochen wird, etwa in einigen Selbstdarstellungen in denen sie androgyn, stark und selbstbewusst auftritt, ihren Oberlippenbart und ihre Augenbrauen betont oder sich mit Zigarette darstellt, was damals für Frauen sehr unüblich gewesen ist. Dies spiegelt sich in ihren Inszenierungen in der Öffentlichkeit, die die Autorin des Jungle-World-Artikels so empören, durchaus wieder und erklärt vielleicht, wieso Frida Kahlo zeitweise eine wichtige Figur für den Feminismus gewesen ist.

1. Self-Portrait on the Borderline between Mexico and the United States (1932)

Das „Self-Portrait on the Borderline (…)“ zeigt Frida Kahlo vor einer apokalyptischen Landschaft auf einem Sockel stehend. Als Mittelpunkt des Bildes teilt sie dieses in zwei Hälften: Auf der linken Seite sieht man einen Maya-Tempel über dem Mond und Sonne stehen, letztere lässt drei zungenartige Blitze aus ihrem Mund fahren. Auf dem Boden liegen ein Geröllhaufen und vereinzelte Maya-Götzen, aus dem unteren Bildrand wachsen zahlreiche und vielförmige Blumen und andere Pflanzen, deren Wurzeln bis tief in die Erde reichen. Auf der rechten Seite hingegen sieht man kahle Hochhäuser, Industrie, Schornsteine (gekennzeichnet mit dem Schriftzug „Ford“), Maschinen, Turbinen und Lampen. Als Gegenstück zu den Wurzeln verlaufen hier die Kabel der Geräte unter der Erde und statt einer Sonne prangen die Stars and Stripes im versmogten Himmel.

Die Aussage dieses Bildes ist relativ klar: Die kalte, menschenleere Industrie der USA kolonisiert die an sich gute, naturverbundene, bodenwüchsige Kultur der Indigenas. Unter der Grenze verlaufen die Kabel der industriellen Gerätschaften – eine ungleiche Beziehung zwischen zwei Ländern, welche die Religion und die Kultur der indigenen Bevölkerung zerstört. Frida Kahlo, die in der Mitte des Bildes steht bezieht selbst klar Partei: Ihr Blick ist in die linke Hälfte des Bildes gerichtet und sie hält eine Mexiko-Fahne in den Händen. So angebracht eine Kritik an den Folgen der Industrialisierung und der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung wäre, so sehr verfehlt dies Frida Kahlo in ihrem Bild. Es geht nicht um die konkrete Situation von leidenden Menschen, die in diesem Bild nicht zufällig nicht vorkommen, sondern es geht um den drohenden Verlust einer Kultur und eines Mythos, der als naturverbunden einer falschen, naturfremden und künstlichen Kultur entgegen gestellt wird. Eine solche Mystifizierung „altertümlicher Kultur“ hat Menschen noch nie von ihrem Leiden befreit, durch die Subsumierung unter eine Kultur bzw. Ethnie werden diese noch nicht einmal als Individuen anerkannt. Die 2012-Fanatiker hätten sicherlich ihre Freude mit diesem Bild, in dem eine Stimmung der Apokalypse mitschwingt, die niemals irdische Erlösung bedeuten kann.

2. Flower of Life (1943)

Nun zum Frauenbild. Das Bild „Flower of Life“ zeigt in erdigen bis feurigen Rottönen eine organisch gedrungene Pflanze in Form eines Eierstocks. Diese Eierstock-Blume besitzt fleischige Blätter, ist von Adern durchdrungen und aus ihrer Spitze sprießt eine feingliedrige, gold-gelbe Blüte – Staubblätter, bereit zur Befruchtung. Im Hintergrund schwebt symbolträchtig die Venus, aus dem linken oberen Bildrand entfährt ein Blitz.

Weiblichkeit wird hier mystifiziert und fixiert als ein Leben bringendes Prinzip, als Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit, eingebettet in eine göttlich-kosmische Ordnung. Kurz und knapp: aus einer kritisch-feministischen Perspektive zurückzuweisen als reaktionärer, esoterischer Scheiß.

3. The Love Embrace of the Universe, the Earth (Mexico), Myself, Diego Und Senor Xolotl (1949)

In diesem Bild kommen schließlich Mystifizierung der indigenen Kultur, Selbstethnisierung Kahlos als Indigena und ein reaktionäres Frauenbild zusammen. Das Bild ist, wie im Titel, in mehreren Schichten aufgebaut: Im Hintergrund befindet sich eine zerfließende, geisterhafte Figur, die nicht eindeutig als weiblich identifizierbar, zumindest aber als androgyn, die Liebesumarmung der Welt darstellen soll. Dabei hat diese Figur eine dunkle und eine helle Seite – Tag und Nacht werden damit symbolisiert. In den Nebeln der Welt schweben schließlich zwei Planeten, von denen zumindest der eine wieder eindeutig als Venus identifiziert werden kann – die Welt als weibliches Prinzip. In der nächsten Ebene ist thronend eine weitere Figur dargestellt – ein indigenes Mädchen mit Dreadlocks, welche die Erde darstellen soll und dem Titel zur Folge mit Mexiko identifiziert wird – anscheinend als ein Ort, an dem Mutter Erde zumindest teilweise noch unbefleckt ist. Eine der vollen Brüste des Mädchens ist entblößt und dieser entrinnt ein Tropfen Milch – die Erde gibt Nahrung und ist sowieso fruchtbar: Überall aus dem Mädchen wachsen Bäume, Blumen und Kakteen, deren Wurzeln bis über die Arme der Welt ragen. Im Schoß der Erde sitzt mit leidendem Blick, in einem Folklore-Kleid Frida Kahlo, welche wiederum ihren Ehemann Diego Rivera im Schoß hält, der in seiner embryonalen Haltung und ganz nackt offensichtlich schutzbedürftig ist. Er blickt ebenfalls leidend und hat ein drittes Auge auf der Stirn (was vermutlich eine religiöse Bedeutung hat, die ich nicht kenne). Obwohl Rivera so schutzbedürftig erscheint, ist er es, als Mann, der in seinen Händen das Feuer hält. Ein weiteres männliches Element im Bild, der Gott Xolotl in Gestalt eines Hundes, symbolisiert (noch friedlich schlafend auf dem Arm der Welt) den Tod.

Um den Gehalt dieses Bildes zusammenzufassen: Die Welt ist ebenso wie die Erde ein weibliches Prinzip aus dem alles wächst und entsteht und das zudem als indigen charakterisiert wird. Dem entgegengesetzt steht der Mann für die Leidenschaft, die Frida Kahlo als schützenswert empfindet, aber auch für das Prinzip des Todes, der sich langsam und zunächst unscheinbar ankündigt. Ihren Mann wie ein Kind zu halten, entspringt vermutlich einem Wunsch, den sie sich im wirklichen Leben nicht erfüllen konnte1. Dieses Bild sollte, wie viele andere Bilder Kahlos, in Martin Büssers Worten wohl „authentische Kunst sein, folkloristische Kunst, radikal subjektiv, schmerzerfüllt, ein Pladoyer für das ‚einfache Leben‘ und ein Apell an Urinstinkte (…)“2. Diese Art der Darstellung von subjektivem Leiden ist eine Verschleierung der Ursachen des Leidens (die etwa in einer patriarchalen Gesellschaft verortet werden könnten), die jede Möglichkeit von Erlösung und Emanzipation verschwinden lässt. Denn das radikal subjektive Leid – Frida Kahlo im Mittelpunkt – ist hier als einer göttlich/kosmischen Ordnung inhärent und von dieser durchdrungen dargestellt.

Dass Weiblichkeit und Leiden tatsächlich real miteinander verbunden sind wird in Kahlos Bildern als weltbestimmendes Prinzip festgesetzt, sie erscheinen weder als gesellschaftlich gemacht, noch als veränderbar. Zum Abschluss noch einmal Martin Büsser:

Frida Kahlos Arbeiten taugen nicht für eine auch nur halbwegs feministische Auseinandersetzung. Der Essentialismus, der zugleich auch den Mangel an künstlerischem Talent legitimierte, ist ihr einziges kulturelles Kapital gewesen: Die Frau als Opfer der Moderne, die sich letztlich nur noch mit Tieren, Pflanzen und den Naturelementen verbünden konnte, pflegte den naiven Stil wie das Privileg einer Auserwählten. Die Anthroposophen dürften an dieser Künstlerin ihre helle Freude haben.3

  1. Ihre Beziehung zu ihrem Mann, die eine schwierige gewesen ist und in der Scheidung endete, sowie eine Todgeburt Kahlos sollen hier vermutlich gleichfalls zur Sprache gebracht werden. [zurück]
  2. Martin Büsser: „Das ewig Weibliche“, in Konkret Heft 08 2006 [zurück]
  3. ebenda [zurück]

14 Antworten auf “Zum Bild der Frau bei Frida Kahlo”


  1. 1 Kalle 04. Mai 2010 um 12:49 Uhr

    Auf dem ersten Bild hat sie in der einen Hand zwar die Mexiko-Fahne, in der anderen aber eine Zigarette. Ihr Sockel wird sowohl von den Wurzeln der linken Seite durchdrungen, wie auch der Stecker der Fabriksirene der rechten Seite im Sockel steckt. Dadurch positioniert sie sich eben nicht eindeutig. Ihr Fundament ist an beide Welten angeschlossen. Außerdem trägt sie hier ebnen nicht die sonst typischen Indigena-Kleidung, sondern ein rosa Kleid — die konforme, brave Variante der westlich-modernen Inszenierung von Weiblichkeit.
    Die linke Seite des Bildes zeigt außer dem sprießenden Gemüse am unteren Bildrand Zeichen von Verfall und Tod: Trümmer und einen abgerissenen Kopf.
    Deswegen würde ich bezweifeln, daß hier eine einfache gut-böse Symbolik vorliegt. Geht’s nicht eher um eine Selbstinszenierung einer Subjektivität, deren Fundament irgendwo zwischen Boheme und den Trümmmern der indigenen Geschichte liegt?

  2. 2 Administrator 04. Mai 2010 um 14:23 Uhr

    Ich denke du hast dahingehend Recht, dass Kahlo sich hier als hin-und-her-gerissen darstellt. Diesen Zwiespalt würde ich aber nicht dahingehend deuten, dass Kahlo es offen lässt für wen sie sich positioniert, sondern eher als eine Bearbeitung ihrer eigenen Biographie als Kind europäischer Einwanderer. Sie steht in der Mitte, weil es ihr Schicksal ist. Die Gegenüberstellung zweier Kulturen und deren Wertung finde ich dennoch eindeutig: Auf der einen Seite das organisch Gewachsene (Blumen und allerlei andere Gewächse sind auch in anderen Bildern von Kahlo immer wieder positiv konnotiert) und auf der anderen Seite das künstlich Aufgesetzte. Diese Gegenüberstellung wird m.E. auch in der unterschiedlichen Tönung des Bodens deutlich: Auf der amerikanischen Seite ist er staubig grau, auf der mexikanischen ist er braun-/tonfarben. Oder in der Gegenüberstellung der Elemente die am Himmel zu finden sind: Auf der einen Seite kosmische Ordnung durch Sonne und Mond symbolisiert, auf der anderen Seite die Stars and Stripes – Menschen ersetzen die kosmische Ordnung durch die irdische und unnatürliche Konstruktion der Nation.

    Denkst du tatsächlich, dass Kahlo die Todes-Symbole auf der Mexiko-Seite des Bildes dort untergebracht hat, etwa um aufzuzeigen, dass in dieser Kultur auch etwas Schlechtes, Ablehnenswertes zu finden ist? Ich würde eher zwei Deutungsansätze vorschlagen: a.) Die Zerstörung auf der mythisch-organischen Seite ist Folge des dargestellten Konfliktes, der sich auch durch Kahlos Subjektivität zieht b.) Die Mythen der indigenen Völker wissen um die kommende Apokalypse.

    Und wie ich schon schrieb – die dargestellten Trümmer der indigenen Geschichte ist hier m.E. keine Geschichte von leidenden Menschen (bis auf Kahlo selbst), sondern von einer leidenden Kultur.

    Und würdest du die Zigarette tatsächlich als Verbundenheit mit der westlichen Kultur deuten? Damals war es ja durchaus noch verpönt, wenn Frauen eine rauchten. Ich würde eher sagen, dass das einem Bild der indigenen Frau entspricht, die ja oft als rauchend dargestellt werden.

    Ich denke dass in der Deutung des Bildes noch zwei zentrale Symboliken Aufschluss geben könnten: a.) Um was für Figuren handelt es sich bei den herumliegenden Gegenständen? b.) Was bedeutet der Schriftzug auf dem Sockel (soweit ich entziffern konnte: „Carmen Rivera Pinto Suretrato El Ano B 1933″) – vielleicht weiß ja dazu jemand mehr…

  3. 3 Administrator 04. Mai 2010 um 23:56 Uhr

    Ich muss hinzufügen, dass ich im Text Maya- und Azteken-Kult unbestimmt zusammengewürfelt habe, was daran liegt dass ich keinen Plan davon habe. Kahlo benutzt anscheinend vorwiegend aztekische Symboliken.

  4. 4 Kalle 05. Mai 2010 um 1:49 Uhr

    Hmja, der Gegenüberstellung würde ich gar nicht wiedersprechen. Aber ein eindeutiges Gut-Böse-Schema sehe ich nicht so richtig. In der Tat auch wegen der Zigarette, denn die Indigena-Frau raucht keine kleine Fabrikzigaretten. Und dann der Stecker der Sirene im Sockel… das könnte wirklich ein Verweis auf die segensreiche Wirkung der Produktivkräfte sein.

  5. 5 Administrator 05. Mai 2010 um 10:30 Uhr

    Welche bzw. wessen Produktivkräfte meinst du? Man könnte ja auch sagen, dass Kahlo und die eine Blume angezapft werden…

  6. 6 kunde 05. Mai 2010 um 18:49 Uhr

    um mich auch noch kurz einzuklinken. ich denke, dass dein beitrag im wesentlichen die symbolik des bildes fast. wenn die von dir entzifferte gravur auf dem sockel stimmt, so steht da zumindest, dass es sich um ein selbstbildnis handelt (carmen rivera meint wohl die künstlerin selbst, carmen war einer von kahlos vornamen und rivera bezieht sich wohl auf diego rivera als ihren mann; „pinto“ heißt so viel wie „hat gemalt“ und „su retrato“ bedeutet „ihr eigenes bild“; der rest weist lediglich das enstehungsjahr aus).
    für mein empfinden stellt das bild am ehesten wie weiter oben schon erwähnt, das selbstbild kahlos dar, nämlich das einer zwei kulturen enstammenden frau.

    es wäre darüber nach zu denken, ob die ziggarette nach dieser lesart also ein „erbe“ ihrer „industriellen“ herkunft ist; ich denke nicht, dass rauchen typisch für indigenas war oder täusche ich mich, weil du dich auf darstellungen berufst, die genau das zeigen sollen?

    ansonsten danke ich dir für deinen artikel, weil ich mich auch mit einiger vorfreude auf den jungle-text gestürzt habe, um dann festzustellen, das war wohl nix. thema verfehlt.

  7. 7 Kunstmuseum Gehrke-Remund 21. Mai 2010 um 11:21 Uhr

    Eine interessante Diskussion, dennoch eine völlig neue Sicht auf Frida Kahlo offenbart das Gemälde „La mesa herida“, „Der verwundete Tisch“.

    Das größte Selbstbildnis von Frida Kahlo „Der verwundete Tisch” („La Mesa Herida”) ist nun im Kunstmuseum Gehrke-Remund in Baden-Baden
    Ein außergewöhnliches Ereignis in der Kunstwelt: „Der verwundete Tisch“ wurde für die Frida Kahlo Kunstausstellung repliziert und ist im Kunstmuseum Gehrke-Remund zu sehen.

    Eines der Dinge, die große Künstler ausmacht, ist deren außerordentliche Fähigkeit, sich selbst zu suchen.
    Die Besten glauben, dass sie einen Weg finden um ihre Identität zu definieren, um ihre innere Welt auszudrücken, um unübertrefflich kreative Kunstwerke zu schaffen.
    Keiner hat die Suche nach seiner eigenen Identität deutlicher in der zeitgenössischen Kunst zum Ausdruck gebracht als Frida Kahlo, die damit seit 1980 auf weltweite Resonanz stößt.

    Die Gründer des Kunstmuseums Gehrke-Remund in Baden-Baden, Hans-Jürgen Gehrke und Dr. Mariella Remund präsentierten das wichtigste Werk von Frida Kahlo auf ihrer Suche nach der eigenen Identität: „Der verwundete Tisch“ ( „La Mesa Herida“), 1940, Öl auf Leinwand, Verbleib unbekannt.

    Herr Gehrke und Frau Dr. Remund beschreiben das Gemälde als: „Das größte Selbstporträt von Frida Kahlo“ nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Größe, 122 × 244 cm, sondern weil jede der sieben Figuren und Objekte auf dem Gemälde einen Aspekt der komplexen Persönlichkeit der mexikanischen Künstlerin darstellen.

    Die Geschichte vom Gemälde „Der verwundete Tisch“ ist so geheimnisvoll und faszinierend wie die Künstlerin, die es gemalt hat. Frida Kahlo arbeitete von Ende 1939 bis in die ersten Wochen des Jahres 1940 an dem Gemälde – zu dem Zeitpunkt der Scheidung von Diego Rivera. „Der verwundete Tisch“ wurde zum ersten Mal im Januar 1940 in Mexiko-Stadt in der Ausstellung des internationalen Surrealismus gezeigt, danach war es in den USA und Europa ausgestellt. Es ging 1955 auf dem Weg zu einer Ausstellung in Moskau verloren. Sieben Monate nach Frida Kahlos Tod. Seitdem gilt das Gemälde als verschollen.

    Das Kunstmuseum Gehrke-Remund ist weltweit der einzige Inhaber der Rechte für die Replizierung der Gemälde von Frida Kahlo. Diese Lizenz wurde vom Träger der Urheberrechte Frida Kahlos gewährt: der Staat Mexiko, vertreten durch © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust / VG Bild-Kunst, Bonn 2008.

    Um das Gemälde „Der verwundete Tisch“ replizieren zu können haben Herr Gehrke und Frau Dr. Remund mehrere Jahre in sieben Sprachen recherchiert. Sie haben auch eine völlig neue und umfassende Interpretation des Gemäldes erarbeitet.

    Mit über 111 Ölgemälden (lizenzierte Repliken : © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust / VG Bild-Kunst, Bonn 2008) ist die Ausstellung „Leid und Leidenschaft“ die umfangreichste Frida Kahlo Ausstellung weltweit.

    Über uns:

    Das Kunstmuseum Gehrke-Remund ist ein privat-geführtes Museum, gegründet in 2009. Es widmet sich der Darstellung monographischer Werke.
    Das Kunstmuseum zeigt exklusiv die Werke von Frida Kahlo.

    Die Besucher erhalten auf diese Weise einen umfassenden Eindruck über das Gesamtwerk von Frida Kahlo. So ist es möglich ihre Entwicklung zu erfassen und unterschiedliche Stilphasen zu erkennen durch welche die Künstlerin in ihrer Schaffenszeit gegangen ist.

    Das Kunstmuseum Gehrke-Remund bietet ein umfassendes und einzigartiges Kunsterlebnis. Ein Umfeld ist geschaffen worden, welches nicht nur die Augen der Besucher auf sich zieht, sondern auch deren Geist und vor allem deren Herzen nachhaltig berührt.

    Bei der Gestaltung der Ausstellung sind zwei wesentlichen Faktoren maßgeblich – der Respekt vor dem Besucher sowie die Achtung für den Künstler.

    Die Besucher können Frida Kahlos Gemälde und ihr Umfeld intensiv erleben. Neben ihren Gemälden werden auch Tehuana Kleider und Schmuck gezeigt. Außerdem wird der Lebensmittelpunkt von Frida Kahlo und ihrer Familie, die Casa Azul (das Blaue Haus) und ihr Garten mit der aztekischen Pyramide eindrucksvoll nachempfunden.

    Die Gründer vom Kunstmuseum Gehrke-Remund – Hans-Jürgen Gehrke und Dr. Mariella C. Remund – sind Kunstliebhaber, Kunstsammler und Kunsthistoriker aus Leidenschaft. Beide verfügen über langjährige Berufserfahrung an der Spitze internationaler Unternehmen und wissenschaftlicher Einrichtungen in Deutschland, Italien, Frankreich, Schweiz, USA, Spanien, Süd-Amerika und China.

    Kunstmuseum Gehrke-Remund GmbH
    Industriestrasse 9a
    76532 Baden-Baden, Deutschland
    Tel Nr.: 07221 9711899
    info@Kustmuseum-Gehrke-Remund
    www.Kunstmuseum-Gehrke-Remund.de

    Tag: Frida Kahlo, Baden-Baden, Ausstellung, Kunst, Museum, Kunstmuseum, Gehrke-Remund, Gesamtwerk, La mesa herida, Der verwundete Tisch, Die verwundete Tafel, Dauerausstellung, Casa Azul,

  8. 8 Administrator 24. Mai 2010 um 22:00 Uhr

    Kunschtliebhaber…

  9. 9 K 08. Juli 2010 um 18:54 Uhr

    Das Eierstockbild finde ich gut. Was soll das denn heißen, „die Weiblichkeit wird mystifiziert“? Die Weiblichkeit ist ein Mythos, den das Gemälde darstellt, auf eine ziehmlich intelligente, weil reflektierte Weise.

  10. 10 Administrator 08. Juli 2010 um 19:58 Uhr

    Das musste jetzt mal bitte begründen, wieso du das eine intelligente und reflektierte Darstellung eines Mythos sein soll. Ich sehe hier nur Affirmation dieses Mythos.

  11. 11 K 09. Juli 2010 um 0:42 Uhr

    Ich finde das einfach witzig, diese Übertreibung und das es so gewaltig wirkt. Ironie. Das hat auf mich ungefähr den Effekt wie wenn man eine riesige Penisskulptur aufstellt und Wagner laufen lässt. Ist ja auch das gleiche eigentlich. Kann das auch nicht richtig erklären, aber es gefällt mir. Filmisch vielleicht? Affirmierend jedenfalls kommt mir das gar nicht vor, eher distanziert.

    Reflektiert kommt es mir vor, weil sie so eindeutig diesen bestimmten Reiz triggert.

    Puh, finde das schwer über Malerei zu streiten. Weil man malt ja auch, weil man eine ästhetische Erkenntnis hat und nicht eine logische.

  12. 12 Administratork 09. Juli 2010 um 14:05 Uhr

    Ja, deine Wagner-Assoziation verweist schon auf etwas katastrophisches in dem Bild, was sich durch den trüben Himmel und den Blitz auch noch verstärkt. Und ich würde dir auch recht geben, dass es dadurch etwas Komisches bekommt – dies ergibt sich m.E. aber nur aus der kritischen Perspektive, die du bzw. ich zum Gegenstand des Bildes einnehmen. Ich finde nämlich, dass das Katastrophische überhaupt kein Bruch mit einem reaktionären Frauenbild ist, worum es mir ja ging – als etwas kosmisch-schicksalhaftes, wachsendes, blutendes…

  13. 13 K 12. Juli 2010 um 10:13 Uhr

    Katastrophisch ja, aber das komische ist imo eher wie es übertrieben stilisiert(Wort gefunden) ist. Außerdem vielleicht das halt dieses weibliche Geschlechtsteil so phallisch dargestellt wird?

    „Dies ergibt sich m.E. aber nur aus der kritischen Perspektive, die du bzw. ich zum Gegenstand des Bildes einnehmen.“
    Ein naiver Betrachter wird vielleicht nicht darüber lachen. So wie Du selbst bisher noch naiv warst und auch nicht darüber lachen konntest. Das ist aber nix besonderes sondern bei allem und jedem Werk der Fall, dass es darauf ankommt, wie man es anschaut.

    Aber ich bin mir bei alldem gar nicht so sicher. Interessant auch, dass es ’43 gemalt wurde.

  1. 1 Googla Kahlo « ärgernis Pingback am 06. Juli 2010 um 14:20 Uhr
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