Veranstaltungsreihe zur Klassenfrage

Alle Jahre wieder wird darüber gestritten ob man sich nicht endlich von der Klasse verabschieden sollte. Schon in historischen Debatten stand auf der Tagesordnung, ob der positive Bezug auf das Proletariat eine realistische Perspektive ist. Analytisch konkurriert die Marxsche Vorstellung von Klassengesellschaft von Beginn an mit eher soziologischen Ansätzen zur Beschreibung sozialer Schichtung. Heute ist der Begriff umstrittener denn ja. Antideutsche und wertkritische Ansätze sehen den Begriff als Erbe des „Arbeiterbewegungsmarxismus“, der wegen des positiven Bezugs auf die Arbeit sowohl analytisch als auch strategisch untauglich ist. Operaist_innen halten Klassenkämpfe für den entscheidenden Motor gesellschaftlicher Veränderung und warten darauf, dass die chinesischen Wanderarbeiter_innen ihre Arbeiterautonomie erkennen und den Karren der Geschichte herumdrehen. Post-operaistische Ansätze sprechen von der Multitude, die werden muss, um dem Empire entgegen zu treten – ähnlich wie im Traditionsmarxismus die ökonomisch bestimmte Klasse an sich ihre Bestimmung erkennen und zur kollektiv handelnden Klasse für sich werden musste. Postmarxist_innen suchen mit Max Weber und Foucault nach der sozialen Reproduktion von Klassen und beschreiben, wie der Klassenunterschied durch moderne Regierungstechniken ins Innere der Subjekte verlegt wird. Als positiver Bezugspunkt bleibt oft die klassenlose Gesellschaft – auch wenn völlig unklar ist, wie sie aussieht und es keine nennenswerte Debatte über Transformationsperspektiven gibt. Die Veranstaltungsreihe nähert sich dem Begriff der Klasse durch die Erschließung der Debatten, die um die Klassenfrage geführt wurden. In der Vertiefung setzen wir uns mit aktuellen Ansätzen von Klassentheorie auseinander und fragen VertreterInnen der verschiedenen Theorien, wie tauglich der Begriff für eine Kritik der Verhältnisse auf der Höhe der Zeit ist. Die Reihe kann als Hinführung zur wissenschaftlichen Tagung „Prekarier, Pauper und Proleten – Zum aktuellen Gebrauchswert des Klassenbegriffs“ der RLS Thüringen am 11./12. Juni 2009 genutzt werden, welche die Diskussion über den politischen Nutzen des Begriffs der Klasse vertiefen wird.

07.05.2010
Klasse an und für sich, Multitude, Schicht, Milieu

Viele Gesellschaftstheorien bieten Brillen an, um soziale Ungleichheit zu beschreiben. Sowohl die Kriterien, nach denen Gruppen unterschieden werden als auch die Frage, wie (und ob überhaupt) aus der Beschreibung irgendwelche Schritte zur Veränderung folgen, unterscheiden sich immens. Um sich im ersten Schritt dem Begriff der Klassengesellschaft zu nähern, wird der Klassenbegriff in der Veranstaltung ins Verhältnis zu anderen Beschreibungen von Ungleichheit gesetzt.

14.05.2010
Thesen zur klassenlosen Klassengesellschaft

Im Juni 2007 veröffentlichten die „Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft“ in einer Zeitschrift mit dem Titel „Kosmoprolet“ ihre „28 Thesen zur klassenlosen Klassengesellschaft“. Sie konstatieren darin, dass die alte proletarische Bewegung zwar restlos in der herrschenden Ordnung aufgegangen ist, halten jedoch an einem Begriff der Klasse fest und konstatieren in ihrer Analyse, dass es auch in dieser historischen Situation noch Klassenkämpfe gibt. Ebenso wie Marx den Klassenkampf nicht erfunden habe, sondern die Klassenkämpfe der Entwicklung seiner Kritik vorangegangen seien, wollen sie an aktuelle Kämpfe anknüpfen und sprechen damit recht optimistisch von einem „Proletariat, das für seine Selbstaufhebung bereits weltweit kämpft.“ In der Veranstaltung werden sie ihre Thesen vorstellen und dabei einen Fokus auf die Begriffe der Klasse und des Klassenkampfes rücken.

04.06.2010
Globale Perspektiven auf Klassenkämpfe

Seit der Wirtschaftskrise der ’70er Jahre und ihrem Aufschub, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und einem erneutem Ausbruch der Krise im vorletzten Jahr kann eine fortschreitende Verschiebung der Klassenverhältnisse auf globaler Ebene konstatiert werden. Der Vortrag soll darlegen was diese Veränderungen für die Proletarisierten bedeutet, welche Perspektiven des Widerstands sich unter diesen neuen Bedingungen ergeben und wo bereits Klassenkämpfe ausgebrochen sind.

VERANSTALTUNGSORT
Radio F.R.E.I., Gotthardtstraße 21, Erfurt

BEGINN
Jeweils um 20:30 Uhr

EINE KOOPERATION ZWISCHEN
Bildungskollektiv, Radio F.R.E.I., Jugendbildungsnetzwerk der RLS

INTERNET
biko.arranca.de

Bei dieser Gelegenheit sei auf einen Vortrag von Zwi zum „Proletariat als Prozess“ hingewiesen.


1 Antwort auf “Veranstaltungsreihe zur Klassenfrage”


  1. 1 Globale Perspektiven auf Klassenkämpfe « ärgernis Pingback am 28. Mai 2010 um 0:34 Uhr
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