Es gibt kein gesundes Leben im Kranken

a: Aber du kannst doch nicht immer an allem zweifeln.
b: Aber warum denn nicht?
a: Das ist doch nicht gesund.

via

Als ich so 14, 15 Jahre alt war begann ich mich langsam für den Anarchismus zu interessieren und hatte von einem Bekannten dann tatsächlich das Buch „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus?1“ von Erich Mühsam bekommen, welches ich mit großem Interesse verschlang. Nachdem ich Blut geleckt hatte besorgte ich mir weitere Bücher von Mühsam – kleine Pamphlete aus den typischen Anarcho-Verlagen, seine Gedichte und die unpolitischen Erinnerungen. Meine Deutschlehrerin, die sehr an meiner Lektüre interessiert war, bemerkte bald, dass ich ein Interesse am Anarchismus hegte. Eines Tages, als sie mich wieder bei meiner Mühsam-Lektüre erwischt hatte, sprach sie mich an und fragte mich, was mich denn ausgerechnet am Anarchismus interessieren würde. Wir begannen eine Diskussion – ich argumentierte gegen den Staat und für die Anarchie, sie mit der Natur des Menschen. Schließlich meinte sie, dass meine Ansichten sicher von edlem Charakter wären, dass eine solche Gegnerschaft zu allen Konventionen aber nur krank machen würde. Ich konterte mit einem Autoritätsargument; auch Schiller sei für das Ende des Staates gewesen und in diesem Sinne wohl als Anarchist zu bezeichnen. „Kein Wunder“ meinte sie, „dass Schiller 1805 an einer Bauchfellentzündung gestorben ist.“

  1. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe eigentlich ein schreckliches Buch – der Staat steckt wie ein Stachel im Fleisch der von sich aus immer schon guten Gesellschaft… [zurück]

1 Antwort auf “Es gibt kein gesundes Leben im Kranken”


  1. 1 Wendy 23. April 2010 um 16:08 Uhr

    Schließlich meinte sie, dass meine Ansichten sicher von edlem Charakter wären, dass eine solche Gegnerschaft zu allen Konventionen aber nur krank machen würde.

    - das taugt ja nicht als Gegenargument zu einer noch so jämmerlichen – anarchistischen – Staatskritik. Da hat die einfach ein ganz anderes Feld aufgemacht. Dass Kapitalismusgegner an dieser beschissenen Gesellschaft und dem Wissen darum, dass sich noch kein Ausweg abzeichnet, leiden, da würde ich ihr rechtgeben. Den Hinweis auf den ganzen Ausschuss, die ganzen kaputt Gearbeiteten, die ganzen Depressiven, die mit den (Selbst-)Ansprüchen der Gesellschaft nicht zurechtkommen, die ganzen „Versager“, die ganzen Aussteiger, den müsste sie sich trotzdem gefallen lassen…

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.