Magazin No 5

Soeben ist (mit einem Abstand von zwei Jahren) die fünfte Ausgabe des Magazins erschienen und wie es aussieht soll es leider die letzte Ausgabe sein. Schade – angesichts des ungewöhnlichen, erfrischenden und erkenntnisreichen Gehalts. Vielleicht gibt’s ja bald was neues aus der Richtung – das wäre toll toll toll.

In der fünften Ausgabe u.a. enthalten:

FRANZ HAHN über Musik.
JOSEF SWOBODA über den kommenden Aufstand.
KUNZELMANN, DUTSCHKE u.a. über Taktik.
WIELAND über das Schlaraffenland.
EMIL FUCHS. Der Fungus.
Totengespräch VI.
Sex.

Das sympathische letzte Editorial gibt es hier:

Mit der fünften Ausgabe des Magazins stellen wir dieses Periodikum ein. Das hätte sich bereits nach drei Heften angeboten; Sokrates, die Typologie und der Illuminatenessay enthalten unser Programm vollständig. Dessen ungeachtet ist die vierte Ausgabe erschienen, quasi automatisch – wahrscheinlich erschien uns die Dreizahl zu abgeschmackt, oder wir hatten einfach vergessen, das kleine Projekt formell zu beendigen. In Zeiten, wo Gruppen, Periodika und sogar Parteien zwar schnell gegründet, aber nie freiwillig aufgelöst werden, ist es besser, einmal einen Schlußpunkt zu setzen. Daher also diese fünfte Ausgabe des Magazins, welche sicher einiges Hübsches zu bieten hat. Etliche bisher nur in Ansätzen zu findende Gedanken werden ausgeführt; substantiell Neues jedoch darf nicht erwartet werden. Sicher könnten wir auch fortfahren. Die mystische Siebenzahl streben wir allerdings nicht an, weil sie uns endgültig in die Esoterik geführt hätte. Nicht zu vergessen auch, daß wir unser Studium beendet haben und uns daher momentan die Muße fehlt, die es braucht, um ein Heft herauszugeben, welches keine konkreteren Ziele hatte, als seine Leserinnen ganz allgemein zu ermutigen, mit der Welt, wie sie zufällig auf uns gefallen ist, zu brechen.

Das Magazin war im wesentlichen ein Übergangsprodukt. Wir hatten mit sämtlichen Strömungen der alten, noch im Bann von 1967ff. stehenden Linken abgeschlossen, ohne daß sich bereits eine neue Bewegung angedeutet hätte. In dieser Situation erwiesen sich die Toten lebendiger als die Lebenden. Auf Werbung haben wir daher verzichtet. Daß dann ein Teil des Publikums dachte, das Magazin wäre gar nicht zum Lesen gedacht, mag damit zusammenhängen, daß es in einem doppelten Sinne überflüssig war: zur unmittelbaren Handlungsanleitung nicht zu gebrauchen und – als ein der Verflüssigung des Denkens gewidmetes Erzeugnis – zu flüssig, um von den formellen Verstandeskategorien erfaßt zu werden. Trotzdem fanden unsere Hefte eine gewisse Verteilung in allen wichtigeren Städten und einigen Dörfern dieser Republik und darüber hinaus.

Keines unserer Ziele haben wir erreicht. Aber leider auch sonst keiner um uns herum. Nach wie vor gibt es keine revolutionäre Bewegung. Beim Schreiben haben wir uns mit einer etwaigen untergründigen Wirkung unserer Texte getröstet und waren etwas stolz, weil wir es immerhin geschafft hatten, uns in die Tradition der ganzen Aufklärung zu stellen, indem wir andererseits die ganze Aufklärung hinter uns gelassen haben. Die Zivilisation hat zu lang gewährt, und es braucht einen neuen Ansturm, um sie zu überwinden. Die Geschichte ist dabei nur ein Trümmerfeld, von dem man sich alles nehmen soll, was der Sache dient: Die Revolution wird ihre Poesie nicht von den Toten nehmen können, aber doch ihr erstes Material. Das immerhin haben wir getan, und so finden sich Wieland, Münzer, Weishaupt, Lenin, Sokrates, Freud, Nietzsche, Musil, Mahler etc., ohne daß wir einem dieser Männer anhängen würden: „Der nächste Anlauf wird sie beiseite schieben; er wird die Erfahrungen aller vergangenen Versuche in sich aufnehmen und völlig verwandeln.“ (Magazin No. 4) Indem wir auf unser Material konsequent die Technik der Zweckentfremdung angewandt haben, haben wir geholfen, es seinem wahren Zwecke zuzuführen. So halten wir alles, was wir gebracht haben, nach wie vor für brauchbar, und das wird es wohl noch einige Zeit bleiben.

Solch intellektueller Trost ist denn auch wieder nur Rationalisierung. Not tut der wirkliche Eingriff in die Zeit. Sinnvoll zu dessen Vorbereitung erscheint uns hier ein möglichst breiter, zunächst bewußt informeller Kontakt der Gleichgesinnten, von denen es mehr gibt als jeder Robinson Crusoe auf seiner Insel denkt. Nützlich ist hierzu sicher ein Schriften- und Korrespondenzwesen mit entsprechendem Verteilungsnetz sowie zahlreichen Treff- und potentiell auch Versammlungspunkten. Insbesondere muß es eine kommunistische Zeitung geben und der entstehende Haufen in breiterer Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Hier lagen auch unsere Ziele. Aber die Art, wie wir sie zu erreichen versucht haben, war auf die Dauer nicht befriedigend genug, erfolgreich auch nicht. In diesem Zusammenhang ist der Hinweis auf den von der Redaktion teilweise unterstützten Versuch, einen Mopsorden in Berlin zu gründen, vielleicht nicht ganz überflüssig: Bei etwa alle zwei Wochen stattfindenden Treffen sollte möglichst zwanglos, nur auf die spontane Sympathie der Geister und Körper bauend, eine Keimzelle der Negativität jenseits der bestehenden Gruppen entstehen. Der sogenannte Club für sich – den es noch eine Weile geben wird – blieb weit hinter seinen Möglichkeiten, und wir fragen uns inzwischen, ob das Attraktionsgesetz überhaupt noch gilt.

Aber lassen wir auch das und damit die Misanthropie. Denn es erscheint uns nach wie vor richtig, einer Bewegung ans Tageslicht zu helfen, die den Kampf mit der verfluchten Eigentumsordnung endlich aufnimmt. Wir werden unmittelbar nicht zu helfen wissen und so möge uns und auch die Leser der Fungus nicht zerfressen – viel Glück.