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Illusion, Wahrheit, Wirklichkeit: Religion als Symptom
17.September – 20:00 Uhr – Radio FREI Erfurt

Marx‘ Kritik des religiösen Elends, ‚in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend‘ ist der Ausgangspunkt einer psychoanalytischen Reflexion der Freudschen Religionskritik. Nicht noch einmal soll dabei versucht werden, Belegstellen dafür herbeizuzitieren, der Psychoanalyse eine Kompatibilität mit revolutionärem Gedankengut unterzuschieben. An der Abschaffung des gesellschaftlichen Zwangszusammenhangs (deren Voraussetzung beim frühen Marx u.a. in der Kritik der Religion festgestellt wurde) Interessierte werden in Freuds Religionskritik, beim Wort genommen, kaum Hilfreiches finden. Für Freud ist die Religion ‚bloße Illusion‘, Hemmschuh des Praktischwerdens instrumenteller Vernunft, Verblendung des Realitätsprinzips. Negiert aber Religionskritik das illusionäre Moment der Religion mit der Begründung, dieses verhindere die Einsicht in die Wirklichkeit und damit in die Notwendigkeit ihrer Veränderung, ohne hierin zugleich auch die Möglichkeit des wahren Momentes der Religion zu begreifen, verschenkt kritisches Denken seine Begründung im Wunsch, es möge wirklich anders zugehen in der Welt. Warum radikale Religionskritik etwas anderes zu sein hätte als Denkkorrektur im Namen des Realitätsprinzips, da diese den Zugriff auf die Wirklichkeit verhindere und infolgedessen auch ihre Veränderung, wird anhand einer Kritik der Freudschen Religionskritik begründet. Dafür wird ein ‚anderer Freud‘ bemüht: gegen den religionskritischen Freud wird der Vortrag mit Adorno den Freud des Symptoms und des unbewussten Wunsches ins Feld führen, um zu zeigen, dass das Unbewusste Triebkraft des rationalen Denkens ist – um aber vom Wahn sich scheiden zu können, muss der sich selbst nicht innewerdende, zur bewusstlosen Wiederholung drängende Wunsch in der Reflexion zu etwas anderem, Wahrheit werden… und diese Wahrheit ist nicht ganz ohne ein theologisches Moment zu haben.

Referentin: Sonja Witte (Extrablatt)

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Redaktion Chiligays bei Radio FREI und dem DGB-Bildungswerk Thüringen

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