Archiv für September 2009

Der Zwang zur Freiheit

Veranstaltungstip: 08.10.2009 – Offene Arbeit Erfurt – 20:30 Uhr

Mit dem Einzug des Kapitalismus kam vor 20 Jahren die zweischneidige Freiheit des Marktes in den Osten. Frei von Produktionsmitteln sind die Menschen im Kapitalismus frei zu entscheiden, wo sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Diese Zumutung – der Zwang, die eigene Haut zu Markte zu tragen und die Frechheit, das auch noch als Freiheit anzupreisen – hat Karl Marx beschrieben, insofern ist sie ein alter Hut. Trotzdem konnte sich 1989 fast ein ganzes Land dafür begeistern, sich dieser Freiheit an den Hals zu werfen. Ein Teil einer Erklärung mag sein, daß an die Stelle der offenen Unterdrückung im Frühkapitalismus – als am Morgen Weckmannschaften losziehen mussten, um die Arbeiter an die Maschine zu zwingen – mittlerweile eine dynamische Anreizstruktur getreten ist, die so umfassend funktioniert, daß die überwiegende Mehrheit der Menschen gerne zur Arbeit geht. Arbeit ist heute immer mehr ein Ort spannender Herausforderungen, der für Selbstverwirklich-ung, Kreativität und Kommunikation steht. Was in kleinen Kollektivbetrieben und der D.I.Y.-Szene angefangen hat und in der DDR oft nicht funktioniert hat („Mach doch mal einen Verbesserungsvorschlag“), wird heute flächendeckend verwertet – ein Arbeitsklima, in dem die Menschen ihr Selbst und ihre Wünsche flexibel und eigenverantwort-lich in den Produktionsprozess einbringen.

Ulrich Bröckling hat untersucht, wie sich Menschen unter diesen Bedingungen mit der Gesellschaft ins Verhältnis setzen und sich selbst entwerfen (sollen). In der Veranstaltung am 8.10.2009 erläutert er die Formen des „unternehmerischen Selbst“ und zeigt, wie Kreativität, Flexibilität und Eigenverantwortung nicht als Freiheit, sondern als Zwang daher kommen.

Ulrich Bröckling ist einer der bekanntesten deutschen Foucault-Kenner und lehrt Soziologie an der Uni Halle. 2007 ist von ihm „Das unter-nehmerische Selbst“ erschienen: Die Maxime „Handle unternehmer-isch!“ ist der kategorische Imperativ der Gegenwart. Ein unternehmer-isches Selbst ist man nicht, man soll es werden. Und man wird es, indem man sich in allen Lebenslagen kreativ, flexibel, eigenverantwortlich, risikobewusst und kundenorientiert verhält. Das Leitbild ist zugleich Schreckbild. Was alle werden sollen, ist auch das, was allen droht. Der aber keine Anstrengung vermag seine Angst vor dem Scheitern zu bannen. Ulrich Bröcklings grundlegende soziologische Studie nimmt diese Ambivalenz in den Blick und spitzt sie zu einer Diagnose der gegenwärtigen Gesellschaft zu.

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Bildungskollektiv Biko – aktuelles Programm unter http://biko.arranca.de

Was für Skandale sorgt…

Nummer 1 (kein Skandal):

Nummer 2 (Skandal):

Auf in den Krieg

Pluralismus in Werftpfuhl: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gibt bei diesjähriger Ferienakademie aller Kritik zum Trotz erklärten Bellizisten ein Forum

Von Rüdiger Göbel

Die Partei Die Linke ist konsequent gegen Krieg, und das ist gut so. Es dürfte für viele Wähler ein Grund sein, der Partei bei aller sonstigen Kritik am 27. September ihre Stimme zu geben. Ungeachtet dessen gibt es Kräfte in der Linken, die mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung im Bund diesen essentiellen Konsens aufzuweichen versuchen. Provokativ etwa hängt seit geraumer Zeit eine US-Fahne am Karl-Liebknecht-Haus in Berlin-Mitte. Sogenannte Antideutsche, im Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom zusammengeschlossen, huldigen der führenden Kriegs- und Besatzungsmacht am Hindukusch auch sonst, während die Partei gleichzeitig auf ihren Plakaten »Raus aus Afghanistan!« fordert.

Auch in der Linkspartei-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) tummeln sich Bellizisten. Auf der am heutigen Montag beginnenden Ferienakademie der Stipendiaten, der nach eigenen Angaben »größten jährlichen Veranstaltung der RLS«, bekommen Kriegsapologeten mit Rückendeckung des Stiftungsvorstands ein Podium, ungeachtet massiver Proteste im Vorfeld. Thomas von der Osten-Sacken hat in den vergangenen Jahren via konkret und Jungle World fleißig für die von George W. Bush junior angezettelte Massenschlächterei im Irak getrommelt und Kriegskritiker als Saddams willige Helfer denunziert. In der Bildungsstätte Kurt Löwenstein in Werftpfuhl nordöstlich von Berlin darf er am Donnerstag die Antikriegsorganisation CASMII, die sich gegen Militärinterventionen und Sanktionen gegen den Iran engagiert, zu einer Art Vorfeldorganisation der Mullahs zurechtlügen und Bombenstimmung gegen Teheran schüren. Ziel müsse sein, »Islam-Nazis« »aufs Maul zu hauen, zu verknasten und umzubringen«, führte von der Osten-Sacken zu seinen »politischen Alternativen« für den Nahen und Mittleren Osten auf der Iran-Konferenz des »Mideast Freedom Forum Berlin« 2008 aus. In der Springer-Presse erklärte er während der israelischen Angriffe auf Libanon unter der Schlagzeile »Warum ich für den Krieg bin«: »Israels Krieg gegen die Hisbollah ist nötig. (…) Krieg ist Politik mit anderen Mitteln, oder sollte es doch sein. (…) Einen faulen Frieden aber, wie ihn die Europäer wünschen, einen Frieden, der keiner ist, weil er keine Probleme löst, den wünsche ich niemandem. Möge man mich deshalb einen Bellizisten nennen.« (Die Welt, 25. Juli 2006) (mehr…)

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Illusion, Wahrheit, Wirklichkeit: Religion als Symptom
17.September – 20:00 Uhr – Radio FREI Erfurt

Marx‘ Kritik des religiösen Elends, ‚in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend‘ ist der Ausgangspunkt einer psychoanalytischen Reflexion der Freudschen Religionskritik. Nicht noch einmal soll dabei versucht werden, Belegstellen dafür herbeizuzitieren, der Psychoanalyse eine Kompatibilität mit revolutionärem Gedankengut unterzuschieben. An der Abschaffung des gesellschaftlichen Zwangszusammenhangs (deren Voraussetzung beim frühen Marx u.a. in der Kritik der Religion festgestellt wurde) Interessierte werden in Freuds Religionskritik, beim Wort genommen, kaum Hilfreiches finden. Für Freud ist die Religion ‚bloße Illusion‘, Hemmschuh des Praktischwerdens instrumenteller Vernunft, Verblendung des Realitätsprinzips. Negiert aber Religionskritik das illusionäre Moment der Religion mit der Begründung, dieses verhindere die Einsicht in die Wirklichkeit und damit in die Notwendigkeit ihrer Veränderung, ohne hierin zugleich auch die Möglichkeit des wahren Momentes der Religion zu begreifen, verschenkt kritisches Denken seine Begründung im Wunsch, es möge wirklich anders zugehen in der Welt. Warum radikale Religionskritik etwas anderes zu sein hätte als Denkkorrektur im Namen des Realitätsprinzips, da diese den Zugriff auf die Wirklichkeit verhindere und infolgedessen auch ihre Veränderung, wird anhand einer Kritik der Freudschen Religionskritik begründet. Dafür wird ein ‚anderer Freud‘ bemüht: gegen den religionskritischen Freud wird der Vortrag mit Adorno den Freud des Symptoms und des unbewussten Wunsches ins Feld führen, um zu zeigen, dass das Unbewusste Triebkraft des rationalen Denkens ist – um aber vom Wahn sich scheiden zu können, muss der sich selbst nicht innewerdende, zur bewusstlosen Wiederholung drängende Wunsch in der Reflexion zu etwas anderem, Wahrheit werden… und diese Wahrheit ist nicht ganz ohne ein theologisches Moment zu haben.

Referentin: Sonja Witte (Extrablatt)

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Redaktion Chiligays bei Radio FREI und dem DGB-Bildungswerk Thüringen

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Empfehlung

Am Freitag im Zoro le: Fall of Efrafa, Witch Hunt und Antimaster. Ich hoffe ich bleibe von esoterischen Crust-Fans verschont.