Es geht los…

Irgendwie unreal kamen mir die Debatten um die aktuellen Gesetzesentwürfe des Bundestages zur Überwachung des Internets vor, die mit dem unwissenschaftlichen Gezeter von Ursula von der Leyen (CDU) zur Kinderpornographie begannen. Wie katastrophal und wahnsinnig die im Juni verabschiedeten Gesetze wirklich sind, wurde mir erst bewusst, als ich auf den Link zu diesem Artikel geklickt habe und glatt auf den Banner der „stopp-Seite“ hereingefallen bin. Ich hatte geschrieben:

Damit ist bewiesen, was viele konstatiert hatten: Die Kinder-Porno-Hysterie ist ein Vorwand um unliebsame Seiten zu zensieren. Das BKA, welches längst eine politische Kraft geworden ist, hat ein Problem mit Street Art und Kapitalismuskritik.

Was mich an vielen KritikerInnen an den durchgesetzten Gesetzesentwürfen stört, ist dass sie immer wieder, geradezu penetrant daraufhinweisen müssen, wer der Feind des Volkes ist: Die Kinderschänder. Denn diejenige Gesellschaft und dieser Staat, die sich beim Stichwort „Kapitalismuskritik“ bedroht sehen sind es, die ihre Perversen brauchen. Leider sind es auch sogenannte AntisexistInnen, die sexuelle Neigungen kategorisieren müssen um sogleich eine naturgewachsen-krankhafte Neigung zu bestimmten Handlungsweisen zu unterstellen:

Auch schon mal gehört? Die schwierige Aussage „Nicht jede sexuelle Handlung mit Kindern ist gleich sexuelle Gewalt!“ begegnet uns auch in der linken Szene immer mal wieder. Der Umgang mit Kindern in der linken Szene ist oft angelehnt das Bild von Kindern / Jugendlichen als gleichberechtigten und selbstbestimmten Wesen. Vor diesem Hintergrund wird nicht selten argumentiert, voll-einvernehmliche Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern sei unter bestimmten Umständen möglich. Im Workshop soll dieser Argumentation widersprochen werden: Jede Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern ist sexuelle Gewalt an Kindern! Eine unkritische Haltung demgegenüber ist (auch ohne gelebte Praxis) gefährlich, weil sie anschluß fähig ist für Pädosexuelle, die sich selbst ähnlicher Rechtfertigungsstrategien bedienen. Für den Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt ist es entscheidend, verantwortliches, grenzwahrendes Handeln einzufordern. In dem Workshop werden Täterstrategien vorgestellt und Argumentationen diskutiert, die auf einer klaren Haltung zu sexueller Gewalt und Verantwortungsübernahme von Erwachsenen beruhen. Ziel des Workshops ist eine Stärkung der Teilnehmer_innen in Auseinandersetzungen rund um sexuelle Gewalt von Erwachsenen gegenüber Kindern… [Quelle]

…, so lautete der Ankündigungstext zu einem Workshop beim „Kongress Antisexistische Praxen III“, welcher vor Kurzem in Berlin stattfand. Pädosexualität, sexualisierte Gewalt und ein Hang zu bestimmten Strategien (Rechtfertigungsstrategien, Täterstrategien) fallen hier in eins. Der Unterschied zur Position von von der Leyen und Konsorten, die behauptet, dass der Konsum von Kinderpornographie automatisch zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder durch die KonsumentInnen führen würde1, ist hier nicht sehr groß.

  1. vgl.: Sebastian Anders: „Tante Uschi zeigt Kinderpornos“, in Gigi – Zeitschrift für sexuelle Emanzipation, Mai/Juni 2009, No. 61 || Anmerkung: Auch wenn die Positionen, die in der Zeitschrift Gigi vertreten werden, nicht alle und ausnahmslos zu übernehmen sind, finden sich hier m.E. einige der wenigen guten Beiträge zum Thema. Siehe die letzten beiden Ausgaben, hier und hier. [zurück]