Archiv für Februar 2009

Bis auf weiteres…

…nothing to regret.

SI Revue | Writers Corner Similde

Eine Neuauflage Gesamtausgabe der Internationale Situationniste und alle Texte online gibt es auf der Homepage SI-Revue:

Si-revue.de ist die Website, auf der die Zeitschrift der Situationistischen Internationale neu zugänglich gemacht wird, deren deutsche Übersetzung seit Jahren vergriffen ist. Die Artikel sind hier online lesbar, und es gibt eine neue gedruckte Ausgabe. Wenn Sie noch nicht wissen, was die S.I. war und was Ihre Zeitschrift interessant macht, können Sie hier klicken: Situationistische Internationale.

Am Mittwoch organisiert die Mittwochsgruppe der Similde (Simildenstraße 9) in Leipzeig wieder eine writers corner, in der sich der Theorie zugeneigte Tagger mit der Situationistischen Internationale auseinandersetzen werden. Auch wenn der hergestellte Bezug zwischen Street Art und S.I. sicher nicht ganz unproblematisch ist, kann ich mir vorstellen, dass es spannend wird.

Satanus im Hinterhof

Auf dem, auch ansonsten sehr lesens- und hörenswerten, Blog „Klangverhältnisse“ wird auf ein Feature mit dem Titel „Satanus im Hinterhof – aus der Hexenküche des neonazistischen Kulturbetriebs“ verwiesen. Bis auf einige altbekannte Plattitüden zur Neonaziszene, ist diese Produktion von Deutschlandfunk (vom Januar ’09) sehr aufschluss- und detailreich gemacht und außerdem äußerst nett anzuhören. Unter anderem kommt dort auch ♥Martin Büsser♥ von Testcard und dem Ventilverlag zu Wort. Ein großes Manko des Features ist die völlige Aussparung eines der neuesten und inzwischen sehr wichtigen Trends in der Naziszene, die wohl kaum als antizivilisatorisch und -aufklärerisch bezeichnet werden können, sondern wohl eher als völkische Fortführung bevölkerungspolitischer Aufklärungskampagnen.

mp3 anhören | pdf lesen | www surfen

No No No

Erfurt: Räumungsklage für besetztes Gelände eingegangen

Der neue Besitzer hat beim Amtsgericht Antrag auf Räumung des besetzten Geländes “Topf & Söhne” gestellt. Bis morgen soll darüber entschieden werden. Die Besetzer können nach Angaben des Gerichts noch Widerspruch einlegen. Sie hatten zuvor erklärt, für eine Räumung gebe es keine rechtliche Grundlage.

via

In de Luft

Partisans & Parasites

Im März veröffentlicht der großartige Musiker Daniel Kahn mit seiner Band The Painted Bird ein neues Album mit dem Titel Partisans & Parasites. Einige Lieder aus dem Album sind bereits auf seiner Myspace Seite zu hören. An dieser Stelle das bekannte Lied „6 MIO Germans“ (via Schildi), in dem Daniel Kahn über die jüdische Partisanengruppe Nakam um Abba Kovner singt:

Links:
Daniel Kahn | Daniel Kahn & The Painted Bird | Myspace Seite | Interview mit der Jungle World

Max Klebb & Friends

Am 3. Oktober feierte sich Deutschland in Hamburg als Kulturnation, und läutete damit das Superjubiläumsjahr 2009 ein. Die Feiern zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes (23. Mai) und zum 20. Jahrestag des ‘Mauerfalls’ (9. November) werden flankiert von den Bundestagswahlen am 27. September. Die Kritik der Nation braucht zwar keine feierlichen Anlässe, bekommt sie aber 2009 in Serie. Im Mai wird Deutschland als Friedensmacht, Kulturnation und Freiheitsweltmeister gefeiert. Und am 09. November die Auferstehung als einiges und freies Volk von Brüdern und Schwestern.

TOP Berlin und das UmsGanze!-Bündnis begegnen dieser nationalen Mobilisierung mit einer antinationalen Kampagne unter dem Motto “Staat. Nation. Kapital. Scheiße. Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit!”. In einer Reihe von Veranstaltungen über das gesamte Jahr sollen Diskussionen, Podien, ein großes Konzert und andere Aktionen die herrschende Einheit und Freiheit als falsche Freiheit und falsche Einheit denunzieren.

In diesem Jahr wird die Inszenierung Deutschlands als Kulturnation historisch neu verortet: Im bald wieder errichteten Berliner Schloß wird das neue Humboldt-Forum Deutschland als kosmopolitische Nation und Hüterin der Weltkultur präsentieren. Ob in den Ausstellungshallen renommierter Kunsthochschulen oder in der Glotze: In den letzten Jahren hat sich eine neue Form der Nationalisierung in der Kultur durchgesetzt. Das Schlagwort “Kultur” als identitätsbildende, nationale Kraft ist dem “Weltmeister der Herzen” an eben dieses gewachsen. Darum beginnt T.O.P. Berlin den Angriff auf das Jubiläumsjahr mit zwei Veranstaltungen, die sich mit dem Stand der nationalen Kulturschau auseinandersetzen, mit Initiativen gegen sie und der Frage nach einer radikalen Kulturkritik der Gegenwart.

Am 19. Februar 2009 veranstaltet TOP Berlin eine Diskussionsveranstaltung zu den Grundlagen marxistischer Kulturkritik. In einer zweiten Veranstaltung am 23. April 2009 soll es konkreter um die Kritik der aktuellen deutschen Geschichtsmythologien innerhalb der Massenkultur gehen. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen findet ihr hier: (mehr…)

Erfurt Blutgeil

Blutgeil sind erfreulicher Weise wohl einige Genoss_innen aus Erfurt. Hintergrund ist die Entführung von Bernd dem Brot. Die „Kultfigur“ vom Kinderkanal, unter anderem Wahrzeichen von Erfurt, war im Januar von seinem angestammten Platz am Erfurter Fischmarkt verschwunden. Nachdem daraufhin ein (inzwischen zensiertes) Youtube-Video aufgetaucht war, in dem das Brot die Nutzer_innen des Besetzten Hauses in Erfurt, welches in naher Zukunft geräumt werden soll unterstützt und von taz bis BILD die gesamte Schweinepresse darüber berichtet hatte, wurde nun Bernd das Brot in einer Industriebrache von der Polizei geborgen. Einige Sympathisant_innen äußerten gegenüber Indymedia nun ihre beabsichtigen Gräueltaten:

Die vorzeitige Befreiung der Kult-Figur trifft die Hausbesetzer-Szene sehr hart. Das Beutestück war der letzte große Trumpf um die anstehende Räumung abzuwehren. Gerüchten zu Folge sollte die Figur bei anstehender Räumung mit einer Sprengladung auf dem Dach des Hausgeländes angebracht und dessen Zünder an den Eingangstüren und Mauern verkabelt werden. Es hätte so schön sein können: Während draußen Bereitschaftsbullen das Gelände stürmen, fliegt drinnen eines DER Wahrzeichen der Hauptstadt in die Luft. Viele Sympatisanten und Freunde zeigen sich nun verärgert über die vorzeitige Entdeckung.

„Es ist sehr schade, dass die Geisel ohne Verletzungen befreit wurde“, äußert sich ein 19 Jähriger in der Nähe des Geländes. „Dumm, dass ausgerechnet jetzt der mexikanische Suppenkoch El Pozolero festgenommen wurde. Ich hätte den Klotz gerne in Säure vor sich hinblubbernd gesehen!“, so die Kunststudentin Christina.

Nach Angaben des Kinderkanals soll die Figur so schnell wie möglich wieder aufgestellt werden. Inzwischen gibt es Aufrufe zu Racheakten. Eine erneute Entführung wäre wünschenswert, eher vorstellbar seien jedoch Beschädigungen in Form von Amputationen. Unter dem Titeln „Schlag dem Mistvieh die Hände ab!“ und „Das Brot muss sterben, damit wir leben können!“ finden ab dem 15. Februar Aktionstage geplant.

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Splatter gegen Häuser-Räumung!