Archiv für Dezember 2008

Nieder mit dem Schweihnachtsmann!

[Aus einem anti-pädagogischen Spucki-Katalog aus den 80ern]

Sinnscheiße zu Sinnscheiße

Hegel, Sie Halunke!

Der ganze Planet besteht aus Sinnscheiße. Warum muss man dann so tief in die Sinnscheiße-Bergwerke hinabsteigen, um unter entsetzlichen Qualen und unzähligen Opfern ein Material heraufzubefördern, das an der Oberfläche des Planeten in rauen Mengen herumliegt, wo man sich nur bücken müsste um es aufzuheben? Aber nur dadurch, dass wir die Sinnscheiße unter solchen entsetzlichen Qualen zu Tage fördern, erhält sie das wichtigste: Nämlich Wert!

In dem Hörspiel „Aufstand in den Sinnbergwerken“ von Matthias Schamp wird auf amysante Art und Weise die Sinnlosigkeit der kapitalistischen Arbeit geschildert. Und doch ist auch sichtbar Aussicht in Sicht: Den Hauptfiguren wird die Sinnlosigkeit der ganzen Schufterei bewusst und sie fangen an, sich anderen Dingen zu widmen. Damit bekommt die Geschichte aber leider einen idealistischen Charakter: Dadurch, dass sie sich der ganzen Scheiße bewusst werden und mit Hilfe der Metaphysik, gelingt es ihnen die Sinnscheiß-Gesellschaft aufzulösen. Wenn der Feind nicht eine Rückenkratzbürste in die Hände bekommen hätte…

Dennoch ist „Aufstand in den Sinnbergwerken“ ein äußerst köstliches Hörstück. Es ist verstörend, was unter anderem durch die verkleckerten Geräuschkulissen und den krokant-musikalischen Rahmen erzeugt wird. Unter anderem ist eine EA80-Coverversion von der Musikgruppe Bierbeben zu hören, die Teil der „Künstlergruppe Im Namen des Volkes“1 ist und im neuen Jahr ein neues Album herausbringt.

Schräckes Hörspiel:

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  1. siehe [zurück]

Fick deine Kunst!

Avantgardistische Beerdigung oder Beerdigung der Avantgarde?

Bauhausurne

Diese Urne basiert auf der zeitlosen Architekturidee und rationalen Formgebung der deutschen Designerschule Bauhaus, die 1919 von Walter Gropius gegründet wurde.

Das Ziel dieses Lehr- und Forschungsinstitutes für Architektur, bildende Künste und Handwerk war, die Einheit von Künsten, Wissenschaft und Technik zu erzielen.

Es wurde 1925 nach Dessau verlegt und 1933 aufgelöst. 1937 konnte es als New Bauhaus in Chicago wieder etabliert werden.

Berühmte Künstler wie Lionel Feininger, Paul Klee und Wasilli Kandkinsky waren Mitglieder. Die Bauhaus-Urne reduziert sich auf die vertikalen und horizentalen Linien und deren wechselseitige Wirkung und vermittelt durch die Primärfarben und reinen Elemente eine optimistische Objektivität, die der geistigen Ausprägung des modernen Großstadtmenschen entspricht.

Internationaler Tag der Menschenrechte

Wird begangen:

Wir laden am 10.12., dem internationalen Tag der Menschenrechte, zu einer Abendveranstaltung unter dem Titel “Zur Kritik der Menschenrechte” ein. Referent ist Martin Dornis (Gruppe in Gründung) aus Leipzig. Der Vortrag beginnt um 20:00 Uhr.

Das Bekenntnis zu Menschenrechten gehört zum Grundinventar linken und demokratischen Denkens und Handelns. Aber Menschenrechte werden nach wie vor mißachtet, Körper werden versehrt, Menschen erleiden Not, Hunger und Gewalt, die unmenschliche Verfasstheit der Gesellschaft dauert an. – Sind die Menschenrechte nur nicht wirklich durchgesetzt, oder halten sie vielleicht gar nicht, was sie versprechen? Was genau versprechen sie überhaupt? Welches Bild vom Menschen und vom Recht liegt ihnen zugrunde?

20:00 Uhr | Gerberstraße 1 | Weimar

via

EDIT (19.12.08): Den Mittschnitt des Vortrages gibt es, leider in ziemlich schlechter Qualität, hier zum runterladen oder untenstehend zum anhören. Einen weiteren Vortrag von Martin Dornis zur Iedeologiekritik gibt es hier.

Experimente des Leibes

Für diejenigen Linken, die sich einer Kritik der Sphärentrennung verschrieben haben, könnte folgende Veranstaltung durchaus interessant sein. Ich werde mich überraschen lassen.

Experimente des Leibes – Genie in Kunst und Philosophie

In diesem Seminar werden Annäherungen an den Begriff des Genies sowohl in kunsthistorischer als auch in philosophischer Sichtweise und Tradition diskutiert. Grundlegend geht es dabei um einen Gegenwartsbezug der verschiedenen Auslegungsarten des Geniegedankens in der Vergangenheit, immer mit Blick auf die Frage, was es heute heißen kann, Genie zu haben. Oder: Kann jemand ein Genie sein? Wie ist das zu verstehen?

Im Anschluss an „Selbst Macht Originalität“ soll nun zum Kern unserer Fragestellungen selbst vorgedrungen werden, indem direkt nach dem Genie, dem genialen Funken oder dem „Genialen an sich“ innerhalb des Menschengeschlechtes, grundlegend verstanden als Künstlergeschlecht, gefragt werden soll.

Kolloquium vom 12.-14.12.2008 in der Schreibwerkstatt / Schreibmaschine Leipzig
Gutsmutsstr. 47, 04177 Leipzig

http://www.hgb-leipzig.de/leib/

& Dienstag 9.12.2oo8 KRACH Konzert im Schreibbüro

Anti-Tisch-Pong

Es begann mit einem gewöhnlichen Tischtennis-Spiel (chinesisch).1 Wir hatten die Regel, dass keiner rausfliegen kann. Als wir eine Weile spielten, gerieten wir in eine gewisse Routine und die ständige Kreisbewegung löste eine gewisse Betäubung aus. Daher sagten wir uns irgendwann, dass es sinvoll wäre die Richtung zu ändern und andersherum um den Tisch zu spielen, damit der Dreh rausgeht. Der Effekt war verwirrend: Im ersten Moment wusste nun keiner mehr, in welche Richtung er laufen sollte. Dies brachte uns derart zum Lachen, dass wir uns überlegten, bei jedem Fehlschlag die Richtung zu wechseln. Der Effekt bereitete erst Verwirrung, bis sich alle auf den nötigen Grad an Konzentration und Aufmerksamkeit eingelassen hatten und das Ganze somit Freude bereitete.

Als nächstes fragte jemand: Wollen wir nicht Ping-Pong2 spielen? Also spielten wir Ping Pong: Zur Eingewöhnung vorerst nur in eine Richtung. Als es relativ flüssig lief, entschieden wir uns wieder bei jedem Fehlschlag die Richtung zu wechseln, wofür wir wieder eine gewisse Zeit der Eingewöhnung benötigten. Nun war der Hunger nach mehr gewachsen und wir entschieden uns nach jedem Fehlschlag die Spielart zu wechseln: Spielten wir Ping-Pong und der Ball landete verkehrt, mussten wir zu Tischtennis wechseln und umgekehrt. Auch diesmal spielten wir zur Eingewöhnung zunächst nur in eine Richtung. Nach der nötigen Einspielzeit wurde nun nach einem Fehlschlag sowohl die Spielart, als auch die Richtung gewechselt, was eine hohe Stufe der Konzentration erforderte.

Nachdem dies einigermaßen flüssig seine Runden lief, begann ein Freund, ohne dass es einen Fehlschlag gegeben hatte, mitten im Spiel in die andere Richtung zu laufen, was uns zunächst verwirrte. Er erklärte uns, dass er nicht willkürlich die Richtung wechselte, sondern lediglich einen anderen Weg nahm um sich schließlich wieder hinter seine_r Vorgänger_in einzuordnen. An dieser Stelle war die Kreisbewegung und die Richtung des Spiels aufgehoben: Einziges Kriterium war, dass man sich merken musste, nach welcher Person man den Ball annehmen nusste, was bedeutete, dass das Spiel an Übersicht verlor, an Tempo gewann und wiederum ein höheres Maß an Konzentration erforderte.

Was nicht bedeutete, dass keine Steigerung mehr möglich war. Zunächst begann der Wechsel zwischen den Spielarten [vermeintlich] willkürlich zu werden: Nach einem Fehlschlag wurde die Spielart zwar immer noch gewechselt, aber diejenige Person, die den Ball zuletzt berührt hatte, durfte (wenn ihr die Laune danach war) diejenige Spielart festlegen, die anschließend weiter gespielt werden sollte. Außerdem kam eine Spielart hinzu, die wir liebevoll „Direkt“ nannten, was bedeutete, dass der Ballkontakt nicht zwischen Tisch und Kelle wechselte, sondern direkt zwischen den Kellen (wie beim Federball). Das ganze bedeutete also: Das Spiel wechselt nach einem Fehlschlag die Richtung (wobei die Richtung inzwischen egal war, da jeder seinen eigenen Weg wählen durfte) und diejenige Person, die den Ball zuletzt berührt hatte, durfte eine Spielart [von dreien] festlegen

Die nächste Steigerung kam dadurch zustande, dass eine weitere Person den Raum betrat und Lust verspürte in das Spiel einzusteigen. Da wir vorher zu siebt gewesen waren, aber nur sieben Tischtennis-Kellen zur Verfügung standen, mussten wir ein Wechselsystem einführen: Wenn jemand Lust verspürte eine kurze pause zu machen und seine Kelle zu übergeben, dann konnte er seine Kelle derjenigen Person in die Hand geben, die gerade am Rande stand und sozusagen frei war; musste aber (um das Spiel nicht durcheinanderzubringen) den Namen seines Vorgängers rufen. Dies bedeutete, dass diejenige Person, die diejenige Person, die gerade ausgestiegen war, sich zuvor in ihrem Bezugssystem als Vorgänger_in merken musste, sich nun auf eine neue Person konzentrieren musste.

An dieser Stelle wurde mir klar: Das ist die Aufhebung des Tisch-Tennis-Spiels. Falls ihr das nicht verstanden habt und Nachfrage besteht, würde ich versuchen die Spielabläufe zu visualisieren.

  1. Erfahrungen mit dem Spiel und der Veränderung von Spielregeln hatte ich bereits vorher gemacht. Aus meiner Ablehnung vin Gesellschaftsspielen (Brettspiel, Kartenspiel) habe ich inzwischen eine äußerste Zuneigung zum freien Spiel entwickelt und ich hatte durchaus entzückende Erlebnisse beim Verändern und Verkehren von bekannten und allgemein anerkannten Spielregeln. Wenn man Mitmenschen findet, die sich darauf einlassen, dann kann man seinen Horizont auf wundersam zweckfreie Art und Weise erweitern. So geschehen beispielsweise an einem außerordentlich langweiligen Seminar-Abend, an dem ich mich darauf einließ, eine Runde Memory mitzuspielen. Schon nachdem die Karten vermischt waren, verließ mich die Lust und ich legte fest, dass nicht mehr das Ziel sei, zwei gleiche Bildchen zu finden, sondern eine Geschichte zu erzählen, die zwei aufgedeckte unterschiedliche Bilder miteinander verbinden sollte. Das Ergebnis war entzückend. Anschließend spielten wir eine Runde Mensch Aergernis dich, bei dem man nicht seine Gegner schlagen durfte. Wenn man mit seiner Figur auf ein Feld rückte, auf der bereits eine eigene Figur stand, musste man diese auf die Startfelder zurücksetzen. Dabei war man verpflichtet, diese Art von Spielzug zu spielen, wenn es möglich war. Die Spieldauer wuchs damit ins Uneremessliche, was den Alkoholpegel steigerte und zur Kreation weiterer neuer Regeln anregte. [zurück]
  2. Zum Unterschied zwischen Tischtennis und Ping-Pong: Beim Tischtennis muss diejenige Person, die den Ball annimmt, den Ball über das Netz spielen, damit der nächste Ballkontakt auf der Tischseite des Gegners stattfindet. Beim Pingpong wird der Kontakt zwischen Ball und Tisch sozusagen verdoppelt: Diejenige Person, die den Ball annimt, muss diesen zunächst auf die eigene Tischseite spielen, damit der Ball anschließend über das Netz fliegt und die gegnerische Tischseite berührt. [zurück]

Ich würde lachen…

Diesen Text habe ich neulich in einem Hardcore-Punk-Zine von 1988 entdeckt, welches bei mir zu Hause rumflog und ich musste dabei ein wenig schmunzeln:

HATEMAIL
oder: Zwölf gute Gründe, EA80 zu hassen.

Guten Tag liebe Mitpunker, hier spricht weder Armin über Fußball, noch Uncle Lee über bessere Zeiten, sondern Major Ryan. Wie ihr seht, habe ich mein Gewissen nicht von euch blödem Volk kaufen lassen, und ich will euch jetzt mal was sagen, nämlich… (Allgemeines oh und ah!, Gemurmel, Verwirrung)
Ja, da staunt ihr, die Wahrheit, das hat man euch schon lange nicht mehr versprochen!

Nun, ich habe die traurige Mitteilung, daß eure Heilige Kuh beim Schlachten längst schon überfällig ist. Sie muss weg, kapiert, da ist kein Platz mehr für sie. Welche heilige Kuh? Na, tut doch nicht so scheinheilig. Ich rede nicht von Converse, auch nicht von Starving Missle, nicht von Thrasher (falls dieses Teil überhaupt jemand liest, immerhin ist es auf Englisch, einer Sprache, die ihr Blödel eh nicht rafft), nein meine ungeliebten Freunde, ich rede von EA80.

EA80, ja, da geht ein Raunen und Aufstöhnen durch eure Reihen, diese Uraltpunx, diese wundervollen, erfrischend „anderen“ Punker, diese lederjackenlosen Pogo-Westentaschenphilosophen.
Gebt zu, ihr liebt sie, ihr verehrt sie, ihr findet diese Blase toll, stimmts?

Ich nicht.
Aus gutem Grund.

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