Archiv für Juli 2008

Ich hab geträumt… #17

Bin vorhin zurück aus Österreich gekommen und habe mich sofort ins Bett fallen lassen. Dabei ereilte mich ein wüster Traum. Ich habe mich mit einer rivalisierenden Jugendbande angelegt und bin (obwohl ich keinen Führerschein habe) mit dem orangenen Bus unseres AJZ’s durch die Kante gefahren. In einer Situation brauchten wir den Bus dringend, aber ich hatte vergessen wo ich ihn hingefahren hatte. Zum Glück hatten wir kurz zuvor eine alte Frau kennengelernt, die eine besondere Fähigkeit hatte: Sie hatte so scharfe Augen, dass sie mit ihren Augen in den Himmel gucken konnte, um dort in den Augen der umherfliegenden Adler zu sehen was sich darin widerspiegelte. Und auf diese Art und Weise hat diese nette Frau den Bus wiedergefunden und die Banden-Schlägereien konnten weiter gehen. Ich glaube ich hab gewonnen, dank der Hilfe irgendwelcher anderer Leute die auch tolle Fähigkeiten hatten. Ich erinnere mich, dass ich im finalen Kampf mit einem Spaten bewaffnet war…

Auf ins Schreibmaschienen-Café

Ich habe soeben diese erfreuliche Nachicht erhalten:

26/27 September JUBILÄUM “26 JAHRE SCHREIBMASCHINENENBÜRO” im BÜRO des SCHREIBMASCHINENBÜROCAFES DER SCHREIBMASCHINENCAFEFRAKTION. in der Guts-Muths-Straße 47

z.B MIT:

- Rauchen aufhören innerhalb einer Stunde – Mit Geld zurück Garantoe
- Vortrag zur Quantenphysik
- Diverses Lesen der aktuellen Aktenlage
- Bockwurst und Brötchen
- Musik von echten Menschen
- UND: Alles Darf aufgeschrieben werden / auch vom CIA und KGB und BND / die wir herzlich dazu einladen unsere Textmappen auszuspionieren
- krampfhaftes Lustigsein unter Anderem.

GEHEIMGESELLSCHAFT “Schreibcafe_leipzig[at]yahoo.de”

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Siehe auch:

Guts-Muths-Straße 47

Der verpasste Tag

Trampen und Campen #2

Als wir also am Dienstag auf dem Camp angekommen waren und ersteinmal unseren geschundenen Körpern ein wenig Ruhe gegönnt hatten, nahmen wir etwas zu Essen zu uns und beschäftigten uns dann etwas mit dem Camp. Einen kleinen Text wie sich das Camp selbstversteht gibt es hier. Auf einer Infowand die auf dem Gelände, welches aus 5 Camping-Wiesen und zwei Gebäuden (1.: Küche, Kino, Toiletten, Chillraum und 2.: Computerraum, Reflexionsraum) besteht, zentral zu finden ist gibt es einen ausführlicheren Text wie das Camp funktionieren soll. Das eigenartige ist daran, dass diese Infowand das einzige offizielle Kommunikationsmittel ist; es gibt kein Plenum – alles wird über diese Infowand geregelt.

Die Diskussion darüber, ob ein Plenum nicht sinnvoller wäre, wenn es darum geht gemeinsam bewusst Entscheidungen zu treffen, als wenn alles „einfach so passiert“, brachte uns dann in Kontakt mit den ersten Leuten. Insgesamt gibt es hier eine sehr nette Gesprächskultur. Auf diese wird jedoch durch einige Dinge ein Schatten geworfen, der mir einige Vorurteile bestätigt, die ich gegenüber einer sich als anarchistisch verstehenden Bewegung habe. Doch dazu später mehr – an jenem Dienstag Abend war mein erster Wiederwille zunächst einmal dem Gefühl gewichen, dass sich dieses Camp lohnen könnte…

Die erste Veranstaltung an der wir teilnahmen war ein Bericht über den Ablauf der Proteste gegen den G8-Gipfel in Japan von einem Anarcho, der schon seit längerer Zeit Kontakt zu linksradikalen Aktivist_innen in Japan hat. Unabhängig von einer Kritik an der No-Global-Bewegung war es sehr interessant wie es mit der radikalen Linken in Japan steht und wie dort die Polizei mit Demonstrationen und Protest umgeht und wie hier Repression stattfindet. Es lohnt sich damit auseinanderzusetzen.

Am späteren Abend beteiligten wir uns an einer spontanen Kochaktion und gerieten über der Schnippelei in einige interessante, aber auch anstrengende Diskussionen. Dabei lernten wir Leute aus Wien, aus dem Ruhrpott und aus Dresden kennen. So war es nun schon überraschend genung für mich, dass nicht wenig Leute aus Deutschland den Weg hierher verloren haben – ich traf am selben Abend sogar Leute aus Bukarest, die ich schon auf der Rumänien-Tour mit meiner Band kennengelernt hatte. Nach diesen anregenden Gesprächen und Diskussionen ließen wir uns dann, noch immer von der Reise erschöpft, in unsere Schlafsäcke plumpsen. Da es zu diesem Zeitpunkt ziemlich geregnet hatte, wünschte ich mir, bevor ich einschlief, dass ich morgen bitte von der Hitze der Sonne geweckt werden wollte.

Dieser Wunsch ging dann am nächsten Morgen (also am Mittwoch) auch in Erfüllung – das Zelt war so voll Hitze aufgeladen, dass ich es keinen Moment länger darin aushielt. Ich schälte mich dann aus dem Schlafsack, stieg aus dem Zelt und legte mich in die Wiese um noch ein wenig zu dösen. Ich wachte dann wieder auf als es auf mich draufregenete und sich der Himmel wieder komplett in Grau gekleidet hatte. Dieser nicht sehr angenehme Wetterzustand hat sich bis jetzt gehalten und es ist keine Änderung in Sicht.

Nicht nach einem Anarcho-Frühstück (türkischer Kaffee mit selbstgedrehter Zigarette), sondern nach einer selbstverwalteten Morgen-Mahlzeit schnorpselten wir zu einem Workshop, von dem wir noch nicht wussten, dass er eine neue Leidenschaft in uns entfachen würde. Ein Workshop zum Action-Climbing. Wir betraten zu dritt die Wiese auf der wir diese Veranstaltung verortet hatten und sahen zunächst einmal nichts. Bis wir unsere Blicke nach oben richteten und zwei Gestalten an Seilen in den Bäumen baumeln sahen. Die erklärten uns dann, dass sie noch irgendso ein Spezialseil festmachen müssten und dass sie dann gleich anfangen könnten. Wir beobachteten sie, wie sie an verschiedenen komplizierten Knoten herumzogen und dann stiegen sie herunter und begannen uns einen kleinen Einblick in die Kunst des Action-Climbings zu geben. Zuerst begannen wir mit dem Taping, was bedeutet, dass man mit zwei zu Schlinge geformten Bändern, an denen man sich mit einem Karabiner sichert, einen Baum hochklettert. Und das ist wirklich toll, denn damit kann man echt überall hoch! Mit dieser neu erlernten Fähigkeit fühle ich mich wie ein Bauminsekt, das alle Höhen der Flora bezwingen kann.
Den Namen der zweiten Disziplin habe ich vergessen, aber das hat noch mehr Spaß gemacht, weil es mit viel weniger Anstrengung verbunden ist: Man hat zwei kleine Seilchen, die mit einem Spezialknoten verbunden sind, der fest wird wenn man ihn belastet. In das eine Seilchen steckte man seinen Fuß und mit dem anderen sichert man sich mit einem Karabiner an seinem Klettergurt. Man belastet dann immer abwechselnd die beiden Seile und zieht das Nichtbelastete einen Stück hoch. Auf diese Art und Weise habe ich mich dann in einer unerträglichenglaublichen Leichtigkeit hochgezogen, bin dann in 15 Metern Höhe über ein Seil gelaufen, habe mich dann da ein wenig baumeln lassen und mich dann mit einer speziellen Technik wieder abgeseilt. Und diese ganze Prozedur hat so doll Spaß gemacht, dass ich mir vorgenommen habe, gleich wenn ich wieder zu Hause bin, für einen Klettergurt und Kletterzubehör zu sparen. Ich werde mir vornehmen mal in 30 Metern Höhe ein Buch zu lesen, weil ich glaube, dass man sich da viel besser konzentrieren kann. Vielleicht schreibe ich auch eines.

Nach dem Action Climbing (das ja eigentlich dazu gedacht ist Bullen an der Nase herumzuführen und Bäume vor der Fällung zu beschützen und nicht um Bücher zu lesen), habe ich einen kleinen Mittagsschlaf gemacht und danach gab’s Abendbrot und einen Film. Wir haben „Raspberry Reich“ von Bruce la Bruce geguckt. Mir ist wieder bewusst geworden was für ein cooler Film das ist und wie dufte ich diesen Bruce finde, aber ich hatte auch das Gefühl, dass die wenigsten verstanden haben, dass dieser Film die ältere und jüngere Neue Linke gnadenlos aufs Korn nimmt. In meiner Stadt haben Leute, nachdem sie diesen Film gesehen haben „Make Revolutionary Love“ an eine Wand gesprüht. Das hatte mir ge(Wilhelm)reicht, also habe ich nach dem Streifen kein Gespräch gesucht, sondern mir in der Disko zu Gabba-Gewummer interessante Animations-Filme angeguckt, die leider nur nebenbei liefen. Dann hab ich mich wieder in den Schlafsack gelegt und mir im Gegensatz zum Vortag nicht nur gewünscht, dass ich am nächsten Morgen von der Sonne geweckt werde, sondern auch, dass die Sonne dann den ganzen Tag da bleibt.

Es hat nicht geklappt das Wetter mit meinen Wünschen auszutrixen – ich wurde wieder von der Sonnenhitze geweckt, die war aber diesmal schon wieder weg als ich gerade aus dem Zelt herausgestiegen bin. Nun yeah – nach einer sinnlosen Mobi-Veranstaltung für den 13. Februar in Dresden („Wir haben kein Bock, dass die Antideutschen auf ihrer Demo in ihren Redebeiträgen alle Deutschen als Nazis beschimpfen und damit mögliches Potential von der Anreise abschrecken, deswegen machen wir dieses mal unsere eigene anarchistische Demo…“), sollte diese Veranstaltung stattfinden, die mich dazu gereizt hatte hier herzukommen.

Ein Freund hatte mich auf dieses Camp aufmerksam gemacht und mich darauf hingewiesen, dass es eine Veranstaltung geben würde unter dem Titel „Einführung in die Wert(abspaltungs)kritik.‭ ‬Oder:‭ ‬warum wir Marx heute‭ ‬(wieder‭) ‬mehr brauchen als Bakunin“. Ich hatte schon mehrmals davon gehört, dass es in der anarchistischen Bewegung neue Impulse gibt, die auch in eine wertkritische Richtung tendieren und anscheinend auch eine progressive Aktualisierung bedeuten (dazu auch dieses Buch, das ich noch nicht gelesen hab, was ich aber gerne noch tun würde). Aber gerade weil ich doch ziemlich wenig über diese neuen Impulse weiß, habe ich mich entschlossen hier her zu fahren und mir das ganze mal anzusehen.

Heute, am Donnerstag, gab es hier also eine kleine Einführung in die Wert(abspaltungs)kritik. Der Vortrag war, wenn auch für mich nix neues, ziemlich gut und für eine Einführung alle mal geeignet. Das seltsame war, dass die ReferentInnen in ihrer Einführung eigentlich andauernd implizit mit Verwirrungen der traditionellen AnarchistInnen aufräumten, aber dennoch immer wieder aus der Perspektive von AnarchistInnen sprachen. Leider kamen sie nicht dazu direkt auf den Anarchismus oder, wie angekündigt, auf Bakunin einzugehen. Dafür gab es allerlei Zwischenrufe, die meinen anfänglichen Widerwillen wieder erweckten. Da war die Rede davon, dass der Mehrwert der Wille zur Macht sei, dass der wertkritische Marxismus eine Praxis verhindern wolle, die doch möglich sein muss, dass die Wertkritik eine Pseudokritik sei, die einen Umsturz der bestehenden Verhältnisse verhindern wolle und sowieso nix mit den konkreten Tatsachen zu tun habe, usw…
Der Vortrag endete dann in einer kleinen aber feinen Haupt-/Nebenwiderspruchs-Diskussion, die wiederum in einem Rassismus-Vorwurf endete, was zur Folge hatte, dass eine Person in rasender Wut den Raum verließ und eine andere in Tränen ausbrach. Das alles machte mir schlechte Laune, ich kam zu der Überlegung, dass ich dafür nicht unbedingt hier her hätte kommen müssen, ich hatte auf einmal das Gefühl Jede_r hier misstrauen zu müssen, obendrein der ständige Regen und der Matsch und diese ungemötliche nasse Kälte, und das Zelten überhaupt und ähh und ähhh…

Ein bisschen bin ich dann wieder heruntergekommen, denn es gab dann doch Leute die dem Anti-Intelektualismus und den anderen Phrasen widersprachen und aus dem Konflikt entstand dann eine nette Diskussionsrunde über Rassismus, das Weiß-Sein und die Critical-Whiteness-Studies, sodass ich mich dann doch nicht so verlassen fühlte und das Gefühl hatte doch noch etwas aus dieser Veranstaltung gewonnen zu haben.

Jetzt ist es schon ziemlich spät und ich stelle fest, dass ich die beiden anderen Süßen schon ziemlich lange nicht mehr gesehen habe. Ich werde mir jetzt a Tschick ansteckn und ein Bier knacken und dann mal nach den anderen suchen. Ich weiß nicht ob ich morgen schreibe, denn ich zweifele daran, dass sich jemand ernsthaft daran machen wird, diesen ganzen Erlebnisbericht hier durchzulesen. Als Bilanz kann ich nur phex beipflichten.

Trampen und Campen #1

Da das Junge Linke Camp nun leider schon voll ist und sich niemand für meine Idee der Fahrradtour begeistern konnte, hat man mich nun hier her gebracht:

Dieses anarchistische Sommercamp befindet sich in der Nähe von Kautzen, einem kleinen österreichischen Kaff an der tschechischen Grenze. Vorgestern (Montag) sind wir zu dritt aus unserer Kulturkurstadt losgetrampt und wurden zu erst ein ganzes Stück bis nach Dresden mitgenommen. Von dort hat uns dann jemand bis kurz vor die tschechische Grenze nach Bad Schandau gefahren, von wo wir dann das Vortbewegungsmittel des Zuges genutzt haben. In der ersten tschechischen Stadt, wo wir uns ein sehr preiswetes Zugticket für die Fahrt durch Tschechien gekauft haben, trafen wir auf drei Punks, die weder englisch noch deutsch sprechen konnten, mit denen wir uns aber trotzdem herzlich unterhalten haben und die uns dazu überreden wollten ihnen ganz viel Alkohol zu kaufen. In Tschechien ist es noch möglich leidenschaftlich Zug zu fahren – es gibt Abteile, in denen man die Sitzbänke zu Betten umbauen kann. Aber es ist auch relativ schwer sich zurechtzufinden wenn man der tschechischen Sprache nicht mächtig ist – ob am Schalter um nach einer Zugverbindung zu fragen oder um an der richtigen Station auszusteigen (wenn es überhaupt Ansagen über den nächsten Halteort gibt). Und so geschah es, dass wir mehrmals am falschen Ort ausgestiegen sind, sodass wir einmal rennen mussten um unseren Anschlusszug zu bekommen (wobei ich mein Handy verloren habe – war ja auch mal wieder Zeit) und dass wir ein anderes mal unfreiwillig mehrere Stunden Aufenthalt in einem Dorf mit drei Häusern und einer Fabrik hatten. Hier gab es glücklicherweise einen netten Weichensteller, der uns eine neu Verbindung heraussuchte und uns sogar das Licht in der Bahnhofshalle (ein kleines Zimmer mit Tischen und Bänken) ausmachte, damit wir schlafen konnten. Aber mal ehrlich – es war so wunderschön im Zug durch ganz Tschechien hindurchzufahren, ein Abteil für sich zu haben und die Landschaft vorbeifahren zu sehen; die riesigen Felder und leeren Flächen; die düster-romantisch anmutende Industriebrache; teilweise groß gebaute Städte, aber vor Allem kleine Dörfer, die bei ihrem Anblick, einer grauen Tristesse, eine seltsame Stimmung hervorrufen – und alles das bei Nacht. Und es war seltsam nur so kurz in Prag zu sein – eine dreiviertel Stunde vor dem Bahnhof, wobei ich mich allzugerne in die prager Nacht gestürzt hätte. In Prag verabschiedeten wir uns von einem Engländer und einem Deutschen, die wir beim rennenden Umsteigen kennengelernt hatten und die uns eine grüße Free-Techno-Party in der Slowakei empfohlen hatten. Die ganze Fahrt über hat meine Unterlippe geschmerzt, was mich an eine der letzten Nächte denken ließ, in der ich sturzbetrunken mit ein paar Freunden zu einem Zirkus-Camp in meiner Stadt gedüst bin, wobei ich mir die Unterlippe von innen aufgeschlagen habe. Und ein Gefühl der Ungewissheit, was einen bei solch einem anarchistischen Camp erwartet…

Schließlich kamen wir mit einer kleinen Tuckelbahn (eigentlich ein Güterzug, in dem sich auch ein Personenwagen befand), die ca. 30 km/h durch die Landschaft tuckelte an das letzte Dorf mit Bahnhof vor der österreichischen Grenze. In diesem Dorf (oder war es doch eine Stadt?) fanden wir eine Tourist-Information, wo uns eine nette Frau erklärte in welche Richtung wir weitertrampen mussten (nach Kautzen gibt es keine Zugverbindung). Hier nahm uns dann auch das erste Auto mit und brachte uns ein Stück über die Grenze und setzte uns an einer Kreuzung ab, deren Abbiegung direkt nach Kautzen führte. Und da überkahm uns ein kleiner Freudentaumel, denn obwohl wir etwas fertig waren, da wir in der Nacht kaum geschlafen hatten, waren wir froh, dass wir es so problemlos bis hierher geschafft hatten. Doch nun begann der anstrengendste Teil der Reise. Da an dieser Straße relativ wenig Autos fuhren, beschlossen wir während des Trampens schon loszulaufen – mit hardcoreschweren Kraxen auf dem Rücken. Bis Kautzen waren es ca. 15 km – und es nahm uns keiner mit. Wir mussten die ganze Strecke laufen. Nach einer Zeit taten meine Schultern so weh, was einem Gefühl gleichkam als würde jemand kontinuierlich auf meine Schultern einschlagen. Zu allem Unglück begann es dann noch zu regnen – und weit und breit keine Möglichkeit sich unterzustellen. Mit mehreren Pausen und einer kleinen Kochaktion (Tüten-Tomaten Suppe + Nudeln reingekippt) kamen wir dann nach drei Stunden in Kautzen an, wo wir die Adresse suchten – und dann feststellen mussten, dass sich das Camp noch einige Kilometer außerhalb von Kautzen befindet. Aber dann – waren wir endlich da. Wir meldeten uns an und checkten uns ein, bauten unser Zelt auf und schliefen erst einmal ein paar Stunden, bevor wir das Leben auf diesem Camp erforschten und ersten Kontakt und Gespräche suchten…

Das war gestern. Morgen werde ich schreiben was mich/uns dazu bewegt hat zu diesem Camp zu fahren und wie es hier so ist.

Autonom wie fantom…

Wenn es neue Entwicklungen in der „rechtsextremen“ Szene gibt (Autonome Nationalisten), dann ist das für das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) NRW der beste Grund einmal genauer zu schauen was die Linksextremen (Autonome Antifa) so machen. Wenn mensch die Einleitung des gerade vorgelegten Berichtes „Antifa-Aktionen gegen Kundgebungen von Rechtsextremisten – Mobilisierung und taktische Ansätze der ‚Autonomen Antifa‘“ liest, dann findet mensch diese seltsam hergeleitete Begründung des Innenministeriums für diese Publikation und auch der Inhalt ist ziemlich interessant. Im Vergleich der Bundesländer hat der Verfassungsschutz von NRW den Ruf, die fundiertesten Aanalysen zu schreiben – was bedeuten kann, dass dieser Text in naher Zukunft ziemlich wichtig werden wird, was den Umgang mit zivilem Ungehorsam (Kriminalisierung) bedeutet – und den beschriebenen Aktionsformen zu urteilen nicht nur mit der Antifa…

De*fence the Krauts?

Auch wenn mir die Demo am Wochenende in Berlin eher wie ein Sonntagsspaziergang vorgekommen und ihre Wirkung mir in der Berliner Beliebigkeit allzuschnell verpufft erschienen war, war ich ziemlich darüber erfreut, dass ca. 4.000 Menschen an dieser wichtigen Demo für ein globales Recht auf Migration teilgenommen hatten. Die Demo war anlässlich der 15. Jährung der faktischen Abschaffung des Asylrechts organisiert worden und war, wenn die Zahlen stimmen, eine der größten linken Demos seit längerer Zeit. Dies ist, so mein Eindruck, der Breite des de*fence-Bündnisses zu verdanken, was auf der einen Seite erfreulich ist, da dies zeigt. dass die Dringlichkeit dieses Themas über den üblichen Antira-Klüngel hinaus erkannt worden ist. Auf der anderen Seite ist die Breite des Bündnisses und die hohe Anzahl der unterstützenden Gruppen wohl nur dadurch möglich geworden, da der Aufruf an einer wichtigen Stelle schwammig geblieben ist: Bei der Beschreibung der Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf die Pogrome von 1992/93 und der Frage nach den Tätern. Hierzu haben die Gruppen Subcutan, Jungdemokrat_innen/Junge Linke Brandenburg und Naturfreundejugend Berlin eine Kritik formuliert. >>>> zum Text

Einen lesenswerten Schwerpunkt zum Thema gab es in der Jungle-World von der letzten Woche.

Außerdem lohnt sich, so denke ich, die Teilnahme am antirassistischen Grenzcamp in Hamburg:

Komm und liebe mich

Heute Nacht habe ich mit meinem Punker-Freund in einer unglaublichen Geschwindigkeit eine Flasche Vodka geleert, bis wir letztendlich auf dem Motorrad saßen, welches an der Wand in unserem AJZ hängt und uns geküsst haben. Außerdem habe ich Vogelfutter produziert und eben habe ich mitbekommen, dass ich an ganz viele Leute diese Email geschrieben habe:

Betreff: Komm und liebe mich

http://de.indymedia.org/2007/06/186388.shtml

alte falterin, dieser artikel ist ein muss in der geschichte der pluralistischen formel der progressiven muskelprolls und onkelfans aus der provinz mit der unglaublichen spaltung der unglaublichen kommentare aus den kommentaren der indy-media-artikel die in der provinz und in der bedeutenden geschichte der kreuzberger anti-imps vorkommen und herzlich geküsst werden oder nur mit „gute nacht“ verabschiedet werden. dies ist ein zeugnis der dörflichen verklemmtheit und der kleinstädtischen unerfülltheit der postmoderne. prost.

Edit: Eine Chronologie der kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen Anifa gibt es auf dem Chefblog.

Edit II: Als ich vorhin noch halb betütelt aus dem AJZ gestolpert bin, hat mich jemand gefragt ob ich noch ne Band kenne, die heute Abend spielen könnte und ich sagte spontan, dass ich in einer solchen Band singen würde, dass wir aber erst 5 Lieder und diese lange nicht mehr geprobt haben. Dies sollte aber kein Hindernis sein, deshalb heute Abend:

Du hast geträumt…

Als ich auf dem Wochenmarkt am Maybachufer eine Kochbanane mit Chilly gegessen und dazu Kaffee getrunken hatte, habe ich mir eine Leggins gewünscht aus Samtstoff (stretch), mit Blätter-Muster wie bei der Innenseite von einer Herrenweste.

Auf meiner Reise habe ich auch Träume gesammelt:

1. Du hast geträumt, dass du in das Jugendzentrum eingezogen wärst, in dem du eigentlich schon wohnst und es war drei mal so groß wie es in Wirklichkeit ist. Die ganzen Leute die darin wohnten, wohnen auch in Wirklichkeit da und du kensnt sie alle, bloß in deinem Traum kanntest du sie noch nicht, es waren neue Leute. Es war auch kein Problem dort einzuziehen, die einzige Bedingung die dir gestellt wurde war, dass du niemals die Kellerräume betreten darfst. Du warst aber neugierig und deshalb hast du doch in die Kellerräume geguckt. Als du den ersten Raum betreten hattest lag darin ein Haufen mit toten Menschen. Und an der Wand standen in einer Reihe Punker, die du alle kanntest. Davor standen zwei deiner Mitbewohner und die spritzten die Punker mit einem Wasserschlauch ab. Dann prügelten sie die Punks mit dem Schlauch, bis sie auch tot waren. Dann entdeckten dich deine beiden Mitbewohner und sie fragten erbost, was du denn da machen würdest, hatte man dir doch strikt verboten hier her zu kommen. Erschrocken gingst du durch den ersten Raum und kamst in den zweiten. Dort war alles ganz normal: Es waren viele Punker da, die Bier tranken und tanzten und es spielten The Bloody Slips.

2. Du hast geträumt, dass du auf einer Party wärst auf dem sich alle ziemlich komisch benahmen. Alle wälzten sich auf dem Boden und machten komische Sachen. Dann bekamst du Hunger und zogst aus einem Stromkasten Kabel heraus, die nicht wie Lakritze schmeckten, sondern wie veganer Wurstaufschnitt. Dann gingst du nach Hause um zu schlafen, doch in deinem Hochbett, das so groß war wie eine Scheune, lagen ganz viele Leute, die sich ähnlich seltsam benahmen wie auf der Party. Du wolltest schlafen, doch alle machten sich über dein vegan-sein lustig.

3. Und außerdem habe ich selbst geträumt, ich wäre in einem riesig großen Jugendzentrum (noch größer als das Ungdomshuset), das aus mehreren Gebäuden bestand und einen riesig großen Garten hatte. Ich stromerte ein wenig herum und ging durch den Garten in den Proberaum. Dort probte gerade eine Band und es guckten auch einige Leute zu. Auf einmal entdeckte ich, dass der Sanger der Band Kojack war und ich hörte genau hin und die Musik war total krass – experimenteller Crust-Rotz-hardcore-Punk, melancholisch und voller Energie und Kojack, wälzte sich während er sang leidenschaftlich auf der Bühne. Das Licht war total krass und die Musik erinnerte mich ein wenig an Politi//AO aus Kopenhagen.1

Dann saß ich auf einmal in einem Kontainer, der irgendwohin fuhr. In dem Kontainer saßen außer mir noch ein paar Freunde von mir und einige japanische Punks. Ich unterhielt mich mit dem einen japanischen Punk und erzählte ich ihm, dass „wir Anarchisten“ keine Musik machen können, dass wir Musik zerstören müssen und Anti-Musik machen müssen…

Edit: Eigentlich wollte ich noch erzählen, dass mich Lilapapierschwein nicht erkannt hat, mir aber eine Fahne geschenkt hat und dass ich in einem Experiment mit einem grünen BabyBel-Ball zusammen mit Fliegvogelflieg das Trägheitsgesetz widerlegt habe…

  1. Kennt die jemand? Ist die Nachfolgeband von Paragraph 119. Wer weiß ob es die noch gibt und ob die eine Homepage haben, schreibt mal bitte einen Kommentar… [zurück]