Marmor, Stein und Eisen bricht…

…aber die Gewerkschaft nicht!
oder: Mein schönster 1. Mai

Mein erster Mai begann in diesem Jahr mit einem Traum. Ich hatte zwei Tage zuvor eine sehr auf- und anregende Diskussion mit einem Gewerkschafter geführt. In meinem Traum war ich mit einigen Freunden bei diesem Gewerkschafter zu Hause, wo eine Party war. Er wohnte in einer riesigen Villa, mit riesigen Zimmern, hohen Decken und mit einer noblen Einrichtung. Es waren ziemlich viele Menschen auf der Party. Aber eben dieser Gewerkschafter war nicht da. Irgendwann waren wir in der Küche, saßen auf dem Boden und unterhielten uns, woraufhin wir schließlich Hunger bekamen. Da der Gewerkschafter nicht zu Hause war suchten wir in den Küchenschränken und fanden auch ein paar Aufback-Brötchen. Wir packten sie auß und wollten sie in den Herd legen, aber die Brötchen waren zu klein: Sie fielen durch den Rost durch. Irgendwie machte mich das panisch. Aber wir suchten weiter und fanden glücklicherweise größere Brötchen. Doch als wir auch die ausgepackt hatten, stellten wir fest dass sie zu groß waren: Sie passten gar nicht in den Herd rein. Wieder ein Anflug von Panik. Nach längerer Sucherei haben wir dann aber endlich Brötchen gefunden, die in den Herd reingepasst haben und die haben wir uns dann auch schmecken lassen. Doch als wir da so saßen, mit unseren Tellern und mit den Brötchen, kam auf einmal der Gewerkschafter zur Küchentür rein. Erneut ein Anflug von Panik: Wir haben niemanden gefragt und uns einfach so an den Brötchen bedient. Ich schaffte es schnell noch meinen Teller mit dem Brötchen unter einen Schrank zu schieben, aber es war zu spät. Der Gewerkschafter hatte es bemerkt und er war sichtlich empört über unser Verhalten. Peinlich. Schließlich ging die Oma von dem Gewerkschafter mit einer Mütze rum und sammelte Geld für die geklauten Brötchen ein…

Dann wachte ich auf, es war der erste Mai und ich lag in einer Scheune an einem Feuer und war von oben bis unten mit Asche beschmiert. Hier hatte ich am Vorabend eine wunderschöne Party erlebt, am Arsch der Welt bei irgend einem Kack-Nest. Nach kurzem Frühstück (Aufbackbrötchen über dem Feuer geröstet), fuhr ich mit einigen Freunden mit dem Fahrrad wieder in die Stadt. Auf dem Weg trafen wir schon einige alkoholisierte Bollerwagen-Männertags-Männer, die mir ein bisschen Angst machten und die uns als Fotzen beschriehen, weil wir ihnen nicht zuprosteten. Ich fuhr noch mal kurz nach Hause, stellte mich unter die Dusche und dann stürzte ich mich in den revolutionären ersten Mai…

Zu erst traf ich mich mit einem guten Freund und wir schlenderten zusammen über den Flohmarkt. Dort kauften wir ein Gedichte-Buch von dem alten Anarchisten Erich Mühsam und ein Buch von irgend so einem sowjet-treuen Dada-Typen. Alles DDR-Bücher. Ich guckte mir auch einige schöne Schreibmaschinen an, aber die waren zu teuer. Dann gingen wir zusammen zum Marktplatz, wo der DGB eine Bühne aufgebaut hatte. Weil wir noch nicht so richtig wach waren tranken wir einen Kaffee und dann begann auch schon die Band zu spielen, die sich „Edelweiß – mehr als nur Musik“ nannte. Die guckten zwar total teilnahmslos und spielten irgendwelche Elvis-Presley- und Beatles-Hits, dafür sprachen sie aber in den Pausen total tolle Gedichte. Ich möchte zwei davon zitieren:

1.
Marmor, Stein
und eisen bricht.
Aber die Gewerkschaft
nicht.

2.
Wir kommen hier
gar nicht zum trinken.
Und das hat auch
einen ganz einfachen Grund.

Weil nichts da ist.

Um über diese künstlerische Darbietung ein wenig nachzudenken schlenderten wir gemütlich zu unserem AJZ. Dort wurden wir dann depressiv, weil wir unfreiwillig Youtube-Videos mitgucken mussten. Weil wir so depressiv waren gingen wir dann zu einem Freund um dort ein Plakat für eine Veranstaltung zu machen, aber das machte uns noch depressiver. Als hörten wir Punk-Musik. Und da kam mir eine Idee. Ich könnte meinem Freund einen Iro schneiden. Gesagt (eine halbe Stunde lang Überredungszeit), getan. Die einzige Bedingung war, dass ich auch einen bekomme. Au weia.

Mit den frisch geschnittenen Iros sind wir dann ins Theater gegangen:

Als wir nach diesem sehr aufregenden und verstörenden Theaterstück wieder ins AJZ gingen, traf ich dann dort Schildkroete. Und den musste ich kaum überreden zum Iro-Schneiden. Eine richtige Iro-Schneid-Laune.

Weil im AJZ dann alle besoffen waren und Schildkroete auch wieder los musste, sind wir dann noch zu einem Freund gegangen. Auf dem Weg dorthin sind wir wieder depressiv geworden. Das lag glaub ich an dem Theaterstück. Dann haben wir Ken Park geguckt und danach bin ich eingeschlafen.

Ein aufregender Tag voller Abenteuer und Forschungen.


13 Antworten auf “Marmor, Stein und Eisen bricht…”


  1. 1 w 02. Mai 2008 um 19:16 Uhr

    hihi, krankheit der jugend. eine enge verwandte meinerseits war vor ca. 15 jahren mit deren schlagzeuger liiert. machten damals sehr jenseitige krachmusik.
    wie war das stück denn?

  2. 2 Des Strangeboys Schnitte 03. Mai 2008 um 13:37 Uhr

    Ihr Schweine, schneidet einfach so dem Strangeboy die Haare ab!
    Das nächste passt jetzt zwar gar nicht zum Thema, aber trotzdem:

    Für Aergernis:
    Dies ist ein kleiner, kurzer Gruß
    nicht von Paul oder von Julius.
    Er ist poetisch angelegt,
    damit er das Gemüt erregt.
    Da mich die Muse einst geküsst,
    fragt man, ob ich nicht weit’re Verse wüsst.
    Vor langer Zeit sagte man mir:
    „Sei so gut, nimm ein Papier,
    reim ein paar Zeilen, wie gewöhnlich,
    nur nicht für mich – für Aergy ganz persönlich.“
    Doch bei mir ist’s nicht wie beim Goethen.
    Mir geh’n die Verse auch mal flöten.
    Des Musens notwendige Tätigkeit
    nahm sich bei mir gar lange Zeit.
    Der ganze Winter zog ins Land
    Bis ich die Muse wieder fand.
    Gefesselt hab ich sie, in meinem Zimmer
    Und unter lautem Wehklage – Gewimmer
    gibt sie mir, während ich hier sitze
    so viele gute Geistesblitze.
    Bin ich fertig mit der Reimerei,
    lass ich die Muse wieder frei,
    damit sie ihren eignen Weg kann lenken.
    Es soll doch niemand von mir denken,
    ich wär ein schlimmer Musenquäler.
    Hier reimt sich leider nur „Kartoffelschäler“.
    All dieser Schalk und all Geschmier
    stammen letztendlich nur von ihr.
    So stell ich großen Lob und Dank
    nicht in meinen eignen Schrank.
    Ich bündel ihn und schick ihn fort
    an den geheimen Musenort.
    Man sagt dort sitzt die Mus’ und warte
    auf Nachricht, Brief oder Postkarte,
    in der man ihrer Kunst gedenkt
    und sie mit Lob und Dank beschenkt.
    Herrje, what comes now in my mind?!
    The greeting should be in a special kind.
    Ich fass es nicht, bei meinem Barte,
    Der Gruß sollt auch sein ’ne Postkarte.
    Jetzt sitz ich in der Tinte. Und das fett!
    Anstatt per Post, schreib ich im Internet.
    Was ist, wenn’s Aergy nicht gefiel?
    Doch halt, da war ein zweiter Wunsch im Spiel!
    „Um dir die Zeit mal zu vertreiben,
    kannst auch was auf mein Blog draufschreiben.“
    Dies war, was aus seinem Munde quoll.
    Das ist des Problems Lösung – toll!
    Ich bin so froh, das nicht zu knappe,
    und schlage zwei Fliegen mit einer Klappe!
    Ich hab den Blogeintrag für dich gereimt
    und beide Wünsche so vereint.
    I hope, that I could have made true your wish.
    Ich hoffe es geht auch elektronisch.
    Ich sag noch “Tschüssi und lass krachen.“
    Einen letzten Spruch muss ich noch machen.
    „Alle Wege führ’n nach Rom.“
    Adieu, hau rein. der Kreischgnom

    PS: Meine liebsten Lieblingsposen
    Mach ich nur in Stützstrumpfhosen!
    Man sieht, ich bin sehr unbefangen.
    --> Hier ist es wohl mit mir durchgegangen!

  3. 3 katharina 03. Mai 2008 um 20:32 Uhr
  4. 4 Administrator 04. Mai 2008 um 11:14 Uhr

    @Kreischgnom:

    Danke, du hast meinen Tag gerettet!

    @w

    das stück war ziemlich cool, habe die inszenierung schon zum zweiten mal gesehen. das stück ist aus den 20er jahren (wurde unter anderem von r.w. fassbinder inszeniert) und es handelt von ein paar studenten, die sich die frage stellen ob es zwischen verbürgerlichung und selbstmord einen dritten weg gibt. auch wenn das stück den grundtenor hat „alle menschen sollten sich mit 17 erschießen“ geht es ziemlich tief und nimmt sexuelle normierung, ehe-arige beziehungsformen etc. ziemlich krass auseinander. was ich bei dieser inszenierung angesichts des titels und des inhalts ziemlich gelungen finde, ist dass das stück von tocotronic-liedern eingerahmt wurde, die die schauspieler an den entsprechenden stellen dann live spielen. ich hatte eigentlich eine abneigung gegen theater entwickelt, aber das ist dann doch cool…
    was ist das denn für ne band die sich so nennt? gibts die noch? hast du n link dazu?

  5. 5 sauerkraut 04. Mai 2008 um 11:45 Uhr

    sehr, sehr unterhaltsamer bericht eines sehr, sehr langweiligen 1.mai auf dem dorf. habt ihr euch während oder nach ken park wenigstens noch angefasst?

  6. 6 sauerkraut 04. Mai 2008 um 11:50 Uhr

    achja, die edelweißband erinnert mich an den polizisten in hamburg, den ich als „dreckigen bauernlümmel“ beschimpfte und ihm dabei mit dem finger aufs helmvisier piekte.

  7. 7 Administrator 04. Mai 2008 um 12:34 Uhr

    klar, nach dem film ham wir rudelbums mit anfassen gemacht.

  8. 8 sauerkraut 04. Mai 2008 um 16:10 Uhr

    sehr richtig. mit strangulieren wie der arme junge bei ken park?

  9. 9 w 04. Mai 2008 um 17:05 Uhr

    @ärgernis:

    ah, hatte gedacht das stück sei von der band begleitet worden. wahrscheinlich haben die jungs sich aber nach dem stück benannt. mp3s von denen kannst du dir hier anhören:
    www.krankheitderjugend.de

  10. 10 w 04. Mai 2008 um 17:13 Uhr

    weiß jmd ob ich den krankheit der jugend-film von haneke auf dvd bekommen?

  1. 1 Punk is back! « hate work. love communism. Pingback am 02. Mai 2008 um 15:31 Uhr
  2. 2 | Provinzblog Pingback am 03. Mai 2008 um 12:07 Uhr
  3. 3 Mai, o Mai « ärgernis Pingback am 30. April 2010 um 14:48 Uhr
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