Männliche Blicke gegen Geschichtsrevisionismus

Es ist vollkommen richtig gegen Geschichtsrevisionismus, deutsches Opfergeheule und gegen Naziaufmärsche zu demonstrieren. Gegen alle drei Unerträglichkeiten mobilisiert ein Demo-Bündnis, auf dessen Homepage mensch über die Internetseite der magdeburger Gruppe AIP verwiesen wird. Was inhaltlich unterstützenswert ist, wird durch seine Art des Mobi-Designs unerträglich: Gegen kollektives Rotz und Wasser steht für die Magdeburger Gruppe ein sexy Werbemädchen Pose. Losgelöst von jedwedem Inhalt (die Fliegermütze halte ich für die schlechteste Legitimation und eine billige Ausrede), werden hier männliche Erwartungen reproduziert, der männliche Blick auf die Frau wird zum Bild. Die Gruppe, die sich sonst als so kritsch und sonstwas darstellt, greift auf ein Mittel aus der sexistischen Mainstreamwerbung zurück: Sexy Frau dient als Hingucker, ansonsten hat der weibliche Körper, der den heteronormativen Idealvorstellungen entspricht nichts mit dem beworbenem Produkt zu tun. Mit dem sexy verschmitzten Lächeln wirbt das magdeburger Fliegermädchen für die Gegenaktivitäten und es kann in diesem Fall nicht anders sein: Hier machen Männer Werbung, die Männer ansprechen soll. Dass diese Männlichkeit auf den Demos dann ausgelebt wird, wurde bereits hinreichend kritisiert. An der Antifa-Realität ändert sich natürlich nix.

In Magdeburg stehen sexy Werbemädchen aber nicht nur Pose für irgendwelche Gegenaktivitäten, sondern auch für antifaschistische Politik überhaupt, wie auf der Homepge des AIP zu sehen ist:

Während ich dem Fliegermädchen auf dem Poster, welches auch in meinem lokalen AJZ zu finden war, einfach einen Bart gemalt habe, möchte ich zusätzlich auf eine äußerst sympathische Art der Zweckentfremdung hinweisen:


24 Antworten auf “Männliche Blicke gegen Geschichtsrevisionismus”


  1. 1 inkognitee 18. Januar 2008 um 16:53 Uhr

    :) … das logo in gross und klein samt schlechtem erklärungstext gibt’s hier. (also hoffentlich jeden moment wieder, ist grad down)

    solange das bild auch woanders in gross und mittel.

  2. 2 naja 18. Januar 2008 um 16:58 Uhr

    Irgendwas ist immer: Wird für ein Plakat/Sticker eine vermummte Person benutzt, ist das geschrei groß: Militanzfetisch! Macker! Wieso ist da keine (erkennbare) Frau drauf?! Wird eine Frau genommen, wenn möglich noch vermummt, mit Sonnenbrille, oder etwa zum Thema (Fliegerbrille), ist natürlich auch wieder nicht recht… Am Ende landet mensch dann wieder bei Marsupulami-zerschlägt-Hakenkreuz, Bernd das Brot oder dem von dir vorgeschlagenen Hippie-Look.

    Hat doch echt keinen Stil, sowas.

  3. 3 keta minelli 18. Januar 2008 um 16:58 Uhr

    es gabe eine zeit, in der wurden die plakate der noch existenten autonomen bewegung (zu recht) dafür kritisiert, dass kinder oder migrant_innen oder migrantische kinder die gängigen motive waren. begründet wurde dies damit, dass kinder als chiffre für unschuld eine romantische kritik an den verhältnissen abbilden bzw. migrant_innen in einer stellvertreterfunktion für das zu suchende revolutionäre subjekt instrumenralisiert wurden.
    später dann wurden die abbildung von vermummten männern für den gestus der mackermilitanz kritisiert. heute finden sich vermumte männer, migranten oder kinder nur noch sehr selten auf plakaten.
    nun also die kritik gegen frauen. frauen, die mit fliegerkappe offensichtlich in die männliche sphäre der kampfflieger eingedrungen sind und – so man den gesichtsausdruck so deuten möchte – auch noch spaß daran haben.
    es tut mir leid, aber in meinen augen hast du von werbung und marketing keine ahnung (was nicht so schlimm ist, leute, die in diesem metier arbeiten, haben oftmals auch keinen blassen schimmer). was schlimmer ist, ist dass deine „kritik“ sich ausschließlich aus den zwei komponenten moral und bekenntnis zusammensetzt. und damit kann man eine kirche gründen, aaber nicht die verhältnisse überwinden.

  4. 4 chica 18. Januar 2008 um 17:11 Uhr

    Man kann an dem oberen Bild vielleicht kritisieren, dass es ein sterotypes-kindliches Frauenbild ist, allerdings kann von „weiblichem Körper“ nicht gesprochen werden, weil ja jeweils nur Köpfe abgebildet werden.
    Andererseits sind linksradikale Plakate ja auch eine Auseinandersetzung mit der Mainstream-Werbung und so ein Bild kann eingesetzt werden, um erstmal zu irritieren und Aufmerksamkeit zu erwecken.
    Und gegen die Frau unten habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Die wirkt auf mich „cool“ und selsbtbewusst.

  5. 5 bigmouth 18. Januar 2008 um 18:34 Uhr

    und es kann in diesem Fall nicht anders sein: Hier machen Männer Werbung, die Männer ansprechen soll

    du kannst hellsehen? wow!

  6. 6 subwave 18. Januar 2008 um 19:38 Uhr

    das im ersten bild ist eine frau? also ich dachte immer das wäre kurt cobain in jungen jahren in seiner prä-H-phase…

  7. 7 w 18. Januar 2008 um 19:59 Uhr

    naja, ich finde die person schon eindeutig als mädchen gezeichnet, zudem noch blond, hellhäutig, dünn und mit verführerischerischem blick bzw gestik*. ob das jez mackerei ist oder eine produktive spannung zwischen diesem inbegriff von verführung und unschuld auf der einen, der antifa-bombing symbolisierenden fliegermütze auf der anderen entsteht, weiß ich nicht. oder drückt sich da durch die präsentation einer ‚ariererin‘ als pilotin anstelle etwa einer (klischee-)engländerin der verdrängte wunsch nach reinwaschung der nation aus?

    whatever:
    jedenfalls wird die ästhetisierung der politik wie von 1.000 antifa-gruppen zuvor weiter betrieben, und das finde ich gerade im zusammenhang mit dem ns ein ziemliches problem.

    *könnte zb eva padberg sein, hier ebenfalls mit mütze:
    http://www.webshopblog.de/static/otto_padberg_big.jpg

  8. 8 Administrator 19. Januar 2008 um 19:38 Uhr

    @naja:
    genau. hauptsache es hat stil. und wenn was stil hat, dann muss mensch das ja nicht immer kritisieren. irgendwas gibts ja immer.

    @keta minelli:

    nun also die kritik gegen frauen. frauen, die mit fliegerkappe offensichtlich in die männliche sphäre der kampfflieger eingedrungen sind und – so man den gesichtsausdruck so deuten möchte – auch noch spaß daran haben.

    der gegenstand der kritik war hier weder die darstellung von frauen überhaupt, noch die fliegerbrille. die darstellung von einem eindringen in die männliche sphäre der kampfflieger wäre ein wunderbares konzept. hier bleibt die frau meiner meinung nach aber eindeutig frau und bricht nicht in geringster weise männliche erwartungshaltungen (sportlich, schlank, attraktiv). die fliegerbrille bleibt für mich damit bloßes „anhängsel“, eine letzte rettung, damit die loslösung des „werbemädchens“ vom zu vermittelnden inhalt nicht vollends offensichtlich wird.

    @chica:

    Man kann an dem oberen Bild vielleicht kritisieren, dass es ein sterotypes-kindliches Frauenbild ist, allerdings kann von “weiblichem Körper” nicht gesprochen werden, weil ja jeweils nur Köpfe abgebildet werden.

    Okay, es ist nicht der ganze Körper abgebildet, aber auch mehr als nur der Kopf. Ich finde ein schlankes, sportliches, attraktives Mädchen ist eindeutig erkennbar.

    Andererseits sind linksradikale Plakate ja auch eine Auseinandersetzung mit der Mainstream-Werbung und so ein Bild kann eingesetzt werden, um erstmal zu irritieren und Aufmerksamkeit zu erwecken.
    Und gegen die Frau unten habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Die wirkt auf mich “cool” und selsbtbewusst.

    ich habe auch kein problem damit, dass hier eine frau selbstbewusst dargestellt wird. bloß, will eine „selbstbewusste“ frau anerkannt werden, hat sie halt auch schlank, attraktiv, sportlich zu sein. das ist das problem.
    wo findet denn bei diesem beispiel eine auseinandersetzung mit der maisntream-werbung statt? ich finde hier wird nicht irritiert, und schon gar nicht die männlichen blicke. würden solche erwartungshaltungen gebrochen werden, würden die irritation und die erregung von aufmerksamkeit wesentlich höher sein. gerade aber beim header unten wird hier eindeutig ein schönheitsideal reproduziert. wo ist denn da der unterschied zur carrhart werbung?

  9. 9 red rabbit 19. Januar 2008 um 22:59 Uhr

    wenn ich an den alten header deiner gruppe denke?
    mittlerweile ist der natuerlich weg…ich kritisiere dass nicht schmunzel nur da dort ja auch eine frau abgebildet war die doch serh sex geschaut hat…hast du dass ins rollen gebracht dass dort jetzt ein anderer header ist??

    liebe gruesze

  10. 10 Administrator 20. Januar 2008 um 0:40 Uhr

    ich fand den header von anfang an scheiße. ich war mit der kritik aber nicht alleine.

  11. 11 IdrawESCAPEplans 22. Januar 2008 um 16:04 Uhr

    ich frage mich gerade was das problem daran ist, einen menschen abzubilden der einem subjektiven schönheitsempfinden entspricht. auch denke ich das sich dieses empfinden nicht nur auf „männer“ beschränkt/beschränken muss. bei beiden bannern kann ich keine objektivierung von frauen an sich feststellen bzw. einen so gearteten vorwurf nachvollziehen.

    und das es in magdeburg nicht per se dasrum geht mit „frauen“ zu „werben“ zeigen ettliche andere artworks ;)

    http://widget.slide.com/rdr/1/1/3/W/70000000561102b/1/0/8LZdjag4xD_Pbk-6b7TXHKCD8QJ8xpuz.jpg
    http://aipmd.pytalhost.de/texte/sowas.jpg

  12. 12 difficultiseasy 22. Januar 2008 um 17:25 Uhr

    @idEp:
    beide plakate sind nicht entgendert(?) worden!
    1. djs -> dj_anes (wenns nur djs waren, die sich als männlich definieren, is es aber wieder ok)
    2. täter -> täter_innen
    ;)

  13. 13 scheckkartenpunk 22. Januar 2008 um 19:14 Uhr

    „dj_anes“ lol – ich kenne mehr frauen, die demjenigen mit nachdruck klar machen würden das wieder zu entgendern, als dass sie sich darüber freuen würden. „jane“ -> tarzan, diese assoziation ist nicht unbedingt idealvorstellung für viele.

    wo sieht man denn bitte bei dem header, daß die abbildung zwingend eine „sportliche“ und „schlanke“ frau darstellt? das ist doch nur deine männliche wunschprojektion.

  14. 14 Anonymes Wiesel 22. Januar 2008 um 20:31 Uhr

    „die darstellung von einem eindringen in die männliche sphäre der kampfflieger wäre ein wunderbares konzept. hier bleibt die frau meiner meinung nach aber eindeutig frau“

    Etwas aus dem Kontext gerissen, aber das klingt schon sehr lustig: eine Frau sollte zwar in männliche Domänen eindringen – aber eben nur, solange sie dabei keine Frau bleibt.. :)

  15. 15 w 22. Januar 2008 um 21:26 Uhr

    „ich frage mich gerade was das problem daran ist, einen menschen abzubilden der einem subjektiven schönheitsempfinden entspricht“

    und wo kommts her, das subjektive? vom objektiven!
    und das ist: die gesellschaft.
    oder gibts jetzt plötzlich doch das richtige, wahre, weil ach so individuelle im falschen? und das soll dann ausgerechnet die blonde sexy dünne frau sein …!?

  16. 16 IdrawESCAPEplans 22. Januar 2008 um 22:13 Uhr

    es ist ein unterschied ob ich über das wahre rede oder mein subjektives schönheitsempfinden. das ich mich dabei nicht frei machen kann von sozialisationsmustern und gesellschaftlicher norm ist mir aber auch klar. ich würde auch nie versuchen eine kritik zu formulieren um zu erklären warum ich einem menschen gegenüber zuneigung oder mehr empfinde ;)

    sich aber dieses subjektive – ja ich finde einige menschen attraktiv und andere eben nicht – einzugestehen ohne es zur wahrheit zu erheben oder zum allgemeinen bewertungsmaßstab ist eigentlich nur ehrlich und in meinem verständnis vor allem eins, nämlich nicht verklemmt.

  17. 17 subwave 22. Januar 2008 um 22:30 Uhr

    @diffucultiseasy: djanes geht mal gar nicht. english ist zum glück relativ gender-neutral und dj definiert nicht ob m/w or whatever. die verwendung von dj und djane analog m/w hingegen zementiert binäre geschlechtsidentitäten…

  18. 18 w 22. Januar 2008 um 22:59 Uhr

    „ich würde auch nie versuchen eine kritik zu formulieren um zu erklären warum ich einem menschen gegenüber zuneigung oder mehr empfinde“

    wieso denn nicht? wo du doch vorher noch sagst …

    „das ich mich dabei nicht frei machen kann von sozialisationsmustern und gesellschaftlicher norm ist mir aber auch klar.“

    … also wieso sollst du dich dann nicht daran versuchen, zu überlegen, inwieweit jetzt zb die beziehung zu deinen eltern, deine klassenzugehörigkeit, deine ‚ethnische‘ herkunft, deine geschlechtsidentität und sexuelle orientierung deinen modus der partnerwahl präformieren? das muss ja nicht in selbstkasteiung á la „oh god, ich bin ein sexist“ enden, sondern kann genausogut durch die reflektion dir helfen, vorher verschüttetes weil illegitimes begehren zu entdecken und zu entfalten – 1.000 tanzflächen, 1.000 geschlechter.

    „sich aber dieses subjektive – ja ich finde einige menschen attraktiv und andere eben nicht – einzugestehen ohne es zur wahrheit zu erheben oder zum allgemeinen bewertungsmaßstab ist eigentlich nur ehrlich und in meinem verständnis vor allem eins, nämlich nicht verklemmt.“

    ich weiß nicht wieso du jez unbedingt (wem eigentlich?) verklemmtheit unterstellen musst, ist ja ein klassiker („prüder feminismus“ usw), aber sagt meist mehr über subjekt als objekt der kritik aus.

  19. 19 bigmouth 23. Januar 2008 um 0:09 Uhr

    sondern kann genausogut durch die reflektion dir helfen, vorher verschüttetes weil illegitimes begehren zu entdecken und zu entfalten – 1.000 tanzflächen, 1.000 geschlechter.

    das „ebensogut“ würde ich ja jetzt doch bezweifeln. idR ist das versachüttete doch ziemlich gut verschüttet

  20. 20 IdrawESCAPEplans 23. Januar 2008 um 0:37 Uhr

    @w

    hab ja nicht gesagt, dass ich nicht versuche das zu reflektieren. der vorwurf „verklemt“ war nicht auf eine oder einen konkret bezogen sondern eher als metapher für einen oft vorhandenen umgang in „der linken“ mit den eigenen und anderen gefühlen, bedürfnissen, zuneigungen, etc..

  21. 21 w 23. Januar 2008 um 1:00 Uhr

    @ bm:
    ja, ebensogut müsste man wohl wirklich übersetzen als „jahrelanger prozess“. dennoch lohnend!

  22. 22 bigmouth 23. Januar 2008 um 1:06 Uhr

    nicht zwangsläufig, meine ich

  23. 23 w 23. Januar 2008 um 2:03 Uhr

    bist halt ne stockkonservative hetero-sau …

  24. 24 bigmouth 23. Januar 2008 um 16:40 Uhr

    :-P

    ein „jahrelanger prozeß“ klingt nach viel aufwand & arbeit & so. und man weiß ja nicht mal vorher, ob da wirklich was bei rumkommt an großartiger veränderung. insofern bin ich mir da nich sicher, ob da die aufwand/nutzen-relation so gut is

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