Archiv für Januar 2008

Unterwegs auf der Aschebahn

Sehr nette Musik entdeckt, die sich da nennt „Apparat Hase“. Anhören!

Nachtrag zum deutschen Herbst

Eben diese sehr interessante Gruppe entdeckt, die sich da nennt „Selstamer Zusammenschluss“. Zum Schmunzeln gebracht hat mich dieses Plakat zur „negativen Party“:

Männliche Blicke gegen Geschichtsrevisionismus

Es ist vollkommen richtig gegen Geschichtsrevisionismus, deutsches Opfergeheule und gegen Naziaufmärsche zu demonstrieren. Gegen alle drei Unerträglichkeiten mobilisiert ein Demo-Bündnis, auf dessen Homepage mensch über die Internetseite der magdeburger Gruppe AIP verwiesen wird. Was inhaltlich unterstützenswert ist, wird durch seine Art des Mobi-Designs unerträglich: Gegen kollektives Rotz und Wasser steht für die Magdeburger Gruppe ein sexy Werbemädchen Pose. Losgelöst von jedwedem Inhalt (die Fliegermütze halte ich für die schlechteste Legitimation und eine billige Ausrede), werden hier männliche Erwartungen reproduziert, der männliche Blick auf die Frau wird zum Bild. Die Gruppe, die sich sonst als so kritsch und sonstwas darstellt, greift auf ein Mittel aus der sexistischen Mainstreamwerbung zurück: Sexy Frau dient als Hingucker, ansonsten hat der weibliche Körper, der den heteronormativen Idealvorstellungen entspricht nichts mit dem beworbenem Produkt zu tun. Mit dem sexy verschmitzten Lächeln wirbt das magdeburger Fliegermädchen für die Gegenaktivitäten und es kann in diesem Fall nicht anders sein: Hier machen Männer Werbung, die Männer ansprechen soll. Dass diese Männlichkeit auf den Demos dann ausgelebt wird, wurde bereits hinreichend kritisiert. An der Antifa-Realität ändert sich natürlich nix.

In Magdeburg stehen sexy Werbemädchen aber nicht nur Pose für irgendwelche Gegenaktivitäten, sondern auch für antifaschistische Politik überhaupt, wie auf der Homepge des AIP zu sehen ist:

Während ich dem Fliegermädchen auf dem Poster, welches auch in meinem lokalen AJZ zu finden war, einfach einen Bart gemalt habe, möchte ich zusätzlich auf eine äußerst sympathische Art der Zweckentfremdung hinweisen:

VerSteinerung

Peter Bierl stellt sich der Diskussion mit Weimarer Waldorfpädagogen: „Wie rassistisch und gefährlich ist die Lehre Rudolf Steiners wirklich?“, Mittwoch, 16. Januar 2008 von 12-13 Uhr on Air bei Radio LOTTE um 20 Uhr in der ACC-Galerie am Burgplatz.

hier

Habe gestern auf dieser veranstaltung wieder einmal erfahren wie unangenehm es ist mit Anthroposophen zu diskutieren und wie resistent sie gegen Argumente sind. Ich denke, dass es der Moderation zu verdanken war, dass nicht ein einziger Referent durch eine Masse gesteinigt wurde, die gekommen war um ihre Autorität zu verteidigen. Symptomatisch in der Diskussion mit Anthroposophen ist, dass sie immer wieder behaupten eine Diskussion über Steiner und seine „Wissenschaften“ wäre erst möglich, wenn mensch sie selber praktiziert.

Eine Sammlung von Artikeln zur Anthroposophie gibts hier, außerdem gibts einen krtischen Infoblog zur Anthroposophie.

Michael Ende, du hast mein Leben zerstört

Sehr interessanten Blog gefunden, von einer Gruppe, über die es nicht mehr Infos gibt, als dass es eine neue Gruppe aus Berlin ist: paeris. Mein Interesse hat der Ankündigungstext zur Veranstaltung „Desire less. Welcome to the Pleasuredome“ geweckt, ein Tagesseminar über Bedürfniskritik und das Unechte, Künstliche und Oberflächliche am 23. Februar 2008 in Berlin:

Hatte Michael Ende Recht, wenn er meinte, dass Sprechpuppen die Phantasie zerstören, oder hat doch eher Michael Ende unser Leben zerstört? Hat das Halbbildungsbürgertum recht, wenn es sagt, Fernsehen mache dumm? Haben Grüne recht, wenn sie meinen, ein Wollpullover sei besser als die aktuelle Roberto-Cavalli-Kollektion von H&M? Und haben die Linken recht, wenn sie sagen, ein Döner sei besser als ein BigMac? Wir wollen jetzt natürlich nicht Stiftung Warentest ersetzen und in die Produktanalyse einsteigen, sondern unter Mithilfe von Bourdieu und Adorno genauer hinsehen, was eigentlich an Produkten, ihrem Konsum und besonders dem Verhältnis der Konsumierenden zu ihren Wünschen so schlecht sein soll oder ist. Uns scheinen dabei immer wieder Begriffe wie „Echtheit“, „Natürlichkeit“ und „Tiefe“ die Ideale zu sein, an denen Produkte und Konsumverhalten gemessen werden. Wir werden also diese Begriffe durchleuchten, viel Schlechtes, aber auch ein bisschen Richtiges in diesen Idealen finden, und darüber hinaus feststellen, dass diese Ideale weder reine Wahrheit noch einfach nur individuelle Meinung sind, sondern selbst durchaus wesentlich mit der Gesellschaft zu tun haben, in der wir leben müssen.

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Erklär mir die Abstraktion

„Geh‘ ich durch‘n Wald, da seh ich was, das ist unten braun und oben da hängt was Grünes dran, da denkt mein Gehirn: ‚Scheiße, das kenn‘ ich irgendwoher, das nenn‘ ich doch Baum‘.“

In einem Seminar zur Wertkritik.

2 x Umherschweifen pro Quadratmeter

Diese Zeitschrift scheint die von den Situationisten begründete Psychogeografie und den Unitären Urbanismus auf hohem wissenschaftlichen Niveau und ohne nostalgische Hampeleien oder prosituationistische Romanzen fortzusetzen. Aus dem Impressum:

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung erscheint seit Sommer 2000 vierteljährlich in Wien und versteht sich als interdisziplinäre Plattform zum Thema Stadtforschung. Die behandelten Felder reichen von Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, Raumordnung und Bildender Kunst bis zu Geographie, Soziologie, Politik- und Medienwissenschaften und Philosophie. Thematisiert werden globale Problemstellungen, die im lokalen Rahmen behandelt werden und Aufschlüsse über die gegenwärtige Stadtentwicklung geben sollen.

Gefunden habe ich die Zeitschrift (dérive=franz. umherschweifen), als ich auf einer Bücherladentour durch Berlin auf das pro qm stieß, ein Buchladen zu Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst & Theorie, der alles Moderne von Relevanz gesammelt zu haben scheint, seien es Zeitschriften, Bücher und Magazine, seien es Musik und Design. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte dort unbedingt mal vorbeischauen (Almstadtstrasse 48-50, geöffnet: Montag – Freitag 12-20 Uhr, Samstag 12-18 Uhr).

Aus der taz Berlin (lokal Nr. 8195 vom 7.2.2007, Seite 25) zum pro qm:

Almstadtstraße am Sonntagabend in unserer Möchtegernmetropole – leise, lichtarm, leergefegt. Die Straße im Scheunenviertel hat noch diesen dörflichen Charakter und hält, oberflächlich betrachtet, noch der Gentrifikationsdampfwalzenentwicklung des dritten Jahrtausends stand. Doch plötzlich durchzucken weiße Lichtblitze am Ende der verschlafenen Straße rhythmisch die Dunkelheit. Die umliegenden Hauswände werfen Reflexe. Im Näherkommen dann eine Menschengruppe vor zwei großen Schaufenstern. Ihre Unterkörper verschwinden in den dicken Rauchschwaden eines fleischbeladenen Grills.

Gefeiert wird die Neueröffnung der Buchhandlung Pro qm in den ehemaligen Räumen eines Obdachlosenvereins. Die Grilleinheit auf dem Trottoir gibt nur einen schwachen Vorgeschmack von dem, was einen im Inneren erwartet. Stroboskopblitze zucken durch den proppevollen Laden, ein weißes Lauflicht tanzt über 200 Köpfe. Es duftet nach Grill. Der Laptop-DJ spielt laute Münchner Discomucke von 2006. Sie klingt wie Münchner Discomucke von 1976. Plappernd und dichtgedrängt steht die Menge zwischen deckenhohen weißen Bücherregalen, selig von Rostbratwurstkonsum und gesponsertem Freibier. Es besteht nicht die geringste Chance, das umfangreiche Bücherangebot zu begutachten. Ist ja auch egal, wenn’s dafür jede Menge Szenevolk mit Berlin-90er-Background aus Kunst, Kultur und Musik gibt. In einer dunklen Ecke im hintersten Teil des Ladens kniet Pro-qm-Mitmacher Jesko Fezer und startet die Nebelmaschine. Jetzt verschwinden auch die Leute drinnen in weißen Schwaden. Ich frage: „Jesko, wird das ‚n Club oder ’ne Buchhandlung?“ Er sagt: „Weiß noch nicht.“

Egal ob Club oder Buchladen, die taz gibt’s dort glücklicherweise nicht zu kaufen…

Save your Unterbewusstsein #10

Nachdem ich also vom linken Moralisten zum beichtenden Ablasssuchenden geworden bin, habe ich mich ein paar Monate der Selbstgeißelung gewidmet, um nun mit gereinigter Seele weiter gen Jenseits zu streben. Das hat mir auch ohne mein Zutun viele Kommentare auf meinen letzten Artikel eingebracht, welche am Himmelstor auf der Waage dazu beitragen werden, dass ich in den Blogsport-Himmel aufsteigen darf.
Während ich ein bisschen an meinem Blog rumfrickele, hier ein Traum, der in der letzten Nacht meine Seele geplagt hat:

Ich habe geträumt, ich wäre in einem kleinen Dorf, wo ich zusammen mit ein paar Leuten ein Haus besetzt habe. Mit der Zeit füllte sich das Haus enorm und es wurden immer mehr Leute, die mit in dem Haus wohnen wollten, sodass es bald ein reges Chaos und Gewimmel gab und ich den Fortbestand der Besetzung in Gefahr saß. Also rannte ich fast panikartig zwischen den unzähligen Menschen umher und rief: „Wir müssen ein Komitee zur Aufrechterhaltung der Besetzung bilden!“ (Literaturtip: René Viénet„Wütende und Situationisten in der Bewegung der Besetzungen“) Keiner der Anwesenden schien mich zu hören, dafür aber entdeckte ich A., der in unserem lokalen AJZ Hausverbot hat und bekam eine mordsmäßige Wut über seine unverschämte Anwesenheit. Ich packte ihn bei den Haaren und wollte ihn so aus der Tür schleifen, was er sich jedoch nicht gefallen ließ, sodass wir uns prügelten. Da um uns herum dutzende andere Menschen standen, die von der Prügelei anscheinend keine Notiz nahmen, gelang es ihm schließlich mir zu entwischen und ich konnte ihn zwischen den Leuten nicht mehr entdecken. Verwirrt lief ich durch das Haus, schlängelte mich durch die Menschenmasse, die immer noch keine Notiz von mir zu nehmen schien und gelangte schließlich in einem Raum, in dem nebeneinandergereiht und übereinandergestapelt unzählige Kühlschränke standen. Anscheinend schien jeder der Hausbesetzer_innen einen eigenen Kühlschrank zu besitzen und diese Kühlschränke schienen in diesem Raum versammelt zu sein. Etliche der Besetzer_innen werkelten an ihrem Kühlschrank herum, oder standen einfach nur da und unterhielten sich mit anderen Besetzer_innen. Auf einmal bemerkte ich, dass in einem Kühlschrank, der in der zweiten Reihe stand und dessen Tür geöffnet war, auf einer Schachtel A. saß und etwas schrieb. Er saß einfach so in dem Kühlschrank, seine Körper passte genau in den kleinen Raum und schrieb etwas, als wäre es das normalste auf der Weöt in einem Kühlschrank zu sitzen.
Den Rest hab ich vergessen…