Archiv für September 2007

Gute Musik feat Schlechte Ideologie

Es gibt einige (linke) Bands deren Musik ich toll finde, bei denen aber beim näheren Hinsehen klar wird, dass es sich um schlechtes Klischee handelt und der blödeste Antiimperialismus/Antiamerikanismus bedient wird. Schlimmer ist es wenn mensch sich für die Musik einer Band geradezu begeistert und dann feststellen muss, dass das Weltbild dieser Musiker von verkorkster Ideologie bestimmt ist. Sollte die Bahamas doch Recht behalten, dass Punk, der alle künstlerischen Bereiche in einer feindlichen Ästhetik vereinen wollte um den letzten Großangriff gegen den Kapitalismus zu fahren, nicht nur kläglich gescheitert ist, sondern dass Punk zum Lautsprecher der Mehrheit geworden ist?

Es gab sicherlich mehr, doch ich erinnere mich an drei Fälle in denen ich mich für eine Musik begeisterte und dann schmerzlich erwachte.

1. Autoritär

Autoritär spielen wundervollen Oldschool-Düster-Knüppel-Crust (die Musik die bei mir die Herbsttage musikalisch unterlegen) und mensch hört der Musik ein wütendes Aufbegeheren. Dass es sich bei dieser Wut aber um stumpfes Ressentiment handelt merkt mensch spätestens, wenn einem auf der Homepage der Band das Gewehr des palituchvermummten Intifada-Kämpfer ins Auge giekelt.

Dennoch eine Kostprobe:

2. Children of Fall

Musikalisch versierter war es dann bei Children of Fall. Sie spielen melancholischen Screamo/Emocore und sind nicht nur musikalisch sympatisch. Ich lernte einen der Musiker bei einem meiner Besuche in Kopenhagen kennen und ich habe selten so ein nettes Gespräch geführt. Irgendwann habe ich einen Aufnäher auf seiner Tasche entdeckt: „Antizionism is not Antisemitism“. Bei ihrer Tour durch Deutschland bekamen sie Absagen von vielen Clubs, da einer der Members zuvor mit einem T-Shirt aufgetreten war auf dem „Burn Israel Burn!“ zu lesen war.

3. Leftöver Crack

Am schlimmsten war es für mich als ich rausfand was für eine Politik die Band Leftöver Crack macht. Der experimentelle Mix aus Blackmetal, Crust, Punk, Ska, Doom und nochmehr hatte mich in seinen Bann gezogen und mich begeistert. Außerdem bekam die Band meine Sympathie durch Lieder wie „Gay Rude Boy“, die sich gegen Homophobie richten. Besucht mensch die Band-Homepage, bekommt mensch als erstes sowas zu sehen:

Fazit? Punk is dead, Punk is dead!
Oder?
Immerhin gibt es angenehme Ausnahmen. Eine davon ist die freche Band Amen81, deren Wut es krachen lässt, aber nicht den Verstand besiegt. Dieser wird beispielsweise in einem Lied gegen Palitücher bewiesen. Ein anderes Lied hier als Kostprobe:

Angenehm ebenfalls die Kellerasseln, die erkennen was das Problem ist, nämlich das Punk zu Rock geworden ist:

Der verpasste Tag

Neulich bekam ich einen Brief, in einem selbstgebastelten Umschlag aus einem A4-Blatt mit den typischen DDR-Tabellen, die ich so liebe, in dem sich lediglich ein Zettel befand, auf dem mit Schreibmaschine eine Geschichte geschrieben war:

DER VERPASSTE TAG

Ich besorgte mir alles, was ich dazu brauchte. Im Internet bestellte ich mir eine riesige Kiste chinesischer Silvesterböller, einen Trafo konnte ich mir von meinem Onkel borgen, er hatte seit Jahren eine Eisenbahnplatte im Keller, die er nur zu Weihnachten herraus holte. Klebeband kaufte ich mir bei Obi, da gab es ja eh alles. Die restlichen Kabel nahm ich einfach aus der Sterioanlage meiner Eltern oder sonstwoher, alles war perfekt, wenn dann nicht!
„Junge, komm mal schnell!“, rief meine Mutter ganz aufgeregt. „Vater ist vom Stuhl gefallen.“
So ein Mist, dachte ich, gerade jetzt. „Ich komme gleich!“, rief ich in die Küche. Ich bekam aber das ganze Klebeband gar nicht mehr ab, also zog ich mir einfach ein weites T-Shirt an und ging in die Küche. Vater lag bewusstlos am Boden. Er hatte sich den Kopf aufgeschlagen, blutete aber nicht.
„Er muss sofort ins Krankenhaus“, sagte Mutter.
„Ich rufe einen Krankenwagen.“, sagte ich dann. Aber hatte ich das Telefonkabel nicht auch schon verbaut. Tatsache, das Telefon war ohne Kabel. „Geht nicht!“, rief ich Mutter zu. „Wir müssen ihn mit dem Auto ins Krankenhaus bringen.“
Mutter konnte nicht fahren, außerdem war jetzt eine Notsituation, also beschloss ich selbst den Wagen zu steuern, Vater hatte den Schlüssel ja in der Tasche. Ich rannte schon mal runter, um zu schauen, wo der Wagen stand. Mutter hatte Vater solange in eine dicke Decke gerollt. Wir schliffen ihn gemeinsam zum Fahrstuhl.
„Und was ist mit der Schule?“, fragte ich Mutter.
„Das geht heute nicht! Siehst du nicht, dass Vater stirbt!?“
Natürlich sah ich, dass Vater starb. Was dachte sie denn?
Irgendwie mussten mir hinten noch ein Paar Kabel aus der Hose gehangen haben, das merkte ich aber erst, als wir Vater im Fahrstuhl hatten und das Ding nach unten fuhr. Es zog erst ganz heftig und dann: „RISCHSCH“ , riss es ab. Es hatte mich fast bis zur Fahrstuhldecke geschleudert.
„Was machst denn du, Sohn?“
Oh man, dachte ich, was für ein Tag. Wir räumten Vater ins Auto und ich startete den Wagen und fuhr los. Sicherheitshalber nahmen wir ein paar Schleichwege, am Kanal entlang, durch die Gartenanlage, durch den grpßen Park.
„Da ist es ja endlich!“, rief Mutter.
„Ich fahr lieber von hinten ran.“, sagte ich.
Vater war immernoch bewusstlos. Es sah so aus, als würde er auf der Rückbank schlafen.
„Zur Seite!“, rief Mutter, als wir ihn in die Notaufnahme zogen. Der Arzt wollte dann sofort wiederbeleben. Vater wurde auf eine Liege getan und reanimiert. Mutter und ich nahmen im Wartebereich Platz.
„Mutter“, sagte ich, „ich möchte heute noch unbedingt in die Schule.“
„Du magst doch sonst nicht hingehen!“, sagte Mutter. „Willst du noch abwarten, ob Vater wieder zu sich kommt?“
Sie hatte ja Recht, aber ich hatte andere Pläne. „Na gut.“, sagte ich widerwillig.
Vater kam dann zu sich. Er musste aber noch länger im Krankenhaus bleiben. Die Gehirnblutung ließ sich nicht gleich stoppen.
Am nächsten Morgen wollte ich gleich noch vor dem Frühstück, in die Schule. Als ich dort ankam, war alles voller Polizisten.
„Du kannst wieder nach Hause gehen. Heute ist keine Schule.“, sagte mir einer der Beamten, die hinter einer weitläufigen Absperrung standen. „Gestern ist etwas schreckliches vorgefallen!“
Erst als ich wieder zu Hause war und die Zeitung las, erfuhr ich davon. Einder der Achtklässler war Amog gelaufen, wahrscheinlich einer aus der Parallelklasse. Prima, dachte ich, toll.

rasputin s. rache

Der Absender des Briefes war die Guthsmutsstraße. Wer will, kann mir noch eine Geschichte schicken.