Wer lehrt an der Bauhaus-Uni?

mister krause

Wenn mensch auf der Homepage der Bauhaus-Universität Weimar nachschaut welche externen Lehrkräfte in der Fakultät Gestaltung aktiv sind, so stößt mensch auch auf folgenden Namen: Dr. Peter D. Krause. Dieser gewisse Herr Krause bietet unter dem Titel „Verführen, Inszenieren, Überzeugen“ ein Rhetorik-Seminar an. In der Beschreibung des Seminar heißt es, mensch wolle mit der Rhetorik eine Form der Kommunikation analysieren, die „die wirkungsorientiert, also auf die Überzeugung oder Überredung des Adressaten hin ausgerichtet ist.“

Das alles mag noch nicht sonderlich fragwürdig erscheinen, wenn mensch beachtet, dass in der Fakultät Gestaltung auch die Gestaltung von Werbung gelehrt wird und dabei die Rhetorik wie sie in der Seminarbeschreibung geschildert ist, durchaus von Nützen sein könnte. Weiß mensch jedoch wer dieser Dr. Peter D. Krause ist, dann dürfte einem recht mulmig werden. Dieser Peter Krause sitzt seit 2004 für die CDU im Weimarer Stadtparlament und ist dem neokonservativem/neurechten Spektrum zuzuordnen. Er schrieb mindestens drei Jahre für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und einige Zeitung bei der nicht weniger schlimmen „Preußischen Allgemeine – Ostpreußenblatt“. Im Nachhinein hat sich Krause nie von der Jungen Freiheit distanziert und beschreibt die JF als „spannendes Projekt“ und „völlig offenes Debattenblatt.“ Auch durch seine Äußerungen wird immer wieder klar, dass er die Nähe zu dem Spektrum, welches durch die JF vertreten wird, nie verloren hat. So hetzte er in einem Interview im Weimarer Lokal Sender „Radio Lotte“ gegen das alternative Jugendzentrum „Gerberstraße“ und inszenierte am 9. Februar eine Gedenkstunde für die Opfer des allierten Luftangriffes auf Weimar 1945. Daraufhin folgte ein Zeitungsartikel im Anzeigenblatt „Hallo Weimar + Apolda“, der vor Geschichtsrevisionismus und Opfermythen nur so strotzte.

Sollte es eigentlich reichen, dass er Mitglied einer Partei ist und somit nichts als Lehrkraft in einer Uni nichts verloren hat, so reicht in diesem Fall nicht einmal seine fragwürdigeVergangenheit. Doch es ist nicht nur seine Vergangenheit, die augenblicklich für einen Skandal sorgen sollte, sondern es ist seine gesamte ideologische Ausrichtung. Er bezieht sich nicht nur (typisch für Konservative) positiv auf Friedrich Schlegel, der in seiner Anfangszeit zwar durchaus dem emanzipatorischen Bürgertum zuzordnen war, aber später in reaktionäre Gefilde abgerutsch ist, sondern beispielsweise auch auf den Soziolohen Arnold Gehlen. Arnold Gehlen war ein Philosoph und Soziologe, der in seinen Veröffentlichungen während der Nazizeit die nationalsozialistische Ideologie vertrat (beispielsweise wollte er in einer Publikation von 1940 „die Überlegenheit der arischen Rasse am Beispiel der SS“ belegen). Nach 1945 wurden Gehlens Werke jedoch wieder veröffentlicht und in manches Lehrprogramm aufgenommen, die entsprechenden Stellen wurden einfach herausgenommen. Ähnlich bezieht sich Krause auf den Dichter Gottfried Benn, der im Dritten Reich zwar Schreibverbot bekam, aber nie gegen die Nazis geschrieben hat. Im Gegenteil: Er schrieb für die nationalsozialistische Ideologie und war 1934 Viezepresident der „Union Nationaler Schriftsteller“. 1935 bemühte sich Benn erfolgreich um den Eintritt in die Wehrmacht. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Benn zunächst für seine Haltung im Nationalsozialismus kritisiert, dann aber wohlwollend in die deutsche Mitte aufgenommen. Für das Sommersemester an der Bauhaus-Universität in Weimar hat Krause angekündigt unter anderem die Rhetorik von „Mein Kampf“ zu untersuchen.

Für Weimar, die Vorreiter-Stadt im Nationalsozialismus aus der das Bauhaus vertrieben wurde, sind solche Vorfälle wohl typisch. Auch für die Bauhaus-Uni, die sich 2001 von der ursprünglichen Bauhaus-Bewegung distanziert hat, scheint so etwas nun zur Normalität gehören. Hoffentlich sind auch die Studenten noch nicht ganz verloren… Zumindest wurden auf der Pinnwand, dem Forum der Uni-Homepage einige kritische Beiträge gepostet. Doch diese sind nun verschwunden. Ein letzter Beitrag im Forum:

Wo sind die Beiträge hin???

Seltsam, gestern Abend konnte man noch einige sehr interessante Beiträge zum Rhetorikproblem an dieser Stelle finden, doch heute ist alles bereinigt!
Die Universität beruft sich auf Meinungsfreiheit und löscht gleichzeitig unbequeme, im Sinne der Studierenden verfasste, Artikel einfach von der Pinnwand.
Wo sind Sebastians, Jans und meine Kommentare verblieben?
Auf Anfrage bei Frau Billing wird die Sache einfach totgeschwiegen…

Vielen Dank für die imaginäre Pluralität die hier vorherrscht!

In diesem Sinne…


1 Antwort auf “Wer lehrt an der Bauhaus-Uni?”


  1. 1 “Ich hab Krause am Schuh…” « hate work. love communism. Pingback am 25. April 2008 um 14:24 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.