Cøbenhavn #2

Was also beim letzten Bericht noch geheim und heimlich war, kann ich euch nun offenbaren. Wir waren bei einer Hausbesetzung dabei. Mads hatte uns erzæhlt, dass es sich um ein Haus handelt, welches seit einigen Tagen schon inoffiziell besetzt ist und nun mit einer Party offiziell besetzt werden sollte. Der Treffpunkt war nachts um 1 an einer Metro-Station St. Christiansen, also ganz in der Næhe von Christiania. Also sind wir da mit der Ultra-Cyber-Ubahn hingefahren. Gleich als wir aus der Metrostation rauskamen, erblickten wir ein Polizei-Auto. Jedoch sahen wir auch schwarz angezogene Menschen, die in einer Seitenstrasse standen, die wir dann gleich gefragt haben ob sie auch zu der Besetzungs-Party wollten. Sie meinten ja, aber noch keiner weiss wo das Haus ist. Es war also bis dahin geheim gehalten worden. Irgendwann waren dann die Bullen weg und es kamen immer mehr Leute. Als es ca. 60/70 Leute waren setzten sich alle in Bewegung und scheinbar wusste nun jemand wo es lang geht. Es liefen immer zwei rennende Scouts vorneweg oder durch die Seitenstrassen. Schliesslich standen wir an einem grossen, beleuchteten Hafenplatz und alle blieben stehen. Wir fragten was los sei und jemand erzæhlte uns, dass wir noch auf mehr Leute warten. Als dann noch ein kleiner Menschenhaufen hinzukam ueberquerten wir den Platz und eine Frau øffnete eine Tuer und drin waren wir. Ein Hafengebæude, welches anscheinend gerade renoviert wurde. Ein wunderschønes Haus. Nachdem sich alle das Haus angeguckt hatten, verteilten sich die Leute im Haus und es wurde sich gemuetlich gemacht. Schliesslich kamen sogar Leute mit Bollerwagen und brachten Møbel mit. Die Helden des Abends wurden wir dadurch, dass wir eine Lampe aus dem Keller abschraubten und in die unbeleuchtete erste Etage ummontierten. Schliesslich haben wir noch einen dunkelhæutigen Kiffer kennengelernt, der deutsch sprechen konnte und aussah wie ein Kønig, da er einen roten Umhang trug.
Komischer weise gingen mit der Zeit jedoch immer mehr Leute nach Hause. Schliesslich stand nicht einmal mehr jemand draussen, der guckte ob die Bullen kommen. Also haben wir beunruhigt unseren Kiffer-Freund gefragt ob es denn ueberhaupt eine Taktik gæbe das Haus zu halten. Der meinte, dass es ihm auch eher unorganisiert vorkommt, dass er aber glaubt, dass die Party viel mehr ein Zeichen ist, dass es jedes Haus sein kann, als eine ernsthafte Hausbesetzung und dass dieses Haus fuer heute Nacht uns gehørt und dass eventuell eine Besetzung daraus werden kønnte. Also haben wir noch ein bisschen gechillt und Wein getrunken und sind dann gegen um 4 nach Hause gewatschelt.
Als wir dann aus einem Falaffel-Shop rauskamen, der erstaunlicher Weise um diese Uhrzeit noch geøffnet hatte, fiel mir auf, dass es nach Rauch roch. Kurze Zeit spæter, sah mensch den Rauch in der Luft. Und dann kamen wir direkt an einem Feuer vorbei, das anscheinend jemand gelegt hatte. Wir fragten jemanden was hier denn los ist, doch der meinte nur, dass er jetzt die Polizei rufen werde. Die war dann auch wenige Augenblicke spæter da und wir haben uns lieber schnell verkruemelt. Wir wissen nicht was es gewesen ist, es sah aber eher wie eine sinnlose Zuendelei aus.

Die Kæmpfe um das Ungedomshuset muessten aber noch gut in den Erinnerungen der Einwohner sein: Ueberall in der Stadt sieht man Graffity mit Kriegserklærungen und Forderungen nach einem neuen Jugendhaus. Ueberall sieht man die Nummer 69. Auch die Spuren von den Strassenkæmpfen sind noch ueberall zu sehen: Verschmorter Asphalt, eingeschmolzene Flaschen, eingebranntes Holz auf der Strasse.
Zur Zeit gibt es in Kopenhagen zwei neue Treffpunkte: Das Folkets-Huset (anscheinend ein Gewerkschaftshaus) und das Free Gymnasium. Bei letzterem handelt es sich um eine freie Privatschule mit einem sehr freheitlichen Lern-Modell. Vieles ist erlaubt: Graffity, takken, Plakate kleben. Ausserdem haben die Schueler sehr viel mitzubestimmung. Einmal in der Woche gibt es eine Vollversammlung, in der jeder reden darf. Ausserdem werden die Schueler in die Organisation des Schulalltages mit eingebunden, so zum beispiel beim Essen kochen (es gibt jeden Tag billig veganes essen, auch fuer Nicht-Schueler). Die Schueler kønnen die Ræume des Gymnasiums uneingeschrenkt benutzen und es duerfen auch ausserschulische Dinge in den Ræumen organisiert werden. So findet seit der Ræumung des Ungdomshusets hier das Montags-Plenum statt, in denen alle politischen Sachen besprochen werden, in letzter Zeit also vorwiegend die Erkæmpfung eines neuen Hauses.

Vorgestern Abend, nachdem ich Panther eine Fuehrung durch Christiania gemacht hatte, wollten wir auf eine Piratenparty gehen. Eine Piratenparty funktioniert folgendermassen: Eine Gruppe von Leuten organisiert ein leerstehendes Haus, sorgt eventuell fuer eine mobile Sound-Anlage und Getrænke und bereitet das gekaperte Objekt vor. Dann wird ein erster Treffpunkt bekannt gegeben, der ueber sms und Mund-zu-Mund-Propaganda die Leute erreicht. Wir hatten also die Info, dass wir uns 23 Uhr an einer S-Bahnstation in einem Bonzenviertel treffen, welches ein wenig ausserhalb von Kopenhagen lag. In diesem Viertel hat auch das Fadderhuset seine Hauptzentrale, also die Sekte, die fuer den Abriss des Ungdomshuset verantwortlich ist. Also Party in der Høhle des Løwen…
Als wir den Treffpunkt erreicht hatten, waren bereits 30/40 Leute da. Diesmal wurde nicht lange gewartet und die Leute setzten sich in Bewegung. Nachdem wir dann eine Weile gelaufen waren, fuhr ein Bullenaute an uns vorbei und fuhr dann ganz langsam vor uns her. Wir beide wollten erst stoppen, doch die Kopenhagener waren ganz relaxed und haben sich nicht von den Bullen støren lassen. Die sind uns dann bis zu einer Bruecke gefolgt, auf der dann alle stehen geblieben sind. Die Bruecke ueberfuehrte eine Gleisanlage und es waren auch einige grossræumige Bahngebæude da unten. Schliesslich riefen uns zwei Mædchen von unten zu, dass dies das gekaperte Gebæude sei, wir aber nicht runterkommen sollten, da die Bullen schon unten seien. Mist. Und zu diesem Zeitpunkt hatte es sich schon so richtig eingeregnet. Also standen die Leute auf der Bruecke rum und haben sich unterhalten. Von Zeit zu Zeit kamen immer wieder kleinere Menschengruppen dazu. Schliesslich meinten die Leute anscheinend, dass sie genug seien, und alle sind zusammen runtergegangen um, egal was die Bullen sagen, in das Haus reinzugehen. Die Menge liess sich dann aber dann doch von den zwei (!) Beamten aufhalten, die fieserweise Hunde dabei hatten. Dafuer wurde dann das Bullenauto, welches die beiden fahrlæssigerweise unbeaufsichtigt stehen lassen hatten, auf dem Rueckweg komplett entglast.

Gestern waren wir auf dem Montags-Plenum. Es waren jedoch nicht viele Leute da (ca. 20) und es wurde auch nicht sehr viel gesprochen, sodass das Plenum auch ziemlich schnell zu Ende war. Heute werden wir zum Kampfsport-Training gehen, welches auch frueher mal im Jugendhaus stattgefunden hat.

Viele Gruesse an die Homies…


4 Antworten auf “Cøbenhavn #2”


  1. 1 Panther 10. April 2007 um 15:33 Uhr

    Na ja…mein liebes Aergernischen, da muss ich doch so einiges berichtigen!!! Ne ne, abgesehen davon , dass ich es war der den Brand gerochen hat, ist alles so weit rischdisch!!! …. ja alles juti hier in kopenhagen … wa … ich liebe Kopenhagen schon irgendwie und ich muss sagen, ich hab mich noch nie so gesund gefuehlt, dank dir dir mein liebes aergernischen…ich wuensch uns noch ein paar tolle Tage… dein Panther

  2. 2 aergernis 10. April 2007 um 15:49 Uhr

    Nein, nein, ich habs zu erst gerochen. Ich erinnere mich genau daran, wie ich gesagt habe, oh hier riecht es aber nach Rauch. Erst daraufhin hast du in der Luft geschnuppert und dann zustimmend genickt.

    Ach, immer wenn ich hier in Kopenhagen bin, werde ich so verzaubert. Morgen gehts auf Suche nach Spuren der Gruppe CoBrA. Ich freue mich so darauf.

    S. --> I am back home soon. Meine Gedanken sind bei dir.

  3. 3 kojack 10. April 2007 um 16:52 Uhr

    hammer genial. :-D sowas mal hier wäre geil

  4. 4 kojack 10. April 2007 um 16:53 Uhr

    juti juti juti

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