Save your Unterbewusstsein

Wer Sonntag-Nacht bis in die Puppen dancet und am nächsten Morgen trotzdem halb 7 aufsteht um seine Pflicht zu tun, der muss nachmittags seinen Schlaf nachholen. Dies hat in meinem Fall einen Traum geschaffen, der in seiner Handlung unheimlich komplex und doch klar war, dessen Resultat aber trotzdem Verwirrung pur ist.

Ich habe den Traum in prosaischer Form aufgeschrieben. Echt nix dazu erfunden.

1. Berlin

Nun bin ich nach Berlin gezogen. Die Zeiten haben sich verändert, auch Berlin hat sich verändert. Ein Wohnblock im Bauhausstil, messianische Utopie, die sich in grausame Realität umgewandelt hat, wurde zurückerobert. Hier wohne ich zusammen mit Menschen die sich gegenseitig gut verstehen. (Saalschutz – „ziehen sie doch nach Berlin, meine Damen und Herren“). Unsere Gemeinsamkeit ist aber doch nicht mehr als eine Illusion, zumindest aber eine Insel des Glücks.

Die Zeiten haben sich verändert, auch Berlin hat sich verändert. Ein Berlin der totalen Kontrolle, der täglichen Bedrängnis. An den Straßen wurden überall, in regelmäßigen Abständen Lautsprecher angebracht, sodass Berlin ein Platz der ständigen Beschallung ist. Es ist nicht das Geräusch einer Großstadt. Sie spielen Musik.

Ab und zu gelingt es uns das System zu entschlüsseln. Dann werden die Menschen für kurze Zeit mit unserer Musik beschallt. In diesen Momenten fühlen wir uns frei.

2. Hündin

Heute besuche ich meine Eltern, die kurze Zeit später ebenfalls nach Berlin gezogen sind. Ich habe gedacht, dass sich die Beziehung zu meinen Eltern verbessert, wenn ich erst mal nicht mehr mit ihnen zusammen wohnen muss. Wenn ich sie besuche, dann bricht nach kurzer Zeit der alte Rhythmus wieder ein. So wie heute. Nach kurzer Zeit stehe ich vom Tisch auf und laufe durch die Wohnung und stelle fest, dass ich mich hier gar nicht auskenne. Ich öffne eine Tür und betrete einen Raum, den ich vorher noch nie gesehen habe. Der Raum ist klein und schmal. Vor einer staubigen Liege kauert eine Hündin und schaut mich an. Etwas bricht in mir auf und gibt Erinnerungen frei. Unsere Hündin. Jetzt muss sie also in einem engen Raum liegen. Ich klatsche auf meine beiden Oberschenkel und gebe ihr ein Zeichen, dass wir Beide jetzt raus gehen, dass sie frei ist. Sie reagiert aufgeregt, ihre Bewegungen bleiben jedoch schüchtern.
Mutter fragt: „Kannst du sie so mitnehmen? Hört sie schon auf dich?“ Nein. Also nehme ich die Leine mit.
Ich habe nun einen Partner und weiß, dass ich mich entgültig von meinen Eltern getrennt habe.

3. Nazi Aufmarsch

J. besucht mich, fuchtelt wild mit den Armen und erzählt mir aufgeregt etwas von einem Nazi-Aufmarsch. Ohne dass wir vorher etwas mitbekommen haben, haben sich ca. 30 Nazis zu einer Kundgebung in der Nähe unseres „Blocks“ gesammelt. Als ich mit J. und einigen anderen Freunden (anders_leben ist auch dabei) dort ankommen stellen wir fest, dass es nur zwei Polizisten gibt um eine „Pufferzone“ zwischen den „antagonistischen Extremisten-Gruppen“ zu bilden. Wir lecken Blut.

Daneben Nazipunks.

Mit einer unglaublichen Wut im Bauch laufen wir durch die Straßen der abendlichen Großstadt, die Luft ist mit etwas aufgeladen. Immer noch verbindet uns eine Gemeinsamkeit, die nun aber eine Gemeinsamkeit der Resignation und Machtlosigkeit ist. Wenigstens ist es uns wieder gelungen das System zu entschlüsseln. Die Straßen werden nun beschallt vom Soundtrack unserer Resignation.
Ich laufe, strecke meine Arme aus, fühle mich wie ein Bomber der Royal Airforce. Alles unter mir verbrennt.

4. S.

Wieder zu Hause angekommen, treffe ich S., meine Exfreundin. Wir gehen in den Gemeinschaftsraum um zu reden. Sie sagt, dass sich viel geändert hat, dass sie glaubt, dass jetzt alles wieder gut werden könnte. Ich küsse sie. Endlich wieder vereint. Plötzlich betritt B., ein guter Freund von uns beiden den Raum. Er setzt sich zu uns, ich denke mir nichts dabei. Nachdem wir ein paar Worte gewechselt habe, versuche ich S. wieder zu küssen. Sie erwiedert den Kuss nicht. Sieht mich an und sagt, dass es nie wieder so wie früher werden kann, dass sie mir das schon lange vorher sagen wollte und (plötzlich mit Triumph in der Stimme und im Blick), auf B. deutend: „Er – liebt mich wenigstens spontan.“ Ich stehe auf. Sie, plötzlich mit Verzweiflung und Mitleid in den Augen, weicht vor mir zurück, als ob mein aufrecht stehender Körper eine Bedrohung wäre. Ich laufe aus dem Raum. Tränen. Vor der Tür treffe ich F. von Klebrig, der zur Bandprobe will.


5 Antworten auf “Save your Unterbewusstsein”


  1. 1 aftershow 18. Dezember 2006 um 21:08 Uhr

    „Doch ein weiches, jugend-schmerzendes Herz?“

    aftershow (alles wird in Flammen stehn…….)

  2. 2 your sister 18. Dezember 2006 um 23:12 Uhr

    Ich hab vor langer Zeit einmal geträumt, dass ich eine Hündin bin, die bei unseren Eltern lebt. Ich hab es dort nicht gemocht. Ich war gefangen, mehr Nutztier als Familienmitglied. Ich wurde immer zurückgezogener, immer schwächer, schüchterner. Irgendwann ist in mir dann der Drang nach Freiheit aufgeflammt. Ich glaube, ich war trächtig, und wollte mein Junges auf keinen Fall hier in dieser Familie gebären. Also habe ich einen Fluchtplan ausgeheckt. Es war schwer zu flüchten, denn die Familie wusste, dass ich trächtig war – das ungeborene Junge war bereits ihr Eigentum. Es musste nachts geschehen, ganz schnell und leise. Ich habe den Vater dabei aufgeweckt, aber ich konnte fliehen, konnte entkommen, flüchten, raus in den Wald wo ich mich im Unterholz verstecken konnte. Ich war endlcih frei und mein Junges auch.

    BTW ich studiere grad wie solche Systeme mit der Beschallung, wie du sie oben beschrieben hast, funktionieren. ;-)

  3. 3 andersleben 19. Dezember 2006 um 11:00 Uhr

    so krasse träume hab ich noch nie gehabt :(

  4. 4 haloumi 19. Dezember 2006 um 17:02 Uhr

    klotz protz……

  5. 5 your sister 20. Dezember 2006 um 20:17 Uhr

    Hab heute geträumt, dass sich in der ganzen Stadt Nazis mit Autonomen richtige Schlachten liefern. J. und ich haben dann auch mitgemacht, wir haben uns Schilde und Knüppel gebaut, unsere Haustiere in Sicherheit gebracht, und unsere Lederklamotten angezogen, da die mehr vor Schrammen schützen als Stoff. War ganz schön aufregend, leider bin ich aufgewacht, bevor J. und ich und zu euch an die Front gesellt haben.
    Polizei war irgendwie keine da, bzw. war sie ohnmächtig den Guerilla-Gruppen gegenüber.

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