Archiv für Dezember 2006

Ich lebe in einer Welt…

„Also musste sie sich mit der Idee der Liebe begnügen: die Liebe zu Dingen zu lieben, an deren Existenz ihr gar nichts lag. Das Objekt ihrer liebe wurde die Liebe selbst. Sie liebte es sich selbst als Liebende, sie liebte es die Liebe zu lieben, so wie die Liebe das Lieben liebt, und war dadurch imstande, sich mit einer Welt zu versöhnen, die allzuweit hinter dem zurückblieb, was sie sich erhofft hatte.“

Aus Alles ist erleuchtet von Jonathan Safran Foer

Save your Unterbewusstsein #2

Wieder krasses Zeug geträumt.

Ich bin zusammen mit dem Bassisten von Tocotronic Kellner in einem gemütlichen Café einer gemütlichen Stadt. Nachdem wir Feierabend haben gehen wir zu einem Konzert. Der Club ist wirklich außergewöhnlich, der Konzertraum befindet sich in einem ausgebauten Dachboden einer alten Scheune. Es spielt ein Ein-Mann-Projekt: Es wechseln und mischen sich Blackmetal, Raggae, elektronische Musik, Doom-Rock und Hip Hop, eine unglaubliche Show mit Lichtern und Performance. Auf diese Art und Weise hat bisher eigentlich nur Peeping Tom Popmusik dekonstruiert.

Im Zuge des Erbrechens, können wir auch lachen…

Habe auf dem Blog von Gehwegplatte ein sehr cooles Lied entdeckt. Es handelt sich um „Kinder des Verbrechens“ von der Gruppe Sandow.

Schade, dass es solche Bands heute nicht mehr gibt. Die meisten dieser Art haben sich selbst kaputt gemacht, oder sind (wie z.B. Sandow) in die Eso-Ecke abgewandert. Gehwegpaltte, ich hab dich gleich verlinkt.

Endlich…

…ist die auch die etabliertere linke Presse auf ein brennendes Thema aufmerksam geworden.

Seit zwei Jahren weigert sich die Konzernleitung der Deutschen Bahn (Mehdorn) an deutschen Bahnhöfen eine Ausstellung über 11.000 deportierte Kinder zu zeigen. Die zum größten Teil jüdischen Kinder wurden zwischen 1942 und 1944 von den Nazis von Frankreich nach Auschwitz deportiert. Der Transport lief über die Deutsche Reichsbahn, deren rechtliche Nachfolgerin die Deutsche Bahn ist. Endlich ist es in den letzten Wochen zu Verhandlungen zwischen der Organisation „Söhne und Töchter der deportierten Kinder“ (die die Ausstellung zuvor in Frankreich gezeigt hatte und deren Vertreterin Beathe Klarsfeld sit) und der Konzernleitung gekommen, was auch den Aktionen und der Öffentlichkeitsarbeit der bundesweiten Kampagne „11.000 Kinder“ zu verdanken ist. Wie es aussieht will Herr Mehdorn aber nicht einfach so die Bedingugnen erfüllen. Die Verhandlungen gilt es kritisch zu beobachten.

Beide Blätter berichten über die 11.000 Kinder.
Weiter Infos unter German Foreign Policy.

Save your Unterbewusstsein

Wer Sonntag-Nacht bis in die Puppen dancet und am nächsten Morgen trotzdem halb 7 aufsteht um seine Pflicht zu tun, der muss nachmittags seinen Schlaf nachholen. Dies hat in meinem Fall einen Traum geschaffen, der in seiner Handlung unheimlich komplex und doch klar war, dessen Resultat aber trotzdem Verwirrung pur ist.

Ich habe den Traum in prosaischer Form aufgeschrieben. Echt nix dazu erfunden.

1. Berlin

Nun bin ich nach Berlin gezogen. Die Zeiten haben sich verändert, auch Berlin hat sich verändert. Ein Wohnblock im Bauhausstil, messianische Utopie, die sich in grausame Realität umgewandelt hat, wurde zurückerobert. Hier wohne ich zusammen mit Menschen die sich gegenseitig gut verstehen. (Saalschutz – „ziehen sie doch nach Berlin, meine Damen und Herren“). Unsere Gemeinsamkeit ist aber doch nicht mehr als eine Illusion, zumindest aber eine Insel des Glücks.

Die Zeiten haben sich verändert, auch Berlin hat sich verändert. Ein Berlin der totalen Kontrolle, der täglichen Bedrängnis. An den Straßen wurden überall, in regelmäßigen Abständen Lautsprecher angebracht, sodass Berlin ein Platz der ständigen Beschallung ist. Es ist nicht das Geräusch einer Großstadt. Sie spielen Musik.

Ab und zu gelingt es uns das System zu entschlüsseln. Dann werden die Menschen für kurze Zeit mit unserer Musik beschallt. In diesen Momenten fühlen wir uns frei.

2. Hündin

Heute besuche ich meine Eltern, die kurze Zeit später ebenfalls nach Berlin gezogen sind. Ich habe gedacht, dass sich die Beziehung zu meinen Eltern verbessert, wenn ich erst mal nicht mehr mit ihnen zusammen wohnen muss. Wenn ich sie besuche, dann bricht nach kurzer Zeit der alte Rhythmus wieder ein. So wie heute. Nach kurzer Zeit stehe ich vom Tisch auf und laufe durch die Wohnung und stelle fest, dass ich mich hier gar nicht auskenne. Ich öffne eine Tür und betrete einen Raum, den ich vorher noch nie gesehen habe. Der Raum ist klein und schmal. Vor einer staubigen Liege kauert eine Hündin und schaut mich an. Etwas bricht in mir auf und gibt Erinnerungen frei. Unsere Hündin. Jetzt muss sie also in einem engen Raum liegen. Ich klatsche auf meine beiden Oberschenkel und gebe ihr ein Zeichen, dass wir Beide jetzt raus gehen, dass sie frei ist. Sie reagiert aufgeregt, ihre Bewegungen bleiben jedoch schüchtern.
Mutter fragt: „Kannst du sie so mitnehmen? Hört sie schon auf dich?“ Nein. Also nehme ich die Leine mit.
Ich habe nun einen Partner und weiß, dass ich mich entgültig von meinen Eltern getrennt habe.

3. Nazi Aufmarsch

J. besucht mich, fuchtelt wild mit den Armen und erzählt mir aufgeregt etwas von einem Nazi-Aufmarsch. Ohne dass wir vorher etwas mitbekommen haben, haben sich ca. 30 Nazis zu einer Kundgebung in der Nähe unseres „Blocks“ gesammelt. Als ich mit J. und einigen anderen Freunden (anders_leben ist auch dabei) dort ankommen stellen wir fest, dass es nur zwei Polizisten gibt um eine „Pufferzone“ zwischen den „antagonistischen Extremisten-Gruppen“ zu bilden. Wir lecken Blut.

Daneben Nazipunks.

Mit einer unglaublichen Wut im Bauch laufen wir durch die Straßen der abendlichen Großstadt, die Luft ist mit etwas aufgeladen. Immer noch verbindet uns eine Gemeinsamkeit, die nun aber eine Gemeinsamkeit der Resignation und Machtlosigkeit ist. Wenigstens ist es uns wieder gelungen das System zu entschlüsseln. Die Straßen werden nun beschallt vom Soundtrack unserer Resignation.
Ich laufe, strecke meine Arme aus, fühle mich wie ein Bomber der Royal Airforce. Alles unter mir verbrennt.

4. S.

Wieder zu Hause angekommen, treffe ich S., meine Exfreundin. Wir gehen in den Gemeinschaftsraum um zu reden. Sie sagt, dass sich viel geändert hat, dass sie glaubt, dass jetzt alles wieder gut werden könnte. Ich küsse sie. Endlich wieder vereint. Plötzlich betritt B., ein guter Freund von uns beiden den Raum. Er setzt sich zu uns, ich denke mir nichts dabei. Nachdem wir ein paar Worte gewechselt habe, versuche ich S. wieder zu küssen. Sie erwiedert den Kuss nicht. Sieht mich an und sagt, dass es nie wieder so wie früher werden kann, dass sie mir das schon lange vorher sagen wollte und (plötzlich mit Triumph in der Stimme und im Blick), auf B. deutend: „Er – liebt mich wenigstens spontan.“ Ich stehe auf. Sie, plötzlich mit Verzweiflung und Mitleid in den Augen, weicht vor mir zurück, als ob mein aufrecht stehender Körper eine Bedrohung wäre. Ich laufe aus dem Raum. Tränen. Vor der Tür treffe ich F. von Klebrig, der zur Bandprobe will.

Galerie, Galerie

Abgesehen von der Tatsache, dass in der gestrigen Tatort-Folge auf eine extrem kleinbürgerliche Weise inhaltslose Kleinkunst abgefeiert wurde (die Galerie ist tot), ist es doch erfreulich, dass die Macher während ihrer Dreharbeiten anscheinend eines unverzerrt wahrgenommen haben: Dass die Weimarer Kriminalpolizei nichts gebacken kriegt.

Wer nach dem Schock ein bisschen 1999 gebraucht hat, ist dann hier hin gefahren, hat Disco Dancing defendet und vom Hype profitiert.

Galerie 3000

Die Galerie ist tot – es lebe die Galerie?

Industry

Galerie 3000 – Baggern

Galerie 3000 – Vier Wände