Wutpilger Streifzüge 02-2018

In der Februar-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Charlotte Mohs, Marco Bonavena und Johannes Hauer geführt. Es ging im Interview um das linke Sprechen über die Klasse und den Formenwandel der Klassengesellschaft. Anlass für das Interview war der Text „Abschied von der Klassenmetaphysik. Formwandel der Klassengesellschaft, Paralyse der Kritik“, den die drei in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Phase 2 veröffentlicht haben. Der Text kann hier nachgelesen werden.

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Mythos ‚Mitte‘

Im letzten Jahr ist im Verlag Bertz+Fischer (in dem immer wieder sehr interessante Bücher erscheinen, oft auch im kleineren Format) ein Buch mit dem Titel „Mythos ‚Mitte‘ – Oder: Die Entsorgung der Klassenfrage“ erschienen. Der Autor Ulf Kadritzke kritisiert darin einerseits eine gesellschaftliche Selbstwahrnehmung als „Mittelstandsgesellschaft“ und weist andererseits Widersprüche in gängigen soziologischen Theorien zum Mittelstand nach. Vor dem Hintergrund von Forschungen zum Angestellten-Milieu in der Weimarer Republik (u.a. von Theodor Geiger, Carl Dreyfuss, Siegfried Kracauer) skizziert er, was eine Analyse der Klassengesellschaft heute leisten müsste. Dabei beharrt Kaditzke auf dem Klassencharakter der bestehenden Gesellschaft, wobei er sich auch gegen einen „Klassenreduktionismus“ wendet: Eine kritische Gesellschaftstheorie, die nicht jenseits der Klassen denkt, hätte auch zu erklären, warum sich so viele Lohnabhängige als „Mittelstand“ begreifen. Das Buch ist m.E. als Anregung zu lesen – es ist mehr eine methodische Vorüberlegung als eine gegenwärtige Zuwendung zur Klassengesellschaft selbst. Nimmt man es als solche, enthält es auch einige Argumente gegen linke/linksradikale Theorien, die sich von der Klasse verabschiedet haben.

Die weitere Arbeit an einer Klassenanalyse, die der Marx’schen Theorie verpflichtet bleibt, wäre ein notwendiger Schritt im Versuch, die Rolle der modernen lohnabhängigen Mittelklassen zu klären. Gegenüber klassenreduktionistischen Vorstellungen ist daran zu erinnern, dass im Verhältnis von Arbeit und Kapital die gemeinsame ökonomische Klassenlage zwar den Raum der objektiven Interessen konstituiert, aber ‚nicht unmittelbar‘ das gesellschaftliche Bewusstsein oder gar das politische Handeln bestimmt. (73)

Machte sich die Phrase von der Mitte zur Tat auf, könnte sie wieder leicht bei der ‚Volksgemeinschaft‘ anlangen.“ (84)

Ich habe ein Interview mit Ulf Kadritzke geführt, wobei ich ihn zunächst gefragt habe, wie er das öffentliche Sprechen über die Mitte wahrnimmt und was der Anlass zur Veröffentlichung seines Buches gewesen ist:

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AfD und Neoliberalismus

Björn Oellers hat bei Kritiknetz einen Text veröffentlicht, in dem er die neoliberalen Elemente in den Programmen der AfD herausgearbeitet hat. Auf Basis seines Textes habe ich ein Interview mit ihm geführt:

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Das doppelte Gesicht des Sozialstaats

In der Februar/März-Ausgabe der Programmzeitschrift von Radio Corax habe ich einen kleinen Text zur Kritik des Sozialstaats formuliert. Untenstehend findet sich eine ungekürzte Version des Artikels. Im Heft (das in wenigen Tagen auch online einsehbar ist) sind außerdem weitere Texte enthalten: Zum Bafög, zu aktuellen Entwicklungen des Sozialstaats und zur Debatte um die Sozialstaatskritik.

Skizzenartige Ausführungen zur Geschichte und Kritik des Sozialstaats

Der Bezug auf den Sozialstaat ist so selbstverständlich, wie das Prinzip der Sozialstaatlichkeit umkämpft ist. Linke Aktivist*innen rufen zu seiner Verteidigung auf, Politiker*innen von Union und SPD führen zu seiner Rettung Sparmaßnahmen durch, besorgte Bürger*innen sehen ihn von Flüchtlingsströmen bedroht, während rechte Libertäre den Sozialstaat als sozialistisch-autoritären Eingriff in die Freiheit des Individuums geißeln. In einer solch widersprüchlichen Gemengelage lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um zu einem Begriff des Sozialstaats zu gelangen – hier skizzenhaft versucht in Einschränkung auf seine deutsche Version.

Die Ursprünge des Sozialstaats sind in den Folgen der Industrialisierung zu suchen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich auch in Deutschland Städte, die von den enormen Auswirkungen der industriellen Arbeitswelt geprägt waren: Wohnungsnot, Pauperismus, physisch zerschundene und moralisch verwahrloste Arbeiter*innen, Arbeitslosigkeit. Die Tendenz ging dahin, dass industrielle Kapitalist*innen derart auf Arbeitskräfte zugriffen, dass das Überleben eines großen Bevölkerungsteils – oder: einer ganzen Klasse – infrage gestellt war: Arbeiter*innen wurden regelrecht verheizt. Auf diesen Umstand reagierten zwei gesellschaftliche Kräfte: (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 01-2018

In der Januarausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich mich mit dem Verhältnis von Rosa Luxemburg zu den Bremer Linksradikalen beschäftigt. Dazu kommt ausführlich Jörg Wollenberg zu Wort, der hier einen Text zum selben Thema veröffentlicht hat. Musikalische Rahmung: Hanns Eisler, Vashty Bunyan, Gentle Giant, Le Scrawl, Nick Drake.

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Wutpilger-Streifzüge 12-2017

In der Dezember-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich zwei Manifestationen diverser Ausflüge in die Gefilde der Radiokunst zum Besten gegeben: Einerseits mein Eröffnungsbeitrag zur Gründung des „Free International Radio Prague“ Anfang Dezember in Prag, andererseits eine radiophile Rede bei einer Performance in Bitterfeld am 100. Jahrestag der Oktoberrevolution. Musik: Human Abfall.

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Wutpilger-Streifzüge 11-2017

In der November-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich einige Auszüge von Nachkriegsliteratur collagiert: „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf, „Rummelplatz“ von Werner Bräunig und „Unmögliche Beweisaufnahme“ von Hans-Erich Nossack. Siehe auch meine Besprechung von „Rummelplatz“. Musik: Max Butting, Glen or Glenda und […].

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Now they‘ve changed their tune

„Katie Cruel“ von Karen Dalton gehört meines Erachtens zu einem der schönsten Songs der Country- bzw. Folk-Geschichte um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Allein die raue Stimme von Karen Dalton erzählt etwas von dem Leben, das sie geführt hat: ein Leben voll Armut in Bars und Spelunken, enttäuschende Liebesbeziehungen, der ausbleibende musikalische Erfolg, Alkohol, Heroin und Exzess, das Leben auf der Straße – all das ist in ihre ausdrucksstarke Stimme eingegangen, als ein Instrument, das so unmittelbar mit dem eigenen Körper verbunden ist. Auch der Text von „Katie Cruel“ – ein traditioneller schottischer Folk-Song, der in seiner amerikanischen Version die Ereignisse des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs verarbeit – erzählt etwas von diesen Erfahrungen: Die Desituiertheit einer Frau, der es nicht gelingt, sich in die geltenden Regeln einzufügen, die deshalb keinen festen Ort finden kann, deren Örtlichkeit durch die Vergeblichkeit des Wünschens auf seltsame Weise raum-zeitlich verschoben ist: Oh that I was where I would be, Then I would be where I am not, Here I am where I must be, Go where I would, I can not. So ist diese Frau auf doppelte Weise getrieben: Von den anderen Menschen und von ihrem eigenen Verlangen (als zurückblickende Fliehende ist Karen Dalton auch auf dem Cover ihres Albums „In my own time“ zu sehen). Zuerst war diese Frau für ihre Schönheit bewundert worden – dann jedoch wird sie von den Leuten in Katie Cruel umbenannt. Diese Umbenennung markiert ein Ereignis – vielleicht ein Verbrechen, das sie begangen hat oder etwas, das ihr selbst angetan wurde, ihr aber als Schande angehängt wird? –, das selbst nicht aussprechbar ist. So ist Katie die Grausame in Ungnade gefallen und läuft durch den Wald und das Moor, schließlich die Straße herunter, als ob sie verfolgt würde, aber doch auch ihrer eigenen Liebe nach. Diese Gleichzeitigkeit von Flucht und Verlangen drückt sich in der Version von Karen Dalton auch auf der musikalischen Ebene aus: Ihre Stimme läuft beinahe hastend über die Banjo-Klänge, die selbst wie ein kieselig-unebener Boden klingen. Ein unglaublich schönes, trauriges Lied – Karon Dalton stand in der Rezeption zu Unrecht hinter Folk-Größen wie Bob Dylan zurück.

Wutpilger-Streifzüge 10-2017

In der Oktober-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bersarin geführt. Anlass war ein Vortrag von ihm in Weimar (siehe hier) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel & Revolution“. Es geht in dem Interview um politische Sozialisierung, um das Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik, Ästhetik und Gewalt, revolutionäre Perspektiven heute und die Ästhetik des Punk. Musik: Jonny Kurt vs. Hank the Tank.

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Wutpilger-Streifzüge 09-2017

In der September-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Jakob Hayner geführt. Anlass war ein Eröffnungsvortrag von Jakob zu einer Filmvorführung im Rahmen der Sendereihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ (siehe hier). Im Interview geht es um politische Sozialisierung, Kritik und Würdigung der Antifa-Bewegung, DDR-Literatur und um revolutionäre Perspektiven heute.

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Wutpilger-Streifzüge 08-2017

In der August-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bernd Gehrke geführt. Anlass war eine Tagung des AK Geschichte Sozialer Bewegungen Ost/West, die im Juli unter dem Titel „Ostwind – Soziale Kämpfe gegen Massenentlassungen und Betriebsschließungen in Ostdeutschland 1990 bis 1994“ in Berlin stattgefunden hat. Es handelt sich um ein vergessenes Kapitel von Klassenkämpfen in der jüngeren Geschichte. Eine Kurzform des Interviews findet sich hier.

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Anforderungen des Regierens

Folgender Text von mir ist in der gerade eben erschienen Corax-Programmzeitung für August/September 2017 erschienen. Die ganze Ausgabe kann hier per issuu angesehen oder als PDF heruntergeladen werden. Neben meinem Text sind auch lesenswerte Beiträge u.a. von Jakob Hayner und Peter Schadt enthalten. Einige der im Heft angesprochenen Punkte werden auch im tagesaktuellen Programm von Radio Corax wieder auftauchen: 95.9 FM oder webstream.

Gegen eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos

Angesichts des Erstarkens rechter Parteien in Europa und des zu erwartenden Einzugs der AfD in den deutschen Bundestag wird zur Zeit vermehrt gefordert, es müsse einen neuen linken Populismus geben. In diesen Forderungen schwingt oft zweierlei mit: Erstens wird als Ursache für den erstarkenden Rechtspopulismus ausgemacht, dass die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in der linken Politik unterrepräsentiert seien – deshalb seien große Teile der Arbeiter_innen nach rechts abgewandert. Zweitens wird als ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Rechtspopulismus vorgeschlagen, dass die linken und sozialdemokratischen Parteien kämpferischer die Sache der Arbeiter_innen in die Politik bringen sollen1 – die Arbeiter_innen würden so die linke Politik besser als ihre Sache erkennen können. Praktisch läuft diese Diagnose dann meistens darauf hinaus, dass die linke Bewegung mit der Linkspartei paktieren müsse2 – konkret findet dies seinen realpolitischen Fluchtpunkt in der Befürwortung einer rot-rot-grünen Koalition.3

Tatsächlich hat sich linke Politik in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den kulturellen Bereich verlagert – materielle Forderungen sind kaum noch offensiv vorgetragene Anliegen der Linken. Dies hat auch einen realpolitischen Effekt: Neoliberale Sozialpolitik wird exekutiert, während eine weitestgehend ›linke‹ Kulturpolitik die Begleitmusik dazu spielt. Dies mag ein Stück weit erklären, warum sich die Linke gegenüber dem Rechtspopulismus in der Defensive befindet. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dem gegenüber eine Wiederauflage des sozialdemokratischen Mythos wirklich eine geeignete Strategie darstellt. Allein die historische Erfahrung kann Anlass zur Skepsis sein. Immer wenn es kritisch wurde, hat sich die Sozialdemokratie gegen das Interesse der Arbeiter_innen gestellt: als sie die für den ersten Weltkrieg notwendigen Kriegskredite bewilligte, als sie den Spartakusaufstand niederschießen ließ, als sie gemeinsam mit den Grünen die Hartz-Reformen durchsetzte – um nur wenige Beispiele zu nennen. (mehr…)

Radiosplitter #3 – [Sub & Pop]Kultur

Im dritten Sammelbeitrag stelle ich Interviews zusammen, die sich im weitesten Sinne um Kultur drehen. Themen sind: Jüdische Subkultur, Steve Reich, GG Allin, DEFA Filme, Krautrock, Theater, Bertolt Brecht, Arthur Cravan, Punk, Mark Fisher u.a. … Untenstehend findet ihr eine Inhaltsübersicht, in der ihr direkt zu den einzelnen Beiträgen springen könnt – die Interviews sind eher thematisch als chronologisch geordnet. Zum Thema „Kultur/Gegenkultur“ siehe auch die Märzausgabe der Programmzeitung von Radio Corax aus dem letzten Jahr. (mehr…)

Für das Ende der Schüchternheit

Folgender Text ist ein Redebeitrag, den ich am 15.07. auf einer Demonstration für Freiräume gehalten habe.

Im Januar 2016 haben einige Leute in Halle etwas getan, was den üblich geltenden Regeln widerspricht. Sie haben die Tür eines leerstehenden Hauses aufgebrochen, eines Hauses, das sich im Besitz der städtischen Wohnungsgesellschaft befindet – und sie haben öffentlich Anspruch auf die selbstbestimmte Nutzung dieser Räume angemeldet. Eine Hausbesetzung in Halle. Hausbesetzungen unterscheiden sich dahingehend von anderen üblichen Aktionsformen der Linken, als dass hier eine unmittelbare Aneignung stattfindet. Der symbolisch-politische Raum wird verlassen, ein Stück weit werden die herrschenden Eigentumsregeln gebrochen und im Rahmen der angeeigneten Räumlichkeiten beginnt die bewusste Bestimmung über den eigenen Wohn- und Lebensraum. Aus dem Akt einer solchen Regelverletzung, wie es eine Hausbesetzung ist, kann etwas entstehen. Ein Stützpunkt vielleicht, im Anliegen, der totalen Verwaltung zu entgehen. Seit dem die Hafenstraße 7 im letzten Jahr besetzt wurde, ist sie für mich zu einem wichtigen Ort geworden. Die hier anzutreffende Gesellschaft ist meistens angenehm, es ist ein Ort, an dem man mit Sicherheit Leute trifft – auch wenn man am Sonntag Nachmittag verkatert ist, kann man hier Leute treffen, denen es vielleicht ähnlich geht. Die Hafenstraße 7 ist Punkrock – auch, aber nicht nur im musikalischen Sinn – der Ort strahlt eine Art von Energie aus, die sich gegen eine Domestizierung sträubt. Die Hafenstraße 7 ist gleichzeitig hippiesk – darin häufig politisch naiv, dafür aber angenehm unverkrampft im Vergleich zu anderen linken Hausprojekten, in denen allzuoft Dresscodes und Sprachregelungen über den Zugang entscheiden. Das Milieu der Hafenstraße 7 ist angenehm heterogen zusammengesetzt – sowohl was die soziale Herkunft, als auch das Alter betrifft. Kurz: Es ist ein Ort, an dem man angenehm Zeit verbringen kann. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 07-2017

In der Juli-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein Gespräch mit Karl-Heinz Dellwo, Thomas Seibert und Roger Behrens geführt habe. Im Gespräch diskutieren wir die Frage, ob und inwiefern der Aufbruch von 1968 in eine Niederlage gemündet ist. Das Gespräch ist im Zuge der Corax-Morgenmagazine während der G20-Tage in Hamburg entstanden (siehe hier). Über ein ähnliches Thema habe ich mit Karl-Heinz Dellwo bereits hier gesprochen. Musik: NoMeansNo.

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Inhaltslose Gewalt und berechtigter Protest

Die Bundesrepublik scheint sich auf ein neues Feindbild geeinigt zu haben. Von den Identitären über die CDU, SPD und Grüne, bis zur Linkspartei und der Interventionistischen Linken – alle schimpfen sie seit letztem Wochenende wutschnaubend über linksextreme Steineschmeißer. Die einen fordern jetzt Law and Order und harte Strafen, den anderen ist die Sache etwas peinlich und sie beeilen sich, in der Öffentlichkeit klar zu machen, dass Krawallmacher ganz bestimmt nichts mit der linken Sache zu tun haben. Der G20-Gipfel ist vorüber und es gibt ein Thema, das die Öffentlichkeit ganz und gar bestimmt: linke Gewalt. Insbesondere die Ereignisse im Schanzenviertel am Freitag Abend haben dafür gesorgt, dass in der Öffentlichkeit kaum noch über ein anderes Thema gesprochen wird. Dabei scheint es, als ob sich beim G20-Gipfel das Vortor zur Hölle ein Stück weit geöffnet hätte. In einer solchen Atmosphäre lohnt es sich vielleicht, etwas zurückzutreten, und sich genauer anzuschauen, wie in der Öffentlichkeit über dieses Thema gesprochen wird.

Tonangebend für eine bestimmte Sichtweise war hier sicherlich Vizekanzler Sigmar Gabriel. Der äußerte sich via Bildzeitung am Sonntag folgendermaßen:

Alle angeblichen politischen Motive für diese Orgie an Brutalität sind verlogen und sollen nur das Deckmäntelchen dafür sein, worum es den Tätern aus allen Teilen Europas ging: um Gewalt an sich. Die Täter unterscheiden sich überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich ‚linken Motiven‘ hat das alles nichts zu tun.1

Es ist ein interessanter Vorwurf, der hier gemacht wird. Das Problem ist für Gabriel weniger, dass in Hamburg Gewalt als Mittel für einen bestimmten Zweck eingesetzt wurde – er erhebt den Vorwurf, dass es sich um „Gewalt an sich“ gehandelt habe. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 06-2017

In der Juni-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Bernd Gehrke geführt. Anlass des Gesprächs war der 64. Jahrestag des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR. Es geht um die Frage, welchen Charakter dieser Aufstand hatte: Volksaufstand oder Arbeiteraufstand? Bei LabourNet gibt es eine Sammlung von Texten zum Thema.

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Wutpilger-Streifzüge 05-2017

In der Mai-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein Feature gesendet, das ich gemeinsam mit Lilli Helmbold produziert habe. Das Feature beschäftigt sich mit den Debatten, die auf der Tagung „Theater – Realität – Realismus“ geführt worden sind – das heißt, es geht um die Frage des Realismus im Bezug auf das Theater und um eine Kritik des post-dramatischen Theaters. Eine ausführliche Dokumentation der Tagung findet sich hier. Die Auf der Tagung gehaltenen Vorträge gibt es in Textform in der 6. Ausgabe von „Kunst, Spektakel & Revolution“.

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Radiosplitter #2 – Geschichte der Arbeiterbewegung

In meiner Interview-Reihe veröffentliche ich pünktlich zum 1. Mai eine Sammlung von Interviews, die sich der Geschichte der Arbeiterbewegung widmen – und stelle dem ein jüngst geführtes Interview zur Geschichte des 1. Mai voran. Weiterhin folgen in historisch-chronologischer Reihenfolge folgende Themen: Kommunismus in Iowa, Zur Pariser Commune, Louise Michel, Scheitern revolutionärer Anläufe, Erich Mühsam, Marinus van der Lubbe, Rätekommunismus, Roman Rosdolsky und Paul Mattick, Operaismus, und wilde Streiks im Jahr 1969. Beachtet im Zusammenhang dieses Themenkomplexes auch mein Feature über die Mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 und meine Radiosendung über Max Hölz, die hier dokumentiert sind. In diesem Zusammenhang weiterhin interessant: Dissidenten der Arbeiterbewegung (Dokumentation der Reihe im Audioarchiv). Und außerdem: Wer hier ein wenig stöbert, wird entdecken, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung auch mit jener des (freien) Radios verbunden ist. Untenstehend findet ihr eine Übersicht über die gesammelten Interviews, mit der ihr direkt zu den einzelnen Interviews springen könnt. (mehr…)

Wutpilger-Streifzüge 04-2017

In der April-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge dreht es sich ausführlich um den revolutionären Arbeiter Max Hoelz. Dafür habe ich ein ausführliches Interview mit Norbert Marohn geführt. Der hat 2014 im Lychatz Verlag eine Hoelz-Biografie veröffentlicht. Ergänzend sei auf mein Feature über die mitteldeutschen Märzkämpfe von 1921 hingewiesen. Die Sendung enthält Tonspur-Auszüge aus den Filmen „Wolz – Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten“ und „Max Hölz, der Revolutionär“.

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