Wutpilger Streifzüge 07-2018

In der Juli-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge widme ich mich der Punk- und Straßenpoesie. Zu hören ist die Vertonung eines Punk-Fanzines, das ich vor einigen Jahren in Weimar in die Hände bekommen habe: „… und wahrlich, die Straßen sehnen sich nach mir“.

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Wutpilger Streifzüge 06-2018

In der Juni-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich mich ein weiteres mal mit 1968 beschäftigt – dieses mal in einer Art Recycling: Zu hören ist eine Ausgabe des Magazins Midnight Notes, die ursprünglich 1998 beim Hamburger FSK gesendet wurde. Die Sendung konzentriert sich vor allem auf eine Schilderung des Pariser Mai 1968: Der Aufstand der Studenten, die Dynamik des danach folgenden Generalstreiks und das Ende der traditionellen Linken. Material sind dabei vor allem die Schilderungen des libertären Trotzkisten Maurice Brinton, der im Mai 1968 in Paris zugegen war. Der zweite Teil der Midnight-Notes-Sendung ist im Audioarchiv dokumentiert.

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Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand

Später erst habe ich begriffen, daß in einer Gesellschaft, die den Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlt (darüber gibt es nichts zu reden), daß bei uns noch andere ungeschriebene Gesetze walten, die in einer von Männern beherrschten Welt gemacht worden sind, – die werden mitgeschleppt, zäh und dumm und als ein Joch, unter das man unseren Nacken beugt, nicht anders als das verfluchte Man-tut-das-nicht meiner Eltern …

Soll das heißen: sie stellt die Prinzipien des sozialistischen Städtebaus in Frage? Die Dogmen – ja, sagte sie. Schafheutlin stemmte die Fersen gegen den Boden. Die Komplexe zum Beispiel? – Ein Haufen Angerdörfer. – Aber die ökonomisch günstigste Lösung. – Aber Mord an der Stadt. – Für sie spielt Ökonomie natürlich keine Rolle. – Und Sie denken nur in Wohnungseinheiten …

Mit diesen Zitaten sind zwei zentrale Stränge des Romans „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann hervorgekehrt: Die Emanzipation der Frau und die Frage des Städtebaus in der DDR. Was „Franziska Linkerhand“ – ebenso wie die Literaturverfilmung „Unser kurzes Leben“ von Lothar Warneke – gegenüber den meisten heutigen Literaturerzeugnissen auszeichnet, ist, dass das Alltags- und Berufsleben und die damit verbundenen Konflikte zum Sujet erhoben werden, ohne dass der Inhalt dadurch banal würde. Ich habe den Roman gemeinsam mit meiner Kollegin Christina im Morgenmagazin von Radio Corax vorgestellt:

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Wutpilger Streifzüge 05-2018

In der Mai-Ausgabe von Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview gesendet, das ich mit Kazimir und Negator geführt habe. Es geht darin um den Pariser Mai 1968 und die Rolle der Situationisten darin. Das Interview fand im Vorfeld eines Vortrags und eines Workshops im Rahmen der Reihe Kunst, Spektakel & Revolution statt. Das Interview war außerdem Teil einer Sendereihe über 1968, die hier (fortlaufend ergänzt) dokumentiert wird.

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Besuchen Sie Freiburg im Breisgau

Denn es ist eine sehr schöne Stadt. Hier gibt es Schwarzwaldberge, eine schöne Altstadt mit Münster, Ochsenbrust in Meerrettichsoße und: die Säule der Toleranz. Die Säule und die Probleme auf dem Augustinerplatz waren erst kürzlich wieder eine Schlagzeile wert. Hören Sie, was es damit auf sich hat:

Besuchen Sie Halle an der Saale

Denn es ist eine sehr schöne Stadt. Hier gibt es Leberbrötchen, Halorenschnecken, einen 24-Stunden-Edeka, eine Rotlicht-Ralley, einen großen Boulevard und: das Denkmal des wilden Mannes. All das kann untenstehend angehört oder hier nachgelesen werden.

Guten Appetit!

An dem ein oder anderen Punkt haben sie Recht

Ein gewisser Quextrott Feeper hat ein Flugblatt der Halle’schen AG No Tears for Krauts kommentiert, das Halle’sche Debattenmagazin „Transit“ hat den Kommentar veröffentlicht. Ein immer noch sehr lesenswerter Text zu einigen Ausfällen der AG ist hier veröffentlicht. Ansonsten sollte man sich eher den Gegenständen der Debatte selbst zuwenden, als sich an der AG abzuarbeiten – diese Herren haben sowieso kein Interesse an einer Diskussion.

Anmerkungen zu einem Flugblatt der AG No Tears for Krauts

Ein Flugblatt der AG No Tears for Krauts pöbelt gegen eine Antifa-Demo, die es sich vorgenommen hat, die Kampagne gegen das Hausprojekt der Identitären in Halle mit einer dezidiert feministischen Willensbekundung zu verbinden. Der Schwerpunkt eines solchen Flugblatts lässt sich denken: Da die Demonstranten nicht die Kritik des Islamismus ins Zentrum rücken, ist ihr gesamtes Anliegen verkehrt, gar „Appeasement gegenüber dem Islam“. Der Vorwurf der AG an die Antifa-Demo geht dabei einen kleinen psychologischen Umweg: Der Aufwand, den die Organisatoren der Kampagne und der Demonstration betreiben, resultiert für die AG nicht aus bestimmter Weltsicht, Argumenten, politischer Motivation – die unzureichend, verkehrt, kritisierenswert sein können – sondern es handelt sich um eine Vermeidungsstrategie. All das Organisieren, Argumentieren, Demonstrieren der geschmähten Antifas geschieht nur aus einem einzigen Grund, der sich hinter ihren offiziellen Verlautbarungen verbirgt: Um nicht über den Islam sprechen zu müssen. (mehr…)

Raban Radio Online

Eine von mir sehr geschätzte Radio-Genossin hat einen Blog erstellt, auf dem sie Interviews, Beiträge und Features online stellt. Den möchte ich nicht einfach nur in meine Linkliste aufnehmen, sondern explizit darauf hinweisen: Es lohnt sich, ein wenig darauf rumzustöbern. Schwerpunktthemen sind bisher Flucht und Exil im zweiten Weltkrieg, Literatur der Zwischenkriegszeit und Tod & Freitod. Auf weitere Themen darf man gespannt warten.

1968 – eine nationale Erfolgsgeschichte?

Auf dem Debatten-Magazin Transit habe ich einen Text über einige Aspekte der Revolten um das Jahr 1968 herum veröffentlicht. Es ist die extended version eines Textes, den ich für die April/Mai-Programmzeitung von Radio Corax geschrieben habe. Transit wird die übrigen darin enthaltenen Texte im Laufe der nächsten Wochen Stück für Stück veröffentlichen (u.a. Peter Birke über das „proletarische“ 1968 und Bernd Gehrke über 1968 in der DDR). Ergänzend sei auf das Büchlein „Mai 68 – Die Subversion der Beleidigten“ von Maurice Brinton hingewiesen – ein sehr lesenswerter Bericht über die Mai-Ereignisse von 1968 in Paris. Überhaupt lohnt sich ein Blick in das Programm von bahoe books. Hinweisen möchte ich außerdem auf den Vortrag „Der Beginn einer Epoche? Eine kurze Geschichte von Detournement und Récupération des Mai ’68“ am 24.05.2018 in Weimar und auf den darauf folgenden Wochenendworkshop über 1968.

Über einige Aspekte der Revolten um das Jahr 1968 herum

Wenn im Jahr 2018 öffentlich über das 50-jährige Jubiläum von 1968 nachgedacht wird, dann wird nur ein Teil der Öffentlichkeit eine nachträgliche Dämonisierung vornehmen. Konservativen und Rechts-Nationalen ist 1968 ein Lehrbeispiel dafür, dass einem utopischen Aufbruch ein dämonisches Gewaltpotential innewohnt – sie ziehen eine direkte Verbindung von den vorlauten Schwärmereien eines Rudi Dutschke zu den Kugeln aus den Gewehren der RAF. Und sie warnen vor dem viel zu großen Einfluss, den die 1968er noch heute auf unsere Öffentlichkeit haben. Ein anderer Teil der Öffentlichkeit – und vielleicht ist es der größere – wird 1968 als Erfolgsgeschichte erzählen. Hier gilt 1968 als ein Aufbruch, der unsere ganze Öffentlichkeit, Kultur und Politik gründlich modernisiert und zivilisiert hat, der uns heute in Freiheit und Pluralität leben lässt, ein Aufbruch, der so sehr zur deutschen Geschichte dazu gehört, dass man gründlich stolz darauf sein kann. Tatsächlich haben viele wichtige Persönlichkeiten der gegenwärtigen Politik und Kultur mit 1968 ihre Karriere begonnen – und so ist 1968 ein Teil ihrer persönlichen Erfolgsgeschichte. (mehr…)

Wutpilger Streifzüge 04-2018

In der April-Ausgabe von Wutpilger-Streifzüge habe ich ein paar Dichtungen aus dem Freundeskreis einsprechen lassen und in eine hörbare Collage eingefügt. Es geht um Subkultur, Rausch und die Frage nach dem anderen Leben.

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Einige der in der Sendung erwähnten Fotos von Patrick Liebach können hier und hier betrachtet werden. In der Sendung verwendete Musik: Tony Conrad | Yoshi Wada | Charlie Megira | Jonny Kurt vs. Hank the Tank | Mommy Boys | Die Kassierer | NoMeansNo | Robert Schumann.

Von ‚Crisis‘ zu ‚Death in June‘

Über die Grauzone im Neofolk

Fans des ’70er-Jahre-Anarchopunk mögen sich über diese Nachricht freuen: Die britische Band „Crisis“ hat sich wiedervereinigt und wird in diesem Jahr unter anderem auf dem „Wave-Gothik-Treffen“ (WGT) in Leipzig spielen. Allerdings hat diese Nachricht einen faden Beigeschmack – sie ist im Zusammenhang mit einer Diskussion über die Grauzone in der „Schwarzen Szene“ zu sehen. Eine Diskussion, der sich diese Szene nie wirklich gestellt hat. Aus „Crisis“ ist Anfang der ’80er Jahre die Band „Death in June“ hervorgegangen, die das Genre des Neofolk maßgeblich geprägt hat und die sich immer wieder positiv auf die SA und den Strasser-Flügel der NSDAP bezogen hat. Um dieser Gemengelage auf den Grund zu gehen, haben ich ein Interview mit Peter Schulz geführt, der sich immer wieder kritisch mit dem Genre des Neofolk auseinandergesetzt hat. Ich habe ihn zunächst nach einer Definition des Neofolk gefragt.

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Ergänzend sei auf den sehr lesenswerten Text „Ästhetik des Eigensinns – Goth zwischen bürgerlichem Befreiungsideal und Duldung der Barbarei“ aus dem Cee Ieh hingewiesen, an dem Peter Schulz mitgeschrieben hat. In der 7. Ausgabe von „Kunst, Spektakel und Revolution“ werden Magdalena Gerwien und Peter Schulz einen Text über „Schwärze und Dunkelheit im Neofolk“ veröffentlichen. Die Ausgabe ist derzeit in Arbeit und wird in den nächsten Monaten erscheinen. In KSR N°3 schrieben sie bereits über „Risse im Traum – Neue Barbaren in Brechts Nordseekrabben“.

Art is a weapon – Ein Film über Angel Wagenstein

Andrea Simon hat einen Film über den bulgarischen Drehbuchautoren Angel Wagenstein gemacht, der u.a. mit dem DEFA-Regisseur Konrad Wolf zusammengearbeitet hat. Ich habe mit ihr über Wagenstein und die Geschichte Bulgariens gesprochen und daraus einen Radio-Beitrag gebaut. Alle Infos zum Film und einen Trailer gibt es hier. Den Film „Sterne“ von Konrad Wolf, der im Beitrag eine zentrale Rolle spielt, für den Wagenstein das Drehbuch geschrieben hat, kann man hier ansehen. Eine Sendestrecke zur DEFA, in der auch ein Interview mit Jakob Hayner über Konrad Wolf enthalten ist, findet sich hier – ein Interview mit Andreas Kötzing vom Hannah-Ahrend-Institut Dresden über zensierte DEFA-Filme nach dem 11. Plenum des ZK der SED findet sich hier.

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Beat und Gammler, Konsum und Verweigerung

Anlässlich seines morgigen Vortrags in Weimar habe ich ein Interview mit Wolfgang Seidel geführt. Er argumentiert darin, dass in der Studentenbewegung von 1968 bereits eine gewisse Verachtung gegenüber Arbeiter*innen anwesend war – weshalb der Weg von 1968 zu Hartz IV (verkörpert in Gerhard Schröder) als nicht zu abwegig erscheint. Statt einer Fokussierung auf das eine Jahr 1968 schlägt Seidel eine Betrachtung der long sixties vor. Innerhalb dieses Zeitraumes werden erhebliche Konflikte um Jugend, Ausbildung, Arbeit, Lebensstandard und Geschlechterverhältnisse ausgetragen. Das von Seidel erwähnte Gespräch zwischen Enzensberger, Dutschke und Rabehl im Kursbuch findet sich hier. Zum Thema 1968 sei außerdem die aktuelle Programmzeitung von Radio Corax empfohlen, deren Inhalte ihren Weg auf diesen Blog noch finden werden. Empfehlenswert ist auch die Lektüre des Buches Wir müssen hier raus! Krautrock, Freebeat, Reeducation (zu dem ich Wolfgang Seidel bereits hier interviewt habe).

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Wutpilger Streifzüge 03-2018

In der Märzausgabe der Wutpilger-Sendung bin ich einmal darauf zurückgegangen, was eigentlich das Wutpilgern bedeutet. Dazu hört ihr Auszüge aus meiner ersten Sendung kombiniert mit aktuellen Überlegungen. Zu Wort kommen außerdem Gerd Roscher und Jan Bönkost, die ich kürzlich zur Geschichte des Arbeiter- und der Piratenradios interviewt habe. Flankiert wird das Ganze außerdem von Überlegungen zu den Grenzen des freien Radios, die Anna Lensen, Patrick Korchmar und Jerome Joswig einmal in eine radiophile Form gebracht haben. Also – es geht um die Wut, die Geschichte und das Radio-Machen.

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Den Himmel stürmen

Passend zur letzten Wutpilger-Sendung, in der immer wieder auch von „Klassenzusammensetzung“ die Rede gewesen ist, spiegele ich hier eine Rezension, die ich vor ein paar Jahren zur Bewerbung eines Vortrags über den Operaismus geschrieben habe. Besprochen wird darin das Buch „Den Himmel stürmen. Eine Theoriegeschichte des Operaismus“.

Aspekte eines Kampf-Zyklus und einer großen Niederlage

Üblicherweise gilt Frankreich als Zentrum der 68′er-Revolte – hatten sich doch hier die Kämpfe in den Fabriken mit der Studentenbewegung zur „Bewegung der Besetzungen“ verbunden, die schließlich sogar in einem Generalstreik landesweit die Produktion lahmlegte. Demgegenüber werden die Kämpfe, die nach 1968 in Italien stattfanden, oft vergessen – und das obwohl hier das Bündnis zwischen linksradikaler Studentenbewegung und nicht-normierten Klassenkämpfen in den Fabriken viel weiter ging und sich die Kämpfe beinahe über ein Jahrzehnt erstreckten, die schließlich in einen blutigen Bürgerkrieg mündeten. In den 60′er und 70′er Jahren entstand in Italien eine Bewegung, die ihre Höhepunkte 1969 und 1974 hatte. Auf der einen Seite wurden vor allem im Norden Italiens extrem militante Kämpfe in den Fabriken geführt, die sich jenseits der üblichen Organisationsformen von Partei und Gewerkschaft Bahn brachen und in deren Rahmen teilweise Forderungen gestellt wurden, die einen Ruin der Kapital-Seite bewusst in Kauf nahmen. Teilweise wurden überhaupt keine Forderungen gestellt, sondern einzig die Zerstörung der Lohnarbeit anvisiert: „Wir wollen Alles.“ Auf der anderen Seite entwickelte sich eine eher subkulturell geprägte Strömung, die die Lebensbedingungen außerhalb der Fabrik ins Visier nahm – eine vielseitige Bewegung, die in den Schulen, an den Universitäten, in der Psychatrie und im Gefängnis, in den Stadtteilen und in Form von Hausbesetzungen kämpfte. Dieser radikale Kampf-Zyklus endete schließlich in einer fatalen Niederlage – die Konfrontation mit dem Staat hatte sich zugespitzt und ein Teil der Bewegung hatte geglaubt, den Kampf durch die Bildung spezialisierter bewaffneter Gruppen militärisch entscheiden zu können. Noch in diesem Stadium zeigt sich der Unterschied zu anderen europäischen Ländern: während sich bspw. die RAF größtenteils aus einem studentisch-kleinbürgerlichen Milieu rekrutiert hat, waren die Mitglieder der „Brigate Rosse“ (Rote Brigaten) vorwiegend selbst Fabrikarbeiter. Der italienische Staat sollte schließlich zu einem Schlag aushholen, der sich nicht nur gegen die bewaffneten Gruppen sondern gegen die Kämpfe insgesamt richten sollte und der Konflikt militarisierte sich immer mehr. Am Ende konnte sich der Staat in diesem Konflikt mit Hilfe von Sondergesetzgebungen und faschistischen Gruppen durchsetzen, zahlreiche Genoss_innen verloren das Leben, Tausende landeten in den Knästen. (mehr…)

Ich möcht‘ einmal am Sender steh‘n

Am 27.03.2018 wird im Medienpädagogik Zentrum Hamburg der Film „Ich möcht‘ einmal am Sender steh’n ! – Die Arbeiter-Radio-Bewegung in den zwanziger Jahren“ von Gerd Roscher und Jutta Herrcher gezeigt. Neben den beiden Filmemacher/innen sind danach zu einem Podiumsgespräch Aktivist/innen vom FSK und von Radio Corax und Jan Bönkost vom Archiv der sozialen Bewegungen Bremen geladen. Aus Anlass dieser Veranstaltung habe ich mit Gerd Roscher und Jan Bönkost ein Interview geführt. Es geht darin um die Geschichte der Bewegung für ein Arbeiterradio, die Geschichte der Piratenradios und um die heutige Rolle von freien Radios. Es sind doch ein paar gute Gedanken dabei. Weitere Interviews zur Geschichte der Arbeiterbewegung gibts hier.

Ein längeres Gespräch mit Gerd Roscher gibt es hier. Viele weitere Gespräche zur Geschichte (freier) Radios finden sich im Audioarchiv der „Radio-Revolten“. Passend zum Thema erscheint übrigens bald ein Buch über die Radio-Revolten, für das ich auch einen Beitrag zum Verhältnis von Kunst, Avantgarde und gesellschaftskritischem Radio geschrieben habe. Damit der Druck dieses Buches finanziert werden kann fährt Corax zur Zeit eine Startnext-Kampagne, die ihr hier unterstützen könnt. Weitere Interviews zur Geschichte der Arbeiterbewegung gibts hier.

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Wutpilger Streifzüge 02-2018

In der Februar-Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge habe ich ein ausführliches Interview mit Charlotte Mohs, Marco Bonavena und Johannes Hauer geführt. Es ging im Interview um das linke Sprechen über die Klasse und den Formenwandel der Klassengesellschaft. Anlass für das Interview war der Text „Abschied von der Klassenmetaphysik. Formwandel der Klassengesellschaft, Paralyse der Kritik“, den die drei in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Phase 2 veröffentlicht haben. Der Text kann hier nachgelesen werden.

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Mythos ‚Mitte‘

Im letzten Jahr ist im Verlag Bertz+Fischer (in dem immer wieder sehr interessante Bücher erscheinen, oft auch im kleineren Format) ein Buch mit dem Titel „Mythos ‚Mitte‘ – Oder: Die Entsorgung der Klassenfrage“ erschienen. Der Autor Ulf Kadritzke kritisiert darin einerseits eine gesellschaftliche Selbstwahrnehmung als „Mittelstandsgesellschaft“ und weist andererseits Widersprüche in gängigen soziologischen Theorien zum Mittelstand nach. Vor dem Hintergrund von Forschungen zum Angestellten-Milieu in der Weimarer Republik (u.a. von Theodor Geiger, Carl Dreyfuss, Siegfried Kracauer) skizziert er, was eine Analyse der Klassengesellschaft heute leisten müsste. Dabei beharrt Kaditzke auf dem Klassencharakter der bestehenden Gesellschaft, wobei er sich auch gegen einen „Klassenreduktionismus“ wendet: Eine kritische Gesellschaftstheorie, die nicht jenseits der Klassen denkt, hätte auch zu erklären, warum sich so viele Lohnabhängige als „Mittelstand“ begreifen. Das Buch ist m.E. als Anregung zu lesen – es ist mehr eine methodische Vorüberlegung als eine gegenwärtige Zuwendung zur Klassengesellschaft selbst. Nimmt man es als solche, enthält es auch einige Argumente gegen linke/linksradikale Theorien, die sich von der Klasse verabschiedet haben.

Die weitere Arbeit an einer Klassenanalyse, die der Marx’schen Theorie verpflichtet bleibt, wäre ein notwendiger Schritt im Versuch, die Rolle der modernen lohnabhängigen Mittelklassen zu klären. Gegenüber klassenreduktionistischen Vorstellungen ist daran zu erinnern, dass im Verhältnis von Arbeit und Kapital die gemeinsame ökonomische Klassenlage zwar den Raum der objektiven Interessen konstituiert, aber ‚nicht unmittelbar‘ das gesellschaftliche Bewusstsein oder gar das politische Handeln bestimmt. (73)

Machte sich die Phrase von der Mitte zur Tat auf, könnte sie wieder leicht bei der ‚Volksgemeinschaft‘ anlangen.“ (84)

Ich habe ein Interview mit Ulf Kadritzke geführt, wobei ich ihn zunächst gefragt habe, wie er das öffentliche Sprechen über die Mitte wahrnimmt und was der Anlass zur Veröffentlichung seines Buches gewesen ist:

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AfD und Neoliberalismus

Björn Oellers hat bei Kritiknetz einen Text veröffentlicht, in dem er die neoliberalen Elemente in den Programmen der AfD herausgearbeitet hat. Auf Basis seines Textes habe ich ein Interview mit ihm geführt:

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Das doppelte Gesicht des Sozialstaats

In der Februar/März-Ausgabe der Programmzeitschrift von Radio Corax habe ich einen kleinen Text zur Kritik des Sozialstaats formuliert. Untenstehend findet sich eine ungekürzte Version des Artikels. Im Heft (das in wenigen Tagen auch online einsehbar ist) sind außerdem weitere Texte enthalten: Zum Bafög, zu aktuellen Entwicklungen des Sozialstaats und zur Debatte um die Sozialstaatskritik.

Skizzenartige Ausführungen zur Geschichte und Kritik des Sozialstaats

Der Bezug auf den Sozialstaat ist so selbstverständlich, wie das Prinzip der Sozialstaatlichkeit umkämpft ist. Linke Aktivist*innen rufen zu seiner Verteidigung auf, Politiker*innen von Union und SPD führen zu seiner Rettung Sparmaßnahmen durch, besorgte Bürger*innen sehen ihn von Flüchtlingsströmen bedroht, während rechte Libertäre den Sozialstaat als sozialistisch-autoritären Eingriff in die Freiheit des Individuums geißeln. In einer solch widersprüchlichen Gemengelage lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte zu werfen, um zu einem Begriff des Sozialstaats zu gelangen – hier skizzenhaft versucht in Einschränkung auf seine deutsche Version.

Die Ursprünge des Sozialstaats sind in den Folgen der Industrialisierung zu suchen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich auch in Deutschland Städte, die von den enormen Auswirkungen der industriellen Arbeitswelt geprägt waren: Wohnungsnot, Pauperismus, physisch zerschundene und moralisch verwahrloste Arbeiter*innen, Arbeitslosigkeit. Die Tendenz ging dahin, dass industrielle Kapitalist*innen derart auf Arbeitskräfte zugriffen, dass das Überleben eines großen Bevölkerungsteils – oder: einer ganzen Klasse – infrage gestellt war: Arbeiter*innen wurden regelrecht verheizt. Auf diesen Umstand reagierten zwei gesellschaftliche Kräfte: (mehr…)