Manchmal grunge…


t.v. snow


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Weiß jemand welche Band das ist?

Ich hab geträumt #18

Ich träumte, ich würde im Zimmer meiner Mutter eine sonderbare Bass-Klarinette finden. Wenn man sie in der Hand hielt reichte sie bis zum Boden, sie hatte zahlreiche Löcher und Knöpfe und das Mundstück sah aus wie der Ausgieß-Schnabel einer Schnapsflasche. Ich setzte an und sofort kamen wunder- und sonderbare Töne heraus – für mich spielte sich das Instrument wie von selbst, ich schien es tadellos zu beherrschen. Sofort gab ich an Ort und Stelle mit zwei Freunden, die ebenfalls im Besitz recht ausgefallener Instrumente waren, ein Konzert. Es klang ungefähr so:

Als der Auftritt beendet war ging ich zu meiner Mutter, fragte sie ob sie mir das Instrument überlassen würde und versprach im gleichen Zug Klarinetten-Unterricht zu nehmen. Meine Mutter war der Idee recht zugeneigt, meinte aber, dass das Instrument einer gründlichen Reinigung bedürfe. Und tatsächlich – ich blies probehalber noch einmal hinein – ließ sich das Instrument auf einmal ganz schwer spielen, als wäre es verstopft. Ich drehte die Klarinette um und entdeckte, dass ein Haar aus dem Trichter wuchs…

Du hast geträumt… #3

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal fielen mir die Augen, wenn kaum die Kerze ausgelöscht war, so schnell zu, dass ich keine Zeit mehr hatte zu denken: ‚Jetzt schlafe ich ein.‘ Und eine halbe Stunde später wachte ich über den Gedanken auf, dass es nun Zeit sei, den Schlaf zu suchen; ich wollte das Buch fortlegen, das ich noch in den Händen zu haben glaubte, und mein Licht ausblasen; im Schlafe hatte ich unaufhörlich über das Gelesene weiter nachgedacht, aber meine Überlegungen waren seltsame Wege gegangen; es kam mir so vor, als sei ich selbst, wovon das Buch handelte: eine Kirche, ein Quartett, die Rivalität zwischen Franz dem Ersten und Karl dem Fünften. Diese Vorstellung hielt zuweilen noch ein paar Sekunden nach meinem Erwachen an; meine Vernunft nahm kaum Anstoß an ihr, aber lag wie Schuppen auf meinen Augen und hinderte mich daran, Klarheit darüber zu gewinnen, dass das Licht nicht brannte. Dann wurde sie immer weniger greifbar, wie nach der Seelenwanderung die Gedanken einer früheren Existenz; der Gegenstand meiner Lektüre löste sich von mir ab, ich konnte mich damit beschäftigen oder nicht; gleichzeitig kehrte mein Sehvermögen zurück, und ich war erstaunt, rings um mich her eine Finsternis wahrzunehmen, die für meine Augen sanft und ausruhend war, mehr aber vielleicht sogar noch für meinen Geist, dem sie grundlos, unbegreiflich, wahrhaft ‚dunkel‘ erschien…

Danke, an Marcel Proust.

Ps: Ebenso wie Du träumtest, der Konflikt zwischen Franz dem Ersten und Karl dem Fünften zu sein, war es mir nach der entsprechenden Bettlektüre gestern, als sei ich der Streit zwischen Bert Brecht und Georg Lukács gewesen, in dem auch du zuweilen vorkommst…

Marcel Proust: „In Swanns Welt“, Suhrkampverlag, Frankfurt a.M. 1953

Werner Mittenzwei: „Dialog und Kontroverse mit Georg Lukács“, Reclam, Leipzig 1975

Du hast geträumt… #2

Eine Hochzeit. Ich nähe das Hochzeitskleid. Es besteht aus weißem Rüschenstoff, unter Hüfte glockenförmig geschnitten, oberhalb eng anliegend, nur die Schultern aufgeplustert. Der Unterrock bestickt mit schwarzen Blumen. Dieses soll auch ich zu meiner Hochzeit tragen.
Die Festlichkeit wird unterbrochen. Etwas unsichtbares verfolgt uns (wie ein Gefühl). Wir flüchten in eine weiß-orange gefließte Kanalisation. Ich entdecke das Verschlussrad für für die Wasserzufuhr, drehe es auf und denke im gleichen Moment: mit solch einer Banalität lassen sich so viele Menschen töten. Ich drehe es wieder zu.
Ich liege mit einer Freundin in meinem Garten auf einer Holzbank. Es ist dunkel, nur der Himmel nicht. Wir beobachten die vorbeiziehenden Wolken. Ein grauer Fuchs kommt. Wir schlagen in einem Buch für Fuchsarten nach, welcher er angehört. Es stellt sich raus, es ist ein Hund. Er legt sich auf uns und schläft ein. Sein Atem klingt wie das Erdrosseln kleiner Kinder. Der Vater des Hundes kommt und befiehlt uns, sein Kind zu wecken. Sie laufen weg. Wir schauen in den Himmel. Eine Wolke explodiert und die watte-ähnlichen Fetzen fallen auf uns. Aus dem Himmel wachsen grüne Bäume.

Danke, an a.w.

Vom Schmerz des Übergangs

Warum man an den Unis Luhmann lernen muss:

Weimar im Dezember

Am Sonntag dem 6. Dezember wurden in der Stadtwache am Platz der Demokratie in Weimar Scheiben eingeschlagen und Silvesterknaller hinein-geworfen. In den frühen Morgenstunden des 7. Dezembers wurden dann in der Cranachstraße Brandanschläge auf 6 Autos verübt, wodurch mehrere Autos ausbrannten. In den Ermittlungen die eine Sonderkomission der Polizei mit Unterstützung auswärtiger Kräfte daraufhin aufnahm werden Methoden angewandt, die den rechtsstaatlichen Maßgaben nicht entsprechen und die klar zu verurteilen sind. Die Art und Weise der Ermittlungen erweckt den Eindruck, dass die Polizei nicht ausschließlich aufgrund von Tatverdacht ermittelt, sondern die Gunst der Stunde nutzt, um die linke und alternative Szene in Weimar zu durchleuchten und einzuschüchtern. (…)

Weiter lesen bei Weimar im Dezember (beachtet auch den Pressespiegel).

Achse Weimar-Hamburg-Berlin-Athen

Solche und ähnliche Bilder haben am vergangenen Wochenende die Kulturstadt Weimar erschüttert. „Rotlackierte Faschisten“ (Kurt Schumacher (SPD), Ehrhart Körting (SPD), siehe FOCUS) verwandelten den Weimarer Frieden in Athener Zustände. Schon nach der Räumung des besetzten Hauses Erfurt hatten in Weimar mehrere Containerbrände für Zustände gesorgt, die so schlimm seit dem Ende des zweite Weltkriegs nicht mehr gewesen waren (siehe TA). Auf dem Blog der Thüringer Allgemeine vermutet ein Leser, dass es sich um Aktionen der Antifa im Rahmen des Bildungsstreiks gehandelt haben könnte. Der Zusammenhang liegt nahe: Am vergangenen Freitag haben Weimarer StudentInnen auf dem Theaterplatz die „Bildungsrepublik“ ausgerufen. Schon als es am selben Ort zum Ausruf der „Weimarer Republik“ gekommen war, folgte dem eine Epoche der politisch motivierten Gewalt.

Infos zu den erschütternden Ereignissen:

WE – Brandanschlag und Hausdurchsuchungen (Indymedia) | Repressalien dauern an (Indymedia) | Anschlag und brennende Autos (Kurzmeldung TA) | Anschlag und brennende Autos (Text und Video, TA) | Verdächtige wieder frei (TLZ) | Berliner Senator: Linke Gewalt ähnelt Faschismus (Focus Online) | Fotostrecke (TLZ)

and most important:

Einschätzung und Tips der Roten Hilfe Jena

Edit: Interessanterweise hat die Thüringer Allgemeine in der Online-Version des Artikels den Vergleich auf den zweiten Weltkrieg entfernt. Die ursprüngliche Version mit dem Satz „Das hat es in der Stadtgeschichte nur am Ende des Zweiten Weltkrieges gegeben. “ befindet sich in diesem Indymedia-Artikel.

Indeterminate Revolution

Hier hin zieht’s mich am Wochenende:

Zwei kleine Gedanken

1. Über den Grusel des absoluten Konsens

Würden alle Menschen auf der ganzen Welt sich absolut einig sein, würde also ein einziger Konsens herrschen, dann würde, so stelle ich es mir vor, ein einziger, unbeschreiblich heftiger und betäubender Ruck durch die ganze Welt gehen. Es würde wie in einem Traum sein, den ich oft bekomme, wenn ich Fieber habe: Mein Körper ist mit einem mal so groß, wie das größte was meine Vorstellungskraft erlaubt. Als Kind war dies die Sonne – hatte ich eben noch um einen klitzekleinen Kieselstein gewettet. Diese Größe ist so betäubend, dass ich jedesmal panisch und schweißgebadet aufwachte. Diese Größe walzt alles nieder, was einmal klein und filigran war. Wir sollten wissen, dass Konsens niemals zum Zwang werden darf.

2. Über Regenwetter

Wenn es draußen regnet, so wie heute, sammelt sich manchmal Wasser in den Zwischenräumen lockerer Gehwegplatten (meistens sind es Baumwurzeln, welche den Weg verformen und die einzelnen Platten voneinander lösen). Tritt man dann auf eine solche Platte wird das Wasser herausgedrückt und spritzt willkürlich in den Schuh. Ein Aergernis.

Gedanken zum Bildungsstreik

In Jena ist der Bildungsstreik nun an dem Punkt angekommen, an dem die Forderungen konkret werden sollen, was eigentlich bedeutet, dass der Protest sich in den Institutionen verliert und man sich von der Spontaneität und den Potentialen des Anfangs verabschiedet. Beginnt das Problem nicht schon an dem Punkt, wo man sich rechtfertigen und unbedingt integrierbare Gründe dafür vorweisen muss, dass man einen Hörsaal besetzt? Ich hingegen finde es schon ohne weiteres legitim einfach nur einen Raum zu haben, in dem man chillen kann, sich auch mal am Tag hinlegen kann ohne dass man sich schämen muss, einen Raum um gemütlich zu plaudern, nette Leute zu treffen und Musik zu hören. Dafür lohnt es sich auch weiterhin zu besetzen: Pflegt den Genuss und das Langschläfertum, die Schönheit und den Müßiggang! Universitäten zu Stätten der praktischen Genussforschung!



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